Angina pectoris (Herzenge)

Mann greift sich auf die Brust
Auf eine Million Einwohner bezogen sind 30.000 bis 40.000 Menschen an Angina Pectoris erkrankt.
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Bei Angina pectoris kommt es zur akuten Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und Nährstoffen. 

Medizinische Expertise

Ludwig Horer

OA Dr. Ludwig Horer

Facharzt für Innere Medizin
Untere Hauptstraße 24, 3071 Böheimkirchen
www.pve-boe.at
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Die Symptome der Herz-Erkrankung Angina pectoris sind anfallartige drückende Schmerzen im Brustkorb. Die Koronare Herzkrankheit (KHK), so der medizinische Begriff für die Verengung der Herzkranzgefäße, ist eine chronische Durchblutungsstörung und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Angina pectoris. Sie unterscheidet sich vom Herzinfarkt insofern, dass die Beschwerden nach der Einnahme von gefäßerweiternden Wirkstoffen wieder vergehen. Angina pectoris ist mit Medikamenten bzw. einer Bypass-Operation gut in den Griff zu bekommen.

Schätzungsweise leiden auf eine Million Einwohner bezogen 30.000 bis 40.000 Menschen an einer stabilen Angina pectoris, die bei Belastung auftritt. Männer in etwa gleich häufig wie Frauen.

Sind die Herzkranzgefäße durch Ablagerungen verengt, wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Die Ursache für die Verengung der Herzkranzgefäße liegt in einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose), einem entzündlichen Gefäßwandprozess. Er führt dazu, dass Ablagerungen die Gefäße verengen oder verschließen. Als Folge eines Verschlusses kommt es zum Herzinfarkt.

Mögliche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Arteriosklerose:

Die häufigsten Symptome einer Angina pectoris sind:

  • Drückende Schmerzen hinter dem Brustbein oder im ganzen Brustkorb
  • Atembeklemmungen, würgendes Gefühl im Hals
  • Im Brustkorb ist ein Engegefühl bzw. Druckgefühl spürbar
  • Schweißausbrüche, Herzrasen

Die Schmerzen, die oft nur wenige Minuten dauern und vielfach den Beschwerden eines Herzinfarkts gleichen, können in den linken Arm bis in die Hand, in beide Arme, in den Hals, den Unterkiefer, in die Zähne oder in den Bauch ausstrahlen. Übelkeit und Erbrechen treten häufig auf.

Angina-pectoris-Beschwerden werden deshalb manchmal als Magen-, Zahn- oder Schulter- und Armschmerzen fehlgedeutet. Bei Frauen äußern sich die Symptome nicht so sehr in Form ausgeprägter Schmerzen, sondern oft als Engegefühl in der Brust oder als Atemnot.

Auslöser der "brennenden", krampfartigen Beschwerden, die plötzlich einsetzen und für Sekunden bis Minuten andauern, können körperliche Anstrengung, aber auch Kälte oder emotionaler Stress sein.

Stabile Angina pectoris

Verschwinden die Symptome nach einigen Minuten in Ruhe wieder, so spricht man von einer "stabilen Angina pectoris" - sie wird auch als "Belastungsangina" bezeichnet.

Wichtig: lassen die Schmerzen selbst im Ruhezustand nach einigen Minuten nicht nach, werden sie sogar noch stärker und dauern sie länger als 20 Minuten an, sollte unbedingt die Rettung verständigt werden, es besteht akute Herzinfarkt-Gefahr!

Für Patienten mit einer stabilen Angina pectoris ist es wichtig, über das Stadium ihrer Erkrankung und die Schwere der Beschwerden Bescheid zu wissen:

  • Stadium 1: Bei normaler körperlicher Aktivität sind die Patienten beschwerdefrei, aber stärkere körperliche Belastung ist schon spürbar.
  • Stadium 2: Beschwerden treten bereits bei mäßiger Anstrengung auf, wie z.B. beim Treppensteigen, die normale Aktivität ist eingeschränkt.
  • Stadium 3: Die normale körperliche Aktivität des Patienten ist bei der Verrichtung des täglichen Lebens bereits eingeschränkt.
  • Stadium 4: Bei geringsten körperlichen Belastungen treten die typischen Beschwerden auf.

Die Anfälle der "stabilen Angina pectoris" können verschieden oft auftreten, mehrmals am Tag oder alle paar Monate, sie können sich häufen oder wieder verschwinden. Wenn sich die Anzahl und Dauer der Anfälle ändert, Schmerzen auch in Ruhe oder bei geringer Belastung auftreten, dann wird dieses Krankheitsbild als "instabile Angina pectoris" bezeichnet.

Eine instabile Angina pectoris ist ein eindeutiges Warnzeichen für einen drohenden Herzinfarkt, unbedingt einen Arzt aufsuchen!

Zur Darstellung der Herzkranzgefäße gibt es eine spezielle Röntgenuntersuchung, die sogenannte Koronarangiografie. Über einen Katheter wird Kontrastmittel in die Gefäße verabreicht, damit sie auf dem Röntgenschirm sichtbar sind. Damit sind Engstellen erkennbar.

Mit Hilfe eines Belastungs-EKGs, das mit dem Patienten auf einem Standfahrrad (Ergometer) durchgeführt wird, kann ein Sauerstoffmangel am Herz erkannt werden.

Der Großteil der Betroffenen kann mit Hilfe der Gefäßdehnung (Perkutane Koronarintervention, PCI) und nachfolgender Stent-Implantation oder durch eine Bypass-Operation von den Beschwerden befreit werden. Der Chirurg überbrückt mit einem Gefäßstück aus einem anderen Körperteil den verengten Abschnitt am Herzkranzgefäß. Allerdings können manchmal die Beschwerden trotz Operation bestehen bleiben, bei manchen Patienten ist dieser Eingriff nicht möglich.

Die Gabe von Medikamenten hat zwei Ziele: Akute Anfälle sollen unterbrochen, neue Anfälle verhindert werden. Im Akutfall führen Nitropräparate zu einer raschen Besserung der Beschwerden. Langfristig verhindert man weitere Anfälle mit Betablockern, Kalziumantagonisten, Acetylsalicylsäure, ACE-Hemmern, Statinen, Nitraten oder auch Kaliumkanal-Öffnern. In den letzten Jahren sind neue Substanzklassen zur Behandlung der stabilen Angina pectoris hinzugekommen: If-Kanal-Hemmer (Ivabradin) sowie Piperazine (Hemmer des späten Natriumeinstromes; Ranolazin).

Mit dem Rauchen aufhören, die Risikofaktoren müssen behandelt werden.


Autor:in:
Medizinisches Review:
Erstellt am:

25. November 2016

Stand der medizinischen Information:

25. November 2016


ICD-Codes:
  • I20
  • I25

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