Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden)

Mann mit Hämorrhoiden greift sich auf schmerzendes Gesäß
Bei symptomatischen Hämorrhoiden spricht man auch vom Hämorrhoidalleiden.
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Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Unterschiedliche Faktoren können eine Erweiterung bzw. Vergrößerung der Hämorrhoiden begünstigen, dies kann mitunter sehr schmerzhaft sein.

Medizinische Expertise

Dr. Michaela Lechner, FEBS

Fachärztin für Chirurgie Europ. Fachärztin für Koloproktologie

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Inhaltsverzeichnis

Etwa 4 % der erwachsenen Bevölkerung konsultieren jährlich wegen eines symptomatischen Hämorrhoidalleidens einen Arzt, 1,5 % von ihnen werden im Laufe ihres Lebens operiert. Zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr treten Hämorrhoidalbeschwerden am häufigsten auf. Hellrote Blutung, und das Gefühl, dass sich beim Stuhlgang Knoten ausstülpen, sind die häufigsten Beschwerden. Manchmal kommt es auch zu Juckreiz, Brennen oder Schmerzen. Selten sind die Knoten so groß, dass sie sich nicht zurückdrücken (reponieren) lassen. Es gibt viele mögliche Ursachen, meist tritt eine Kombination verschiedener Faktoren auf.

  • Hämorrhoiden sind Gefäßpolster, die aus Arterien und Venen bestehen.
  • Schwangerschaft und Geburt sind die einzigen nachgewiesenen direkten Ursachen des Hämorrhoidalleidens. Meistens liegen mehrere Ursachen gleichzeitig vor.
  • Blutungen und Prolapsgefühl (es stülpen sich Knoten aus) zählen zu den häufigsten Symptomen.
  • Bei Hämorrhoiden unterscheidet man vier Stadien.
  • Die Behandlung erfolgt je nach Beschwerden und Stadium konservativ oder operativ.
Art gutartige Erkrankung im Enddarmbereich
Ursachen Schwangerschaft und Geburt, ansonsten multifaktoriell
Übertragung nicht ansteckend
Symptome Blutungen, Prolapsgefühl (ausstülpende Knoten), seltener Juckreiz oder Brennen im Analbereich
Behandlung Zäpfchen, Salben, Tabletten, eventuell Gummibandligatur oder Operation

Unter Hämorrhoiden versteht man schwammartige Gefäßpolster, die aus einem Arterien- und Venengeflecht sowie Bindegewebe bestehen. Dieses Geflecht wird auch als Plexus hämorrhoidalis bezeichnet. Der Plexus hämorrhoidalis unterstützt den Schließmuskel beim Abdichten des Afters. Treten Beschwerden auf, spricht man von einem Hämorrhoidalleiden oder symptomatischen Hämorrhoiden.

Viele unterschiedliche Symptome können auf ein Hämorrhoidalleiden hindeuten. Da die Beschwerden aber auch ein Anzeichen für andere, mitunter ernsthafte Erkrankungen sein können, ist eine Untersuchung beim Facharzt unbedingt erforderlich.

Zu den häufigsten Symptomen zählen anale Blutungen und das Hervortreten der Knoten (Prolaps) aus dem Anus. Seltener treten, bedingt durch den Prolaps, Juckreiz und Nässen auf, sehr selten kommt es außerdem zu Schmerzen.

Hämorrhoiden werden in vier Schweregrade eingeteilt, an denen sich auch die Behandlung orientiert. Der Übergang zwischen den Stadien ist fließend. Meistens treten verschiedene Stadien gleichzeitig auf.

1. Stadium
  • leicht geschwollene Gefäßpolster
  • von außen nicht sichtbar
  • Blutungen
2. Stadium
  • beim Pressen treten die Hämorrhoiden aus dem Analkanal vor, gleiten nach dem Stuhlgang von alleine zurück
  • Blutungen
3. Stadium
  • nach dem Stuhlgang oder bei Anstrengung bilden sich Hämorrhoiden nicht mehr von alleine zurück
  • Zurückschieben mit den Fingern ist erforderlich
  • von außen sichtbar (sofern die Knoten heraustreten)
  • Blutungen
4. Stadium
  • die Knoten sind permanent herausgetreten und können nicht mehr zurückgeschoben werden
  • evtl. Schmerzen
  • von außen sichtbar
  • Blutungen

Viele Ursachen zur Entstehung des Hämorrhoidalleidens werden diskutiert. Dennoch und trotz der großen Zahl an Betroffenen gibt es in der medizinischen Literatur außer Schwangerschaft und Entbindung keine eindeutig belegten Risikofaktoren. Patienten wird aber zu regelmäßiger Bewegung und Vermeidung von Obstipation (Verstopfung) und starkem Pressen beim Stuhlgang geraten.

Bei typischen Symptomen ist der Facharzt für Chirurgie mit Spezialgebiet Proktologie der richtige Ansprechpartner. In einem umfassenden Gespräch (Anamnese) erkundigt sich der Arzt zunächst nach den Beschwerden, dem Stuhlgang und ob Blut im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier bemerkt worden ist. Anschließend wird er den After durch Abtasten mit dem Finger (Rektal-Palpation) oder im Rahmen einer schmerzlosen Rektoskopie oder Proktoskopie (Enddarmspiegelung mit einem kleinen Rohr) untersucht. So kann festgestellt werden, ob es sich um Hämorrhoidalbeschwerden oder um ein anderes Problem handelt.

Es können auch andere Erkrankungen des Enddarms, beispielsweise thrombosierte Hämorrhoiden (Blutgerinnsel in einer Hämorrhoide), perianale Thrombosen, Analfissuren, Analfisteln, Enddarmkrebs oder Entzündungen im Dickdarm festgestellt werden. Auch Ekzeme, Pilzinfektionen und Herpes können bei der Untersuchung entdeckt werden.

Blutungen im Darmbereich sollten immer im Rahmen einer Vorsorgekoloskopie abgeklärt werden. Die erste Vorsorgeuntersuchung wird mit 45 empfohlen.

Hämorrhoiden, die keine Beschwerden verursachen, bedürfen keiner Therapie. Zur Behandlung von symptomatischen Hämorrhoiden stehen konservative (Stadium 1 und 2) oder operative Behandlungsmöglichkeiten (Stadium 3 und 4) zur Verfügung. Je nach Stadium entscheidet der Arzt gemeinsam mit dem Patienten, welche Behandlung sinnvoll ist.

Konservative Therapie

In den meisten Fällen kann Patienten durch eine konservative Therapie geholfen werden.

Medikamentöse Behandlung unterscheidet Präparate zur lokalen ("Externa") und zur systemischen Anwendung ("Interna"):

  • Hämorrhoidenmittel in Form von Salben, Zäpfchen oder Cremes: enthalten Lokalanästhetika, Entzündungshemmer oder Adstringentien (blutstillende, zusammenziehende oder entzündungshemmende Wirkung)
  • Flavonoide in Tablettenform: bewirken ein Abschwellen und lindern die Blutung (Citrusbioflavonoide, Hesperidin, Diosmin, Rutin und Hydroxymethylrutinoside). Flavonoide sollten aber während Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden
  • Salben und Cremes mit natürlichen Inhaltsstoffen (z.B. Kamille, Ringelblume, Rosskastanie, Kornblume)
  • Sitzbäder mit Eichenrinde oder Kamille

Semikonservative Therapie

Bei hartnäckigen Hämorrhoiden stehen bei Grad 1 und 2 auch semikonservative Behandlungsmethoden, die ambulant durchgeführt werden können, zur Verfügung:

  • Sklerosierungstherapie (Verödung): Ein Verödungsmittel wird in oder neben vergrößerte Hämorrhoidalknoten gespritzt, die Gefäßpolster werden schlechter durchblutet und schrumpfen nach einigen Tagen.
  • Infrarotkoagulation (Verödung durch Hitze): Hämorrhoiden werden mithilfe von Infrarotstrahlung oberflächlich verschorft.
  • Gummibandligatur (GBL): Die Hämorrhoiden werden angesaugt und mit Gummibändern abgeschnürt, das abgebundene Gewebe wird nach einiger Zeit abgestoßen und mitsamt dem Gummiring ausgeschieden.

Mehr lesen » Gummibandligatur

Operative Therapie

Hämorrhoiden können mitunter sehr hartnäckig sein und wiederkommen. In diesem Fall kann auch eine weitere Operation notwendig sein.

Ab Stadium 3 und 4 kommen verschiedene Operationsmethoden zum Einsatz:

  • Stapler-Methode oder OP nach Longo: Dieses Verfahren kommt beim drittgradigen Hämorrhoidalprolaps zur Anwendung. Mit einem Klammernahtgerät (Stapler) wird die Darmschleimhaut oberhalb der vergrößerten Hämorrhoide gestrafft, überschüssige Teile werden entfernt. Diese Operationsmethode hat wegen der immer wieder auftretenden, schwerwiegenden Komplikationen nur einen geringen Stellenwert.
  • Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan: Mit Hilfe dieser am häufigsten angewendeten Operationsmethode in den Stadien 3 und 4 werden störende Knoten unter Narkose operativ entfernt. Die verbleibenden Blutgefäße werden abgebunden. Eine Besonderheit an dieser Methode: Die Wunde bleibt offen, das Wundsekret kann abfließen. Nach Anwendung dieser Methode ist die Neigung zu einer neuerlichen krankhaften Veränderung der Hämorrhoiden (Rezidiv) deutlich geringer. Allerdings ist der Eingriff mit stärkeren Schmerzen verbunden.
  • Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur (HAL): Dieses relativ neue Verfahren verursacht im Vergleich zu klassischen Operationen geringere Schmerzen. Bei der Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur (HAL) ortet der Arzt die zuführenden Arterien mit einem Ultraschallgerät. Mit Hilfe einer Sonde werden die Versorgungsarterien des Gewebes umstochen und gezielt unterbunden. Die Hämorrhoidalknoten schrumpfen nach einigen Wochen, ohne dass sich Wunden bilden. Die Rate der Patienten, bei denen es nach einiger Zeit wieder zum Auftreten von Beschwerden kommt, ist höher, allerdings sind die Schmerzen nach der Operation geringer.
  • Rekto-Anal-Pexie (RAR = engl. für Rekto-Anal-Repair): Diese Methode wird mit der HAL-Operation kombiniert, stellt also eine Erweiterung dieser dar. Zusätzlich zum Abbinden der Gefäße werden die größeren Knoten mittels einer wendelförmigen Naht nach innen gerafft. Dank der RAR-Methode kommt es nach HAL-Operationen seltener zum Wiederauftreten von Beschwerden. Man spricht daher heutzutage auch von der HAL/RAR-Operation. Sie stellt neben der Operation nach Milligan Morgan das häufigste operative Verfahren dar.

In der Schwangerschaft und nach der Geburt treten vergrößerte Hämorrhoiden häufiger auf. Die Gründe dafür:

  • die wachsende Gebärmutter drückt auf den Enddarm
  • hormonelle Umstellungen
  • lockeres Bindegewebe
  • Zunahme der Durchblutung der Beckenorgane in der Schwangerschaft

Nach der Geburt normalisiert sich der Zustand in der Regel wieder. Zäpfchen bzw. Salbentherapie und Sitzbäder mit Eichenrinde sowie gegebenenfalls Schmerzmittel können Abhilfe schaffen. Manchmal ist aber auch in der Schwangerschaft oder knapp nach der Entbindung eine Operation notwendig.