Schuppenflechte (Psoriasis)

Zuletzt aktualisiert am 28. Februar 2022

Psoriasis: Erkrankte empfinden die Schuppenflechte oft als psychische Belastung.
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Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine nicht ansteckende, chronisch entzündliche Erkrankung. Sie verläuft schubartig, die Haut ist sichtbar gerötet und schuppt.

Medizinische Expertise

Dr. Paul Jauker

Facharzt für Dermatologie und Venerologie

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Inhaltsverzeichnis

Betroffenen stehen zahlreiche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die die Erkrankung lindern können. Individuell abgestimmte Hautpflege, eine gesunde Lebensweise und ein möglichst stressarmer Alltag beeinflussen das Hautbild positiv. Die Schuppenflechte ist dank moderner Therapien ausgezeichnet behandelbar.

  • Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Haut.
  • Schuppenflechte ist nicht ansteckend.
  • Die Erkrankung zeigt sich vorwiegend durch stark schuppende, oft juckende Hautstellen.
  • Psoriasis ist nicht heilbar, aber ausgezeichnet behandelbar.
  • Therapietreue ist wichtig und ist entscheidend, um Hautveränderungen vorzubeugen.
Art Autoimmunerkrankung
Ursache genetische Veranlagung; bestimmte Auslöser wie Stress, Infekte oder mechanische Reize auf die Haut
Übertragung nicht ansteckend
Erkrankungsdauer nicht heilbar
Symptome schuppende, juckende, rote Hautveränderungen
Behandlung lokale und/oder systematische Therapien, Lichttherapie

Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine der häufigsten chronisch entzündlichen Erkrankungen der Haut. Sie zeigt sich hauptsächlich durch stark schuppende Hautstellen, häufig an Knie, Ellenbogen und an der Kopfhaut. Sie beruht auf einer genetischen Veranlagung und wird durch sogenannte Trigger-Faktoren wie beispielsweise Stress oder Infekte ausgelöst. Die Psoriasis ist nicht heilbar, aber durch moderne Therapien ausgezeichnet behandelbar. Die Erkrankung verläuft schubweise. In verschiedenen Lebensphasen kommt es zu unterschiedlicher Aktivität.

In Österreich sind rund 300.000 Menschen von Schuppenflechte betroffen. Die Erkrankung kommt bei Männern geringfügig häufiger vor als bei Frauen. Menschen mit Schuppenflechte haben eine genetische Veranlagung für die Erkrankung. Kinder, deren Eltern Psoriasis haben, haben ein erhöhtes Risiko (15% bei einem erkrankten Elternteil, 40% wenn beide Eltern erkrankt sind), ebenfalls zu erkranken. Die Erkrankung kann in jedem Alter erstmalig auftreten, am häufigsten jedoch zwischen 15 und 35 Jahren.

Abhängig vom Alter, in dem die Erkrankung erstmalig auftritt, unterscheidet man zwei grob Psoriasis-Typen (diese artifizielle Aufteilung ist in der Klinik nicht wirklich in Verwendung/von Relevanz):

Typ 1-Psoriasis Typ 2-Psoriasis
  • tritt vor dem 40. Lebensjahr auf
  • zeigt eine familiäre Häufung
  • unterschiedlich stark ausgeprägt
  • tritt nach dem 40. Lebensjahr auf
  • zeigt selten familiäre Häufung
  • milderer Verlauf

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Video: Behandlungsmöglichkeiten bei Schuppenflechte

Dr. med. univ. Hannes Trattner zeigt im Webinar auf, wie sich Schuppenflechte bemerkbar macht und beleuchtet die verschiedenen Therapiemöglichkeiten der Krankheit. (29.10.2020)

Vereinfacht erklärt handelt es sich bei der Psoriasis um eine Entzündung der Haut in Wechselwirkung mit einem falsch reagierenden Immunsystem, das zu einer "Überproduktion" von Hautzellen führt, welche nicht richtig ausreifen. Sie treten in weiterer Folge als sogenannte Plaques (Schuppen), oder seltener auch Pusteln in Erscheinung.

Die genaue Entstehung und Ursache der Schuppenflechte ist noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass der Psoriasis genetische Faktoren zugrunde liegen und die Erkrankung durch innere oder äußere Auslöser provoziert werden kann. Diese sogenannten Trigger-Faktoren spielen sowohl beim erstmaligen Auftreten, als auch bei Krankheitsschüben (plötzliche Verschlechterung) eine Rolle. Derartige Faktoren können z. B. akute oder chronische Infektionen, mechanische Reizung und lokale Hautschäden sowie bestimmte Medikamente sein.

Die Neigung, auf diese auslösenden Reize mit Symptomen zu reagieren, ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine genetische Veranlagung für Schuppenflechte bedeutet nicht, dass man automatisch auch daran erkrankt.

Folgende Faktoren kommen als Auslöser in Frage:

  • Infektionen (z.B. chronische Zahnentzündungen)
  • Verletzungen der Haut (beispielsweise durch Sonnenbrand oder starkes Kratzen)
  • Hautreizungen (z.B. durch hautreizende Lokaltherapie oder wiederholten Druck oder Reibung)
  • Stoffwechselstörungen und Hormonschwankungen (beispielsweise während oder nach einer Schwangerschaft)
  • bestimmte Medikamente
  • Stress
  • Alkoholkonsum und Rauchen
  • Übergewicht
  • klimatische Einflüsse

Das klinische Bild der Schuppenflechte kann unterschiedlich aussehen – es gibt verschiedene Formen, die nach ihrem Auftreten, der Lokalisation und der Größe der Herde unterschieden werden. Die verschiedenen Formen können auch ineinander übergehen.

  • Plaque Psoriasis (Psoriasis vulgaris): 80 % der Betroffenen haben eine Psoriasis vom Plaque Typ, auch bekannt als Psoriasis vulgaris. Rote, juckende Hautflecken, über denen sich mit der Zeit eine verhornte erhabene Schicht (Plaque) bildet, sind das Leitsymptom der Plaque Psoriasis. Die Größe dieser Herde variiert sehr stark, von kleinen, punktförmigen Herden bis hin zu mehreren handtellergroßen Hautarealen. Meist sind Knie, Ellenbogen und Steißbein betroffen. Bei vielen Patienten sind zusätzlich die Finger- und/oder Fußnägel mehr oder weniger auffällig verändert. Hier zeigen sich oft kleine Eindellungen in der Nagelplatte (Pits), runde, gelbe bis bräunliche Flecken unter der Nagelplatte (Ölflecken) oder weiß-gräuliche Schuppenmassen unter dem Nagel.
  • Psoriasis capitis: Bei mehr als 40 % der Patienten mit Plaque-Psoriasis sind auch Herde auf der Kopfhaut vorhanden. In diesem Fall spricht man von einer Psoriasis capitis. Diese kann auch isoliert auftreten.
  • Psoriasis guttata: Kennzeichnend sind bis zu linsengroße, rote und leicht schuppende Veränderungen an der gesamten Hautoberfläche. Diese Form tritt häufig im Kindes- oder Jugendalter und dabei sehr oft in Verbindung mit einem Infekt auf.
  • Psoriasis intertriginosa: Die Psoriasis in den Körperfalten betrifft vorwiegend Achselhöhlen, Hautfalten in der Leistengegend, den Genitalbereich, die Haut unter der weiblichen Brust, am Nabel und in der Analfalte. Aufgrund des feuchteren Milieus fehlt bei dieser Form oft die typische Schuppung.
  • Psoriasis inversa: Die Hautveränderungen treten vorwiegend in den Beugen der großen Gelenke (z.B. in den Kniegelenksbeugen) auf. Diese Form ist sehr selten, es kommt zu schwerwiegenden Entzündungen.
  • Psoriasis cum pustulatione: Bei der Psoriasis cum pustulatione bilden sich kleine mit gelblicher Flüssigkeit gefüllte Bläschen (sterile Pusteln) innerhalb eines Psoriasis-Herdes. Oft ist diese Variante um einiges schwieriger zu behandeln.
  • Psoriasis-Arthritis: Unabhängig von der Haut entwickelt etwa einer von fünf Patienten eine Psoriasis-Arthritis, bei der auch die Gelenke und Sehnen entzündet sind.
  • Psoriatische Erythodermie: Hier sind zumindest 90 % der Haut betroffen. Es handelt sich um eine seltene und schwere Komplikation der Psoriasis.

Bei Verdacht auf Schuppenflechte ist der Hautarzt (Dermatologe) der erste Ansprechpartner. Dieser kann oft bereits nach Begutachtung der betroffenen Hautstellen die Diagnose Psoriasis stellen. Ist die Diagnose nicht eindeutig, kann eine Hautprobe entnommen und mikroskopisch untersucht werden (Biopsie). Dadurch können auch andere Erkrankungen, die der Psoriasis ähneln, ausgeschlossen werden.

Je nach Schweregrad und klinischer Ausprägung stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, wobei eine fast völlige Erscheinungsfreiheit das Ziel sein sollte. Die individuellen Behandlungsziele sollten jedenfalls vorab zwischen Patient und Arzt festgelegt werden.

  • Lokale Therapie: Rückfettende Hautpflege der gesamten Haut stellt die Basistherapie der Psoriasis dar. Eine gut gepflegte Haut ist auch für Psoriasis deutlich weniger anfällig. Heilsalben mit eingearbeiteten antientzündlichen und regulierenden Wirkstoffen werden nur auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind entzündungshemmende Kortikosteroide , Calcineurininhibitoren und wachstumsregulierende Vitamin-D-Analoga. Dithranol- oder Tazaroten-haltige Salben und Cremes werden nur mehr selten verwendet.
  • Phototherapie: Phototherapie mit ultraviolettem Licht ist eine sehr wirksame und gut verträgliche Therapie. Bestrahlungen mit Schmalband-UVB können auch in Hautarztpraxen durchgeführt werden. Die noch kräftiger wirksame Therapie mit UVA-Licht – in Kombination mit einem Medikament, das die Lichtwirkung verstärkt (PUVA-Therapie) – wird meist in spezialisierten Zentren oder bei mit der Phototherapie vertrauten Ärzten drei Mal pro Woche durchgeführt.
  • Systemische medikamentöse Therapie: Bei moderaten bis schwereren Fällen kommen Wirkstoffe wie Apremilast, Methotrexat, Fumarsäure, Azitretin und seltener Ciclosporin in Form von Tabletten oder Injektionen (nur Methotrexat) in Frage. Diese Medikamente wirken modulierend bzw. hemmend auf das Immunsystem und führen so zu einer Besserung und Stabilisierung der Psoriasis.
  • Biologika: Wenn eine mittelschwere bis schwere Schuppenflechte vorliegt, werden nach gründlicher Voruntersuchung auch für die Psoriasis entwickelte Biologika eingesetzt. Diese hemmen bestimmte, bei der Psoriasis vermehrte, Botenstoffe, die Hautentzündungen, aber auch systemische Entzündungen auslösen und aufrecht erhalten. Somit werden Beschwerden deutlich reduziert. Biologika-Wirkstoffe beeinflussen die "überschießende" Immunreaktion besonders zielgenau. Bei milderen Verläufen der Schuppenflechte kommen Biologika dann zum Einsatz, wenn die Behandlung mit den unter "systemische medikamentöse Therapie" genannten Medikamenten die Beschwerden nicht ausreichend verbessern – beziehungsweise, wenn trotz Verbesserung ein anhaltend hoher Leidensdruck besteht. Zudem kommen sie auch bei Befall spezieller Lokalisationen (z. B. Genitalbereich), bei Gelenk-, oder bei Nagelbefall initial zum Einsatz. Biologika werden mit einer Fertigspritze oder einem sogenannten Fertig-PEN unter die Haut injiziert und wirken so im ganzen Körper der Entzündung entgegen. Die Therapie muss regelmäßig beim Arzt kontrolliert werden.

Die Schuppenflechte verläuft schubweise und ist aktuell nicht heilbar. Jedoch kann es unter Therapie zur vollständigen Abheilung aller Hautveränderungen kommen und somit vollständige beziehungsweise fast vollständige Erscheinungsfreiheit erzielt werden. Psoriasis-Herde können nach vollständiger Abheilung unbehandelt wieder neu auftreten und es kann durch verschiedene Triggerfaktoren zu einer Verschlechterung der Erkrankung kommen.

Die einzelnen Schübe können unterschiedlich lange dauern und nicht immer stellt sich sofort ein Behandlungserfolg ein. Umso wichtiger ist es, dass Psoriasis-Patienten ihre individuelle Therapie dauerhaft durchführen und auch bei Besserung der Symptome fortsetzen. Hierfür sind regelmäßige Kontrollen (viertel- bis halbjährlich) beim Hautarzt zu empfehlen.

Achtung: Eine stark ausgeprägte und lange Zeit unbehandelte Psoriasis ist auch ein Risikofaktor für den Verlauf bzw. die Ausprägung anderer Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Fettleber, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Wer als Psoriasis-Patient das Gefühl hat, bei seinem aktuellen Arzt unzureichend beraten zu werden, sollte sich bewusst eine zweite Meinung einholen. Bei spezialisierten Dermatologen oder spezialisierten klinischen Zentren erhalten Betroffene eine umfangreiche Beratung und einen individualisierten Therapievorschlag, abgestimmt auf eine optimale Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Lebensqualität.

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die dazu beitragen können, dass die Erkrankung milder verläuft oder gar nicht erst auftritt. Dazu gehört die Optimierung des Körpergewichts, ausreichend Bewegung, mäßiger oder kein Alkoholkonsum und Nichtrauchen.

Hautpflege bei Schuppenflechte

Die richtige Hautpflege ist die Basistherapie der Psoriasis. Hier sollen rückfettende Salben und Cremes, eventuell mit Harnstoff oder Salicylsäure versetzt, verwendet werden. Auch rückfettende Duschöle oder Ölbäder können das Hautbild positiv beeinflussen.

Ernährung bei Schuppenflechte

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann Entzündungen bei Schuppenflechte lindern:

  • Obst und Gemüse liefern wichtige Antioxidantien, die entzündungshemmend wirken.
  • Pflanzliches Eiweiß (z.B. in Hülsenfrüchten) ist wichtig für das Immunsystem.
  • Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend. Gute Lieferanten sind fette Fischsorten (z.B. Lachs) und pflanzliche Öle (z.B. Rapsöl).

Psychotherapie

Psoriasis ist oft mit großem Leidensdruck verbunden. Psychotherapie oder eine Selbsthilfegruppe können unterstützend hilfreich sein.

Körperliche Aktivität

Regelmäßige körperliche Bewegung kann sich positiv auf das Krankheitsbild selbst und vor allem auch auf die Psyche des Betroffenen auswirken.

Stress reduzieren

Entspannungstechniken wie z.B. Yoga oder Meditation helfen bei der Stressreduktion.

Sonne

Mäßiger Sonnengenuss kann sich günstig auf die Schuppenflechte auswirken. Wichtig ist dabei aber, zuvor Sonnenschutz aufzutragen. Sonnenbrände können die Psoriasis sogar verstärken.

Autor:innen:
Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

28. Februar 2022

Erstellt am:

1. Dezember 2017


Quellen:

P. Besken et al.: Ezrin, Maspin, Peroxiredoxin 2, and Heat Shock Protein 27: Potential Targets of a Streptococcal-Induced Autoimmune Response in Psoriasis, In: The Journal of Immunology 2010; 184 (9):5392-5402

S3-Leitlinie: Therapie der Psoriasis vulgaris; AWMF-Register-Nr.: 013-001. 2021. (28.02.2022)

"Psoriasis", Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (28.02.2022)

"Dermatologie Venerologie – Grundlagen" von Fritsch, P. und Schwarz, T. Klinik. Atlas, 3. Auflage. 2018.