Probiotika in der Ernährung

Sauerkraut mit Wacholderbeeren & Lorbeerblatt
Sauerkraut hat – wie Joghurt – eine probiotische Wirkung.
© ExQuisine / Fotolia.com

Lebensmitteln und Nahrungsergänzungen, die bestimmte Bakterienstämme beinhalten, sogenannte Probiotika, werden viele gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben.

Medizinische Expertise

Mag. Dr. Eva-Maria Steinkellner

Ernährungsmedizinerin und Diätologin

Medizinische Fachbeiträge auf MeinMed.at werden von österreichischen Ärzt:innen geprüft.
Inhaltsverzeichnis

An sicheren Beweisen für die Wirkungen von Probiotika wird intensiv weiter geforscht. Probiotika finden sich in Lebensmitteln (Joghurt, Sauerkraut) oder werden als Arzneimittel bzw. als Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Darmbakterien sind für den menschlichen Verdauungstrakt von großer Bedeutung und sind an folgenden Stoffwechselvorgängen beteiligt:

  • Verdauung von Kohlenhydraten, Fetten, und Protein
  • Produktion von Vitamin B12, Vitamin K
  • Ansäuerung des Darminhalts, vor allem im Dickdarm
  • Bildung von Substanzen, die gegen krankmachende Bakterien wirken
  • Stabilisierung der Darmflora
  • Unterstützung des Immunsystems

Die Darmflora des Menschen wird von diversen Faktoren beeinflusst: Genetische Faktoren, die mütterliche Darmbeschaffenheit, der Geburtsmodus und die Zusammensetzung der Ernährung sind für die Bildung einer gesunden Darmflora von Bedeutung. Der Darm eines Ungeborenen ist nahezu keimfrei. Erst beim natürlichen Geburtsvorgang kommt das Baby in Kontakt mit der Bakterienflora der Mutter. Im Darm des Säuglings entsteht innerhalb der ersten Lebenswoche bereits eine komplexe Darmflora, die hauptsächlich Bifidobakterien und Lactobazillen enthält. Mit ungefähr 3 Jahren ähnelt die Darmflora eines Kleinkindes schließlich der eines Erwachsenen.

Probiotika können eingesetzt werden, um

  • akute Durchfallerkrankungen vorzubeugen oder sie zu behandeln
  • unerwünschte Nebenwirkungen von Antibiotika zu verringern
  • Infektionen durch Pilze und Bakterien positiv zu beeinflussen
  • das Immunsystem zu stärken
  • entzündliche Hauterkrankungen bei Kindern zu verbessern
  • die Aufnahme von Calcium zu erhöhen

Man schätzt, dass mehr als 500 unterschiedliche Bakterienarten mit einer Gesamtanzahl von 100 Billionen Bakterien unseren Darm besiedeln. Die gesunde menschliche Darmflora besteht hauptsächlich aus Eubakterien, Bacteroides, anaerob wachsenden Kokken, Bifdidusbakterien und Laktobazillen. Erst durch ein Ungleichgewicht des mikrobiellen Ökosystems, zum Beispiel in Folge einer Durchfallerkrankung oder der Einnahme eines Antibiotikums, kann es zu einer Vermehrung von möglichen Krankheitserregern kommen.

Die am häufigsten eingesetzten Probiotika sind Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus casei, Lactobacillus reuteri, Bifidobacterium, Enterococcus faecium. Folgende Voraussetzungen müssen für den Einsatz von Bakterien als Probiotikum erfüllt sein:

  • Bakterienstämme müssen im Darm vorhanden sein
  • Wirkung der Bakterienstämme muss gesichert sein
  • Sie dürfen keine schädlichen Wirkungen hervorrufen
  • Es müssen ausreichend hohe Keimzahlen enthalten sein
  • Sie müssen gegenüber Magensäure und Gallensalzen überlebensfähig sein
  • Bakterien müssen an der Darmwand eine besondere Haftungsfähigkeit aufweisen
  • Sie sollen schlechte Keime verdrängen
  • Sie müssen eine gute Haltbarkeit auch nach längerer Lagerung haben

Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile (Oligosaccharide), wie z.B. Inulin oder Lactulose. Sie dienen den Darmbakterien als Nahrung und haben einen positiven Einfluss auf die vorhandene Darmflora, da sich Laktobazillen und Bifidobakterien vermehren können.

Autor:in:
Medizinisches Review:
Erstellt am:

15. März 2016


Quellen:

Handbuch Mikronährstoffe, L. Burgerstein, Haug Verlag, 14. Auflage, Stuttgart, 2014

Mikronährstoffe, U.Gröber, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage, Stuttgart, 2011

Ernährungsmedizin, K. Widhalm, Deutscher Ärzte Verlag, 3. Auflage, Köln, 2009