Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Frau, die ihren Hals berührt – mit hervorgehobener Schilddrüse
Häufig ist die Schilddrüse bei Betroffenen sichtbar vergrößert.
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Bei einer Überfunktion befinden sich zu viele Schilddrüsenhormone im Blut. Verschiedene Stoffwechsel- und Körperfunktionen geraten dadurch aus dem Gleichgewicht.

Medizinische Expertise

Michael Weissel

Univ.-Prof. Dr. Michael Weissel

Facharzt für Innere Medizin, Spezialist für Schilddrüsen-Erkrankungen
Schlösselgasse 1, 1080 Wien
www.wien-schilddruese.at
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Inhaltsverzeichnis

Bei Betroffenen laufen Stoffwechselvorgänge im Körper viel schneller als gewöhnlich ab. Die Überfunktion der Schilddrüse zeigt sich daher häufig durch Symptome wie Zittern, Herzrasen, erhöhter Blutdruck, starke Nervosität und Gewichtsverlust. Es wird geschätzt, dass etwa eine von 100 Personen von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen ist – Frauen dabei deutlich häufiger als Männer.

Zusammenfassung

  • Bei der Schilddrüsenüberfunktion werden zu viele Schilddrüsenhormone (T3 und T4) ins Blut ausgeschüttet, die für den Stoffwechsel wichtig sind.
  • Stoffwechselvorgänge laufen bei Betroffenen viel schneller ab.
  • Typische Symptome der Überfunktion sind innere Unruhe, Schlaflosigkeit und Gewichtsverlust bei gutem Appetit.
  • Besteht ein Verdacht auf Schilddrüsenüberfunktion, werden im Rahmen einer Blutabnahme die Schilddrüsenhormone bestimmt.
  • Dank Medikamenten und der Radiojodtherapie ist die Krankheit heute gut behandelbar. Mittels einer Operation können Teile oder im Einzelfall auch die ganze Schilddrüse entfernt werden. 

Schilddrüsenüberfunktion im Überblick

Art Schilddrüsenerkrankung
Beschreibung zu starke Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen
Ursachen gutartige Gewebeveränderungen (Knoten), Morbus Basedow
Symptome Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, Hyperaktivität, Gewichtsverlust
Diagnose Blutabnahme, Ultraschalluntersuchung, Szintigraphie
Therapie Medikamente, Radiojodtherapie, operative Teil- oder Komplettentfernung der Schilddrüse

FAQ (Häufige Fragen)

Welche Symptome hat man bei einer Schilddrüsenüberfunktion?

Folgende Symptome können auftreten:

  • Emotionale Schwankungen, Gereiztheit
  • Schlaflosigkeit
  • Innere Unruhe, Hyperaktivität (Manie)
  • depressive Verstimmung bis zur Depression
  • Müdigkeit, Schwächegefühl
  • Angstzustände
  • Herzklopfen, spürbares Herzrasen, Vorhofflimmern
  • Erhöhter Blutdruck (erweiterte Amplitude)
  • Zittern der Hände
  • Vermehrtes Schwitzen, Schweißausbrüche
  • Haarverlust, brüchige Nägel
  • Gewichtsverlust, obwohl der Appetit groß ist
  • Aussetzen der Periode
  • Potenzprobleme
  • Warm-feuchte Haut, überempfindlich gegenüber Wärme/Hitze
  • Augenerkrankungen: Rötungen, Sehen von Doppelbildern, typisch für Morbus Basedow sind hervortretende Augen
Was passiert, wenn man eine Schilddrüsenüberfunktion nicht behandelt?

Eine unbehandelte Überfunktion der Schilddrüse führt längerfristig zu Organschädigungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Entstehung von Osteoporose können langfristig die Folge sein. In seltenen Fällen, bei einer ausgeprägten und länger bestehenden Hyperthyreose, kann es im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion zu einer thyreotoxischen Krise kommen – einer Schilddrüsenhormonvergiftung, die eine lebensbedrohliche Situation darstellt.

Wie bekommt man eine Schilddrüsenüberfunktion weg?

Um eine Hyperthyreose in den Griff zu bekommen, gibt es grundsätzlich drei Behandlungsmöglichkeiten: 

  • Medikamente, 
  • Radiojodtherapie
  • und Operation

Welche Therapie am sinnvollsten ist, ist von mehreren Faktoren abhängig, wie Ausprägung der Erkrankung sowie die dahinterliegende Ursache, Größe und Struktur der Schilddrüse, Alter und allgemeiner Gesundheitszustand.

Die Schilddrüse liegt im vorderen Halsbereich, unterhalb des Kehlkopfs, und hat lebensnotwendige Funktionen zu erfüllen: Sie produziert lebenswichtige Hormone (Thyroxin (T4) und 20% des zirkulierenden Tri-Jod-Thyronins (T3). Das biologisch aktive T3 wird großteils außerhalb der Schilddrüse durch Abspaltung eines Jodatoms von T4 gebildet. Diese Hormone regulieren den Stoffwechsel, sowie Wachstumsprozesse und weitere wichtige Körperfunktionen.

Schilddrüsenerkrankungen können prinzipiell in jedem Lebensalter auftreten. Ursachen für Erkrankungen der Schilddrüse können sein:

  • tumorartige Erkrankungen
  • Entzündungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Gewebeveränderungen der Schilddrüse

All diese Schilddrüsenkrankheiten können zu Veränderungen in Größe und Beschaffenheit des Organs als auch zu Störungen des Hormonstoffwechsels führen. Diese Funktionsstörungen werden – abhängig von der Wirkung der Schilddrüsenhormone auf den Organismus – als Überfunktion oder Unterfunktion bezeichnet.

Unterfunktion der Schilddrüse Damit die Schilddrüse Hormone herstellen kann, benötigt sie eine gewisse Menge an Jod aus der Nahrung. Ein Jodmangel führt in weiterer Folge zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Auch wenn es in unseren Breiten seit Einführung der Jodsalzprophylaxe kaum mehr zu Jodmangel kommt, so ist die Unterfunktion eine häufige Erkrankung. Ihre Entstehung ist meist auf Morbus Hashimoto – die chronische Autoimmunthyreoiditis - zurückzuführen.
Überfunktion der Schilddrüse Bei einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) werden mehr Schilddrüsenhormone ins Blut ausgeschüttet bzw. von peripheren Organen gebildet, als der Körper benötigt. In der Folge laufen sämtliche Stoffwechselvorgänge beschleunigt ab. Es kann zu Herzbeschwerden, starker Nervosität und Gewichtsverlust kommen.

Für Österreich liegen derzeit keine konkreten Zahlen zur Häufigkeit der Erkrankung vor. Laut dem deutschen Bundesministerium für Gesundheit wird geschätzt, dass etwa einer von 100 Menschen (am häufigsten im mittleren Alter) an einer Schilddrüsenüberfunktion leidet. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer.

Für die Überfunktion der Schilddrüse gibt es vor allem zwei Ursachen:

  • Morbus Basedow: Es kann zu einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (Morbus Basedow) kommen. Bei diesem Prozess entstehen Antikörper gegen Schilddrüsenzellen. In der Schilddrüse docken diese an den gleichen Bindungsstellen an, wie das aus der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) kommende Schilddrüsen-stimulierende Hormon (TSH) und ahmen dessen Wirkung nach – wodurch die Bildung von Schilddrüsenhormonen angekurbelt wird.
  • Schilddrüsenautonomie: Üblicherweise wird die Schilddrüse durch das TSH  der Hirnanhangdrüse gesteuert. Eine zu niedrige Produktion von T4 führt zu erhöhtem TSH und eine überschießende Produktion von T4 bzw. T3 drosselt die TSH Ausschüttung. Bei Schilddrüsenautonomie ist dieser Regelkreis gestört. In der Schilddrüse haben sich (meist) gutartige Gewebeveränderungen gebildet (sogenannte "heiße Knoten"), die verstärkt Jod aufnehmen und unkontrolliert Hormone bilden bzw. ausschütten. Der Körper ist nicht in der Lage, die Hormonausschüttung zu regulieren, es entsteht ein Überfluss und dadurch eine Hyperthyreose.

Auch eine Entzündung der Schilddrüse kann zu einer vorübergehenden Überfunktion führen. Weitere mögliche Ursachen können sein: übermäßige Jodzufuhr (z.b. durch Jod-haltige Medikamente), durch Überdosierung von Schilddrüsenhormonen, durch Schilddrüsenkrebs (sehr selten), durch Tumore der Hypophyse (selten).

Sind zu viele Schilddrüsenhormone im Blut, können Stoffwechsel- und Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht geraten. 

Folgende Symptome können dann auftreten:

  • Emotionale Schwankungen, Gereiztheit
  • Schlaflosigkeit
  • Innere Unruhe, Hyperaktivität (Manie)
  • depressive Verstimmung bis zur Depression
  • Müdigkeit, Schwächegefühl
  • Angstzustände
  • Herzklopfen, spürbares Herzrasen, Vorhofflimmern
  • Erhöhter Blutdruck (erweiterte Amplitude)
  • Zittern der Hände
  • Vermehrtes Schwitzen, Schweißausbrüche
  • Haarverlust, brüchige Nägel
  • Gewichtsverlust, obwohl der Appetit groß ist
  • Aussetzen der Periode
  • Potenzprobleme
  • Warm-feuchte Haut, überempfindlich gegenüber Wärme/Hitze
  • Augenerkrankungen: Rötungen, Sehen von Doppelbildern, typisch für Morbus Basedow sind hervortretende Augen

Häufig ist die Schilddrüse bei Betroffenen sichtbar vergrößert. Dies zeigt sich durch eine Schwellung im vorderen Halsbereich, die als Struma (Kropf) bezeichnet wird. Bei älteren Menschen können viele dieser typischen Beschwerden auch fehlen oder werden falsch interpretiert. Manchmal sind sie auch durch die Einnahme von Medikamenten wie Betablockern deutlich abgeschwächt. Bei einer versteckten (nicht erkannten) Schilddrüsenüberfunktion fühlen sich alte Personen schwach, müde, geistesabwesend und depressiv, sie verlieren stark an Gewicht.

Eine unbehandelte Überfunktion der Schilddrüse führt längerfristig zu Organschädigungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Entstehung von Osteoporose können langfristig die Folge sein. In seltenen Fällen, bei einer ausgeprägten und länger bestehenden Hyperthyreose, kann es im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion zu einer thyreotoxischen Krise kommen – einer Schilddrüsenhormonvergiftung, die eine lebensbedrohliche Situation darstellt.

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion sind wichtige Diagnoseschritte:

  • ein ausführliches Ärzt:in-Patient:in-Gespräch (Anamnese)
  • eine körperliche Untersuchung, bei der die Schilddrüse abgetastet wird, um festzustellen, ob das Organ vergrößert, von derber Konsistenz, schmerzhaft, bzw. schluckverschieblich ist oder ob ein Knoten (Größenbeschreibung!) vorhanden ist. Die normal große Schilddrüse ist nur bei sehr schlanken Patient:innen tastbar.
  • Blutuntersuchungen: eine Blutabnahme, mit deren Hilfe die Schilddrüsenhormonwerte T3 und T4 und das Hormon TSH (Hormon der Hirnanhangdrüse) bestimmt werden. Bei einer Überfunktion sind T3 und T4 erhöht, der TSH-Wert ist stark erniedrigt. Sind TSH-Rezeptor-Antikörper im Blut nachweisbar, ist das ein Hinweis auf Morbus Basedow (= autoimmun bedingte Hyperthyreose).
  • Eine Ultraschalluntersuchung und eine Szintigraphie, um die Größe und Beschaffenheit von Knoten abzuklären.
  • Eine Untersuchung der Augen: Entzündliche Veränderungen am Auge (Trockenheit, Fremdkörpergefühl, Hervortreten der Augen) können auf Morbus Basedow hinweisen.

Um eine Hyperthyreose in den Griff zu bekommen, gibt es grundsätzlich drei Behandlungsmöglichkeiten: 

  • Medikamente, 
  • Radiojodtherapie
  • und Operation

Welche Therapie am sinnvollsten ist, ist von mehreren Faktoren abhängig, wie Ausprägung der Erkrankung sowie die dahinterliegende Ursache, Größe und Struktur der Schilddrüse, Alter und allgemeiner Gesundheitszustand.

Medikamentöse Behandlung Die Medikamente, sogenannte Thyreostatika, hemmen die Hormonproduktion und dadurch die Schilddrüsenfunktion. Zusätzlich können in der Anfangsphase Betablocker auftretende Symptome des Herz-Kreislaufsystems wie Herzrasen oder Blutdruck verbessern. Die Therapie mit Thyreostatika wird zumeist 18 Monate eingesetzt. Rezidive (Wiederauftreten) treten leider in 50% der Fälle auf, weshalb die Therapie oft wiederholt werden muss. Manchmal wird die Therapie auch länger eingesetzt. Sollte diese nicht erfolgreich bzw. nicht absetzbar steht eine Radiojod Therapie oder Operation als dauerhafte Lösung zur Verfügung.
Radiojodtherapie Bei dieser Behandlungsmethode wird eine Kapsel mit radioaktivem Jod geschluckt. "Normales" Schilddrüsengewebe nimmt sehr viel weniger Jod aus dem Blut auf als Gewebsanteile mit Überfunktion. "Heiße Knoten" werden somit vernichtet – normales Restgewebe bleibt übrig. Wird ein Morbus Basedow mit Radiojodtherapie behandelt, so wird eine Schilddrüsenunterfunktion angestrebt. Diese kann aber leicht und ohne Nebenwirkungen behandelt werden. Lebenslange Kontrollen dieser Behandlung sind allerdings ratsam. An gesunden Körperzellen außerhalb der Schilddrüse und am Erbgut entstehen dabei keine Schäden. Die Radiojodtherapie wird häufig bei kleinen Kröpfen, bei älteren Erkrankten bzw. bei hohem Operationsrisiko durchgeführt. Für Schwangere ist diese Methode tabu, mit der Radiojodtherapie behandelte Frauen sollten 6 Monate lang nicht schwanger werden.
Operation Als Alternative zur Radiojodtherapie ist auch die operative Entfernung der Schilddrüse (oder nur Teilen von ihr) möglich. Danach ist die lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen nötig. Dieser Routineeingriff wird bei sehr großen Kröpfen, bei jungen Frauen mit Kinderwunsch, bei Therapieversagern der Therapie mit Thyreostatika und bei Menschen mit Angst vor der Radiojodtherapie durchgeführt. Selten kann es passieren, dass bei der Operation Stimmbandnerven verletzt werden. Das führt zu Heiserkeit. Eine Schädigung der Nebenschilddrüsen kann zu vorübergehender bzw. in seltenen Fällen bleibend niedrigen Calcium-Spiegel führen, die behandelbare Muskel-Krämpfe auslösen können.
Univ.-Prof. Dr. Michael Weissel, Facharzt für Innere Medizin, Spezialist für Schilddrüsen-Erkrankungen

Die Therapie mit Thyreostatika wird zumeist 18 Monate eingesetzt. Rezidive (Wiederauftreten) treten leider in 50% der Fälle auf, weshalb die Therapie oft wiederholt werden muss. Manchmal wird die Therapie auch länger eingesetzt.

Univ.-Prof. Dr. Michael Weissel, Facharzt für Innere Medizin, Spezialist für Schilddrüsen-Erkrankungen

Patient:innen mit Schilddrüsenüberfunktion leiden oft unter Stimmungsschwankungen, fühlen sich müde und gereizt.

  • Entspannungsübungen können Stress mildern, Beschwerden wie Zittern, Unruhe, Schwitzen können sich bessern.
  • Wichtig ist es, auf regelmäßige Pausen zu achten, um bewusst Ruhephasen zu schaffen.
  • Jodarme Ernährung kann einer Schilddrüsenüberfunktion ebenfalls entgegenwirken. Vermeiden Sie stark jodhaltige Speisen wie Meeresalgen oder Seefisch.
  • Generell ist es ratsam auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und z.B. Getränke zu meiden, die den Stoffwechsel zusätzlich anregen, wie Kaffee, Cola oder Alkohol

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ICD-Codes:

  • E05
  • E06
  • P72
  • E07

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