Bakterielle Vaginose (Gardnerella-Vaginitis, Aminkolpitis)

Frau hat wegen bakterieller Vaginose Schmerzen im Unterleib und hält sich den Intimbereich
Bakterielle Vaginose ist eine häufig auftretende Erkrankung. Zwei von drei Frauen erhalten die Diagnose.
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Obwohl relativ unbekannt, gilt die Bakterielle Vaginose als häufigste Störung im Vaginalbereich bei Frauen im gebärfähigen Alter. 

Medizinische Expertise

Doris Linsberger

Dr.in Doris Linsberger

Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Thaliastraße 125A/Stiege 1, 1160 Wien
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Typische Symptome sind fischig riechender, grau-weißlicher Ausfluss, Juckreiz, Brennen oder krampfartige Unterleibsschmerzen, jede 2. betroffene Frau bleibt allerdings gänzlich beschwerdefrei. Behandelt wird die Bakterielle Vaginose mit lokalen oder oralen Antibiotika, sowie mit lokal angewandten Milchsäurebakterienpräparaten, die die Vaginalflora wieder aufbauen und auch Rückfälle vermeiden können. Besonders in der Schwangerschaft ist die prophylaktische Behandlung wichtig, um das Risiko von Frühgeburten und vorzeitigen Wehen mit all ihren Folgen zu verringern.

  • Verschiebt sich aufgrund eines Mangels an Laktobazillen der pH-Wert der Vaginalflora, bieten sich ideale Bedingungen für Krankheitserreger wie Streptokokken, Chlamydien oder Gardnerella vaginalis.
  • Risikofaktoren sind hormonelle Veränderungen, Stress, übertriebene Intimhygiene, häufig wechselnde Sexualpartner:innen und eine Schwangerschaft.
  • Leitsymptom einer bakteriellen Vaginose ist ein grau-weißlicher Ausfluss, der meistens zugleich mit schmerzhaftem Brennen im Genitalbereich auftritt.
  • Behandelt wird meistens mit Antibiotika. Zur Vorbeugung können anschließend Milchsäurebakterienprodukte verschrieben werden.
Art Störung im Vaginalbereich
Ursache Mangel an Laktobazillen
Risikofaktoren hormonelle Veränderungen, Stress, häufig wechselnde Sexualpartner:innen
Symptome grau-weißlicher Ausfluss, Brennen im Genitalbereich
Diagnose Analyse des pH-Werts, Geruchstest, mikroskopische Analyse
Therapie Medikamente
Vorbeugung Verzicht auf übertriebene Intimhygiene, Milchsäurepräparate

Haben Frauen auffälligen Ausfluss, wird bei fast zwei Drittel eine Bakterielle Vaginose festgestellt. In Europa sind zwischen 7 und 22 % aller Schwangeren davon betroffen.

Ein Mangel an schützenden Milchsäurebakterien (Laktobazillen) stört das Gleichgewicht der Vaginalflora und verschiebt den primär sauren pH-Wert von 3,8 - 4,4 in der Scheide in den alkalischen (basischen) Bereich von 5,0 oder mehr. Zahlreiche, auch physiologisch in der Scheide lebende Keime, Gardnerellen, aber auch Streptokokken, Chlamydien oder Mykoplasmen finden nun ideale Bedingungen vor, um sich zu vermehren, oder von außen einzuwandern. Auch Scheidenpilzinfektionen treten häufiger auf, sind jedoch deutlich von der Bakteriellen Vaginose zu unterscheiden und werden anders behandelt. Durch folgende Faktoren kann das Gleichgewicht der Scheide ins Wanken geraten:

Deutlichstes Symptom ist ein unangenehm fischig riechender, grau-weißlicher Ausfluss, ein "nässendes" Gefühl und Brennen im Genitalbereich, selten krampfhafte Unterleibsschmerzen. Oft wird die Bakterielle Vaginose erst bei der frauenärztlichen Routineuntersuchung im Mikroskop entdeckt, hier fallen die so genannten "Cluecells" (Schlüsselzellen), von Bakterienrasen bedeckte abgeschilferte Vaginaloberflächenzellen, auf.

50 % aller Betroffenen bleiben vollkommen symptomlos.

Unbehandelt können die Bakterien, vor allem die gefürchteten Streptokokken B, aufsteigen und zu Infektionen in der Gebärmutter und der Fruchthöhle führen und so das Risiko für vorzeitige Wehentätigkeit, vorzeitige Blasensprünge und in der Folge auch für Fehlgeburten und Frühgeburtlichkeit bzw. für zum Teil schwere Infektionen bei den betroffenen Feten erhöhen. In der Schwangerschaft liegt die Häufigkeit der Bakteriellen Vaginose zwischen 5 und 20 %.

Auch das Risiko für Entzündungen der Harnwege ist erhöht.

Da die Symptome der Hefepilzinfektion meist eindeutig sind und sich klar von denen der Bakteriellen Vaginose unterscheiden, ist es sinnvoll sich als Betroffen:e einer Expert:in anzuvertrauen. Oft glauben Betroffene, dass jede genitale Infektion eine Pilzinfektion ist. Dem ist allerdings nicht so, viel häufiger ist die bakterielle Vaginose. Denn nur in etwa 20 % der Fälle liegt tatsächlich ein Scheidenpilz vor. Die richtige Diagnose ist allerdings für die Auswahl der adäquaten Therapie von entscheidender Bedeutung. Die Frauenärzt:in untersucht mithilfe eines Abstrichs das Scheidensekret.

Eine Bakterielle Vaginose wird festgestellt, wenn mindestens drei der folgenden vier Kriterien zutreffen:

  • dünnflüssiger weißlich-grauer Ausfluss

  • ein pH-Wert in der Vagina über 4,5

  • der "Geruchstest" (Amintest oder "Whiff-Test") ist positiv. Dafür wird Scheidensekret mit 10 %-iger Kali-Lauge (KOH) vermischt und ist positiv, wenn ein deutlich fischiger Geruch festgestellt wird

  • unter dem Mikroskop werden mindestens 20 % sogenannter Schlüsselzellen ("Cluecells") nachgewiesen

Infektionen im Genitalbereich sind unbedingt auch vor gynäkologischen Eingriffen (z.B. Einsetzen der Spirale) auszuschließen.

Prophylaktische Anwendung von lokalen Milchsäurekapseln oder Waschmitteln zur Ansäuerung des Vaginalmilieus ist zu jeder Zeit sinnvoll.

Nach Diagnosestellung wird die Bakterielle Vaginose medikamentös mit den antibiotischen Wirkstoffen Metronidazol und Clindamycin therapiert, sofern keine Allergien oder andere Kontraindikationen gegen diese Stoffe bekannt sind. Verschiedene Darreichungsformen wie Tabletten, Scheidenzäpfchen oder Cremes stehen zur Verfügung. Je nach Schweregrad, ob eine Schwangerschaft vorliegt oder die Symptome wiederholt auftreten, entscheidet die Ärzt:in, womit und wie lange therapiert werden muss. Die Therapie ist meist erfolgreich, Rückfälle, vor allem wenn keine Infektionsvorsorge betrieben wird (z.B. durch Milchsäure), sind aber häufig. Oft siedeln sich dann auch noch zusätzlich Pilze an. Zur Wiederherstellung und Aufrechterhaltung einer gesunden Vaginalflora können Milchsäurebakterienprodukte im Anschluss, aber auch vorbeugend in die Scheide eingeführt werden.

  • Einer Bakteriellen Vaginose kann man vorbeugen, indem man auf übertriebene Hygiene verzichtet. Gehen Sie Scheidenspülungen oder Intimsprays aus dem Weg. Sie zerstören das Gleichgewicht des empfindlichen Scheidenmilieus. Regelmäßiges Waschen mit Wasser ist vollkommen ausreichend.

  • Achten Sie bei der Reinigung nach dem Stuhlgang darauf, von vorne nach hinten (After) zu wischen und nicht umgekehrt.

  • Auch Geschlechtsverkehr begünstigt die Bakterielle Vaginose. Vor allem beim Wechsel von Anal- auf Vaginalverkehr sollte auf Sauberkeit (Verwendung von Kondomen) geachtet werden. Das Risiko, dass Darmbakterien in die Scheide gelangen, kann dadurch deutlich verringert werden.

  • Schwangere und jene, die häufig mit Rückfällen zu kämpfen haben, können mittels Selbsttest aus der Apotheke schnell und unkompliziert den pH-Wert in der Scheide bestimmen und frühzeitig mit der Behandlung beginnen (pH-Handschuhe).

  • Stress vermeiden und Entspannungstechniken erlernen

  • Prophylaxe-Anwendung von Milchsäurepräparaten intravaginal, zur täglichen Pflege, aber auch oral.


Autor:in:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

24. Juni 2024

Erstellt am:

26. Mai 2014

Stand der medizinischen Information:

25. Mai 2020


ICD-Code:
  • N76

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