Hallux Valgus (Ballenzehe, Schiefzehe)

Zuletzt aktualisiert am 7. September 2020

Fuß einer Frau mit Hallux Valgus
Beim Hallux handelt es sich um eine Schiefstellung der Großzehe, sie wird oft durch falsches Schuhwerk ausgelöst.
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Die Ballenzehe ("Hallux"= Zehe, "valgus"= auswärts) ist die am häufigsten auftretende Fehlstellung der Zehen. Sie ist als Schiefstellung der Großzehe sichtbar. 

Medizinische Expertise
Werner Anderl

Prim. Dr. Werner Anderl

Vorstand der Orthopädischen Abteilung Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien

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Inhaltsverzeichnis

Diese bildet einen Knick in Richtung der anderen 4 Zehen. Dadurch verändert sich die Stellung des Fußes und die Zugkraft der Sehnen, Schmerzen beim Gehen und Stehen oder geschwollene Füße sind die Folgen. Etwa 1⁄4 der Bevölkerung ist von einem Hallux Valgus betroffen, Frauen häufiger als Männer. Ursachen für die Erkrankung sind falsches Schuhwerk, schwache Fussmuskulatur oder genetische Faktoren. Bei leichten Fehlstellungen können Einlagen oder das Tragen gut sitzenden Schuhwerks Abhilfe schaffen, bei schmerzhaften, fortgeschrittenen Abweichungen der Großzehe steht eine Reihe unterschiedlicher operativer Therapien zur Wahl.

  • Beim Hallux Valgus ist die große Zehe des betroffenen Fußes zu den anderen Zehen hin geknickt. Es ist die häufigste Zehen-Fehlstellung und tritt in etwa bei jedem vierten Menschen auf.
  • Der Ballenzeh ist in den allermeisten Fällen nicht angeboren, sondern wird unter anderem durch das häufige Tragen besonders enger bzw. spitzer Schuhe, rheumatische Erkrankungen oder Fehlstellungen verursacht.
  • Neben der optisch oft deutlich sichtbaren Verschiebung können Schmerzen beim Gehen und Stehen sowie geschwollene Füße auftreten.
  • Je nach Grad der Zehen-Abweichung ist eine konservative Therapie mit Einlagen, orthopädischen Schuhen und Zehengymnastik möglich, oder aber ein operativer Eingriff ist notwendig.

1⁄4 der Bevölkerung entwickelt einen Hallux Valgus, also eine Abweichung des Großzehenwinkels. Mit zunehmendem Alter sind etwa 30 % der Österreicher von Hallux Valgus betroffen. In 95 % aller Fälle ist ein Hallux Valgus erworben, nur selten angeboren, da Kinderfüße rasch wachsen und eine Korrektur der Mechanik meist von selbst erfolgt. Frauen erkranken 10 Mal häufiger an Hallux Valgus als Männer.

Von Hallux Valgus sind nahezu 10 Mal mehr Frauen als Männer betroffen. Eine der Ursachen dafür sind mechanische Reizungen, die von engem oder hochhackigem Schuhwerk verursacht werden. Dabei wird die Großzehe kontinuierlich in Richtung der anderen Zehen gedrängt. Durch diesen anhaltenden, immer wiederkehrenden Druck verändert sich die normale Zehenachse, die Großzehe "verdrängt" die zweite Zehe. In der Folge ändert sich auch die Zugrichtung der Muskeln und Sehnen, die den Fuß gerade halten. Die Großzehe wird im Laufe der Zeit immer mehr in Richtung Fußsohle gezogen und richtet sich nach innen. Der Fuß rollt anders ab, es kommt zu Schmerzen im Mittelfuß, mitunter auch zu Entzündungen.

Ursachen für einen Hallux Valgus sind:

  • Zu enges, hohes oder spitzes Schuhwerk

  • Entzündliche Erkrankungen (z.B. Rheuma)

  • Veränderte Fußbelastung (z.B. bei Knick- oder Senkfuß)
  • Genetische Faktoren

Bei Hallux Valgus unterscheidet man 4 verschiedene Stadien, die jeweils eine individuelle Behandlung erfordern:

STADIUM ABWEICHUNG SYMPTOME BEHANDLUNG
Grad 1 Schiefstellung der Großzehe um bis zu 20 Grad Keine Beschwerden Passendes Schuhwerk, Fußgymnastik
Grad 2 Schiefstellung der Großzehe um bis zu 30 Grad Gelegentliche Schmerzen Passende Schuhe, Einlagen, Fußgymnastik (Großzehe nach außen)
Grad 3 Schiefstellung der Großzehe um bis zu 50 Grad Schmerzen am Ballen, Rötungen, Druckgefühl im Schuhwerk Spezielle Hallux-Schienen, Orthopädische Schuhe
Grad 4 Großzehe "verdrängt" die 2. Zehe Dauerhafter Schmerz, auch in Ruhe, Gehen und Laufen nur mit Beschwerden möglich Operation je nach Art der Schiefstellung, Alter und Erwartung des Betroffenen

Im ersten Schritt führt der Arzt eine manuelle Untersuchung durch. Ergänzend dazu wird ein Röntgen erstellt. So kann der Grad der Fehlstellung, also die Abweichung zum normalen Zehenwinkel, Bewegung, Rotation der betroffenen Zehe und Abbild der Fußsohle sichtbar gemacht und zur weiteren Therapieplanung herangezogen werden.

Ein nicht behandelter Hallux Valgus kann aufgrund der veränderten Fußmechanik zu Ablagerungen am Mittelfußknochen oder zu Entzündungen (z.B. des Schleimbeutels) und Arthrose führen.


In beginnenden Stadien können mechanische Behandlungen ausreichend sein, wie

  • Passendes Schuhwerk
  • Zehengymnastik
  • Einlagen
  • Orthopädische Schuhe

Ob eine Operation sinnvoll ist, vor allem, welche Technik dabei zum Erfolg führt, hängt wesentlich vom Abweichen des Winkels zwischen Groß- und 2. Zehe ab, dem Winkel des Großzehengrundgelenk, sowie dem bereits entstandenen Gelenkverschleiß ab. Ziel der Operation ist es, die knöcherne Achse auszurichten und damit die normale Fußmechanik wieder herzustellen, sodass der Betroffene wieder schmerzfrei gehen kann.

Bei leichter Fehlstellung

Chevronosteotomie: Dabei wird das Mittelfußköpfchen durchtrennt, der knöcherne Teil abgetragen, die beiden Knochen an den Trennlinien wieder zusammengefügt und mit Draht oder Schraube fixiert.

Bei mittlerer Fehlstellung

Scarf- und Ludloff-Osteotomie: Dabei wird der erste Mittelfußknochen am Schaft entweder Z-förmig (nach Scarf) oder schräg (nach Ludloff) durchtrennt. Danach werden die Knochen an der Trennungslinie wieder zusammengefügt und mit einer Schraube fixiert.

Bei starker Fehlstellung

Lapidus-Technik: Die Stellung des Mittelfußknochens wird ebenfalls korrigiert und mit Metallplatten fixiert, die Knochen an der Trennlinie verschraubt. Durch den Einsatz von Platten wird der Fuß in der korrigierten Position stabilisiert. Unter den verschiedenen Operationstechniken muss der Orthopäde die individuell am meisten erfolgsversprechende anwenden. Unter Umständen ist es sinnvoll, mehrere Techniken zu kombinieren. Eine Operation wird meist in lokaler Betäubung durchgeführt, kann aber auch unter Vollnarkose durchgeführt werden.

Nach der Operation

Üblicherweise können Betroffene nach einer Hallux-Operation den Fuß bereits kurz nach der Operation belasten, ein spezieller Hallux-Schuh wird nach der Operation angepasst und muss beim Gehen (etwa 4 bis 6 Wochen lang) getragen werden. Nach dem Eingriff sollte der Fuß in jedem Fall 2 Wochen geschont und hoch gelagert werden. Im Falle einer hochgradigen Fehlstellung muss der Vorfuß mit einem speziellen Schuh 6 Wochen lang entlastet werden.

Hallux Valgus ist in 95 % der Fälle eine erworbene Fehlstellung, die am häufigsten aufgrund zu engem oder hochhackigen Schuhen entsteht. Entsprechende Vorsorge ist daher eine Möglichkeit, um den schmerzhaften Schiefstand der Großzehe zu verhindern.

  • Kaufen Sie nur gut passendes, nicht zu enges Schuhwerk
  • Achten Sie, dass durch das Schuhwerk die Zehen nicht eingeengt werden
  • Keine hohen Absätze: dabei wird das Körpergewicht beim Abrollen auf den Ballen und die Zehen gelegt, Überbeanspruchung und eine veränderte Muskel-, Sehnenmechanik ist die Folge
  • Machen Sie täglich etwa 10 Minuten lang Zehengymnastik (z.B. vor dem Aufstehen)
  • Gehen Sie so oft wie möglich barfuß

  • Tragen Sie beim Sport individuell auf Ihr Gang- oder Laufbild angepasstes Schuhwerk

Mithilfe dieser Maßnahmen stärken Sie außerdem die Fußmuskeln und schützen Ihre Füße auch vor Blasen, Druckstellen und chronischen Fehlstellungen.

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