Operationsnarben: Entstehung und Pflege

Nahaufnahme einer schön verheilten Operationsnarbe
Wie schön eine Narbe verheilt, ist auch von der Pflege derselbigen abhängig.
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Die Narbe ist das Resultat einer erfolgreichen Wundheilung. Ihr äußeres Erscheinungsbild wird durch mehrere Faktoren bestimmt. Wie kann man das Ergebnis bestmöglich beeinflussen?

Medizinische Expertise

Johannes Matiasek

Priv.-Doz. Dr. Johannes Matiasek

Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
Kärntner Ring 14/13, 1010 Wien
www.drmatiasek.at
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Es gibt unterschiedlichste Parameter, die Einfluss auf das Resultat der Wundheilung nach einem chirurgischen Eingriff – also die Narbe – haben. Einige dieser Faktoren sind genetisch bedingt und daher nicht steuerbar, aber sowohl der Chirurg als auch der Patient selbst können den Verlauf mittels einfachen Maßnahmen in eine positive Richtung unterstützen. Vor allem in der Plastischen Chirurgie liegt ein besonderes Augenmerk auf einem ästhetisch einwandfreien Ergebnis: Narben sollten im Idealfall möglichst unscheinbar sein.

Narben entstehen immer im Zuge der Regeneration der Haut nach einer Verletzung und die Narbenbildung ist der letzte Schritt einer erfolgreichen Wundheilung. Das Resultat stellt jedoch keinen vollständigen Hautersatz dar, sondern ein dünnes, wenig elastisches und gefäßarmes Ersatzgewebe, dem wesentliche Bestandteile der obersten Hautschicht (z. B. Talg- bzw. Schweißdrüsen, Pigmentzellen) fehlen. Prinzipiell resultiert jeder Hautschnitt in einer mehr oder weniger sichtbaren Narbe.

Es gibt eine große Bandbreite chirurgischer Eingriffe: manche sind lebensnotwendig, andere werden vorwiegend aus ästhetischen Gründen durchgeführt. Generell ist eine zu große, breite oder wulstige Narbe in keinem Fall wünschenswert, da damit neben der erhöhten Sichtbarkeit auch Schmerzen verbunden sein können. Eine sich schnell verwachsene und unauffällige Narbe ist deshalb verständlicherweise für jeden Patienten ein besonderes Anliegen.

Video: Narben: So wird das Ergebnis nach Operationen verbessert

Priv.Doz. Dr. Johannes Matiasek (Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie in Wien und Schladming) spricht im Interview darüber, welche Möglichkeiten es gibt, die Bildung von Narben zu beeinflussen: während und nach der Operation. Er erklärt, welche Arten von Narben es gibt, wie man Alltagswunden optimal versorgt und ob die Narbenbehandlung von der Krankenkasse übernommen wird.

In vielen chirurgischen Disziplinen wurden in den letzten Jahren – und teilweise sogar Jahrzehnten – die Operationstechniken wesentlich verbessert. Es wird, wenn möglich, endoskopisch, laparoskopisch oder arthroskopisch operiert. Dadurch werden weniger Gewebsstrukturen geschädigt beziehungsweise kann durch minimale Schnitte auch die Narbe so klein wie möglich gehalten werden. Der Chirurg wird darauf achten, solche Techniken nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Wie bei jedem Beruf spielt auch die Erfahrung des Operateurs eine wesentliche Rolle. Sowohl die Schnittführung als auch die Nahttechnik sind hier entscheidend. Geklammerte Wunden führen aus kosmetischer Sicht tendenziell zu einem schlechteren Ergebnis, da die Einstiche der Klammern langfristig sichtbar bleiben.

Nicht außer Acht zu lassen sind Wundinfektionen und daraus resultierende Wundheilungsstörungen, die zu unschönen Narben führen können. Postoperative Wundinfektionen sind nie auszuschließen und treten je nach Art des Eingriffes zu unterschiedlichen Prozentsätzen auf. Diese werden meistens nicht vom Operationsteam verursacht, sondern die Erreger stammen sehr oft von der Hautflora des Patienten selbst. Aus diesem Grund wird zunehmend die sogenannte präoperative Patientendekontamination empfohlen. Das ist eine Maßnahme, die über 3 bis 5 Tage vor dem geplanten Eingriff bereits zu Hause begonnen wird, um mittels antiseptischer Produkte für den Zeitpunkt der Operation die körpereigene Hautflora möglichst zu reduzieren. In internationalen wissenschaftlichen Studien wurde gezeigt, dass durch eine solche relativ einfach durchzuführende Maßnahme Wundinfektionen um durchschnittlich ca. 50% reduziert werden können.

Im Operationssaal wird die Haut selbstverständlich vor Setzung des chirurgischen Schnittes desinfiziert. Einige Keime der Hautflora können jedoch immer zurück bleiben und sich bereits innerhalb weniger Stunden vermehren. Auf intakter Haut sind diese Bakterien zwar gut und wichtig, aber im Wundgebiet können sie zu folgeschweren Infektionen führen.

Zusätzlich kann unterstützend unmittelbar nach der Operation ein antimikrobielles Wundgel aufgetragen werden, das das Wachstum von diversen Mikroorganismen hemmt und durch einen anti-entzündlichen Effekt die Narbenbildung zusätzlich begünstigt. Das ist umso wichtiger, wenn Implantate eingesetzt werden, z. B. künstliche Gelenke oder Schrittmacher in der Orthopädie oder Herzchirurgie, bzw. Silikonimplantate in der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie. Im Falle einer Infektion müssen die Implantate bzw. Prothesen oftmals in einer Folgeoperation wieder entfernt werden.

In einer klinischen Studie wurde kürzlich gezeigt, dass sich das Narbenbild mit einem Octenidin-haltigen Wundgel nach einer Operation deutlich verbessern lässt, unabhängig von möglichen anderen Einflussfaktoren (z. B. ethnische Herkunft, Alter, Ernährungszustand). Der antiseptische Wirkstoff Octenidin verkürzt in Wunden die Entzündungsphase und reguliert wichtige Botenstoffe. Wird das Wundgel unmittelbar nach der Operation das erste Mal aufgetragen, wird das Risiko einer hypertrophen, also verdickten Narbe signifikant reduziert. In Summe wird die Wundheilung – und infolge die entstehende Narbe – positiv beeinflusst. Der Verbandswechsel sollte idealerweise durch medizinisches Personal täglich oder längstens alle 2 Tage durchgeführt werden.

Narben verändern sich typischerweise mit der Zeit, wobei manche Narben fast ganz verschwinden und andere Narben ein Leben lang sichtbar bleiben. Sehr oft entwickelt sich die Narbe hin zu einem flachen, blassen Gewebe. Bei krankhaften Narbenbildungen unterscheidet man folgende Situationen:

  • atrophe Narben: Narbenvertiefungen
  • Narbenkontrakturen: das Narbengewebe zieht sich stark zusammen und verhärtet. Besonders über Gelenken kann dies die Beweglichkeit stark einschränken.
  • hypertrophe Narben: kleinere Überwucherungen, die auf den Hautschnitt beschränkt sind
  • Keloide stellen die stärkste Ausprägung dar und zeichnen sich durch ein massiv überschießendes Gewebe dar.

Zunächst ist die "normale" frische Narbe rot und oft etwas erhaben. Das liegt daran, dass im neu gebildeten Granulationsgewebe die Blutzufuhr erhöht ist. Nach einiger Zeit geht die Durchblutung zurück, die Kollagenfasern ziehen sich zusammen, die Narbe sinkt ein und wird weicher und blasser.

Das Erscheinungsbild der Narbe wird stark von der Größe und Lage der Wunde beeinflusst, aber auch beispielsweise vom Alter und Ernährungszustand des Patienten sowie möglichen Medikamenteneinahmen. An Stellen mit erhöhter Hautspannung bilden sich oft verstärkt breite Narben. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Vor allem Patienten mit dunklerer Hautfarbe neigen verstärkt zur Keloidbildung.

Gerade die krankhaften Ausprägungen wie hypertrophe Narben oder Keloide können Beschwerden wie Brennen, Jucken oder Schmerzen verursachen. Oft kommt es auch zu einem Spannungsgefühl der Haut und des darunter liegenden Gewebes, zu eingeschränkter Beweglichkeit oder auch zu kosmetischen Beeinträchtigungen und zu einer psychischen Belastung.

Dann ist mitunter eine weitere Behandlung dieser Narbe erforderlich. Atrophe Narben kann der Arzt z. B. mit Kollagen unterspritzen oder mittels Dermabrasion, also "Abschleifen", behandeln. Bei hypertrophen Narben stehen Optionen wie Einspritzen von Kortison, Needling oder Lasertherapie zur Verfügung. In seltenen Fällen kann das Narbengewebe jedoch nur mehr durch eine weitere Operation entfernt werden. Der Chirurg entscheidet sich hier ggf. für eine Kombination aus operativer Entfernung und unmittelbarer Bestrahlung des betroffenen Areals.

Es ist in jedem Fall eine Prüfung der Kostenübernahme durch die jeweilige Krankenkasse notwendig. Bei schmerzhaften und entstellenden Narben werden in der Regel die Kosten für eine Korrektur übernommen. Wurde der Ersteingriff vom Patienten selbst bezahlt, wie z. B. bei einer Brustvergrößerung, werden die Kosten für eine derartige Korrektur üblicherweise nicht von der Sozialversicherung übernommen.

Ab der 3. Woche nach dem Eingriff sollte eine chirurgische Narbe nachbearbeitet werden: fest zwischen Daumen und Zeigefinger massieren, um "Verklebungen" zu verhindern. Am besten regelmäßig mehrmals täglich bis zu einem Jahr nach der Operation. Das antiseptische Wundgel sollte postoperativ bis zur vollständigen Wundheilung aufgetragen werden und erst danach können sogenannte Narbengele (z. B. auf Silikonbasis) angewendet werden. Wichtig ist auch, dass die Narbe bis zum Abschluss der Narbenbildung (also ca. ein Jahr) vor Sonneneinstrahlung geschützt wird. Dies kann entweder durch Abdeckung mittels Kleidung oder einem Sonnenschutz mit LF 50+ erfolgen.

Mehr lesen » Narbenkorrektur

Eine Wunde muss immer zuerst vorsichtig gereinigt werden, also Schmutz z. B. mit Trinkwasser abspülen. In ein Erste-Hilfe-Set gehören auf jeden Fall ein Desinfektionsspray – um eine Infektion zu verhindern – und ein Wundgel. Achtung vor unterschiedlichen Wirkstoffen, da diese inkompatibel sein können. Produkte mit dem antiseptischen Wirkstoff Octenidin können bei jeder Wundart eingesetzt werden: Verbrennung, Sonnenbrand bis hin zu Schnitt-, Schürf- und Kratzwunden sowie Insektenstichen. Sie sind farblos, brennen nicht beim Auftragen und sind für jedes Alter, auch für Babies, geeignet.

  • "The Antiseptic Octenidine Inhibits Langerhans Cell Activation and Modulates Cytokine Expression upon Superficial Wounding with Tape Stripping" von Nenad Nikolić, Philip Kienzl, Pooja Tajpara, Martin Vierhapper, Johannes Matiasek, Adelheid Elbe-Bürger; J Immunol Res. 2019
  • "A survey on current knowledge, practice and beliefs related to preoperative antimicrobial decolonization regimens for prevention of surgical site infections among Austrian surgeons", von Tschelaut L, Assadian O, Strauss R, Matiasek J, Beer M, Angerler G, Berger-Grabner D, Presterl E.; J Hosp Infect. 2018
  • "An intra-individual surgical wound comparison shows that octenidine-based hydrogel wound dressing ameliorates scar appearance following abdominoplasty." von Matiasek J, Kienzl P, Unger LW, Grill C, Koller R, Turk BR. Int Wound J. 2018

Autor:in:
Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Erstellt am:

7. Dezember 2020

Stand der medizinischen Information:

7. Dezember 2020

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