Panikattacke (Panikstörung)

Panikattacke bei Frau im Wohnzimmer
Starke Angstgefühle, Herzrasen und Atemnot sind typische Anzeichen einer Panikattacke. Zur Behandlung eignen sich Präparate und Psychotherapie.
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Eine Panikattacke ist eine Phase extremer Angst, die plötzlich auftritt und meist nur wenige Minuten andauert. Panikattacken sind unangenehm, aber aus medizinischer Sicht nicht gefährlich.

Medizinische Expertise

Ulrike Demal

Dr. Ulrike Demal

Verhaltenstherapie Strudlhofstiege, Pasteurgasse 4/6, 1090 Wien
www.vt-strudlhof.at
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Inhaltsverzeichnis

Panikattacken kommen meist unerwartet und verschwinden in der Regel nach einigen Minuten von selbst wieder. Typische Symptome sind starke Angstgefühle, Herzrasen, Schwindel und Atemnot. Betroffene haben häufig Angst zu sterben. Kommen Panikattacken immer wieder vor, spricht man von einer Panikstörung.

  • Eine Panikattacke kommt meist unerwartet. Betroffene verspüren große Angst und Symptome wie Herzrasen, Atemnot und Schwindel.
  • Panikattacken sind weit verbreitet.
  • Kommen Panikattacken regelmäßig vor, spricht man von einer Panikstörung.
  • Eine Panikstörung wird medikamentös und mit Psychotherapie behandelt.
  • Panikattacken sind zwar unangenehm, aber nicht gefährlich.
Art plötzlich auftretender Angstanfall
Ursache oft kein erkennbarer Auslöser
Diagnose Anamnese, körperliche Untersuchung
Therapie u.a. Psychotherapie, Antidepressiva

Bei einer Panikattacke handelt es sich um eine plötzlich auftretende Alarmreaktion des Körpers, die mit großer Angst und körperlichen und/oder emotionalen Symptomen verbunden ist. Diese Phase dauert in der Regel nur wenige Minuten und es gibt keinen objektiven äußeren Anlass dafür. Innerhalb von etwa zehn Minuten erreicht eine Panikattacke ihren Höhepunkt. Betroffene wissen bei erstmaligem Auftreten meist nicht, dass es sich bei den Symptomen um eine Panikattacke handelt und empfinden häufig Todesangst.

Panikattacken kommen relativ häufig vor. Bis zu 40 % der Bevölkerung erleiden mindestens einmal im Leben eine Panikattacke. Panikattacken können einmalig, aber auch mehrere Male am Tag auftreten. 

Treten Panikattacken regelmäßig auf, spricht man von einer Panikstörung. Panikstörungen kommen bei Frauen häufiger vor als bei Männern und können in jedem Alter entstehen. Am häufigsten treten sie erstmals im Alter von Anfang bis Mitte 20 auf.

Bei Panikstörung haben Betroffene ständig Angst vor der nächsten Panikattacke ("Angst vor der Angst"), was wiederum zu anderen Symptomen wie Schlafproblemen führen kann. Sie achten vermehrt auf Symptome und fürchten sich ständig vor der nächsten Panikattacke. Menschen mit Panikstörung versuchen bestimmte Orte und Situationen zu vermeiden und ziehen sich häufig zurück. Bei einer Panikstörung handelt es sich um eine Angststörung, die möglichst früh behandelt werden sollte.

Panikattacken haben meist keinen erkennbaren Auslöser. Häufig treten sie bei Menschen während oder nach belastenden Lebenssituationen auf, z. B. nach dem Tod eines nahestehenden Menschen oder bei Stress. Auch bestimmte Erkrankungen wie Asthma, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Herzrhythmusstörungen oder Schilddrüsenüberfunktion werden mit Panikattacken in Verbindung gebracht. Panikstörungen treten außerdem familiär gehäuft auf.

Panikattacken stehen häufig in Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen wie anderen Angststörungen, Depressionen, Zwangsstörungen oder posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Die Symptome sind von Mensch zu Mensch anders und unterschiedlich stark ausgeprägt. Typische Symptome sind:

  • starke Angstgefühle (Todesangst)
  • Gefühl einer drohenden Ohnmacht
  • Herzrasen
  • Atemnot/Erstickungsgefühl
  • Schmerzen oder Engegefühl in der Brust
  • Schwindel
  • Hyperventilation
  • Hitzewallungen oder Schüttelfrost
  • Schwitzen
  • Übelkeit
  • Zittern
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln
  • Angst vor Kontrollverlust

Erste Ansprechpartner:in bei Verdacht auf Panikattacken ist die Hausärzt:in. Diese kann an eine Psychiater:in oder Psychotherapeut:in überweisen.

Der Arzt wird nach einer ausführlichen Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte) eine körperliche Untersuchung durchführen, um andere Erkrankungen ausschließen zu können. Je nach bisheriger Krankengeschichte können weitere Untersuchungen wie Blutuntersuchung, EKG, Lungenfunktionstest oder MRT nötig sein.

Die Diagnose Panikstörung wird gestellt, wenn wiederholt grundlos und unerwartet Panikattacken auftreten und der Betroffene über mindestens ein Monat ständig Angst vor einer weiteren Panikattacke hat und/oder Verhaltensänderungen aufgrund der Panikattacken aufweist (z.B. Vermeidung bestimmter Situationen oder Orte).

Hilfe bieten:

  • Fachärzt:in für Psychiatrie
  • Ambulanz für Psychiatrie
  • Psychotherapeut:in
  • Ärzt:in für Allgemeinmedizin

Bei Panikattacken bzw. einer Panikstörung können Medikamente wie Antidepressiva oder angstlösende Präparate sowie Psychotherapie (einschließlich Konfrontationstherapie) zum Einsatz kommen. Zusätzlich können Selbsthilfegruppen bei der Bewältigung der Angst helfen.

Panikattacke schneller loswerden – das kann helfen:

  • Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung: Atmen Sie bewusst langsam durch die Nase ein (zählen Sie dabei bis vier), halten Sie kurz die Luft an (zählen Sie dabei bis vier) und atmen Sie langsam wieder durch den Mund aus (zählen Sie dabei bis acht). Vorgang so lange wiederholen bis Entspannung eintritt.
  • Muskelentspannung: Bei einer Panikattacke sind meist alle Muskeln angespannt – vor allem Schultern, Nacken, Gesicht, Hände und Po. Konzentrieren Sie sich auf jeden einzelnen Körperteil und versuchen Sie diesen bewusst zu entspannen.
  • keine Gefahr: Machen Sie sich bewusst, dass Sie gerade eine Panikattacke haben, aber nicht in Lebensgefahr sind. Dieser Zustand geht vorbei, er ist zwar unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich.
  • Gedanken umlenken: Versuchen Sie sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Überlegen Sie beispielsweise, wohin die nächste Reise gehen könnte, was Sie heute noch vorhaben oder was Sie einkaufen müssen.

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