Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Zuletzt aktualisiert am 27. Oktober 2021

27.000 Menschen erleiden in Österreich jährlich einen Herzinfarkt.
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Bei einem Herzinfarkt kommt es zum Verschluss eines Herzkranzgefäßes.

Medizinische Expertise
Anna Rab

Dr. Anna Rab

Fachärztin für Kardiologie, Innere Medizin und Intensivmedizin Herzinsuffizienz-Spezialistin

www.rab-kardio.at

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Aufgrund der mangelnden Sauerstoffversorgung am Herzmuskel tritt ein starkes Engegefühl in der Brust auf, begleitet von Symptomen wie Todesangst und Schweißausbrüchen. Brennende Schmerzen strahlen in die verschiedenen Körperregionen aus. Bei Frauen können auch "untypische" Herzinfarkt-Symptome wie Erbrechen, Rückenschmerzen oder Atemnot auf einen Infarkt deuten.

Rund 32.000 Menschen werden hierzulande jährlich mit einem Herzinfarkt konfrontiert. Zeit ist ein entscheidender Faktor: Je schneller die Durchblutung durch die Behandlung im Notarztwagen bzw. im Spital wiederhergestellt wird, desto weniger Herzmuskelgewebe stirbt unwiederbringlich ab. Stirbt viel Herzmuskelgewebe ab, endet der Herzinfarkt mit einer Herzschwäche oder sogar tödlich.

In Österreich erleiden pro Jahr zirka 32.000 Menschen einen Herzinfarkt. Die Sterblichkeit von Herzinfarkten ist seit Jahren rückläufig. Starben im Jahr 1991 noch 151 Menschen von 100.000 an den Folgen eines Herzinfarkts, so sank die Zahl 2016 auf 55. Damit sterben heute 3x weniger Menschen an einem Herzinfarkt als noch vor 30 Jahren.

Zwar sind immer häufiger Frauen von einem Herzinfarkt betroffen – ein Grund dafür ist, dass Frauen ihre Symptome nicht richtig wahrnehmen und zu spät das Krankenhaus aufsuchen – nach wie vor erleiden und sterben aber mehr Männer an den Folgen eines Infarkts.

Video: Leben nach dem Herzinfarkt

OA Dr. Alexander Nahler (Abteilung für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin, Kepler Universitätsklinikum Linz) gibt im Webinar einen Überblick, wie nach einem Herzinfarkt eine hohe Lebensqualität möglich ist und worauf Betroffene besonders achten müssen. (11.11.2020)

Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) entsteht, wenn der Blutfluss in einer Herzkranzarterie plötzlich unterbrochen wird. Die häufigste Ursache dafür ist ein Blutgerinnsel, das sich durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) in einer verengten Herzkranzarterie bildet und das Gefäß komplett verschließt. Dadurch wird Herzmuskelgewebe, das hinter dem Verschluss liegt, nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Es stirbt unwiederbringlich ab, wenn das Gefäß nicht binnen kürzester Zeit wiedereröffnet wird.

Auch beim Schlaganfall, bei dem es aus verschiedenen Gründen zu einem Verschluss der Hirnarterie bzw. zu einer Hirnblutung kommt, muss das verletzte Gefäß binnen weniger Stunden wiedereröffnet werden, sonst kommt es zu einer nachhaltigen Schädigung der Gehirnzellen.

Folgende Beschwerden sind Alarmzeichen und können bei Männern und Frauen auftreten:

  • Plötzlich auftretende linksseitige Schmerzen in Brust, Schulter und linker Körperhälfte, die auch in Ruhe nicht nachlassen

  • Atembeklemmungen, Erstickungsgefühl

  • Tiefe, dumpfe Schmerzen in der Brustmitte, hinter dem Brustbein. Diese Schmerzen können sich auf den linken oder rechten Arm, bis zum Hals, in den Oberbauchbereich bis auf den Rücken ausbreiten

  • Kalter Schweiß

  • Todesangst

  • Rasender Puls, Herzjagen

Die Schmerzen fühlen sich bei einem akuten Infarkt "brennend" oder auch "bleiern-drückend" an, sie dauern länger als 20 Minuten und verschwinden auch im Ruhezustand nicht. Infarkte ereignen sich häufig in den Morgenstunden.

Es können aber auch Symptome auftreten, die Betroffene nicht einem Infarkt zuschreiben. Häufig sind Frauen betroffen. Alarmzeichen sind:

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Unerklärliche Schmerzen im Magen und oberen Bauchbereich

  • Unerklärliche Atembeklemmungen

  • Schwindelgefühle bis zur Bewusstlosigkeit

  • Druck in der Brustmitte verbunden mit Schmerzen in einem Arm oder im Kiefer

Diese "untypischen" Herzinfarkt-Symptome sind bei Frauen häufiger zu beobachten als bei Männern. Sie leiden bei einem Herzinfarkt häufig auch unter Würgegefühl, Übelkeit bis Erbrechen, Schweißausbrüchen, aber auch unter Schmerzen in der Schulter bzw. zwischen den Schulterblättern. Oft werden diese Beschwerden mit Erkrankungen des Magen-Darmtraktes oder Wirbelsäulenschmerzen verwechselt.

Mittels eines Elektrokardiogramms (EKG) werden Veränderungen festgestellt, die für einen Herzinfarkt typisch sind. Eine Störung der Funktion der Herzkammern wird mittels Herz-Ultraschall sichtbar gemacht. Beim Herzinfarkt werden auch bestimmte Enzyme (CK, Troponin) freigesetzt, die sich durch eine Blutprobe nachweisen lassen.

Der Notarzt bekämpft die Schmerzen mittels starker Schmerzmittel (Morphium), verabreicht Sauerstoff und diagnostiziert den Herzinfarkt im EKG. Kann innerhalb von 2 Stunden keine Herzkatheter-Untersuchung zur Wiederherstellung der Gefäßdurchblutung bewerkstelligt werden, kann die Gabe von starken Blutgerinnungshemmern (siehe Lyse-Therapie) notwendig sein.

Eventuell werden schon im Krankenwagen Medikamente verabreicht (siehe Lyse-Therapie), die den Gefäßverschluss wieder öffnen.

Es gibt 3 Möglichkeiten, die Durchblutung wieder herzustellen:

Mechanische Aufdehnung des Gefäßes

Im Spital sollte im Idealfall binnen 2 Stunden nach der ärztlichen Versorgung durch den Notarzt eine primäre Herzkatheterintervention (PCI, percutane coronare Intervention) erfolgen. Mit Hilfe einer Angiographie wird das geschädigte Gefäß geortet. Dann wird ein Katheter über die Punktionsstelle am Unterarm oder immer seltener über die Leiste bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben und im Anschluss die geortete Verengung mit einem Ballon gedehnt (Ballondilatation) und in weiterer Folge als dauerhafte Stütze ein Stent (Maschendrahtgeflecht) implantiert. Dieser Vorgang wird mittels Röntgen überwacht.

Medikamentöse Öffnung des Gefäßes

Bei der sogenannten Lyse-Therapie werden bestimmte blutgerinnungshemmende Substanzen in die Vene verabreicht, um das Blutgerinnsel im Herzkrankgefäß aufzulösen. Diese Therapie ist dann sinnvoll, wenn die voraussichtliche Transportzeit zum Herzkatheter nach Auftreten der Akutsymptome mehr als zwei Stunden überschreitet, weshalb sie mitunter bereits im Notarztwagen verabreicht wird. Bei weitgehend sicherer Diagnose des Infarktes durch den Notarzt werden bereits während des Transportes noch vor Eintreffen im Krankenhaus sogenannte Plättchenaggregationshemmer wie Aspirin verabreicht.

Operative Wiederherstellung der Gefäßdurchblutung

Bei einer akuten Bypass-Operation wird die verengte Stelle mit einem passendem Gefäßsegment überbrückt, das aus der Brustwand oder dem Bein entnommen wird. Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn es nicht möglich ist, einen Stent zu setzen.

Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Störung der Blutfettwerte, Stress, Bewegungsmangel und vermehrtes Bauchfett – diese Faktoren begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose (Ablagerungen in der Gefäßwand) und damit das Risiko eines Infarkts enorm und müssen unbedingt minimiert werden.

Eine den gültigen Richtlinien entsprechende medikamentöse Therapie ist lebenslang notwendig ebenso wie regelmäßige Kontrollen beim Facharzt für Innere Medizin oder Kardiologie. Nur dadurch kann ein weiterer Herzinfarkt verhindert werden!

Nach dem Krankenhausaufenthalt werden oft folgende Medikamente verschrieben:

  • Thrombozytenfunktionshemmer: Diese Wirkstoffe verhindern das Verkleben der Blutplättchen.

  • Betarezeptorblocker – kurz Betablocker: Sie drosseln die Schlagfrequenz des Herzens und beugen eine Überlastung des Herzens vor.

  • ACE-Hemmer: Sie stützen das Herz und wirken auch gegen erhöhten Blutdruck.

  • Lipidsenker/Statine, Ezetimib, PCSK9-Inhibitoren: Sie bremsen das Fortschreiten von Arteriosklerose. Das LDL-Cholesterin sollte bei allen Herzinfarktpatienten auf Werte unter 55 mg/dl abgesenkt werden.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

27. Oktober 2021

Erstellt am:

2. November 2017

Stand der medizinischen Information:

27. Oktober 2021


Quellen:

Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Österreich, Bundesministerium für Gesundheit (27.10.2021)

Ratgeber Herzinfarkt, P. Mathes, Springer Verlag, 7. Auflage, Berlin Heidelberg, 2012

Österreichische Todesursachenstatistik 2020, Statistik Austria (27.10.2021)

Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC): Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (Hrsg.), 2021 (20.07.2022)

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