Dermatophagie (Dermatodaxia, Perionchyophagie)

Fingerhaut beißen & essen bei Dermatophagie
Das zwanghafte Abbeißen der Haut rund um die Fingernägel wird als Dermatophagie bezeichnet.
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Der Zwang die eigene Haut zu kauen, zählt zu den sogenannten körperbezogenen repetitiven Verhaltensstörungen und wird in den aktuellen Diagnosesystemen der Kategorie Zwangsstörung und verwandte Störungen zugeordnet.

Medizinische Expertise

Ulrike Demal

Dr.in Ulrike Demal

Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin und Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie)
Pasteurgasse 4/6, 1090 Wien
www.vt-strudlhof.at
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Manche Menschen verspüren regelmäßig einen starken Drang danach, die eigene Haut, insbesondere jene rund um die Fingernägel, abzubeißen. In der Medizin wird dieses Phänomen als Dermatophagie bzw. Dermatodaxia bezeichnet.

Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab und heißt wörtlich übersetzt so viel wie "Haut essen". Damit werden jegliche Zwänge, die eigene Haut abzubeißen, beschrieben. In manchen Publikationen wird weiter unterteilt in:

  • Dermatodaxia: die Haut wird abgebissen, aber nicht gegessen
  • Perionychophagie: das zwanghafte Abbeißen der Haut unmittelbar um die Fingernägel

Verwandte Zwangsstörungen heißen unter anderem Onychophagie (Nägelkauen), Trichophagie (krankhaftes Verschlucken der Haare), Rhinotillexomanie (zwanghaftes Nasenbohren), Dermatillomanie (pathologisches Hautzupfen bzw. -quetschen), Trichotillomanie (pathologisches Haareausreißen).

Die Dermatophagie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern zählt zu den mit den Zwangsstörungen verwandten Störungen. Konkret handelt es sich um eine Form der sogenannten körperbezogenen repetitiven Verhaltensstörungen ("body-focused repetitive behaviors", BFRB). Ursachen können sowohl biologische bzw. neurologische als auch psychosoziale Faktoren sein. Belastungsfaktoren, Stress und Erziehungsfaktoren können ebenfalls eine Rolle spielen.

Betroffene spüren ein starkes Bedürfnis, in die eigene Haut zu beißen. Dies betrifft besonders oft folgende Stellen:

  • Haut unmittelbar um die Fingernägel
  • Haut an den Fingerknöcheln
  • Innenseite der Wange

Die Dermatophagie ist in erster Linie eine psychische Belastung. Ist die Symptomatik stark ausgeprägt, beißt man sich, insbesondere im Bereich der Fingernägel, womöglich sogar regelmäßig blutig. Betroffene Hautstellen können dadurch rau werden, es besteht die Gefahr der Narbenbildung. Außerdem steigt durch die Wunden naturgemäß das Risiko einer Infektion. In den allermeisten Fällen provoziert die Störung allerdings keine ernsthaften körperlichen Probleme.

Die Dermatophagie ist keine eigenständige Krankheit, sondern zählt zu den mit der Zwangsstörung verwandten Störungen. Zur Diagnose einer solchen müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein, darunter:

  • wiederkehrendes Beißen der Haut
  • Betroffene versuchen (meist erfolglos) Widerstand zu leisten bzw. das Verhalten einzuschränken
  • das Verhalten verursacht Leiden oder Beeinträchtigung

Die Diagnosestellung erfolgt im Regelfall bei einer Psychiater:in oder Psycholog:in.

Eine Dermatophagie wird idealerweise im Rahmen einer Psychotherapie behandelt. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen sind unter anderem Entkopplung und das sogenannte Habit-Reversal-Training (HRT). Ziel dieser Methoden ist es, Gewohnheiten, die automatisch und teils unbewusst ablaufen, verstärkt wahrzunehmen und ggf. Alternativverhalten aufzuzeigen. So kann es gelingen, den Handlungsablauf zu unterbrechen.

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