Coronavirus: 5 Fragen zur Übertragung

Grafische Darstellung des neuen Coronavirus
Sars-CoV-2-Viren haben einen Durchmesser von etwa 80 Nanometer.
© phanira / Shutterstock.com

Was wissen wir über die Übertragung des neuen Coronavirus und wie lässt sie sich am besten vermeiden? Welchen Einfluss hat das Raumklima? Ein Experte beantwortet die wichtigsten Fragen.

Medizinische Expertise
Walter Hugentobler

Dr. med. Walter Hugentobler

Facharzt für Allgemeine Innere Medizin

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Inhaltsverzeichnis

Die Fachmeinung von Virologen und Epidemiologen ist gefragter denn je. Dr. Walter Hugentobler hat an einer internationalen Studie über respiratorische Viren gearbeitet und sich die Zeit genommen, die wichtigsten Fragen rund um die Übertragung von Sars-CoV-2 zu beantworten.

Mit einem Durchmesser von rund 80 Nanometer sind Sars-CoV-2-Viren etwas kleiner als Grippeviren. Um eine Vorstellung zu geben: rund 5.000 Viren könnten auf dem Durchmesser eines Haares aufgereiht werden. Für die Übertragung ist das allerdings nicht entscheidend. Viren sind nicht als einzelne Teilchen in der Luft vorhanden, sondern in Tröpfchen, in denen sie von Erkrankten abgegeben werden. Diese Tröpfchen, die wir beim Atmen, Husten, Niesen und Sprechen abgeben, messen zwischen Bruchteilen eines Mikrometers (ein Millionstel eines Meters) und einem bis mehreren Millimetern. Wenn wir krank sind, enthalten diese Tröpfchen Viren oder Bakterien.

Die größeren Tröpfchen, von denen bei der Tröpfchen-Übertragung die Rede ist, fallen z. B. beim Sprechen innerhalb von rund zwei Metern zu Boden. Ganz anders sieht es aus, wenn die Tröpfchen durch Husten, Niesen oder lautes Rufen buchstäblich in den Raum hineingeschleudert werden. Eine Untersuchung am Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, hat gezeigt, dass beim Husten oder Niesen die kleineren Tröpfchen bis zu acht Meter weit fliegen können. In der trockenen Luft geheizter Räume können die Tröpfchen sich noch weiter in großen Räumen verteilen.

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Der Beweis einer direkten Luftübertragung von Mensch zu Mensch ist bisher an den hohen technischen Anforderungen gescheitert. Vier chinesische Studien und eine Studie aus den USA haben bisher genetisches Material des Sars-CoV-2 Virus in der Luft verschiedenster Räume von Spitälern mit COVID-19 Patienten nachgewiesen. Der Nachweis von aktiven, intakten Viren in der Luft ist jedoch bisher den Forschern nicht gelungen. Bei der Verfolgung der Übertragungsketten während der SARS-Epidemie 2002/2003 gab es jedoch zahlreiche Krankheitsausbrüche, die ausschließlich mit einer Luftübertragung erklärt werden konnten. Nur ein Teil der Betroffenen hatte unmittelbaren Kontakt zueinander gehabt. Beunruhigend ist, dass wir davon ausgehen müssen, dass einige wenige eingeatmete Viren in kleinen Tröpfchen genügen, um eine Krankheit auszulösen.

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Durch Einhaltung eines mittleren Feuchtebereiches in unseren Gebäuden ist es möglich, Viren rasch in der Luft und auf Oberflächen zu inaktivieren. Studien zeigen, dass eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 - 60 % optimal für unser Abwehrsystem und zugleich ungünstig für die Viren ist. Das Selbstreinigungssystem von Nase und Bronchien sowie die Immunabwehr der Atemwege funktionieren im mittleren Feuchtebereich optimal. Glücklicherweise ist genau dieser Feuchtebereich für die respiratorischen Viren maximal ungünstig. Sie werden binnen kürzester Zeit deaktiviert und verlieren ihre Ansteckungsfähigkeit.

In trockener Luft hingegen von weniger als 40 % Feuchtigkeit werden die Viren im getrockneten Zustand konserviert, behalten ihre Ansteckungsfähigkeit und schweben stundenlang in der Raumluft. Werden sie von einer zweiten Person eingeatmet und in deren Atemwegen wieder befeuchtet, steckt sich diese an.

Viren und Bakterien, die grundsätzlich das ganze Jahr über in der Luft und in den Atemwegen einzelner Menschen vorhanden sind, können sich unter den winterlichen Innenraumbedingungen ideal verbreiten, so wie wir es von der saisonalen Grippe kennen. Es ist deshalb kein Zufall, dass alle Viren, die Atemwegsinfektionen auslösen, im Winter epidemisch auftreten, so auch die Coronaviren und im aktuellen Fall das Sars-CoV-2.

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Ein Mindestwert von 40 % für die Raumluftfeuchtigkeit könnte die Belastung durch saisonale Atemwegsinfektionen verringern. Durch regelmäßiges Lüften oder eine gut geplante Lüftungsanlage kann das Risiko zusätzlich vermindert werden.

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Desinfektionssprays für die Luft sind unsinnig und schädlich. Hygieniker sind sich weitgehend einig darüber, dass im Privatbereich alkoholbasierte Desinfektionsmittel nur sparsam und gezielt eingesetzt werden sollten, z. B. wenn im gleichen Haushalt Verdacht oder Gewissheit besteht, dass jemand an COVID-19 erkrankt ist. Im Normalfall genügt die gründliche Oberflächenreinigung mit Seife und Wasser in Küche, Bad und Toilette. Luftreiniger sind nicht allgemein zu beurteilen, da es viele unterschiedliche Wirkprinzipien gibt. In der Regel machen sie aber keinen wesentlichen Unterschied, da das damit beeinflussbare Luftvolumen zu klein ist.

Die meisten Wohnungen sind zu stark geheizt, das gilt übrigens auch für Arbeitsplätze. Idealerweise sollte die Raumtemperatur 20 bis max. 22 Grad nicht übersteigen. Das trägt dazu bei, dass die Luft weniger trocken ist. Höhere Heiztemperaturen sind ungesund, verbrauchen mehr Energie und senken die Luftfeuchtigkeit. Diese sollte im Idealfall bei 40 - 60 % liegen.

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