Krampfadern (Varizen)

Abbildung von Beinen mit Krampfadern
Bei Krampfadern handelt es sich um Erweiterungen der oberflächlichen Venen.
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Krampfadern sind unregelmäßig geschlängelte Venen, die direkt unter der Hautoberfläche sichtbar sind. Sie entstehen, wenn die Venenklappen nicht mehr korrekt funktionieren.

Medizinische Expertise

Michael Takacs

Dr. Michael Takacs

Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Angiologie, Homöopathie
Amlacher Strasse 12, 9900 Lienz
drtakacs.at
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Anstatt das venöse Blut zur Körpermitte in Richtung Herz durchzulassen, fließt es zurück in Beine und Haut. Dort staut sich das Blut und bildet in den Venen sackartige Erweiterungen: die Krampfadern. Verursacht werden sie häufig durch langes Stehen, viel Sitzen, Übergewicht und Bewegungsmangel sowie durch Vererbung. Je nach Durchmesser der Krampfadern und ihrem Auftreten an oberflächlichen oder tiefen Venen werden 3 Krankheitsstadien unterschieden. Die leichteste Form, die Besenreiser, sind nur von kosmetischer Bedeutung und müssen im Gegensatz zu den Stammvarizen nicht behandelt werden. Viel Bewegung (Joggen, Schwimmen und Radfahren) und das Hochlagern der Beine sind wichtige vorbeugende Maßnahmen. Krampfadern können auch in den Hoden, im After, während der Schwangerschaft und an der Speiseröhre auftreten.

  • Krampfadern sind geschlängelte Venen unter der Hautoberfläche und entstehen, wenn die Venenklappen nicht mehr funktionieren.
  • Es gibt drei Ausprägungen von Krampfadern: Besenreiservarikose, Retikuläre Varikose und Stammvarikose.
  • Es können Beschwerden wie ein Schwere-, Schwellungs- oder Müdigkeitsgefühl in den Beinen auftreten.
  • Mittels Infrarotlicht oder Ultraschall kann die Funktionsfähigkeit der Venen überprüft werden.
  • Mithilfe von Sport oder Kompressionsstrümpfen kann Druck auf die Venen ausgeübt und der Blutfluss verbessert werden.
  • Größere Krampfadern können durch die Injektion einer speziellen Lösung in die Venen behandelt oder operativ entfernt werden.
Art: geschlängelte Venen, erweiterte Blutgefäße, sichtbar unter der Hautoberfläche
Ursachen: Venenklappen funktionieren nicht mehr
Ausprägungen: Besenreiservarikose, Retikuläre Varikose und Stammvarikose
Diagnose: Erscheinungsbild, Digitale Photoplethysmographie (DPPG) oder Licht-Reflexions-Rheographie, Duplex Ultraschall (h3)
Therapie: Sport, Kompressionsstrümpfe, medikamentöse Therapie (in Kombination mit Kompressionstherapie), Mikro-Sklerotherapie, Schaumsklerosierung, Venenstripping, endovenöse Verfahren mit Radiofrequenz oder Laser

Die oberflächlichen Krampfadern, die sogenannten Besenreiser, sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Im Schnitt sind etwa 3 von 5 Österreicher:innen betroffen. Sie sind nur von kosmetischer Bedeutung und bedürfen keiner Behandlung.

In den großen Venenstämmen tritt die Gefäßschädigung hingegen seltener auf. Hiervon sind etwa 15 % der erwachsenen Bevölkerung betroffen und müssen ärztlich behandelt werden.

Venen sind Blutgefäße, die sauerstoffarmes Blut von den Organen und den Extremitäten zum Herzen befördern. Dafür fließt das venöse Blut von den oberflächlichen Venen in die tiefliegenden Hauptvenen und von dort in Richtung Herz. Dieser Aufwärtsfluss ist nur durch die Kontraktion der Muskeln, die den Blutfluss in Gang halten, und durch die Venenklappen möglich.

Mit ihrem speziellen Klappmechanismus lassen sie nur eine Flussrichtung – und zwar in Richtung Herz – zu, während sie in die andere Richtung blockieren. Ist die Funktion dieser Klappen gestört, fließt das venöse Blut nicht zur Körpermitte, sondern zurück in das oberflächliche Gewebe und in die Beine. Damit steigt der Druck in den Venen, wodurch die Gefäße erweitern und sich zum Teil sackartig ausformen.

Primäre Varikose Ist die häufigste Form der Krampfadern (in über 70 Prozent der Fälle). Ihre Ursache ist eine angeborene Venenwandschwäche. Primäre Krampfadern entstehen durch Blutstau in den Venen, Veränderungen der Venenwände und nicht mehr funktionierende Venenklappen im oberflächlichen Venensystem.
Sekundäre Varikose Entsteht nicht anlagebedingt als Folge von Verlegungen oder Verstopfungen (Thrombosen) der tiefen Venen.

Die Ausbildung von primären Krampfadern ist bei vielen Betroffenen genetisch veranlagt, sie können aber auch hervorgerufen werden durch:

  • ständige sitzende oder stehende Tätigkeiten,
  • Übergewicht,
  • Bewegungsmangel,
  • mit zunehmendem Alter,
  • während der Schwangerschaft,
  • nach einem Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen.

Je nach Lokalisation und Dicke der Krampfadern spricht man von 3 unterschiedlich starken Ausprägungen: der Besenreiservarikose, retikulärer Varikose oder Stammvarikose.

  • Stufe 1: Besenreiservarikose
    Sie sind sichtbar erweiterte Venen direkt in der obersten Hautschicht. Die feinen Krampfäderchen können je nach Durchmesser rötlich oder bläulich gefärbt sein. Sie lösen keine Beschwerden aus und haben für die Betroffenen daher meist nur eine kosmetische Bedeutung. Aus diesem Grund übernehmen Krankenkassen die Behandlungskosten nicht.
  • Stufe 2 : Retikuläre Varikose
    Ein netzförmiges Venengeflecht, das häufig an den Außenseiten der Oberschenkel oder den Waden entsteht. Die betroffenen Gefäße haben einen Durchmesser von 2 bis 4 Millimeter.
  • Stufe 3: Stammvarikose
    Sie tritt an den großen Venenstämmen und ihren breiten Seitenästen auf. Sind Ihre Klappen funktionsuntüchtig, entstehen Krampfadern von bis zu 1 Zentimeter Durchmesser, die vor allem an der Wade und den Innenseiten von Ober- und Unterschenkel sichtbar werden.

Die Art der Krampfadern kann in 3 Stadien mit unterschiedlichen Beschwerden eingeteilt werden:

Stadium I sichtbare Venenerweiterung ohne Beschwerden.
Stadium II sichtbare Venenerweiterung mit folgenden Beschwerden: Schwere-, Schwellungs- und Müdigkeitsgefühl in den Beinen und an den Knöcheln, die besonders intensiv nach langem Sitzen oder Stehen, am Abend oder an warmen Tagen auftreten. Des Weiteren zeigen sich im Bereich der Unterschenkel und Knöchel bräunliche Verfärbungen.
Stadium III neben den oben genannten Symptomen kommt es durch die massive venöse Blutstauung zu Wundheilungsstörungen verursacht durch Bagatelltraumata (leichte oder nicht lang anhaltende Verletzungen eines Menschen), die auch als offener Fuß oder in der Fachsprache als Ulcus cruris bezeichnet wird.

Krampfadern entstehen in der Regel an den Beinen. Die Stauung der Blutgefäße kann in seltenen Fällen aber auch an der Speiseröhre (meist als Begleiterscheinung bei einer Leberzirrhose), den Hoden (Varikozele), der Scheide (häufig nur während der Schwangerschaft) oder im After auftreten (Hämorrhoiden).

Kleine Besenreiservarikosen bedürfen keiner ärztlichen Behandlung, aus kosmetischer Sicht können die kleinen Venen jedoch jederzeit entfernt werden. Sollten Betroffene aber durch die Gefäßschädigung Beschwerden in den Beinen spüren, ist eine Untersuchung bei einer Allgemeinmediziner:in oder direkt bei einer Dermatolog:in angebracht.

Anhand des äußeren Erscheinungsbildes sind Krampfadern häufig auf den ersten Blick erkennbar. Um die Funktionsfähigkeit der Venen zu überprüfen und den Befund abzusichern, kann die Ärzt:in folgende Untersuchung durchführen:

  • Digitale Photoplethysmographie (DPPG) oder Licht-Reflexions-Rheographie: Mit einer Messsonde wird Infrarotlicht auf die Venen abgegeben. Gefüllte und entleerte Gefäße strahlen einen Anteil des Infrarotlichtes zurück, der von der Sonde registriert wird. Indem die Ärzt:in feststellt, wie lange die Venen während der Muskelkontraktion brauchen, um aufgefüllt und entleert zu werden, erhält er Hinweise auf die Funktionsfähigkeit der Venenklappen.
  • Duplex Ultraschall (h3): Mittels Ultraschall registriert die Ärzt:in die Strömungsrichtung des venöses Blutes. Bei funktionsunfähigen oder geschädigten Venenklappen müsste venöses Blut entgegen der gewünschten Flussrichtung strömen.

Die Therapie bei Krampfadern kann physikalisch durch Training und durch äußeren Druck erfolgen. Wenn sich aber schon größere Varizen ausgebildet haben, werden die Gefäße verödet, damit sie sich nicht weiter ausdehnen und den geregelten Blutkreislauf nicht behindern.

Sport: Bewegungsübungen der Beine und vor allem der Waden können die Funktion der Muskelpumpe steigern und somit den Aufwärtsfluss des venösen Blutes in Richtung Herz verbessern.
Kompressionsstrümpfe: Mit speziellen Kompressionsstrümpfen wird von außen Druck auf die Venen ausgeübt und somit der Ausdehnung der Gefäße entgegengewirkt. Durch die an den Knöcheln und den Waden sehr eng anliegenden Strümpfe wird der Aufwärtsfluss des venösen Blutes unterstützt. Medizinische Kompressionsstrümpfe werden individuell passend gefertigt und können von der Ärzt:in verschrieben werden, es gibt aber auch freiverkäufliche Exemplare.
Medikamentöse Therapie: Zur Linderung von Beschwerden wie Schmerzen, Schwere- und Spannungsgefühl können begleitend zur Kompressionstherapie wirksamkeitsgeprüfte orale Venenmedikamente empfohlen werden. Wirkstoffe aus der Gruppe der Flavonoide (z.B. Oxerutin oder Diosmin) werden eingesetzt. Auch verschiedene pflanzliche Arzneimittel wie Rosskastanienextrakt oder Roter Weinlaubextrakt stehen zur Verfügung.
Mikro-Sklerotherapie: Kleine Besenreiser lassen sich in einer ambulanten Behandlung durch die Injektion einer speziellen Lösung entfernen. Das Gemisch wird dabei direkt in die entsprechende Vene gespritzt, dadurch verkleben die Gefäßwände und der Körper baut die Reste mit der Zeit ab.
Schaumsklerosierung: In größere Krampfadern wird ein Schaum injiziert, der die Gefäßwände ebenfalls verklebt. Die Flüssigkeit ist hierbei jedoch mit Luft gemischt. Das hat den Vorteil, dass mit der gleichen Menge ein größerer Gefäßabschnitt behandelt werden kann und der Schaum länger einwirken kann, während die Flüssigkeit relativ schnell weggespült wird.
Venenstripping: Beim Stripping werden geschädigte Gefäße durch ein operatives Verfahren in lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose entfernt. Die Ärzt:in führt dabei einen 3 bis 5 Zentimeter breiten Schnitt an der Leiste durch. Die entsprechende Vene wird durch diese Zugriffstelle abgebunden und herausgezogen.
Phlebektomie: Es werden verschiedene, wenige Millimeter kleine Schnitte gesetzt und die Vene wird in mehreren Teilen entfernt. Diese Methode kommt vor allem bei kleineren Venen zum Einsatz. 
CHIVA & Valvuloplastie: Zwei chirurgische venenerhaltende Behandlungsmethoden, bei denen die Krampfader im Körper verbleibt. 
CHIVA: Die krankhaft erweiterten Venenabschnitte werden über kleine Hautschnitte gezielt abgebunden und der Blutfluss so umgeleitet, dass die Gefäße nicht mehr überlastet werden. 
Valvuloplastie: Der Arzt näht eine verengende Manschette um die Krampfader, so dass die Venenklappen wieder schließen können.
Behandlungen mit Katheter (Radiofrequenz- & Lasertherapie): Durch einen Nadelstich wird ein Katheter in die geschädigte Vene eingeführt. Mittels Radiowellen oder Laser werden die Venen durch starke lokale Hitzezufuhr verödet.

 

Um den Aufwärtsfluss des venösen Blutes zu unterstützen, sollten Betroffene während der Nacht die Beine leicht hochlagern, die Knie sollten dabei leicht angewinkelt werden. Sie können ein dünnes Kissen unter die Kniekehle schieben.

Außerdem sollten sich Betroffene viel bewegen, um die Bein-, vor allem die Wadenmuskulatur zu trainieren. Ein ideales Training für die Beine sind:

  • Joggen,
  • Schwimmen
  • und Radfahren
  • Wechselbäder mit kaltem und warmem Wasser sind ebenfalls ein gutes Gefäßtraining, da die Adern sich je nach Temperatur zusammenziehen oder ausdehnen und somit elastisch bleiben.

Da hohen Temperaturen die Venen stark erweitern, sollte Folgendes hingegen gemieden werden:

  • Lange heiße Bäder,
  • Hitze,
  • direkte Sonneneinstrahlung,
  • Saunagänge 

Betroffene sollten auf sehr enge, abschnürende Kleidung verzichten, da sie den venösen Blutkreislauf behindert. Überschlagen der Beine fördert einen Blutstau in den venösen Gefäßen und sollte daher gemieden werden.


Autor:in:
Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

4. Juni 2024

Erstellt am:

1. Oktober 2014

Stand der medizinischen Information:

4. Juni 2024


ICD-Codes:
  • I83
  • I86

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