Wahn

Frau glaubt verfolgt zu werden.
Personen, die sich verfolgt fühlen, sollten therapeutische Hilfe suchen.
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Bei Wahn handelt es sich um eine Fehlbeurteilung der Realität, bei der sich die Betroffenen ganz sicher sind, dass sie z.B. verfolgt oder von anderen hintergangen werden, ohne dass es dafür objektive Beweise gibt.

Medizinische Expertise

Dr. Wolfgang Gombas

Arzt für psychosomatische Medizin, Systemischer Psychotherapeut

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Inhaltsverzeichnis

Wahn tritt bei 2 % - 3 % aller Menschen als isolierte Störung auf. In diesen Fällen liegen außer dem Wahn – der u.a. Verfolgung, Schuld oder Eifersucht zum Thema haben kann – keine anderen Symptome psychischer Störungen vor. Der Verlauf ist meist chronisch, die Behandlung mittels Medikamenten und Gesprächstherapie wird oft nicht gut angenommen. Andererseits ist Wahn auch ein Symptom von diversen psychischen Störungen, vor allem bei Schizophrenie, Depressionen / Manie und organischen psychischen Störungen (z.B. Demenz) tritt dieser auf.

Rund 2 % - 3 % aller Menschen sind von wahnhaften Störungen betroffen. Bei diesen psychischen Störungen ist Wahn das einzige Symptom.

Des Weiteren kann Wahn als Symptom einiger psychischer Erkrankungen auftreten:

Die Ursachen des Wahns sind noch nicht vollends erforscht. Neuere Studien gehen davon aus, dass Störungen in einer bestimmten Region im Frontallappen des Gehirns (der ventromediale präfrontale Cortex) die Wahnvorstellungen auslösen könnten, woran auch der Botenstoff Dopamin beteiligt ist. Diese Hirnstrukturen sind u.a. dafür verantwortlich, wie die subjektiven Vorstellungen über die Realität geschaffen werden, welche Gefühle in verschiedenen Situationen empfunden werden und geben Einsicht darüber, was man selbst und was andere denken.

Bei Wahn werden realen Sinneswahrnehmungen (z.B. ein Auto, das vor der Haustür parkt) abnorme Bedeutungen zugeordnet (z.B. dass man von jemandem überwacht wird). Diese Wahnwahrnehmungen sind unkorrigierbar, da die Betroffenen keine Realitätskontrolle durchführen können.

Wahnvorstellungen beginnen mit einer Wahnstimmung, dem unbestimmten Gefühl, dass irgendetwas vor sich geht. Nach und nach tritt die Wahngewissheit ein – einzelne Wahnerlebnisse (z.B. Auto, das vor der Tür steht; Mann, der einen seltsam angesehen hat) werden verknüpft, manchmal zu zusammenhängenden Wahnsystemen, in die auch andere Personen einbezogen werden.

Arten des Wahns Symptome Vorkommen
Beeinträchtigungswahn Ständige Benachteiligung und Ungerechtigkeiten werden wahrgenommen Besonders bei älteren Menschen (ab dem 6./7. Lebensjahrzehnt)
Beziehungswahn Der Erkrankte hat das Gefühl, alles um ihn
herum geschieht seinetwegen und um ihm ein Zeichen zu geben; Gefühl, dass andere über ihn spotten/lachen
Häufigstes Thema bei wahnhafter Störung und oft bei beginnender Schizophrenie
Dermatozoenwahn Überzeugung, dass kleine Tierchen, Würmer oder Parasiten am Körper vorhanden sind, verbunden mit Halluzinationen des Spürsinns (Krabbeln auf oder unter der Haut) Vorwiegend bei älteren Frauen, öfters im Zusammenhang mit Demenz, wird als organische psychische Störung eingeordnet
Doppelgängerwahn Erkrankter ist überzeugt, dass eine Bezugsperson einen Doppelgänger hat oder die eigene Person durch einen Doppelgänger verdrängt wird Kann u.a. bei Schizophrenie, Demenz auftreten
Dysmorphophobie Wahnhafte Idee, dass man von anderen aufgrund von tatsächlichen oder eingebildeten Missbildungen des Körpers abschätzig beurteilt wird Gelegentlich bei beginnender Schizophrenie
Eifersuchtswahn Betroffene Person ist unkorrigierbar von der Untreue des Partners überzeugt Bei wahnhafter Störung, Alkoholismus, Schizophrenie, bei Männern häufiger als bei Frauen
Eigengeruchsparanoia Eingebildete Wahrnehmung von unangenehmem eigenen Körpergeruch z.B. Symptom von schizophrenen Störungen
Größenwahn Eigene Person, Fähigkeiten und Bedeutung werden maßlos überschätzt Bei Schizophrenie, Manie, organischen psychischen Störungen
Hypochondrischer Wahn Krankheitswahn; umfasst u.a. Eigengeruchsparanoia, Dysmorphophobie, Dermatozoenwahn u.a. bei Schizophrenie, Demenz
Kleinheitswahn Gegenstück zum Größenwahn. Der Erkrankte zweifelt seine Fähigkeiten, manchmal sogar seine Existenz an, Gefühl der Ohnmacht u.a. in Verbindung mit Depressionen
Liebeswahn Wahnhafte Idee, von einer bestimmten Person geliebt zu werden Oft bei wahnhafter Störung, bei Frauen häufiger als bei Männern
Querulantenwahn Wahnhafte Überzeugung, ständig Rechtskränkungen zu erleiden Auslöser sind tatsächliche oder eingebildete Ungerechtigkeiten, Persönlichkeit meist starrsinnig und rechthaberisch (paranoide Persönlichkeitsstörung)
Schuldwahn Überzeugung, dass man schuld an einem Verbrechen oder einer sonstigen Verfehlung ist oder die Erkrankung eine Bestrafung darstellt u.a. in Verbindung mit Depressionen
Verarmungswahn Wahnhafte Idee, vor dem finanziellen Ruin zu stehen u.a. in Verbindung mit Depressionen
Verfolgungswahn Der Erkrankte hat das Gefühl, bedroht und verfolgt zu werden, dass ein Komplott (gegen ihn) geschmiedet wird Besonders häufig bei Schizophrenie

Bei vielen Betroffenen, bei denen Wahn isoliert (nicht im Rahmen einer anderen psychischen Erkrankung) auftritt, ist der Verlauf chronisch. Die Betroffenen lassen sich oft ungern therapeutisch oder medikamentös behandeln. Bei manchen Arten des Wahns (z.B. Kleinheitswahn) kommt es zudem zum Rückzug aus dem Sozialleben.

Wahn ist oft schwer zu diagnostizieren, besonders wenn der Wahn (wie in der anhaltenden wahnhaften Störung) isoliert auftritt. Die Übergänge zwischen normalen Vorstellungen (z.B. dass man nachts auf der Straße verfolgt wird), wie sie auch gesunde Personen haben und krankhaften Wahnvorstellungen sind fließend. Wichtige Kriterien, um Wahn zu diagnostizieren sind die subjektive Gewissheit des Patienten über die Wahninhalte, die Unwiderlegbarkeit (die betroffene Person kann nicht vom Gegenteil überzeugt werden) und die Unkorrigierbarkeit der Wahnwahrnehmungen.

Die Therapie erfolgt mittels Medikamenten und Gesprächstherapie. Dabei ist zu beachten, dass Psychopharmaka nicht immer Wirkung zeigen, was u.a. an der unklaren zugrundeliegenden Ursache der Wahnvorstellungen liegt. Auch die psychotherapeutische Hilfe in Form von Gesprächen wird zum Teil schlecht angenommen, da die Betroffenen so sehr von ihren Wahnwahrnehmungen überzeugt sind, dass sie die objektive Realität, die neben ihrer subjektiven Realität besteht, nicht akzeptieren können.

Wenn Wahn im Rahmen von Schizophrenie, Depressionen oder organischen psychischen Störungen auftritt, müssen diese Erkrankungen entsprechend behandelt werden.

Es ist wichtig, dass der Betroffene versucht, durch den Wahn vernachlässigte Aufgaben (z.B. die Ausbildung) wieder aufzugreifen und auch die sozialen Kontakte wieder stärker zu pflegen, wenn das durch den Wahn nicht möglich war. Zusätzlich sollten Menschen mit Wahnvorstellungen keine Drogen (z.B. psychoaktive Substanzen, Cannabis) und keinen Alkohol zu sich nehmen, da diese die wahnhaften Symptome verschlimmern.

Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Erstellt am:

30. Juli 2015


Quellen:

Interview mit Dr. Wolfgang Gombas, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapeut

Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F), WHO/H. Dilling, W. Mombour & M. H. Schmidt (Hrsg.), Verlag Hans Huber, 7. Auflage, Bern 2010

Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie, V. Arolt, C. Reimer & H. Dilling, Springer-Verlag, 7., bearbeitete Auflage, Berlin/Heidelberg 2011

Psychiatrie – einschließlich Psychotherapie, R. Tölle & K. Windgassen, Springer Medizin Verlag, 16., überarbeitete und ergänzte Auflage, Heidelberg 2012

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