Rhesusfaktor (RhD, Rhesus-Antigen)

Werden zwei nicht zueinander passende Blutgruppen miteinander vermischt, kann es zu Reaktionen des Immunsystems kommen.
Beim Rhesusfaktor handelt es sich um ein Protein (Eiweiß), das sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen befindet.
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Der Rhesusfaktor gehört zu den Blutgruppenmerkmalen des menschlichen Blutes. Blut kann Rhesus-positiv oder Rhesus-negativ sein.

Medizinische Expertise

Berit Petek

Dr. Berit Petek

FÄ für Med. und Chem. Labordiagnostik
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Inhaltsverzeichnis

  • Der Rhesusfaktor ist ein wichtiges Blutgruppenmerkmal.
  • Der Rhesusfaktor kann positiv oder negativ sein.
  • Werden zwei nicht zueinander passende Blutgruppen miteinander vermischt, kann es zu Reaktionen des Immunsystems kommen.
Art Blutgruppenmerkmal
Bestimmung Bluttest
Bedeutung u.a. in der Schwangerschaft wichtig

Das Rhesussystem ist nach dem ABO-System das zweitwichtigste Blutgruppensystem im menschlichen Körper. Beim Rhesusfaktor handelt es sich um ein Protein (Eiweiß), das sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen befindet. Ist dieses Protein vorhanden spricht man von Rhesus-positivem Blut. Fehlt es, ist das Blut Rhesus-negativ. Das Rhesussystem besteht aus einer Gruppe von etwa 50 Proteinen, die wichtigsten davon sind die Merkmale D, C, c, E und e.  In Europa besitzen etwa 85 Prozent der Menschen das Protein D, sie sind also Rhesus positiv (Rh(D)+. Fehlt dieses Merkmal, ist die Person Rhesus negativ (Rh(D)-.

Man unterscheidet also einerseits zwischen Blutgruppe A, B, AB und 0 (AB0-Blutgruppensystem), andererseits wird bei jeder Blutgruppe auch der Rhesusfaktor bestimmt.

Zur Definition der jeweiligen Blutgruppe werden diese beiden Systeme kombiniert. Daraus entstehen dann die Blutgruppen A positiv, 0 negativ, B positiv usw.

Werden zwei nicht zueinander passende Blutgruppen miteinander vermischt – z.B. im Rahmen einer Blutspende oder bei Kontakt zwischen mütterlichem und kindlichem Blut während der Geburt – kann es zu Reaktionen des Immunsystems kommen. Das bedeutet: erhält jemand Blut, das andere Oberflächeneigenschaften aufweist als sein eigenes, wird dieses vom Immunsystem bekämpft. Dies kann zu einem relativ harmlosen beschleunigten Abbau der fremden Erythrozyten führen, es kann aber auch ein lebensbedrohlicher Zustand eintreten.

  • Rhesusunverträglichkeit (Rhesusinkompatibilität): Werden zwei Blutgruppen miteinander vermischt, die aufgrund des Rhesusfaktors nicht zusammenpassen, spricht man von einer Rhesusunverträglichkeit. Das kann passieren, wenn eine Rhesus-negative Mutter, die bereits Antikörper gegen den Rhesusfaktor gebildet hat, ein Rhesus-positives Kind bekommt.
  • AB0-Unverträglichkeit: Immunologische Reaktionen können auch aufgrund der sogenannten AB0-Unverträglichkeit auftreten. Dies kommt aber im Rahmen einer Schwangerschaft wesentlich seltener vor.

Etwa 30 bis 40 Prozent der Rhesus-negativen Schwangeren erwarten ein Rhesus-negatives Kind. In diesem Fall sind keine Probleme zu erwarten – das Blut von Mutter und Kind passt zusammen. Anders ist es, wenn eine Rhesus-negative Frau mit einem Rhesus-positivem Kind schwanger ist. Dann können während der Geburt Erythrozyten vom Baby in den mütterlichen Kreislauf gelangen. Das hat zur Folge, dass die Mutter Antikörper gegen das Blut des Kindes bildet. Diese Antikörper schaden dem Kind in der Regel nicht, wenn die Frau zum ersten Mal schwanger ist. Bei einer erneuten Schwangerschaft mit einem Rhesus-positiven Kind, können diese Antikörper aber die kindlichen Blutzellen angreifen und zu schweren Schädigungen führen.

Um dies zu vermeiden bekommen Rhesus-negative Mütter nach der Geburt eines Rhesus-positiven Kindes eine schützende Injektion – die sogenannte Anti-D-Prophylaxe. Sie verhindert die Bildung der Antikörper, sodass bei der nächsten Schwangerschaft mit einem Rhesus-positivem Kind keine Gefahr droht.

Blutgruppe und Rhesusfaktor werden labordiagnostisch bestimmt. Dafür ist eine Blutabnahme notwendig.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

16. Januar 2023

Erstellt am:

16. Januar 2023

Stand der medizinischen Information:

16. Januar 2023


Quellen:

Öffentliches Gesundheitsportal Österreich (letzter Zugriff: 28.10.2022)

DocCheck Flexikon (letzter Zugriff: 28.10.2022)

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