Madenwurminfektion (Enterobiasis, Oxyuriasis, Würmer im Stuhl)

Mikroskop-Aufnahme eines Enterobius vermicularis
Würmer im Stuhl sind meistens nicht nur unter dem Mikroskop, sondern auch mit freien Auge erkennbar.
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Würmer im Stuhl sind zwar unangenehm, aber in der Regel harmlos und gut behandelbar.

Medizinische Expertise

Dr. Jürgen Harreiter, MSc PhD

Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien/AKH Wien

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Inhaltsverzeichnis

Spricht man von Würmern im Stuhl, sind damit in der Regel kleine weiße fadenförmige Madenwürmer gemeint. Die meisten Fälle von Madenwurmbefall treten bei Kindern zwischen vier und elf Jahren auf, aber auch ältere Kinder und Erwachsene können sich mit Madenwürmern infizieren.

  • Würmer im Stuhl sind ungefährlich und gut behandelbar.
  • Madenwürmer können im Stuhl oft mit bloßem Auge erkannt werden.
  • Die Infektion erfolgt durch das Verschlucken der Wurmeier.
  • Außerhalb des Körpers können Wurmeier bis zu drei Wochen überleben.
  • Das Leitsymptom bei einer Madenwurminfektion ist nächtlicher Juckreiz am After.
  • Einer Infektion mit Madenwürmern kann mit sorgfältiger Hygiene vorgebeugt werden.
Art Parasiten
Erreger Enterobius vermicularis
Übertragung Schmierinfektion, orale Aufnahme von Wurmeiern
Inkubationszeit 2 – 6 Wochen
Symptome Juckreiz am After, Schlafstörungen, Folgen des Schlafmangels
Behandlung Anthelminthika (Wurmmittel)

Madenwürmer (Enterobius vermucilaris) sind Parasiten, die sich im menschlichen Darm einnisten können. Sie gehören zu den Fadenwürmern (Nematoden) und sind weltweit verbreitet. Der Befall mit Madenwürmern zählt zu den häufigsten Wurmerkrankungen beim Menschen.

Die weiblichen Würmer sind mit 9 –12 mm Länge größer als die männlichen, die ca. 3 – 5 mm groß werden. Die kleinen weißen fadenförmigen Würmer sind im Stuhl häufig mit bloßem Auge erkennbar.

Eine Infektion tritt auf, nachdem Madenwurmeier verschluckt wurden. Die Eier gelangen häufig – etwa über Gegenstände wie Spielzeug – an die Finger und von dort oder direkt über verunreinigte Lebensmittel in den Mund und von hier in den Darmtrakt. Hier schlüpfen im Dünndarm bereits nach wenigen Stunden die ersten Larven. Diese wandern dann zum Dickdarm, wo sie innerhalb weniger Wochen geschlechtsreif werden und sich paaren. Die männlichen Madenwürmer sterben nach der Paarung, die weiblichen wandern in Richtung Analbereich, wo sie nachts rund um den After Eier ablegen.

Die Eiablage ist häufig mit starkem Juckreiz verbunden. Durch das Kratzen bleiben die Eier an Fingern und unter den Fingernägeln haften und können so auf Oberflächen oder Gegenstände übertragen werden. Die Wurmeier sind sehr klein und mit bloßem Auge nicht sichtbar. Sie sind extrem widerstandsfähig und können bis zu drei Wochen auf Möbeln, Bettwäsche, Spielsachen oder Kleidern überleben.

Innerhalb der Familie und in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten ist das Risiko einer Infektion oder einer Reinfektion sehr hoch. Gründliche Hygienemaßnahmen können das Ansteckungsrisiko minimieren. Wichtig ist, zumindest solange Symptome auftreten, auf diese Regeln zu achten:

  • regelmäßiges Händewaschen (vor allem nach dem Toilettengang und vor dem Essen)
  • täglich duschen
  • Kratzen im Analbereich vermeiden
  • Fingernägel kurz schneiden und mit der Nagelbürste reinigen
  • Unterwäsche und Pyjama täglich wechseln
  • Handtücher, Bettwäsche, Unterwäsche und Kuscheltiere bei mind. 60 Grad Celsius waschen
  • Spielzeug mit heißem Wasser reinigen
  • Oberflächen wie Türklinken regelmäßig reinigen
  • Nägelkauen und Daumenlutschen vermeiden

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In vielen Fällen verläuft ein Madenwurmbefall mit leichten Symptomen oder asymptomatisch. Folgende Beschwerden können Anzeichen einer Infektion mit Madenwürmern sein:

  • Juckreiz am After (vor allem nachts)
  • unruhiger Schlaf und Schlaflosigkeit aufgrund des Juckreizes
  • weitere mögliche Beschwerden: allgemeines Unwohlsein, Unterbauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Konzentrationsmangel und Reizbarkeit durch Schlafmangel

Bei Verdacht auf eine Infektion mit Madenwürmern ist der erste Ansprechpartner ein Arzt für Kinder- und Jugendheilkunde oder ein Arzt für Allgemeinmedizin. Erste Hinweise für die Diagnose Madenwurmbefall können Juckreiz am After oder Madenwürmer im Stuhl sein.

Weiterführend kann eine mikroskopische Untersuchung stattfinden. Dafür ist ein morgendlicher Analabdruck mittels Teststreifens nötig. Das geschieht in der Regel mit einem durchsichtigen Klebestreifen, der auf die Haut um den After geklebt und anschließend vorsichtig wieder abgelöst wird. Sind Wurmeier vorhanden, können diese mithilfe eines Mikroskops nachgewiesen werden.

Eine Infektion mit Madenwürmern ist gut und einfach behandelbar. Zum Einsatz kommen neben verstärkten Hygienemaßnahmen sogenannte Anthelminthika (Wurmmittel). Um eine Infektion oder Reinfektion zu vermeiden, ist es sinnvoll, alle Familienmitglieder vorsorglich mitzubehandeln.

Eine Madenwurminfektion heilt in der Regel ohne Komplikationen aus. Durch vermehrtes Kratzen kann es zu Wunden und Entzündungen im betroffenen Bereich kommen. Selten können Madenwürmer auch zu Beschwerden im Vaginalbereich führen.