Beschneidung (Zirkumzision)

Mann in violetter Unterhose hält seine Hände vor seinen Penis
Nach einer Beschneidung ist der Heilungsverlauf gewöhnlich nach etwa zwei Wochen abgeschlossen.
© Hector Roqueta / shutterstock.com
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Eine Beschneidung (Zirkumzision) ist ein kleiner operativer Eingriff, bei dem die Vorhaut, die für gewöhnlich den Peniskopf zur Gänze bedeckt, entfernt wird. Es handelt sich um eine Operation, die aus diversen medizinischen Gründen erfolgt, die aber auch aus religiösen oder ästhetischen Beweggründen durchgeführt wird.

Medizinische Expertise

Franklin E. Kuehhas

Dr. med. Franklin E. Kuehhas, FECSM

Facharzt für Urologie und Andrologie
Tulpengasse 2/2, 1080 Wien
www.dr-kuehhas.at
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Der Heilungsverlauf ist in der Regel nach etwa zwei Wochen abgeschlossen. Ob die Kosten für die Beschneidung von einer (privaten) Krankenversicherung übernommen werden, hängt vom Grund des Eingriffs ab. Eine Zirkumzision kann als urologischer Routineeingriff angesehen werden. Der Eingriff setzt damit aber auch eine erforderliche Erfahrung voraus, damit es zu einem funktionell und kosmetisch zufriedenstellenden Ergebnis kommt.

  • Eine Beschneidung kann aus medizinischen, ästhetischen, hygienischen oder religiösen Gründen erfolgen.
  • Sie kann als Routineeingriff angesehen werden, der dennoch ein Maß an Erfahrung voraussetzt.
  • Man kann diverse Beschneidungsstile unterscheiden, die sich darin unterscheiden, wieviel und welche Bereiche der Vorhaut entfernt werden und wo die Naht gesetzt wird.
  • Geschlechtsverkehr ist nach zwei bis vier Wochen nach dem Eingriff wieder möglich.
Art Operative Entfernung der Vorhaut
Gründe Medizinisch (Vorhautverengung, wiederkehrende Entzündungen, verkürztes Vorhautbändchen) aber auch ästhetische oder religiöse Gründe
Schmerzintensität gering
Kosten Werden nur bei medizinischen Gründen von einer Krankenversicherung übernommen

Video: Die Beschneidung: Zwischen medizinischer Notwendigkeit, kulturellem/religiösem Hintergrund & Ästhetik

Dr. Franklin Kuehhas klärt über Gründe, Vorteile und mögliche Nebenwirkungen einer Beschneidung auf. (Webinar, 20.12.2023)

Die Entscheidung zu einer Beschneidung erfolgt im Regelfall entweder aus medizinischen oder aus ästhetischen Gründen. Daneben spielt die Beschneidung auch bei diversen Religionsgemeinschaften eine Rolle.

Medizinische Indikationen für eine Beschneidung können sein:

  • Vorhautverengung (Phimose): eine zu enge Vorhaut kann angeboren sein oder im späteren Alter erworben werden, etwa durch Vorhauteinrisse oder wiederkehrende Entzündungen
  • Wiederkehrende Entzündungen: bei immer wieder auftretenden Entzündungen der Vorhaut oder Eichel kann eine Beschneidung Abhilfe verschaffen
  • Verkürztes Vorhautbändchen (Frenulum breve): je nach Grad der Verkürzung, kann bei einem verkürzten Vorhautbändchen eine Verlängerung (Frenulotomie) oder eine Beschneidung notwendig sein

Weitere Gründe für eine Zirkumzision wären:

  • Religiöse Beweggründe: in vielen Kulturen und Religionsgemeinschaften wird die Zirkumzision bereits im Neugeborenenalter durchgeführt
  • Hygiene: eine Beschneidung kann hygienische Vorteile mit sich bringen. Sie verhindert etwa, dass sich abgestorbene Hautzellen in der Vorhautfalte ansammeln können
  • Ästhetik: für manche Männer ist ein beschnittener Penis optisch ansprechender

Vor der Beschneidung werden Laboruntersuchungen, Blutgerinnungsstatus, eventuell ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt. Die Ärzt:in klärt in einem Beratungsgespräch detailliert über Möglichkeiten und Risiken des Eingriffs auf.

In der Regel wird die Beschneidung dann unter Lokalanästhesie durchgeführt, wodurch Schmerzen ausgeschaltet werden. Auf Wunsch kann der Eingriff aber auch unter Vollnarkose erfolgen.

Es gibt verschiedene Methoden, den Penis zu beschneiden. Diese unterscheiden sich darin, wieviel und welche Bereiche der Vorhaut entfernt werden und wo die Naht erfolgt.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen:

  • einer radikalen Beschneidung: Dabei wird durch Entfernung der Vorhaut die Eichel komplett freigelegt. 
  • einer Teilbeschneidung: Dabei wird nur ein Teil der Vorhaut entfernt.

Im deutschen Sprachraum haben sich die englischen Bezeichnungen für die verschiedenen Stile etabliert. Man kann grob gesagt vier Beschneidungsstile unterscheiden:

„high and tight-Beschneidung“ Das äußere Vorhautblatt wird entfernt sowie Teile des inneren Vorhautblattes und der Schafthaut, sodass das übrig gebliebene innere Vorhautblatt dann nach hinten gezogen und mit der Schafthaut vernäht wird. Bei dieser Methode entsteht die typische unterschiedliche Hauttönung.
„high and loose-Beschneidung“ Das äußere Vorhautblatt und ein kleiner Teil der Schafthaut wird entfernt. Das zuvor innenliegende Vorhautblatt wird mit der Schafthaut vernäht. Da vom inneren Vorhautblatt nur ein kleiner bzw. kein Teil entfernt wird, ist im Vergleich zur „high and tight-Beschneidung“ noch genug Haut übrig, sodass diese in Falten hinter dem Eichelkranz liegt.
„low and tight-Beschneidung“ Der Beschneidungsstil ist gekennzeichnet von der gesamten Entfernung des inneren und äußeren Vorhautblattes. Die Schafthaut wird dann direkt hinter dem Eichelkranz vernäht. Wird diese Methode gut durchgeführt, ist die Narbenbildung nur gering bis kaum sichtbar.
„low and loose-Beschneidung“ Bloß das innere Vorhautblatt wird entfernt. Das noch bestehende äußere Vorhautblatt wird dann direkt unter der Eichel vernäht. Bei diesem Beschneidungsstil ragt meist die noch verbliebene Vorhaut über den Eichelkranz. Der Peniskopf liegt daher im schlaffen Zustand nicht komplett frei.

Im Gegensatz zu den oben genannten Beschneidungsstilen, gibt es noch die ästhetische Beschneidung. Diese Methode unterscheidet sich zu den anderen dadurch, dass sowohl das innere als auch das äußere Vorhautblatt erhalten bleiben. Stattdessen wird ein Teil der Schafthaut an der Peniswurzel entfernt. Die Vorhaut wird im Anschluss nach hinten gezogen und die gekürzte Schafthaut mit der Peniswurzel vernäht. Somit liegt die Eichel frei und gleichzeitig bleiben die sensiblen Vorhautbereiche erhalten.

Gewöhnlich ist der Heilungsverlauf nach etwa zwei Wochen abgeschlossen und Geschlechtsverkehr nach zwei bis vier Wochen nach dem Eingriff wieder möglich. Manche Männer berichten von Auswirkungen auf das Liebesleben: intensivere Orgasmen und eine höhere Ausdauer beim Sex. Da die Eichel durch die fehlende Vorhaut weniger empfindlich wird, kann der Höhepunkt länger hinausgezögert werden. Keine Auswirkungen hat eine Zirkumzision auf Erektionsfähigkeit oder Erektionsstärke.

Ob die Kosten für die Beschneidung übernommen werden, hängt von dem Grund des Eingriffs ab:

  • Liegt ein medizinisches Problem, wie etwa eine Phimose, vor, können die Kosten von einer (privaten) Krankenversicherung übernommen werden.
  • Wird eine Beschneidung aus ästhetischen Gründen durchgeführt, werden die Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen.

Autor:in:
Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Erstellt am:

15. Januar 2024

Stand der medizinischen Information:

15. Januar 2024


ICD-Code:
  • Z41.2

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