Der erste Besuch beim Frauenarzt

Zuletzt aktualisiert am 24. August 2022

Mädchen bei Frauenärzting
Der Frauenarzt kann Dir alle Fragen zu verschiedenen Verhütungsmethoden beantworten oder Dir helfen, wenn du glaubst, schwanger zu sein.
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Der erste Besuch beim Frauenarzt ist für viele ein aufregendes Ereignis. Die Vorstellung, dass eine fremde Person sie an ihren intimsten Körperzonen berührt, beunruhigt. 

Medizinische Expertise

Dr. Ilona Rost

Frauenheilkunde und Geburtshilfe / Allgemeinmedizin, Mödling

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Inhaltsverzeichnis

In diesem Artikel wird erklärt, wann der erste Besuch beim Frauenarzt notwendig wird, was dort passiert und wie man den richtigen Arzt findet. Eine Begleitung, z.B. die Mutter, beste Freundin oder der Partner, kann dabei unterstützen. Die Angst vor dem Besuch ist im Regelfall aber unbegründet und oft empfinden junge Frauen die Untersuchung selbst nur als wenig unangenehm. Im Laufe der Jahre fühlt es sich wie ein ganz normaler Arztbesuch an.

Wie bei den meisten anderen Ärzten auch, führt der Gynäkologe zunächst ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit der Patientin. Darin kann man den Arzt kennenlernen und ihm zu allen körperlichen und seelischen "Mädchenproblemen" Fragen stellen. Scham ist dabei nicht notwendig, für den Gynäkologen sind solche intimen Gespräche Alltag. Die Chance, mit einem Experten über Dinge zu sprechen, die einen speziell als Mädchen bewegen und interessieren, sollte man nutzen. Der Frauenarzt kann z.B. alle Fragen zu verschiedenen Verhütungsmethoden beantworten oder beim Verdacht auf eine Schwangerschaft helfen.

Der Arzt wiederum stellt Fragen zur körperlichen Entwicklung und gegebenenfalls bestehenden Beschwerden, ob und wann die Periode schon eingesetzt hat und wann der erste Tag der letzten Blutung war. Darum sollte man sich seine Blutungen immer notieren. Auch will der Arzt wissen, ob man schon einmal Sex hatte. All diese Fragen sollten unbedingt ehrlich beantwortet, Scham ist hier fehl am Platz. Nur mit den korrekten Informationen kann der Gynäkologe die beste medizinische Betreuung gewährleisten. Es wird auch niemand erfahren, was unter vier Augen besprochen wurde – selbst die Eltern der Patientin nicht. Der Arzt steht unter Schweigepflicht! Nur die Patientin selbst kann ihn davon entbinden und ihn z.B. bitten, das Gespräch in Anwesenheit deiner Begleitperson zu führen, falls man lieber jemanden zum ersten Gynäkologentermin mitnehmen möchte.

Nach dem Anfangsgespräch kann die gynäkologische Untersuchung beginnen. Es muss aber nicht sein! Wenn man Hemmungen hat oder der Arzt im Gespräch nicht sympathisch war, kann man um Bedenkzeit beten und gegebenenfalls einen neuen Termin vereinbaren.

Entschließt man sich zur körperlichen Untersuchung, macht man sich unten herum frei und nimmt auf dem gynäkologischen Stuhl Platz, der rechts und links zwei "Flügel" hat, um dort die Beine abzulegen. Auch wenn diese gespreizte Haltung sehr ungewohnt ist, sollte man versuchen, die Beine bequem abzulegen und sich zu entspannen. Falls man Angst hat, kann man den Arzt bitten, jeden Untersuchungsschritt anzukündigen und zu erklären. In der Regel wird er dies aber – gerade bei den ersten Besuchen beim Frauenarzt – ganz von selbst tun. Auch bei der körperlichen Untersuchung kann die Begleitperson dabei sein oder währenddessen im Wartezimmer bleiben.

Sich zu entspannen, geht mit leerer Blase leichter, also geht man während der Wartezeit am besten nochmal auf die Toilette. Je angespannter man ist, desto verkrampfter wird auch der Intimbereich. Dann kann der Arzt einen schlechter untersuchen. Wenn man unten rum locker lässt – z.B. indem man den Popo tief auf den Stuhl sinken lässt, tief und langsam atmet und an etwas Schönes denkt –, ist die Untersuchung der Scheide und der besonderen Organe im Unterleib nicht schmerzhaft. Es kann sich nur etwas unangenehm anfühlen, wenn der Arzt bei der Standarduntersuchung über die Scheide die inneren weiblichen Organe untersucht.

Spekulum-Untersuchung

Der Name dieser Untersuchung leitet sich von den Instrumenten ab, die der Arzt dafür verwendet: Er schiebt vorsichtig eine Art metallenen Löffel (Spekulum) in die Scheide ein. Ein zweites Spekulum schiebt er dann vorsichtig gegenüber des ersten und öffnet dann mit den beiden Spekula leicht die Scheide. Dadurch hat er freie Sicht auf den Muttermund, das unterste Ende der Gebärmutter. Eventuell nimmt er mit einem Wattestäbchen oder Spatel eine Zellprobe (Abstrich). Davon merkt die Patientin fast nichts.

Das Sekret aus der Scheide kann der Arzt unter dem Mikroskop sofort auf Bakterien untersuchen, den Zellabstrich (auch PAP-Abstrich genannt, über den Zellveränderungen oder Krebsvorstufen frühzeitig erkannt werden können) muss er an ein Speziallabor weiterschicken. Der Befund sollte innerhalb einer Woche beim Frauenarzt vorliegen.

Falls man noch Jungfrau ist, braucht man übrigens keine Angst zu haben, dass während dieser Untersuchung womöglich das Jungfernhäutchen verletzt wird!.Dem Arzt stehen auch sehr kleine Instrumente zur Verfügung, mit denen er in dem Fall die Untersuchung vornimmt.

Abtastuntersuchung

Ist die Spekulum-Untersuchung geschafft, wird der Arzt noch eine Tastuntersuchung durchführen: Er führt einen oder zwei Finger vorsichtig in die Scheide ein und drückt von außen auf die Bauchdecke. So kann er die Lage und etwaige Veränderungen der Gebärmutter und der Eierstöcke überprüfen und erkennen, ob bestimmte Krankheiten oder eine Schwangerschaft vorliegen.

Ultraschalluntersuchung

Zur weiteren Abklärung des Tastbefundes kann der Arzt auf den Ultraschall zurückgreifen. Durch den Ultraschall kann er die Struktur der Gebärmutter, die Schleimhaut, die Zyklusphase, die Eierstöcke und Blase sowie den Bauchraum als auch eine etwaige Schwangerschaft auf einem Monitor sichtbar machen. Die Ultraschalluntersuchung erfolgt durch die Scheide oder von außen durch die Bauchdecke. Sie ist schmerzfrei und risikolos.

Brustuntersuchung

Ist der Untersuchungsteil auf dem gynäkologischen Stuhl abgeschlossen, kann man sich unten herum wieder anziehen und sich oben herum entkleiden. Man steht also nie ganz nackt vor dem Arzt. Bei der Brustuntersuchung tastet der Frauenarzt die Brust und die Achselhöhlen nach Veränderungen ab. In Ausnahmefällen wird er auch die Brust mit dem Ultraschall beurteilen wollen (Mammasonographie). Auch diese Ultraschalluntersuchung ist schmerzfrei und risikolos.

Die Brust sollte jede Frau übrigens auch regelmäßig selbst nach Veränderungen abtasten – am besten nach der Periode, dann ist sie auch schmerzunempfindlich. Etwaige Veränderungen sollten mit dem Frauenarzt besprochen werden.

Nach den Untersuchungen – manchmal auch währenddessen – bespricht der Arzt seine Befunde mit der Patientin. Je nachdem, ob der Arzt irgendetwas Auffälliges entdeckt hat, wird er die notwendige Therapie erörtern. Auch die Patientin selbst kann noch mal ansprechen, was sie wissen möchte oder nachfragen, falls etwas nicht verstanden hast. Und dann ist der erste Besuch beim Frauenarzt auch schon wieder vorbei und die ein oder andere wird sich fragen, warum man sich vorab so davor gefürchtet hat.

Für den ersten Besuch beim Gynäkologen gibt eigentlich kein vorgeschriebenes oder ideales Alter. Viele Frauenärzte raten jedoch, dass sich jedes Mädchen spätestens ab seinem 16. Geburtstag das erste Mal bei einem Gynäkologen vorstellt, um ihre Gesundheit zu überprüfen und über eventuelle Fragen zur Verhütung zu sprechen. Andere Ärzte raten zum Besuch, wenn die ersten Periodenblutung stattgefunden hat.

Übrigens sollte man einen Termin immer in der blutungsfreien Zeit ausmachen. Sonst kann die Blutung das Ergebnis des Abstrichs verfälschen. Außerdem fühlt sich auch die Patientin während der Untersuchung wohler, wenn sie dabei nicht blutet.

Auf jeden Fall einen Frauenarzt aufsuchen, sollten Mädchen, wenn:

  • Infektionen oder Probleme im Bereich der äußeren Geschlechtsteile auftreten. Dann sollten schon kleine Mädchen einen Frauenarzt aufsuchen.
  • ein Juckreiz im Scheidenbereich oder ein ungewöhnlicher Ausfluß auftritt, der z.B. komisch riecht. Dann sollte jeder Teenager und jede Frau einen Termin beim Gynäkologen vereinbaren! Dasselbe gilt bei Schmerzen im Unterbauch.
  • Probleme mit der Periode auftreten, etwa starke Regelschmerzen, unregelmäßige Blutungen oder die Regel bis zum 16. Geburtstag noch nicht eingesetzt hat
  • sie Veränderungen, z.B. einen kleinen Knoten, beim monatlichen Selbst-Abtasten der Brust entdeckt
  • ein Mädchen sich über Verhütungsmittel informieren will oder ein Verhütungsmittel braucht
  • ein Mädchen befürchtet schwanger zu sein oder "die Pille danach" braucht

Grundsätzlich sollte sich das Mädchen erstmal überlegen, ob sie lieber zu einer Ärztin oder zu einem Arzt gehen möchte. Viele Mädchen fragen ihre Mutter oder in ihrem Freundeskreis, welcher Frauenarzt empfehlenswert ist. Viele Frauenärzte bieten für junge Mädchen auch spezielle Sprechstunden für den ersten Termin an, in denen sie sich extra viel Zeit für die neue Patientin nehmen können und auf ihre Unsicherheit und eventuelle Ängste speziell eingehen können. Manche nennen diese Spezial-Termine "Mädchensprechstunden", andere "Teenagersprechstunden" oder "First Love Beratung". Natürlich kann man auch mehrere Frauenärzte "ausprobieren" oder die gynäkologische Untersuchung verweigern, wenn man während des Gesprächs mit dem Arzt ein schlechtes Gefühl hat. Das wichtigste ist, dass man sich in guten Händen fühlt und ein Vertrauensverhältnis zum Gynäkologen aufbaut.

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Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

24. August 2022

Erstellt am:

27. Januar 2014


Quellen:

For Girls Only: Alles, was im Leben wichtig ist - von A bis Z, S. Feertchak, C. und N. Cassau, Blanvalet Verlag, 1. Auflage, München, 2010

Frauenärzte im Netz (24.08.2022)

"Der erste Frauenarztbesuch", Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs. (24.08.2022)