Balanitis (Eichelentzündung, Balanoposthitis)

Mann mit Balanitis
Jucken im Intimbereich kann ein erstes Symptom einer Eichelentzündung sein.
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Ist die Eichel des Penis gerötet, juckt oder brennt, kann eine Eichelentzündung vorliegen. Der medizinische Fachbegriff für die Eichelentzündung ist Balanitis.

Medizinische Expertise
Franklin E. Kuehhas

Dr. med. Franklin E. Kuehhas, FECSM

Facharzt für Urologie und Andrologie

Tulpengasse 2/2, 1080 Wien

www.dr-kuehhas.at

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Inhaltsverzeichnis

Eine entzündete Eichel (Glans penis) kann infektiöse oder nicht-infektiöse Ursachen haben. Beim unbeschnittenen Mann wird die Eichel von der Vorhaut bedeckt. In den meisten Fällen ist auch die Vorhaut entzündet, dann ist von einer Balanoposthitis die Rede. Häufig sind Hygienemaßnahmen sowie eine Behandlung in Form von Salben oder Cremes ausreichend.

  • Die Balanitis (Eichelentzündung) kann durch Keime, aber auch durch nicht-infektiöse Faktoren verursacht werden.
  • Die Beschwerden können etwa zwei bis drei Tage nach dem Geschlechtsverkehr auftreten.
  • Das Symptom einer Eichelentzündung ist eine gerötete, juckende und bzw. oder schmerzende Eichel. Häufig ist auch die Vorhaut betroffen.
  • In der Regel wird die Eichelentzündung lokal behandelt.
Art Entzündung
Erreger Infektion mit Hefepilzen, Bakterien, Viren oder durch übertriebene/mangelnde Hygiene
Übertragung direkter Kontakt, sexuell übertragbar
Inkubationszeit  zwei bis drei Tage
Erkrankungsdauer abhängig von Ursache und Befund
Symptome Jucken, Schmerzen, Brennen, Rötung der Penisspitze
Behandlung Umschläge, Sitzbäder, lokale Behandlung in Form von Salben und Cremes, Schmerztherapie, hygienische Maßnahmen

Bei einer Balanitis ist die Glans penis, die Eichel, entzündet. Mediziner sprechen von einer Balanoposthitis, wenn nicht nur der vordere Teil des Penis, sondern auch die Vorhaut entzündet ist und von einer Posthitis, wenn nur die Vorhaut betroffen ist.

Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

  • Rötung
  • Schmerzen
  • Brennen
  • Juckreiz
  • Schwellung
  • (eitriger) Ausfluss
  • wunde Stellen

Auch können Begleiterscheinungen wie geschwollene Lymphknoten in der Leistengegend, Schmerzen beim Wasserlassen, Fieber und Unwohlsein hinzukommen.

Die Ursachen einer Balanitis können je nach Alter und Lebensumstände unterschiedlich sein. Infektionen, wie etwa durch Pilze (Candida albicans oder Soor), Bakterien (Staphylokokken, Enterokokken, Streptokokken) oder Viren (Herpes, Humane Papillomviren) können eine Eichelentzündung hervorrufen.

Einer Balanitis oder Balanoposthitis können aber auch nicht-infektiöse Risikofaktoren zugrunde liegen, wie zum Beispiel:

  • Verengung der Vorhaut (Phimose): Ist die Vorhaut zu eng und lässt sich nicht zurückziehen, kann sich die Eichel, besonders bei Kindern unter fünf Jahren, leichter entzünden.
  • Erkrankungen: Verschiedene Krankheiten, wie etwa Morbus Crohn, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) beim Mann oder Adipositas (starkes Übergewicht), können das Risiko erhöhen.
  • Mangelnde oder übertriebene Intimpflege: Wird das Smegma (weißlich-gelbe Substanz, die sich zwischen Vorhaut und Eichel bildet) nicht regelmäßig entfernt, kann dies eine Entzündung begünstigen. Umgekehrt kann aber auch übermäßige Hygiene oder eine Überempfindlichkeit auf eine Seife eine Balanitis hervorrufen.
  • Allergische Reaktion: Eine Reizung oder Kontaktdermatitis, etwa ausgelöst durch die Verwendung eines Latexkondoms, eines Gleitgels oder aber auch eine allergische Reaktion gegen ein innerlich oder äußerlich angewendetes Medikament ("Medikamentenausschlag", Arzneimittelexanthem) kann eine Balanitis hervorrufen.
  • Hauterkrankungen: Auch Erkrankungen wie z. B. Psoriasis (Schuppenflechte), Knötchenflechte oder Zoon-Balanitis (Rötung der Eichel ohne bekannte Ursache) können die Haut irritieren und eine Entzündung hervorrufen.

Ja, die Eichelentzündung ist ansteckend. Die Keime können durch direkten Kontakt und durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Die ersten Symptome treten in der Regel zwei bis drei Tage nach dem Kontakt auf.

Ein frühzeitiger Arztbesuch ist ratsam, erster Ansprechpartner ist der Hausarzt oder der Urologe. Manchmal liegt der Eichelentzündung nicht nur eine Ursache zugrunde, daher können auch mehrere Untersuchungen notwendig sein. Typisch ist folgender Ablauf:

  • Der Arzt stellt zunächst Fragen zu den Beschwerden und zu etwaigen Vorerkrankungen.
    Anschließend wird der Arzt die Intimregion untersuchen und gegebenenfalls die Leistengegend abtasten.
  • Bei Bedarf wird der Arzt auf Geschlechtskrankheiten testen, einen Abstrich machen und eine Pilz- und Bakterienkultur anlegen oder eine Urinprobe durchführen lassen.
  • Insbesondere bei wiederkehrenden Infektionen wird der Arzt weiterführende Untersuchungen veranlassen.
  • Bei Verdacht auf Diabetes mellitus wird der Arzt einen Diabetes-Test durchführen und den Blutzuckerspiegel messen.
  • Im Falle einer schwerwiegenden Balanitis kann der Arzt auch eine Gewebeprobe entnehmen, um ernsthafte Erkrankungen ausschließen zu können. 

Da sich die Balanitis auch ausweiten und in der Folge Harnwegsinfekte oder eine Entzündung der Blase oder Prostata verursachen kann, ist eine zeitnahe Behandlung unbedingt notwendig.

  • Lokale Therapie: Frühzeitig erkannt, ist meist das äußerliche Schmieren von entsprechenden Salben mit antibiotischen (bei Bakterien) oder antimykotischen (bei Pilzen) Wirkstoffen ausreichend. Vorsicht: Manche Präparate, die im Genitalbereich angewendet werden, können die Funktionsfähigkeit von Kondomen beeinflussen.
  • Sitzbäder oder Umschläge mit Extrakten, die Gerbstoffe enthalten, – z.B. Eichenrinde oder Kamillenblüte – können die Genesung unterstützen.
  • Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können bei Bedarf und nach Absprache mit dem Arzt angewendet werden.
  • In hartnäckigen Fällen kann die orale Gabe eines Antibiotikums notwendig sein.
  • Treten die Entzündungen immer wieder auf und ist die Vorhaut verengt, kann eine Beschneidung (Zirkumzision) helfen.

Je nach Auslöser muss immer auch die Ursache, etwa eine Grunderkrankung wie Diabetes mellitus, behandelt werden.

Eine gründliche, aber nicht übermäßige Intimpflege ist wichtig: Penis und Eichel täglich unter fließendem Wasser reinigen, die Vorhaut vorsichtig zurückschieben und das Smegma entfernen. Wasser ist dabei völlig ausreichend, denn auch aggressive Pflegeprodukte können eine Entzündung begünstigen. Bei Kindern sollten die Eltern die Intimpflege gemeinsam mit dem Kind durchführen.

Beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden, um sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten (STD, STI) zu schützen. Für Männer mit einer Latexallergie gibt es latexfreie Kondome.

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