Darmverschluss (Ileus)

Frau greift sich auf schmerzenden Bauch
Bei einem Darmverschluss kommt es zu einem Rückstau des Darminhaltes. Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sind oft die Folge.
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Ein Darmverschluss kann akut oder chronisch auftreten. Betroffen können Dünn- oder Dickdarm sein. Ein Darmverschluss ist ein medizinischer Notfall, bei dem oft eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus notwendig ist.

Medizinische Expertise

Rainer Hubmann

Dr. Rainer Hubmann

Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie
Hauptstraße 54, 4040 Linz
www.hubmannsv.at
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Inhaltsverzeichnis

  • Bei einem Darmverschluss ist der Weitertransport des Darminhaltes gestört.
  • Warum es zu einem Darmverschluss kommt, kann verschiedene Ursachen haben.
  • Ein Darmverschluss sollte möglichst rasch behandelt werden, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Bei einem Darmverschluss treten Symptome wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und ein geblähter Bauch auf.
  • Die Behandlung eines Darmverschlusses richtet sich nach Ursache und Ausprägung. Häufig ist eine Operation notwendig.
Art Passagestörung des Darms
Ursache Operation, Entzündungen, Erkrankungen, Medikamente
Symptome Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, ggf. Fieber, schlechtes Allgemeinbefinden
Therapie je nach Ursache medikamentös oder operativ

Bei einem Darmverschluss (Ileus) handelt es sich um eine Blockade im Darm. Der Darminhalt (Nahrung, Flüssigkeiten, Verdauungssekrete und Gase) kann dann nicht mehr oder nur teilweise weiterbefördert werden. In Folge kommt es zu einem Rückstau des Darminhaltes. Wird ein Darmverschluss nicht rechtzeitig behandelt, können Komplikationen wie Blutvergiftung (Sepsis) oder Bauchfellentzündung (Peritonitis) die Folge sein.

 

Mehr lesen » Sepsis: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ein Darmverschluss kann vollständig oder teilweise auftreten:

  • Ileus (vollständiger Darmverschluss): Der Darminhalt kann gar nicht mehr weitertransportiert werden.
  • Subileus (teilweiser Darmverschluss): Der Darminhalt kann nur teilweise weitertransportiert werden.

Unterschieden wird außerdem zwischen:

  • paralytischer Darmverschluss: durch verminderte Kontraktion oder Lähmung der Darmwandmuskulatur
  • mechanischer Darmverschluss: durch äußere oder innere Verlegung bzw. Einengung des Darms

Ein Darmverschluss kann verschiedene Ursachen haben.

Mögliche Ursachen für einen paralytischen Darmverschluss:

  • Operation
  • Entzündungen und Erkrankungen (z. B. Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blinddarmentzündung)
  • stoffwechselbedingt (z. B. bei Diabetes)
  • neurologische Erkrankungen (z. B. Morbus Parkinson)
  • bestimmte Medikamente
  • Trauma
  • Lokale Durchblutungsstörungen

Mögliche Ursachen für einen mechanischen Darmverschluss:

  • Einklemmung eines Darmabschnittes (z. B. durch eine Hernie)
  • Einengung des Darms durch Entzündungen, Verwachsungen, Vernarbungen
  • Verlegung des Darms durch Tumore, Fremdkörper, Kot- oder Gallensteine
  • Verengung durch Einstülpung eines Darmabschnittes in einen anderen
  • Verdrehung eines Darmabschnittes
  • Ausgedehnte Durchblutungsstörungen

 

Mehr lesen » Blinddarmentzündung: Welche Symptome treten auf?

Mehr lesen » Diabetes: Welche Arten gibt es? 

Mehr lesen » Morbus Parkinson: Wie erfolgt die Diagnose? 

Folgende Symptome können bei einem Darmverschluss vorkommen:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Aufstoßen
  • aufgeblähter Bauch
  • Darmgeräusche
  • Verstopfung
  • bei fortgeschrittenem Ileus: Koterbrechen

 

Welche Symptome tatsächlich auftreten, hängt von Ursache, Lokalisation und Form des Darmverschlusses ab. Je nachdem welcher Bereich des Darms betroffen ist, unterscheiden sich die Beschwerden. Bei einem Darmverschluss im oberen Bereich des Dünndarms stehen Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen im Vordergrund. Die Symptome des tiefen Dünndarmmilieus sind Übelkeit, Erbrechen, krampfartige Bauchschmerzen und Blähungen. Bei einem Darmverschluss im Dickdarm kommt es zu Beginn häufig zu Stuhlunregelmäßigkeiten bzw. Verstopfung. Übelkeit und Erbrechen beginnen erst später.

 

Mehr lesen » Der Darm: Wie ist er aufgebaut?

Mehr lesen » Verstopfung: Was hilft?

Wird ein Darmverschluss nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, können schwerwiegende Komplikationen auftreten:

  • Sepsis: Vermehren sich die Bakterien stark und treten in den Blutkreislauf über, droht eine Blutvergiftung (Sepsis).
  • Perforation: Durch den Stau des Darminhaltes kommt es zu einer starken Ausdehnung des Darms, Löcher und Risse entstehen. Es kann zu einem Durchbruch der Darmwand kommen, wodurch Darminhalt austreten kann.
  • Peritonitis: In Folge einer Perforation kann es zu einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen.
  • Kreislaufschock: Bei einem Darmverschluss nimmt der Darm wichtige Elektrolyte und Flüssigkeit nicht mehr in den Blutkreislauf auf. Als Folge des Flüssigkeits- und Elektrolytmangels kann es zu einem Kreislaufschock kommen.

Im Frühstadium ist die Diagnose schwierig, da die Symptome auch auf andere Ursachen hindeuten können, darunter:

Zur Abklärung ist bei Beschwerden immer ein Besuch bei einer Ärzt:in ratsam.

Bei starken Bauchschmerzen, rascher Verschlechterung des Allgemeinzustandes, Atemnot, beschleunigter Atmung, Herzrasen und Blutdruckabfall muss sofort ärztliche Hilfe gerufen werden (Notruf 144).

Die Ärzt:in wird nach einer genauen Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) eine körperliche Untersuchung durchführen. Unter anderem wird der Bauch abgetastet und abgehört. Außerdem wird abgeklärt, ob Vorerkrankungen oder Voroperationen bestehen und ob Medikamente eingenommen werden etc.

Nach Beurteilung der individuellen Situation sind weitere Untersuchungen notwendig, wie z.B.:

Je früher ein Darmverschluss erkannt wird, desto besser kann er behandelt werden. Ohne Behandlung ist ein Darmverschluss lebensbedrohlich.

Wie ein Darmverschluss behandelt wird, hängt unter anderem von der individuellen Situation, der Ursache und der Ausprägung ab. Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen:

  • medikamentöse Therapie: z. B. durch Medikamente, die die Darmbewegungen (Peristaltik) fördern
  • Infusionen
  • Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz
  • Einläufe
  • Magensonde
  • Darmrohr
  • Operation: z. B. bei Verwachsungen oder Einklemmung, Durchblutungsstörungen des Darms
  • künstlicher Darmausgang, zeitweilig zur Entlastung oder dauerhaft bei ausgedehnten Erkrankungen
  • Schmerztherapie

Autor:innen:
Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

8. Januar 2024

Erstellt am:

8. Januar 2024

Stand der medizinischen Information:

8. Januar 2024


ICD-Code:
  • K56

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