Borreliose (Lyme-Borreliose, Lyme-Krankheit, Borrelieninfektion)

Borreliose-Hautausschlag am Bein, daneben Zecke auf einem Grashalm
Die "Wanderröte" ist eines der typischen Anzeichen für eine Infektion.
© Astrid Gast / stock.adobe.com
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Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Je länger die Zecke saugt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.

Medizinische Expertise

Hannes Stockinger

em. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hannes Stockinger

Emeritus Professor für Molekulare Immunologie, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie, MedUni Wien
Kinderspitalgasse 15, 1090 Wien
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Typische Symptome sind eine ringförmige Rötung rund um die Einstichstelle ("Wanderröte"), Müdigkeit, Kopfschmerzen und grippeähnliche Zustände. Unbehandelt kann eine Infektion auch die Gelenke, das Nervensystem oder den Herzmuskel betreffen. Um eine Infektion zu vermeiden, sollte die Zecke so rasch wie möglich entfernt werden. Im Falle einer Infektion kann Borreliose jedoch gut mit Antibiotika behandelt werden. Auch mögliche Spätfolgen sind dadurch vermeidbar.

Zusammenfassung

  • Borreliose ist eine Multisystemerkrankung, die nach einem Stich einer infizierten Zecke hervorgerufen werden kann.
  • Im Gegensatz zur FSME gibt es gegen die Borreliose keine Schutzimpfung.
  • Ein runder, rötlicher Hautausschlag ist typischerweise das erste Anzeichen einer Borreliose.
  • Für eine eindeutige Diagnose müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden.
  • Nach einem Spaziergang sollte der Körper unbedingt auf Zecken untersucht werden.

Borreliose im Überblick

Art entzündliche Multiorganerkrankung
Erreger Borrelia burgdorferi sensu lato
Übertragung Zeckenstich
Inkubationszeit unterschiedlich
Symptome Wanderröte, Gelenkschmerzen, Herzmuskelentzündung, Lähmungserscheinungen
Therapie Antibiotika

FAQ (Häufige Fragen)

Wie äußert sich die Krankheit Borreliose?

Ein typisches Symptom einige Tage (bis Wochen) nach einer Infektion ist ein Hautausschlag an der Einstichstelle, der sich ringförmig ausbreitet und optisch an eine Zielscheibe erinnert. Dieser Ausschlag, auch "Wanderröte" (Erythema migrans) genannt, kann an mehreren Körperstellen auftreten und wird durch eine verstärkte Durchblutung der Haut hervorgerufen. Bei vielen Betroffenen bleibt die Hautinfektion die einzige Krankheitserscheinung. Hinzukommen können aber auch Symptome wie:

  • Fieber 
  • Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten
  • Müdigkeit
Was ist an Borreliose so gefährlich?

Bleibt die Infektion unbehandelt, kann es nach einigen Wochen oder Monaten zu Entzündungsreaktionen im Körper kommen, z. B. an der Haut, im Gehirn, am Herzmuskel oder an den Gelenken. Auch Lähmungserscheinungen sind möglich, etwa im Gesicht.

Ist Borreliose beim Menschen heilbar?

Üblicherweise ist die Erkrankung – je nach Ausgangsstadium – nach ein bis sechs Monaten ausgeheilt.

Borreliose ist eine systemische Infektionserkrankung, die durch Bakterien (sogenannte Borrelien) ausgelöst wird. Sie wird durch Zecken übertragen. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann sie sich im Körper auf andere Organe ausbreiten. Die Erkrankung kann unterschiedlich verlaufen und Symptome an folgenden Körperstellen hervorrufen:

  • Gelenke
  • Nervensystem
  • Herz
  • Augen

Neben FSME ist Borreliose die häufigste Infektionskrankheit, die durch Zecken übertragen wird. Die Erkrankung ist weltweit verbreitet – vor allem in Europa, Nordamerika, Asien und Nordafrika. In Europa ist der Gemeine Holzbock die Zeckenart, die am häufigsten Borrelien überträgt (über 30 % der Zecken sind infiziert).

Schätzungen zufolge erkranken in Österreich jährlich etwa zwischen 25.000 und 70.000 Menschen. Besonders in der warmen Jahreszeit von April bis Oktober, wenn die Menschen mehr Zeit im Freien verbringen, kommt es häufiger zu Zeckenstiche und in der Folge zu Borreliose-Infektionen.

Borreliose wird über den Stich einer infizierten Zecke (über den Stechrüssel beim Saugvorgang) übertragen. 

Zecken lassen sich nicht von Bäumen auf Menschen fallen. Sie lauern stattdessen an folgenden Orten:

  • Gras
  • niedriges Gehölz
  • Büsche oder Sträucher

Besonders häufig sind sie am Waldrand zu finden. Im Vorbeigehen können sie abgestreift werden. Bei einer Temperatur zwischen fünf und zehn Grad Celsius werden die Spinnentiere aktiv.

Vorzugsweise befallen Zecken Lebewesen, von deren Blut sie sich ernähren:

  • Nagetiere
  • Wildtiere
  • Haustiere
  • Vögel
  • Menschen

Das Risiko nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken, hängt ab von der Größe und dem Alter der Zecke und wie lange sie an der Haut gesaugt hat. Da große Zecken älter sind und schon mehr Wirte gestochen haben, sind sie häufiger mit Borrelien infiziert als kleine Zecken. Die Erreger befinden sich im Darm der Zecke – in der Regel dauert es zwischen sechs und 48 Stunden bis die Borrelien aus dem Zeckendarm in den Speichel der Zecke gelangen. Erst dann ist eine Infektion möglich. Daher ist es wichtig, die Zecke schnellstmöglich und fachgerecht zu entfernen.

Grafische Darstellung des Entwicklungszyklus der Zecke © blueringmedia / stock.adobe.com

Aus den rund 3.000 gelegten Eiern der weiblichen Zecke schlüpfen Larven, die sich zu Nymphen und schließlich zu adulten (männlichen oder weiblichen) Zecken entwickeln. Dabei nehmen sie in jedem Stadium der Entwicklung eine Blutmahlzeit zu sich und saugen über mehrere Tage in der Haut ihres Wirten verankert. Ist die Zecke satt, lässt sie sich fallen, verdaut ihre Mahlzeit und häutet sich zum nächsten Stadium.

Nach dem Zeckenstich können die Bakterien in die menschliche Haut und in den Blutkreislauf gelangen, wo sie sich vermehren und in weiterer Folge verschiedene Organsysteme befallen können. Borreliose kann unterschiedlich verlaufen, man unterscheidet zwischen frühen und späten bzw. chronischen Krankheitsmerkmalen.

Borreliose-Symptome im Frühstadium

Ein typisches Symptom einige Tage (bis Wochen) nach einer Infektion ist ein Hautausschlag an der Einstichstelle, der sich ringförmig ausbreitet und optisch an eine Zielscheibe erinnert. Dieser Ausschlag, auch "Wanderröte" (Erythema migrans) genannt, kann an mehreren Körperstellen auftreten und wird durch eine verstärkte Durchblutung der Haut hervorgerufen. Bei vielen Betroffenen bleibt die Hautinfektion die einzige Krankheitserscheinung. Hinzukommen können aber auch Symptome wie:

Die Rötung kann sich nach einigen Tagen ohne Antibiotikagabe zurückbilden, die Borrelien können jedoch über den Blutstrom im Körper weiterwandern und zu anderen Organen vordringen.

Bleibt die Infektion unbehandelt, kann es nach einigen Wochen oder Monaten zu Entzündungsreaktionen im Körper kommen, z. B. an der Haut, im Gehirn, am Herzmuskel oder an den Gelenken. Auch Lähmungserscheinungen sind möglich, etwa im Gesicht.

Borreliose-Symptome im fortgeschrittenen Stadium

Wochen, Monate oder sogar Jahre nach dem Zeckenstich kann Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA) auftreten. Bei dieser Spätfolge handelt es sich um eine Infektion der Haut, die an einer bläulich-roten Hautverfärbung erkennbar ist. Am häufigsten sind die Extremitäten sowie die Gelenke betroffen.

Ohne Therapie schreitet die Erkrankung fort und verursacht flächige Hautveränderungen. Diese sind zwar schmerzlos, doch meist fühlt sich die Haut in diesen Bereichen übermäßig warm an, auch eine bleierne Schwere der Extremitäten kann ein Anzeichen für eine Infektion mit Borrelien sein. Grund dafür ist, dass das Binde- und Fettgewebe langsam abgebaut wird, in der Folge kann z. B. die Achillessehne verdickt hervortreten, die Haut wird immer dünner und durchscheinend, an den Gelenken können sich Knoten bilden.

Bei fortgeschrittener Erkrankung kann sich die Infektion auf verschiedene Organe ausbreiten, betroffen sind vor allem:

  • Gelenke: Gelenkschmerzen oder -schwellungen (Lyme-Arthritis), Muskelschmerzen
  • Herz: Herzmuskelentzündung oder Herzbeutelentzündung
  • Nervensystem: Gehirnhautentzündung, Entzündungen des Rückenmarks oder der Nervenwurzeln
  • Augen: Bindehautentzündung, die sich erst Tage oder Wochen nach dem Zeckenstich bemerkbar macht

Von Zecken ausgelöste Fleischallergie (Alpha-Gal-Syndrom, AGS)

In den letzten Jahren wurde deutlich, dass Zeckenstiche die sogenannte rote Fleischallergie, auch Alpha-Gal-Syndrom (AGS), auslösen können. Ursache ist der Zucker Alpha-Gal, der von vielen Organismen gebildet wird, jedoch nicht vom Menschen. Daher entwickeln wir im Laufe des Lebens natürliche Antikörper vom Typ IgG und IgM gegen Alpha-Gal, die normalerweise keine Beschwerden verursachen. Durch bislang nicht vollständig geklärte Mechanismen kann ein Zeckenstich jedoch einen sogenannten Klassenswitch zu IgE-Antikörpern bewirken. Diese vermitteln eine allergische Reaktion, die typischerweise verzögert auftritt und vor allem den Magen-Darm-Trakt betrifft. Beschwerden entstehen nach dem Verzehr von Lebensmitteln, die Alpha-Gal enthalten. Dazu zählen insbesondere rotes Fleisch (z. B. Rind, Schwein, Lamm) sowie Produkte mit Carrageen – einem aus Rotalgen gewonnenen Zusatzstoff, der als Verdickungs-, Gelier- und Stabilisierungsmittel in zahlreichen Lebensmitteln (z. B. Schlagsahne, Pudding) und auch in Kosmetika verwendet wird.

Bei Verdacht auf eine Borreliose ist die richtige Ansprechpartner:in:

  • eine Ärzt:in für Allgemeinmedizin
  • eine Kinderärzt:in
  • eine Fachärzt:in für Dermatologie
  • eine Fachärzt:in für Infektiologie
  • eine Borrelienambulanz

Die Diagnosestellung gestaltet sich oft schwierig. Denn viele Betroffene bringen ihre Beschwerden gar nicht in Zusammenhang mit einem Zeckenstich oder können sich nicht an einen solchen erinnern. Nach einem Stich verhakt sich die Zecke an ihrer Wirt:in und saugt sich mit Blut voll. Das kann einige Tage dauern, danach fällt sie von selbst ab. Um das nicht zu übersehen, sollten Sie nach Spaziergängen oder Aufenthalten im Freien gründlich nachsehen, ob Sie von einer Zecke befallen wurden. 

Je nach Stadium und Erscheinungsbild der Erkrankung gibt es unterschiedliche Diagnosemöglichkeiten:

Blickdiagnose Vor allem bei der charakteristischen Wanderröte kann eine Diagnose der Infektion ohne weitere Zusatzuntersuchungen von einer Haut- oder Hausärzt:in gestellt werden. In diesem Fall reicht eine Blickdiagnose aus – weitere Untersuchungen sind möglich, aber nicht erforderlich – und eine Therapie kann sofort eingeleitet werden.
Blutuntersuchung Eine Blutuntersuchung bietet die Möglichkeit verschiedener IgM- oder IgG-Antikörpertestverfahren. Dieses serologische Verfahren kann jedoch schwer interpretierbar und nicht aussagekräftig sein, da der Titerwert wochenlang positiv sein kann und keine Rückschlüsse darauf gezogen werden können, ob eine Infektion vorliegt. In einem frühen Stadium der Erkrankung kann der Test auch falsch negativ sein.
Lumbalpunktion Besteht Verdacht auf Neuro-Borreliose, muss neben einer Blutuntersuchung auch eine Lumbalpunktion durchgeführt werden. Dabei wird durch einen kleinen Einstich in den Wirbelkanal Rückenmarksflüssigkeit (Nervenwasser, Liquor) entnommen. Die Laboruntersuchung gibt einen Hinweis darauf, ob Borrelien vorliegen.

 

Je nach Stadium und Ausprägung der Borreliose-Infektion leitet die Ärzt:in eine Antibiotika-Therapie ein. Die Gabe erfolgt oral oder intravenös, zum Einsatz kommen meist Substanzen wie

  • Doxycyclin
  • Ceftriaxon
  • Cefotaxim

Bei akuter Infektion werden die Medikamente üblicherweise für zwei Wochen verabreicht, bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien ist eine Dauer von drei bis vier Wochen notwendig. Spricht die Betroffen:e auf die Therapie nicht an oder ist die Erkrankung weit fortgeschritten, muss die Behandlung weitergeführt werden.

Wichtig bei der Einnahme eines Antibiotikums ist, sich strikt an die von der Ärzt:in verordnete Menge zu halten und die Therapie nicht vorzeitig abzubrechen, auch wenn sich der gesundheitliche Zustand bereits gebessert hat.

Üblicherweise ist die Erkrankung – je nach Ausgangsstadium – nach ein bis sechs Monaten ausgeheilt. Vorbeugend, ohne Anzeichen einer Infektion, ist eine Verabreichung von Antibiotika nicht zu empfehlen. Wird Antibiotika ohne medizinischem Nutzen, zu häufig eingenommen, können Bakterien resistent dagegen werden. 

em. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hannes Stockinger, Emeritus Professor für Molekulare Immunologie, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie, MedUni Wien

Je nach Stadium und Ausprägung der Borreliose-Infektion wird eine Antibiotika-Therapie eingeleitet. Die Gabe erfolgt oral oder intravenös.

em. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hannes Stockinger, Emeritus Professor für Molekulare Immunologie, Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie, MedUni Wien

Im Gegensatz zum FSME-Virus, das sofort nach dem Biss der Zecke übertragen wird, gibt es bisher keine Schutzimpfung zur Prävention von Borreliose. Umso wichtiger ist es, nach Aufenthalten in der Natur ein Augenmerk auf das Auftreten von Zecken zu legen.

  • Nach Waldspaziergängen, Gartenarbeit etc. sollten Sie gründlich kontrollieren, ob Sie von Zecken befallen wurden.
  • Entfernen Sie Zecken unverzüglich, idealerweise mit einer feinen Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange. Greifen Sie die Zecke am Kopf, direkt über der Haut und ziehen Sie sie gleichmäßig und gerade heraus.
  • Ein "Herausdrehen" mit Öl, Klebstoff oder anderen Substanzen ist nicht sinnvoll, denn die Zecke sollte in keinem Fall zerquetscht oder unter Stress versetzt werden, um zu vermeiden, dass etwaige Krankheitserreger freigesetzt werden.
  • Liegt ein Verdacht auf eine Borrelien-Infektion vor, sollten Sie sofort eine Ärzt:in aufsuchen.

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Von März bis Oktober haben Zecken in Österreich Hochsaison. Doch wo lauern diese Plagegeister eigentlich und wie entfernt man Zeckenstiche richtig? Testen Sie jetzt Ihr Wissen rund um das Thema Zecken!

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  • A68
  • G01
  • M01

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