Pille: Blutung zwischen den Zyklen ist nicht nötig

Zuletzt aktualisiert am 21. September 2020

Junge Frau beobachtet nachdenklich ihre Anti Baby Pille
Die "Pille" gibt es in unterschiedlichen Zyklen und mit verschiedenen Hormonkonzentrationen.
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Vielen Frauen ist bei der monatlichen Einnahme der "Pille" die Blutung in der Pillenpause lästig und manche leiden auch darunter.

Medizinische Expertise

Dr. Christian Fiala

Gynäkologe, ärztlicher Leiter des Gynmed-Ambulatoriums in Wien

www.gynmed.at

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Die natürliche Regelblutung dient dazu, die Gebärmutter auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle und damit auf eine mögliche Schwangerschaft vorzubereiten. Will eine Frau nicht schwanger werden ist der Zyklus ohne biologische Funktion. Noch dazu wenn eine Frau hormonell verhütet, gibt es keinen natürlichen Zyklus und keinen Eisprung und damit auch keine natürliche Regelblutung. Gynäkologe Dr. Christian Fiala erklärt im Interview, was es mit der sogenannten Entzugsblutung bei der Pilleneinnahme auf sich hat.

Die Blutung wird quasi durch einen "Trick" künstlich hervorgerufen, nämlich durch die pillenfreien Tage am Ende des Anwendungszyklus. Der Körper reagiert auf die Hormonpause mit einer Blutung, die als Hormonentzugsblutung bezeichnet wird. Medizinisch notwendig ist diese jedoch nicht. Die Entzugsblutung ist meist schwächer und mit weniger Beschwerden verbunden als die natürliche Regel.

Nein, muss es nicht, jede Frau kann selbst bestimmen wann und wie oft sie die Regel möchte. So wie sie die Anzahl und den Zeitpunkt der Kinder ja auch selbst bestimmt. Das Anwendungsschema bei der "Pille" – meist 21 Tage gefolgt von einer 7-tägigen Hormonpause – wurde von den Erfindern absichtlich so gewählt. Als die "Pille" in den 1960iger Jahren auf den Markt kam, war dies revolutionär. Um die Akzeptanz zu erhöhen wurde der natürliche Zyklus bei der Pilleneinnahme mithilfe der monatlichen Entzugsblutung künstlich "nachgestellt". Medizinisch gesehen hat diese keine Notwendigkeit.

Mittlerweile gibt es auch die 3-Monatspille, die längere Zeit ohne Pillenpause eingenommen wird. Der Körper braucht nur alle 6 bis 12 Monate eine Entzugsblutung, damit die Gebärmutterschleimhaut ausgestoßen wird.

Das hormonfreie Intervall erlaubt es, dass ein Follikel im Eierstock heranreift. Daher muss die Frau – beim Anwendungsschema 21 Tage Pilleneinnahme, 7 Tage Pause – am 7. Tag der Hormonpause wieder mit der "Pille" beginnen, sonst kann es zum Eisprung und somit zu einer Schwangerschaft kommen. Das Vergessen der "Pille" ist nur deshalb ein Problem, weil Frauen die 7 Tage Pause machen. Ein zusätzlicher Tag ohne Pille kann dann zu einer Schwangerschaft führen.

Bei dem Langzyklus kann kein Follikel heranreifen, wegen der konsequenten Einnahme der "Pille", des Verhütungsrings oder des Verhütungspflasters. Wird nun einmal die Einnahme der "Pille" vergessen, kann in dieser kurzen Zeit kein Follikel heranreifen. Und selbst wenn die Frau die Pille über mehrere Tage vergisst, kommt höchstens eine Blutung, aber sie ist trotzdem geschützt.

Ein Vorteil der 3-Monatspille bzw. des Langzyklus ist die Tatsache, dass die Frau weniger oft die Blutung hat und besser vor Schwangerschaften geschützt ist.

Es gibt im Körper keine Memory-Funktion. Der Körper "merkt" sich nicht wie die letzten Monate verhütet wurde, sondern die normale Fruchtbarkeit setzt gleich wieder ein, sobald die hormonelle Verhütung abgesetzt oder eine Schwangerschaft beendet wurde. Je nach Fruchtbarkeit des Paares werden manche Frauen schnell schwanger und manchmal dauert es länger.

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Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

21. September 2020

Erstellt am:

1. Juni 2017


Quellen:

Presseinformation: "Muss die monatliche Periode sein", Wien (01.06.2017)

Interview mit DDr. Christian Fiala, Gynmed Ambulatorium Wien (01.06.2017)