RS-Virus (Respiratory Syncytial Virus, Respiratorisches Synzytial-Virus, RSV)

Baby mit RS-Virus hat Fieber
Fieber ist eines der typischen Symptome einer RSV-Infektion.
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Eine Infektion mit dem RS-Virus kann bei Säuglingen und Kleinkindern unter einem Jahr zu Komplikationen wie einer Lungenentzündung führen.

Medizinische Expertise

Dr. Ulli Enzenberg

Ärztin für Allgemeinmedizin und Allergologie

www.gesundinschoenbrunn.at

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Inhaltsverzeichnis

Das RS-Virus ist hochinfektiös. Eine Ansteckung erfolgt durch Tröpfchen- und Schmierinfektion. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung der oberen und unteren Atemwege. Eine Impfung gegen das RS-Virus gibt es nicht. Nach der Genesung besteht keine lebenslange Immunität, eine Ansteckung ist immer wieder möglich.

  • Eine Infektion mit dem RS-Virus lässt sich zunächst nicht von einer herkömmlichen Erkältung unterscheiden.
  • Zu den Symptomen zählen Schnupfen, Husten und Fieber, bei Säuglingen und Kleinkindern sind aber auch Keuchatmung bis hin zu Atemnot möglich.
  • Bei älteren Kindern und Erwachsenen verläuft die Erkrankung eher wie eine harmlose Erkältung oder sogar symptomlos.
  • Treten bei Babys und Kleinkindern Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen oder Fieber auf, ist ein Besuch beim Arzt unbedingt erforderlich.
Art Virusinfektion
Erreger Respiratory Syncytial Virus (RSV)
Übertragung Schmier- und Tröpfcheninfektion
Inkubationszeit 3 bis 5 Tage
Erkrankungsdauer ca. 1 Woche, Husten bis zu 3 Wochen
Symptome Schnupfen, Husten, Keuchatmung, Fieber, Atemnot
Therapie symptomatische Behandlung

RS-Viren sind die am häufigsten nachgewiesenen Erreger von Atemwegserkrankungen in den ersten beiden Lebensjahren. Nahezu jedes Kind infiziert sich bis zum zweiten Lebensjahr damit. Das RS-Virus verursacht eine Erkrankung der oberen und unteren Atemwege. In Österreich häufen sich die Infektionen in den kalten Wintermonaten, insbesondere von November bis März. Für Erwachsene oder größere Kinder ist die Erkrankung meist harmlos.

Stecken sich Kinder in den ersten Lebensmonaten mit dem RS-Virus an, kann es hingegen gefährlich werden. Da ihre Atemwege noch sehr eng sind, neigen sie dazu, eine Bronchiolitis (Entzündung der kleinen Endäste der Bronchien) oder gar eine Lungenentzündung zu entwickeln. Die Gefahr für einen schweren Verlauf nimmt mit zunehmendem Lebensalter deutlich ab.

Die Übertragung der RS-Viren erfolgt von Mensch zu Mensch über infiziertes Sekret, z.B. beim Husten oder Niesen. Auch eine Ansteckung über infizierte Hände, Oberflächen und Gegenstände ist möglich. Das Einhalten von Hygiene-Standards kann eine Übertragung verhindern.

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Mithilfe folgender Hygiene-Maßnahmen kann einer Ansteckung mit dem RS-Virus am wirksamsten vorgebeugt werden:

  • Menschenansammlungen meiden
  • Abstand halten zu erkälteten Familienmitgliedern
  • Regelmäßig Hände waschen
  • Kinderspielzeug reinigen
  • In die Ellenbeuge husten und niesen
  • Verwendete Taschentücher wegwerfen
  • Erkrankte Kinder sollten die Krabbelgruppe nicht besuchen

Eine Impfung gegen das RS-Virus gibt es derzeit nicht.

Eine erneute Ansteckung (Reinfektion) mit dem RS-Virus ist möglich, verläuft dann aber eher mild.

Hochrisikokinder haben ein erhöhtes Risiko für einen sehr schweren Verlauf. Für Kinder mit Trisomie 21, angeborenem Herzfehler, Asthma bronchiale, Cystischer Fibrose oder Frühgeborene besteht die Möglichkeit einer passiven Immunisierung. Eltern besprechen am besten mit dem behandelnden Kinderarzt, ob eine Immunprophylaxe für ihr Kind sinnvoll ist.

Etwa drei bis fünf Tage nach der Ansteckung treten die ersten Symptome auf.

Zu den Beschwerden zählen:

  • Laufende Nase bis Schnupfen
  • Husten
  • Halsschmerzen
  • Fieber
  • Keuchatmung (Giemen)
  • Rasselnde, pfeifende Atemgeräusche
  • Atemnot
  • Atemaussetzer (Apnoe)

In seltenen Fällen kann die Erkrankung tödlich verlaufen.

Erkranken Neugeborene und Kleinkinder an Husten, Schnupfen oder Fieber sollte in jedem Fall ein Kinderarzt aufgesucht werden. Sollte das Kind Probleme beim Atmen haben, apathisch wirken oder nicht trinken wollen, sollte umgehend der Notarzt verständigt werden.

Zunächst ist es nicht einfach, eine Infektion mit dem RS-Virus von einer herkömmlichen Erkältung zu unterscheiden.

Ausschlaggebend für eine Diagnose sind die Symptome und die Angaben der Eltern, daher ist ein ausführliches Gespräch (Anamnese) mit den Bezugspersonen des Kindes wichtig.

Im Rahmen der Untersuchung stellt der Arzt u.a. folgende Fragen:

  • Seit wann ist das Kind krank?
  • Seit wann hat das Kind Fieber? Wie hoch war die Temperatur bisher?
  • Hat das Kind Appetit?
  • Trinkt es genug?
  • Liegt eine Grunderkrankung (z.B. Asthma bronchiale, Mukoviszidose, Herzfehler, Immunsuppression) vor?

Anschließend erfolgt eine gründliche Untersuchung. Der Kinderarzt untersucht Rachen, Hals und Ohren und hört Bronchien und Lungen mit dem Stethoskop sorgfältig ab. Dabei achtet er auf Atemgeräusche. Ist es notwendig, das Virus nachzuweisen, entnimmt der Arzt etwas Nasensekret um einen Antigen-Schnelltest durchzuführen.

Eine spezifische Therapie gegen das RS-Virus gibt es nicht. Die Behandlung erfolgt symptomatisch.

  • Je nach Alter und Beschwerden werden Inhalationen, bronchienerweiternde Medikamente, Hustenstiller, abschwellende Nasensprays oder Nasenduschen verschreiben.
  • Auf genügend Flüssigkeitszufuhr achten, damit der Schleim besser abgehustet werden kann.
  • Ein hochgelagerter Oberkörper erleichtert das Atmen.
  • Wadenwickel sind ein bewährtes Hausmittel, um das Fieber zu senken.
  • Das Tragen eines Mund-Nasenschutzes kann die weitere Übertragung eindämmen.