Osteoporose (Knochenschwund)

Zuletzt aktualisiert am 7. September 2020

Frau bespricht mit Ärztin ihre Knochendichte.
Osteoporose: Ab dem 35. Lebensjahr verliert mehr oder weniger jeder Mensch an Knochensubstanz.
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Alle 30 Sekunden erleidet ein Mensch in Österreich einen durch Osteoporose bedingten Knochenbruch. Mit dem Alter wird die Knochensubstanz bei allen Menschen weniger, bei dieser Erkrankung nimmt sie noch schneller ab.

Medizinische Expertise
Heinrich Resch

Prim. Univ.Prof. Dr. Heinrich Resch

Innere Medizin / Rheumatologie & Gastroenteroligie / Osteologe II. Medizinische Abteilung, KH der Barmherzigen Schwestern, Wien

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Inhaltsverzeichnis

Osteoporose (Knochenschwund) beginnt schleichend ohne Symptome, mit fortschreitendem Knochenabbau treten erst Rückenschmerzen auf, dann folgen häufig Brüche. Genügend Bewegung, richtige Ernährung und medikamentöse Therapie können den Knochenschwund und Folgebrüche gut in Schach halten. Durch Unwissen über Osteoporose werden maximal 20 % aller Österreicher mit Knochenschwund rechtzeitig und richtig behandelt, das heißt: 80 % erhalten keine adäquate Therapie.

  • Im Alter geht die Knochensubstanz naturgemäß zurück. Bei der Osteoporose wird dieser Vorgang krankhaft beschleunigt.
  • Schätzungen zufolge ist etwa jeder zehnte Mensch in Österreich betroffen, viele davon ohne es zu wissen.
  • Behandelt wird in erster Linie mit Medikamenten, zusätzlich kann eine physikalische Therapie angewendet werden.
  • Kalziumreiche Ernährung, regelmäßige Bewegung (z.B. Radfahren, Gymnastik, Schwimmen) und Krafttraining zur Vermeidung von Stürzen sind ergänzende Maßnahmen.

Video: Osteoporose: Warnsignal Knochenbruch

Priv.-Doz. Dr. med. univ. Karin Amrein, MSc (Klinische Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie, Med Uni Graz) erklärt Symptome, Ursachen und Therapiemöglichkeiten von Osteoporose. (Webinar, 5.5.2021)

Ab dem 35. Lebensjahr verliert mehr oder weniger jeder Mensch an Knochensubstanz. Bei Osteoporose jedoch ist dieser Abbau übermäßig stark. Rund 800.000 durchwegs ältere Österreicher leiden an Osteoporose, das Verhältnis zwischen Frau und Mann liegt bei etwa 3:1. Nur etwa 25 % der Betroffenen wissen von ihrer Erkrankung. Aufgrund dieser Krankheit haben 46 % aller Frauen und 22 % aller Männer in ihrem Leben zumindest einen Knochenbruch.

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Mehr als 520.000 Wirbelkörpereinbrüche zählt man in Österreich im Jahr, bei Osteoporose-Patienten kann schon ein abruptes Hinsetzen, ein stärkerer Husten genügen und ein schwach und porös gewordener Wirbelkörper bricht ein.

Es gibt die primäre Typ 1- und Typ 2-, die 95 % aller Fälle ausmachen, sowie die Sekundäre Osteoporose.

Primäre Typ 1 Osteoporose

Die primäre Osteoporose vom Typ 1 betrifft überwiegend Frauen ab 50: Ein zunehmender Verlust des weiblichen Sexualhormons Östrogen, wie er im Wechsel üblich ist, wird als Hauptursache gehandelt, deswegen wird sie auch postmenopausale Osteoporose genannt.

Primäre Typ 2 Osteoporose

Bei Typ 2 spricht man auch von der senilen Osteoporose, sie trifft Männer und Frauen ab 70 gleichermaßen. Auch Lebensstil (Bewegungsmangel), genetische Disposition, Fehlernährung (zu wenig Kalzium im Essen), Vitamin-D-Mangel und Rauchen schaden den Knochen und spielen bei der Entstehung der primären Osteoporose eine Rolle.

Sekundäre Osteoporose

Die sekundäre Osteoporose ist Folge einer anderen Krankheit (zum Beispiel Überfunktion der Nebennierenrinde, lange Bettlägerigkeit) oder von regelmäßiger Einnahme bestimmter Medikamente.

Eine ausführliche Anamnese, verschiedene Laborparameter sowie eine Messung der Knochendichte helfen bei der Diagnose. Die Messung allein ist nämlich noch keine Diagnose, sie sollte immer in Abhängigkeit vom Lebensalter und anderen Faktoren interpretiert werden.

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Zur Basistherapie (Kalzium und Vitamin D) werden verschiedene wirksame Medikamente eingesetzt: sogenannte Bisphosphonate, ein relativ neues Biologikum, Parathormone, Calcitonin, Strontiumranelat sowie Geschlechtshormone. Auch physikalische Medizin ist effektiv. Traurige Tatsache aber: Maximal 20 % aller Österreicher mit Knochenschwund werden rechtzeitig und richtig behandelt, das heißt: 80 % erhalten keine adäquate Therapie.

  • 25 % weniger Stürze: Regelmäßiges Krafttraining stärkt die Knochen, Koordinations- und Ausdauertraining hilft, Stürze zu vermeiden. Untersuchungen des Zentrums Alter und Mobilität der Universität Zürich ergaben: Patienten, die nach einem Oberschenkelhalsbruch zu Hause regelmäßig ein Trainings- und Physiotherapieprogramm absolvierten, stürzten im Folgejahr um 25 % seltener.
  • Günstige Sportarten bei bestehender Osteoporose sind zudem: Gehen und Wandern, Radfahren, Rückenschwimmen, Gymnastik. Knochenstärkend sollen sich zudem Training auf einer Vibrations-Platte oder Kernspinresonanz-Therapie auswirken.
  • Kalziumreiche Ernährung: Auch kalziumreiche Ernährung (z.B. Milchprodukte, Käse) ist für Osteoporose-Patienten empfehlenswert.

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Autor:in:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

7. September 2020

Erstellt am:

9. Dezember 2013

Stand der medizinischen Information:

7. September 2020


Quellen:

Interview Univ.-Prof. Dr. Heinrich Resch im August 2013

Pressekonferenz „Osteoporose: Fokus Knochenforschung“ im Oktober 2009

Österreichisches Gesundheitsministerium (07.09.2020)

Österreichische Gesellschaft für Knochen- und Mineralstoffwechsel (07.09.2020)

Zentrum Alter und Mobilität der Universität Zürich: Knochendichtemessung (29.11.2022)

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