Lungenödem (Wasser in der Lunge, Wasserlunge)

Ärztin sieht Röntgenbild von Menschen mit Lungenödem
Ein Röntgenbild trägt zur Diagnose des Lungenödems bei.
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Bei einem Lungenödem kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Lunge. Als Ursache kommen verschiedene Auslöser in Frage.

Medizinische Expertise

OA Mag. Dr. Lukas Fiedler

Wissenschaftlicher Leiter MeinMed Wr.Neustadt/Baden, Abteilung für Innere Medizin, Kardiologie und Nephrologie, Landesklinikum Wiener Neustadt

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Inhaltsverzeichnis

Ein Lungenödem führt meist zu massiven Atemproblemen und muss rasch medizinisch behandelt werden. Herzerkrankungen stellen die häufigste Ursache dar, weitere mögliche Auslöser sind unter anderem Vergiftungen und Infektionen. Unbehandelt ist ein Lungenödem lebensbedrohlich.

  • Bei einem Lungenödem kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe.
  • Das Lungenödem tritt meist in Zusammenhang mit einer Herzerkrankung auf. Man spricht in diesem Fall von einem kardialen Lungenödem.
  • Mögliche Auslöser für nicht-kardiale Lungenödeme sind unter anderem Vergiftungen, akutes Nierenversagen oder Infektionen.
  • Erstes Anzeichen für das "Wasser in der Lunge" ist eine flache und schnelle Atmung. In weiterer Folge kann es zu Atemnot, Erstickungsangst und schaumigem Auswurf kommen.
  • Ein akutes Lungenödem ist ein medizinischer Notfall und muss umgehend behandelt werden.
  • Bei rechtzeitiger medizinischer Hilfe ist ein Lungenödem in der Regel gut behandelbar.
Art Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe
Ursachen Herzerkrankungen, Vergiftungen, Nierenversagen, Infektionen, allergischer Schock
Symptome Atemprobleme, Husten, beschleunigter Puls, Atemgeräusche, Unruhe, Angst
Diagnose körperliche Untersuchung, Röntgen der Lunge, Blutuntersuchung
Therapie medikamentöse Behandlung mit Entwässerungsmittel, Nitraten und Blutdrucksenkern; bei Bedarf intensivmedizinische Behandlung

In der Lunge wird Sauerstoff aufgenommen und Kohlenmonoxid abgegeben. Bei einem Lungenödem kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung (Ödem) im Lungengewebe und/oder in den Lungenbläschen. Das führt zu einer Beeinträchtigung des Sauerstoffaustausches. Kann nicht mehr genug Sauerstoff aufgenommen und Kohlenmonoxid abgegeben werden, werden die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Das kann zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen, der rasch behandelt werden muss.

Umgangssprachlich wird das Lungenödem auch als "Wasser in der Lunge" bezeichnet. Diese Bezeichnung ist medizinisch nicht korrekt, da es sich bei der Flüssigkeitsansammlung genaugenommen um die flüssigen Bestandteile des Blutes (Plasma) handelt. Bei einem Lungenödem tritt das Plasma aus den Blutgefäßen aus und wird ins Lungengewebe gedrückt. Durch die freie Flüssigkeit wird die Lunge in ihrer Funktion eingeschränkt. Die Ursachen dafür sind unterschiedlich.

Ein Lungenödem tritt am häufigsten als Folge einer Herzerkrankung auf. Man unterscheidet:

  • Kardiales Lungenödem: Das kardiale Lungenödem wird durch ein Herzleiden – meist Herzschwäche – ausgelöst.
  • Nicht-kardiales Lungenödem: Dieses ist nicht durch eine Herzkrankheit bedingt. Mögliche Auslöser dafür sind Vergiftungen durch das Einatmen von Gasen, akutes Nierenversagen, allergischer Schock oder Infektionen (vor allem Blutvergiftung) sowie die Höhenkrankheit.

Je nach Ursache tritt ein Lungenödem plötzlich auf (akutes Lungenödem) oder entwickelt sich über einen längeren Zeitraum.

Erstes Anzeichen für "Wasser in der Lunge" ist eine flache und schnelle Atmung. Bei Fortschreiten der Erkrankung kommt es zu Atemnot, Erstickungsangst und einer rasselnden Atmung. Im weiteren Verlauf wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, Lippen und Finger färben sich bläulich. Ein akutes Lungenödem ist ein medizinischer Notfall. Verständigen Sie umgehend den Notarzt und leiten Sie Erste-Hilfe-Maßnahmen ein!

Stadium Beschreibung mögliche Symptome
I: Interstitielles Lungenödem Die Flüssigkeitsansammlung befindet sich im bindegewebigen Stützgerüst bzw. im Zellzwischenraumgewebe (Interstitium) und ist noch nicht in den Luftraum der Lunge übergetreten. Atembeschwerden, schnelle und flache Atmung, Husten, Unruhe
II: Alveoläres Lungenödem Die Flüssigkeit dringt zunächst in die Lungenbläschen (Alveolen) und später auch in die kleinen Bronchien ein. Medizinische Hilfe ist dringend notwendig. zunehmende Atemnot, verstärkter Husten, schaumiger Auswurf, Atemgeräusche, schneller Puls, Erstickungsangst
III: Schaumbildung Es sammelt sich immer mehr Flüssigkeit in den Bronchien. Ein Sauerstoffmangel droht. verstärkte Schaumbildung, rasselnde Atemgeräusche, Lippen und Finger färben sich bläulich
IV: Atemstillstand (Asphyxie) Ein lebensbedrohlicher Zustand tritt ein. Betroffene müssen umgehend mit Sauerstoff versorgt werden. Kreislaufstillstand droht.

Der Verdacht auf ein Lungenödem ergibt sich meist bereits durch die vorhandenen Atembeschwerden. Um die Diagnose zu sichern, sind folgende Untersuchungen notwendig:

Um die Ursache des Lungenödems festzustellen, können weitere Untersuchungen wie z.B. EKG, Herz-Ultraschall sowie spezielle Blutwerte notwendig sein.

In der Regel lässt sich ein Lungenödem gut behandeln. Neben den Akutmaßnahmen ist jedoch auch die Behandlung der Grunderkrankung wichtig. Die Therapie richtet sich nach Schweregrad und Ursache des Lungenödems.

Zu den Akutmaßnahmen zählen:

  • medikamentöse Behandlung mit Diuretika (Entwässerungsmittel), Nitrate, Blutdrucksenker (z.B. Betablocker) etc.
  • Sauerstoffgabe mittels Maske
  • Bettruhe mit hochgelagertem Oberkörper
  • intensivmedizinische Behandlung (z.B. künstliche Beatmung)

Erfolgt rechtzeitig medizinische Hilfe, lässt sich ein Lungenödem in der Regel gut behandeln. Die langfristigen Heilungschancen hängen vor allem davon ab, ob die auslösende Ursache beseitigt werden kann.

Unbehandelt ist ein Lungenödem lebensbedrohlich. Kann die Flüssigkeitsansammlung nicht entfernt werden, droht ein Atemstillstand mit anschließendem Multiorganversagen.