Hilft Kratzen gegen Juckreiz?

Zuletzt aktualisiert am 15. Mai 2018

Person kratz sich am Oberarm.
Juckreiz ist keine Schmerz-Form sondern ein eigenes Phänomen.
© Gina Sanders / Fotolia.com

Was genau passiert im Körper eigentlich wenn es juckt? Jetzt wurde es wissenschaftlich geklärt: Warum wir Juckreiz spüren und ob Kratzen wirklich dagegen hilft.

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Jucken kann viele Ursachen haben: Ein Insektenstich oder Kontaktallergien machen sich oft dadurch bemerkbar. Aber auch bei Pruritus Ani (Jucken im After) oder chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis (atopischese Ekzem) oder Schuppenflechte (Psoriasis) gilt Juckreiz als ein klassisches Symptom, das Betroffenen teils stark zu schaffen macht und einer Behandlung bedarf. Unabhängig vom Grund des Juckens – Kratzen schafft vorübergehend Abhilfe, bringt aber auch Risiken mit sich. So können Anti-Kratz-Tipps und bestimmte Medikamente Narbenbildung und eine Infektion der betroffenen Stelle verhindern.

Mediziner vermuteten lange, dass der Juckreiz lediglich eine abgeschwächte Form des Schmerzes sei. So könne der Körper unterscheiden, ob es sich um einen "starkes" Signal handle, das für Schmerz steht, oder um ein "schwaches" Juckreizsignal. Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass es sich bei Juckreiz um ein eigenes Phänomen handelt. Juckt die Haut, werden Signale über speziell dafür vorgesehene Nervenleitbahnen weitergegeben, die sich von den Schmerzbahnen unterscheiden.

Juckreiz ist demnach keine Schmerz-Form, sondern ein eigenes Phänomen. Kratzen aufgrund des Juckreizes ist jedoch ein leichter Schmerz, den wir uns selbst absichtlich zufügen. Das funktioniert auch: Wenn wir genug gekratzt haben, sendet unser Gehirn ein Signal aus, dass uns daran hindern soll, uns selbst blutig zu kratzen. Diese Botschaft macht sich als "gestillter Juckreiz" bemerkbar. Kratzen kann also tatsächlich Juckreiz abstellen – manchmal zumindest.

Wenn wir Schmerzen empfinden, stimmt etwas mit dem Körper nicht. Über den Schmerz werden wir aufmerksam gemacht, um uns vor fortschreitendem Schaden zu bewahren. Bei Juckreiz ist die Erklärung nicht so einfach. Wissenschafter vermuten, dass wir im Laufe der Evolution Juck-Empfinden entwickelt haben, um Parasitenbefall oder Mückenstiche zu bemerken und etwas dagegen unternehmen zu können. Im Idealfall kann man Insekten so loswerden, bevor sie die Gelegenheit haben, zu stechen oder zu beißen.

Bei der Wundheilung tritt aber ebenfalls Juckreiz auf. Hier mit Kratzen zu reagieren, verzögert die Schließung der Wunde und führt im schlimmsten Fall zu einer gefährlichen Hautinfektion – aus evolutionärer Sicht ist das eher sinnlos und ursächlich bisher ungeklärt.

Es gibt bei leichtem Jucken einen erprobten "Trick", um die erleichternde Wirkung von Kratzen zu spüren, ohne die Haut zu zerstören. Dazu einfach knapp neben der juckenden Stelle leicht kratzen, z.B. einer heilenden Wunde, die man in Ruhe lassen sollte. Auch hier schüttet das Gehirn "Juck-Stopp"-Botenstoffe aus, und die Haut heilt ungestört weiter.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Zuletzt aktualisiert:

15. Mai 2018

Erstellt am:

15. Mai 2015

Stand der medizinischen Information:

15. Mai 2018


Quellen:

S. Ross: Pain and itch: insights into the neural circuits of aversive somatosensation in health and disease, In: Current Opinion in Neurobiology, 12/2011 (15.05.2018)

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