Nervenschmerzen: Arten und Ursachen

Zuletzt aktualisiert am 17. Oktober 2022

Mensch hat Schmerzen in der Hand
Das Karpaltunnelsyndrom ist eine häufige Form des Nervenschmerzes.
© Ralf Geithe / Fotolia

Die Ursachen für neuropathische Schmerzen (Nervenschmerzen) sind vielfältig und haben eines gemeinsam: Die meist ununterbrochene Weiterleitung von Schmerzsignalen ans Gehirn.

Medizinische Expertise
Veith Moser

Dr. med. univ. Veith Moser

Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Handchirurgie, Nervenchirurgie

www.nervenschmerz.com

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Inhaltsverzeichnis

Das Nervensystem des Menschen kann man sich wie ein Strommetz oder eine Schnur, die durch den Körper verläuft, vorstellen.

Es ist für die Wahrnehmung und Weiterleitung von Berührungen, Temperatur oder Schmerz verantwortlich. Auch die Steuerung der Muskulatur ist im Nervensystem verortet.

Weiters unterscheidet man zwischen dem zentralen Nervensystem und dem peripheren Nervensystem:

  • Das zentrale Nervensystem umfasst die Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark. Es befindet sich eingebettet im Schädel und dem Wirbelkanal in der Wirbelsäule.
  • Das periphere Nervensystem umfasst den Teil des Nervensystems, der außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks liegt.
  • Neuropathische Schmerzen entstehen, wenn neurale Strukturen geschädigt oder erkrankt sind.
  • Typische Erscheinungsformen sind ein Ausstrahlungsschmerz in Arme und Beine, am jeweiligen Nervenstamm, der zum Versorgungsgebiet des Nerves gehört sowie ein vermindertes Feingefühl und der sogenannte Nachtschmerz.
  • Mögliche Ursachen sind unter anderem operative Eingriffe, Erkrankungen oder Schwangerschaft.
  • Zur Diagnose stehen verschiedene Untersuchungen, darunter der Hoffmann-Tinel-Test, der Phalen-Test, Laboranalysen und der hochauflösende Nerven-Ultraschall zur Verfügung.
  • Behandelt wird im Regelfall zunächst konservativ mit Medikamenten. Bringt die Therapie keine zufriedenstellenden Veränderungen, ist auch ein operativer Eingriff möglich.

Das Paradoxe an Nervenschmerzen bzw. neuropathischen Schmerzen ist, dass sie einerseits für eine Gefühlsminderung im Bereich betroffener Regionen sorgen, andererseits aber mit einer extremen Berührungs- und Schmerzempfindlichkeit einhergehen. Sie können sich mit der Zeit verändern, stärker werden und sich negativ auf die Psyche auswirken.

Man unterscheidet zwischen peripherer Neuropathie, also Schmerzen, die vom peripheren Nervensystem ausgehen und zentraler Neuropathie, jene Schmerzen die vom zentralen Nervensystem, also dem Gehirn und Rückenmark, ausgehen.

Typische für zentrale Neuropathien sind Schmerzen, die im Anschluss an Schädigungen des Gehirns und Rückenmarks auftreten: Sie können etwa durch einen Schlaganfall, Multiple Sklerose oder eine Epilepsie ausgelöst werden.

Unter einer peripheren Neuropathie wiederum versteht man eine Störung eines oder mehrerer Nerven des peripheren Nervensystems, also außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Sie äußern sich durch eine Beeinträchtigung der Sensorik, der Motorik und der vegetativen Funktionen.

Die Ursachen für neuropathische Schmerzen oder Nervenschmerzen sind mannigfaltig und haben eines gemeinsam: Die meist ununterbrochene Weiterleitung von Schmerzsignalen ans Gehirn. Es handelt sich um Schmerzen, die durch eine Verletzung oder eine Dysfunktion (fehlerhafte Funktion) des Nervensystems verursacht werden.

Nervenschmerzen strahlen in das Versorgungsgebiet einer oder mehrerer Nerven aus, während sie gleichzeitig von ihnen verursacht werden. Diese Schmerzen können sich bis zur Unerträglichkeit steigern und chronisch werden. Sie werden als brennend, dumpf, stechend oder bohrend beschrieben.

Für neuropathischen Schmerz bzw. Nervenschmerz gibt es bestimmte Auslöser, er kann aufgrund mechanischer, entzündlicher, stoffwechselbedingter sowie toxischer Einflüsse entstehen. Er tritt niemals grundlos oder ohne Vorgeschichte auf, allerdings gestalten sich die Ursachenforschung und die Behandlung von Nervenschmerzen mitunter schwierig.

Im Folgenden erfahren Sie mehr über die unterschiedlichen Auslöser und Ursachen von peripheren neuropathischen Schmerzen:

Nerven-Engpasssyndrom

Periphere Nerven sind anatomisch bedingt mit Engstellen konfrontiert. Werden diese aufgrund bestimmter Einflüsse enger, wie etwa bei Wassereinlagerungen während einer Schwangerschaft, kann das den betroffenen Nerv negativ beeinflussen.

Die Beschwerden sind:

  • kurzfristige oder chronische Schmerzen
  • Ausstrahlungsschmerz
  • Taubheitsgefühl
  • vermindertes Feingefühl und Schwäche
  • Nachtschmerz

Häufige Beispiele für das Nerven-Engpasssyndrom:

  • Karpaltunnelsyndrom: Einengung des Mittelarmnervs im Handgelenkbereich. Teile der Hand fühlen sich taub an oder kribbeln. Auch Schmerzen in der ganzen Hand können auftreten und bis in den ganzen Arm ausstrahlen.
  • Tarsaltunnelsyndrom: Betrifft den „Nervus tibialis“ im Fuß und äußert sich durch Missempfindungen, Schmerzen in den Zehen oder dem gesamten Fuß, Ameisenlaufen, vermindertes Gefühl in der Fußsohle oder Brennen äußert.

Das Lendennervengeflecht kann ebenfalls von Problemen, wie Einengung oder Verletzungen der zugehörigen Nerven betroffen sein. Dabei handelt es sich um:

  • Nervus iliohypogastricus:
    Dieser Nerv entsendet motorische Nervenäste zum inneren schrägen Bauchmuskel, zum queren Bauchmuskel sowie zum Pyramidenmuskel. Ist er eingeengt oder verletzt, strahlen die Schmerzen in den Unterbauch aus und können zu gebeugter und entlastender Haltung führen.

  • Nervus ilioinguinalis:
    Auch dieser entsendet motorische Äste zum schrägen inneren sowie zum queren Bauch- und zum Pyramidenmuskel. Außerdem ist er für die sensible Versorgung des Hodensacks und der äußeren Schamlippen zuständig. Die Schmerzen ziehen sich vom Unterbauch bis in den Genitalbereich.

  • Nervus genitofemoralis:
    Dieser Nerv ist sowohl für die Versorgung einiger Bereiche des Oberschenkels als auch der äußeren Geschlechtsorgane verantwortlich. Er teilt sich in zwei weitere Äste, wobei einer die Haut im Leistenbereich, den Hodenheber und den Hodensack bzw. die großen Schamlippen versorgt. Der andere versorgt die Innenseite des Oberschenkels. Bei einer Verletzung oder Einengung ziehen sich die Schmerzen vom Genitalbereich bis in den Oberschenkel.

Nervenschmerzen können weiters von folgenden Nerven ausgelöst werden:

  • Nervus cutaneus femoralis lateralis:
    Dieser befindet sich im Bereich des Leistenbandes. Wird er eingeengt, kommt es zu brennenden Schmerzen und schmerzhaften Empfindungen (Parästhesien) im Bereich des Hautnerv-Versorgungsgebiets an der Oberschenkelaußenseite. Bei Beugung des Hüftgelenks verbessern sich die Beschwerden. Nicht selten ist aufgrund dieses Nervenengpasssyndroms das Tragen enger Kleidung nahezu unmöglich.

  • Einengung des Nervus saphenus (Oberschenkelnerv):
    Dieser befindet sich ebenso wie die Oberschenkelarterie an der Innenseite des Oberschenkels und ist für die sensible Versorgung der Oberschenkel- und Unterschenkelinnenseite verantwortlich. Ist er eingeengt, kommt es zu brennenden Schmerzen an der Oberschenkel- und Unterschenkelinnenseite, im Bereich des Knies sowie Parästhesien und Ausfallerscheinungen, die sich auch auf den Fuß auswirken können.

  • Einengung des Nervus peroneus communis:
    Dieser liegt im Bereich des Fibulaköpfchens am Knie, wird häufig durch mechanischen Druck (Gips, übereinandergeschlagene Beine) in Mitleidenschaft gezogen und verursacht die so genannte Peroneusparese (Fußheberschwäche). Symptome sind Sensibilitätsstörungen am Fußrücken und Unterschenkel sowie Schwierigkeiten, den Fuß bzw. die Zehen anzuheben. Eine Peroneusparese kann auch durch Ganglien, Poplitealzysten, Neurinomen und Tumoren verursacht werden.

  • Entzündliche oder mechanische Irritation des Nervus pudenus (Schamnerv):
    Der Schamnernv versorgt After, Damm, Hoden und Schamlippen und ist zuständig für deren sensible Wahrnehmung. Ist er eingeengt oder verletzt spricht man von einer Pudenusneuralgie. Diese äußert sich durch starke Schmerzen in diesem Bereich, die meist einseitig auftreten und die Seite wechseln können. Betroffene sind häufig mit Brennen beim Urinieren konfrontiert, ohne dass ein Infekt vorliegt.

  • Nervus trigenimus (Gesichtsnerv):
    Der Trigenimusnerv ist ein Hirnnerv, der die Sinnesinformationen vom Gesicht zum Gehirn leitet und die Muskeln, die zum Kaueen benötigt werden, steuert. Liegt eine Störung vor, spricht man von einer Trigenimusneuralgie, die von kurzen, blitzschnell auftretenden, intensiven, meist unerträglich stechenden Schmerzen in der unteren Gesichtspartie gekennzeichnet sind. Die Ursache dafür ist häufig eine abnorm verlaufende Arterie, die auf den Trigenimusnerv drückt.

  • Einengung des Nervus occipitalis (großer Hinterhauptnerv):
    Der große Hinterhauptnerv versorgt Teile der behaarten Kopfhaut im Bereich des Hinterkopfes sowie die Hirnhaut der hinteren Schädelgrube. Eine Irritation oder Entzündung manifestiert sich als Okzipitalneuralgie. Diese ist durch Schmerzen an der Rückseite des Kopfes und im oberen Nacken charakterisiert. Die Ursachen können vielfältig sein. Muskelverspannungen im Nacken oder degenrative Veränderungen, wie Osteoarthritis könne Gründe sein, Auh Traumata, Gicht, Diabets oder Entzündungen der Blutgefäße können für die Schmerzen verantwortlich sein.

Nervenschmerz als Symptom einer übergeordneten Erkrankung:

  • Nervenschmerz aufgrund eines Neuroms:
    Neurome können z.B. nach Amputation, Operation oder Verletzungen auftreten. Diese Nervenfaserbündel können nach einer Nervendurchtrennung entstehen und sind gekennzeichnet durch starke Schmerzen sowie Druckempfindlichkeit.

  • Nervenschmerz und/oder Lähmung aufgrund eines Nerventumors (Schwannom, Neurinom):
    Bei einem Schwannom oder Neurinom handelt es sich um einen gutartigen Tumor, der von den Schwann-Zellen des peripheren Nervensystems ausgeht und langsam wächst. In manchen Fällen wird gesundes Gewebe verdrängt, wodurch es zu Lähmungserscheinungen und/oder Nervenschmerzen kommen kann.

  • Neurofibromatose (genetische Erkrankung):
    Im Rahmen der peripheren Neurofibromatose können Neurofibrome auftreten. Bei diesen handelt es sich um gutartige Tumoren mit gut abgrenzbaren Strukturen innerhalb des Nervs bzw. diffusen Strukturen außerhalb desselben. Die chirurgische Entfernung aus dem peripheren Nervensystem ist mit Risiken wie Funktionsverlust verbunden.

  • Metastasen:
    Diese Tochtergeschwulste eines Tumors gelten als häufigster Grund einer peripheren Nervenkompression, z. B. aufgrund eines Pancoast-Tumors.

  • Sonstige Nervenschmerzen tauchen aufgrund einer Erkrankung wie etwa Gürtelrose auf. Wird beispielsweise die Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt, zu spät oder unzureichend behandelt, können die für sie charakteristischen Schmerzen chronisch werden. Das bedeutet, dass Betroffene nach Abheilung des damit einhergehenden Hautausschlags mit einem dumpfen, brennenden Dauerschmerz konfrontiert sind.

Sonstige Auslöser von Nervenschmerzen

  • Nervenschmerz nach Einsatz eines Gelenkersatzes:
    Manifestieren sich nach endoprothetischen Operationen an Hüfte oder Knie chronische Schmerzen, liegt das meist daran, dass sensible Nervenäste durch den Eingriff irritiert wurden. Die Folge sind Kribbeln, Brennen, Stechen, Taubheit und Missempfindungen.

  • Nervenschmerz aufgrund von Abnutzungserscheinungen:
    Verschleißbedingte Erkrankungen wie Arthrose können zu Nervenschmerzen führen.

Sonderfall Polyneuropathie

Eine nichttraumatisch verursachte Erkrankung, die generalisiert oder über mehrere Nerven oder Innervationsgebiete auftritt und das periphere Nervensystem betrifft, wird Polyneuropathie genannt. Diese kann motorische, vegetative sowie sensible Nerven betreffen und geht mit vielfältigen Symptomen einher, wie z. B. einerseits Taubheit, andererseits extremer Berührungsempfindlichkeit.Sie ist wiederum eine Folge bestimmter Erkrankungen oder anderer Faktoren wie:

  • Diabetes mellitus
  • Alkoholmissbrauch
  • HIV
  • Vergiftungen
  • autoimmune Komponenten
  • genetische Komponenten

Die Diagnose besteht zunächst aus einem ausführlichen Patientengespräch zur Erfassung der Krankengeschichte (Anamnese) sowie einer körperlichen Untersuchung. Des Weiteren kann ein Schmerzfragebogen hilfreich sein, der die Schmerzart, die Schmerzstärke, die Dauer, die Intensität usw. beinhaltet und dokumentiert. Das Führen eines Schmerztagebuchs hat sich ebenfalls bewährt und hilft dem Untersucher dabei, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Je nach betroffener Region lassen sich Nervenschmerzen bzw. neuropathische Schmerzen anhand klinischer Tests diagnostizieren. Zu diesen zählen:

  • Hoffmann-Tinel-Test bzw. Hoffmann-Tinel-Zeichen:
    Beklopfen des Nervenversorgungsgebietes, das im Falle eines Nervenproblems elektrisierend schmerzt.
  • Phalen-Test:
    Die Handrücken werden aneinandergelegt, während die Handgelenke gebeugt sind und die Finger nach unten zeigen. Liegt ein Karpaltunnelsyndrom vor, kommt es in den meisten Fällen innerhalb kürzester Zeit zu Empfindungsstörungen im Handgelenksbereich.
  • Flaschen-Test:
    Ist der Nervus medianus (Mittelarmnerv) entsprechend geschädigt, können Betroffene keine zylindrischen Gegenstände (z.B. Flaschen) mehr vollständig umgreifen, da die Daumenmuskeln geschwächt sind.
  • Neurologische Untersuchungen wie Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG), Sensibilitätstest (Muskeln, Haut, Reflexe), Elektroneurographie (= elektrische Reizung peripherer Nerven)
  • Laboruntersuchungen, B. zum Ausschluss neurotroper Infekte wie Borreliose oder Herpes

 

Bildgebende Diagnose

Da periphere Nerven in der Bildgebung wie Röntgen, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie in den seltensten Fällen darstellbar sind und manche Tests trotz eindeutiger Schmerzsymptomatik ergebnislos bleiben, ist der hochauflösende Ultraschall bzw. die hochauflösende Sonographie zur Diagnosestellung von großer Bedeutung. Mittels dieses bildgebenden Verfahrens lassen sich kleinste Nervenfasern und ihre Umgebung (Bänder, Sehnen, Muskeln) millimetergenau darstellen.

Der neuropathische Schmerz bzw. Nervenschmerz kann somit sichtbar gemacht werden, wenn andere Maßnahmen erfolglos bleiben. Des Weiteren gilt der Ultraschall als ergänzendes Tool, um bereits diagnostizierte Erkrankungen oder Verletzungen zweifelsfrei sichtbar zu machen bzw. darzustellen.

Zur exakten Diagnosestellung ist ein interdisziplinärer Ansatz maßgeblich. Dieser betrifft die Neurologie, Radiologie, Orthopädie und Nervenchirurgie.

Neben der Schmerzart muss die Schmerzursache festgestellt werden. Handelt es sich ohne Zweifel um Nervenschmerzen bzw. neuropathische Schmerzen, ist das zeitnahe Erkennen der Ursache oftmals von großer Bedeutung. Je nachdem, welches Problem zugrunde liegt, besteht schneller Handlungsbedarf, um irreversible Schädigungen zu verhindern.

Mit zu Hilfenahme diese relativ neuen Untersuchungstechniken kann auch sehr exakt eine diagnostische Nervenblockade durchgeführt werden. Dabei wird für einige Zeit die Nervenleitung des besagten Nervs blockiert. Je nach Reaktion auf die Blockade ist die Ursache gesichert. Beispielsweise wenn die Blockade zu einer Besserung der Symptome führt, kann man davon ausgehen, dass der jeweilige Nerv die Ursache für den Schmerz.

Die Behandlung neuropathischer Schmerzen reicht von konservativ bis chirurgisch und ist in den meisten Fällen sehr vielfältig.

Herkömmliche Schmerzmittel wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) greifen im Falle von Nervenschmerzen nicht.

Bewährt haben sich:

  • Antikonvulsiva (Antiepileptika)
  • Opiate
  • Antidepressiva
  • Cannabinoide
  • Oberflächen-Therapien wie Capsaicin- oder Lidocain-Pflaster

Des Weiteren kann werden folgende Therapiemaßnahmen eingesetzt:

  • Kortisoninjektionen
  • Ruhigstellung (z. B. mittels Schiene)
  • transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Krankengymnastik
  • Gleichstromtherapie
  • Kompression
  • Kältetherapie
  • Salbenverbände
  • Auch Psychotherapie kann ebenfalls hilfreich sein

Operative Maßnahmen

Sind alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft oder liegt eine entsprechende Indikation vor, sollten Nervenschmerzen chirurgisch, also mittels Operation, behandelt werden. Ziel einer solchen Maßnahme ist es, betroffene Bereiche zu entlasten und/oder zu reparieren, um im besten Falle eine vollständige Schmerzfreiheit zu erlangen.

Durchgeführt werden solche Eingriffe in der Regel von Fachärzten für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, allerdings sind auch Neurochirurgen sowie orthopädische Chirurgen mitunter auf periphere Nervenchirurgie spezialisiert. Im Rahmen eines Eingriffs können je nach zugrunde liegender Problematik folgende chirurgische Interventionen erfolgen:

  • Neurotomie/Neurektomie: vollständige oder teilweise Durchtrennung der betroffenen Nervenfasern/des betroffenen Nervs bzw. Durchtrennung und Entnahme eines Teilstücks des betroffenen Nervs
  • Neurolyse: Druckbeseitigung bzw. Druckentlastung des betroffenen Nervs
  • Exstirpation: vollständige Durchtrennung und Entfernung jener Nervenfasern, von deren Schwann-Zellen der Nerventumor ausgeht und anschließende Entfernung desselben
  • Rekonstruktionen und Nerventransplantationen

Vor Operationen am peripheren Nervensystem kann mittels lokaler Betäubung getestet werden, ob Patienten von einem Eingriff profitieren würden. Die so genannte Testblockade ist mit einer Spritze beim Zahnarzt vergleichbar und legt den betroffenen Nerv im Idealfall für mindestens zwei Stunden still (= zweistündige Schmerzfreiheit). Daraus lässt sich schließen, ob eine Operation helfen kann, schmerzfrei zu werden. Eine präoperative Hautmarkierung unter Ultraschall erlaubt es dem Chirurgen, zielgenau zu schneiden und somit zu große Hautschnitte zu vermeiden.

Autor:innen:
Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

17. Oktober 2022

Erstellt am:

21. August 2018

Stand der medizinischen Information:

17. Oktober 2020


Quellen:

Chirurgie der peripheren Nerven, Hanno Millesi, Urban & Schwarzenberg, München – Wien – Baltimore, 1992

Pain Solutions (Third Edition), A Lee Dellon, Lightning Source Inc, La Vergne, 2013

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