Rauchen aufhören: Wie sich der Körper vom Rauchstopp erholt

Mann zerbricht Zigarette als Symbol für den Rauchstopp
Ein Rauchstopp ist eine große, aber machbare Herausforderung.
© fongbeerredhot / Shutterstock.com

Ein nachhaltiger Rauchstopp ist eine große Herausforderung. Mit Entschlossenheit und der richtigen Methode ist diese jedoch zu meistern.

Medizinische Expertise

Kira Johanna Keckstein, MSc

Klinische Psychologin in Ausbildung

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Inhaltsverzeichnis

Etwa jeder 2. Raucher würde sein Laster gerne wieder ablegen. Der Versuch, sich dauerhaft von den Zigaretten zu verabschieden, gestaltet sich oft schwierig. In vielen Fällen bedarf ein erfolgreicher Rauchstopp mehrerer Anläufe. Umso wichtiger ist es, die Geduld mit sich selbst nicht zu verlieren. Denn Argumente, mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es mehr als genug. Statistisch betrachtet verringert jede Zigarette das Leben um etwa 11 Minuten. Regelmäßiger Tabakkonsum begünstigt unter anderem Lungenkrebs, Herzkreislauferkrankungen (Arteriosklerose), COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), Parodontitis und Hautalterung. Raucht eine schwangere Frau, erhöht sich zudem das Fehlgeburts- und Missbildungsrisiko des Kindes stark.

Selbst nach vielen Jahren und eventuell gescheiterten Anläufen kann man noch von einem Rauchstopp profitieren. Wie schnell der Körper positiv auf das ausbleibende Nikotin reagiert, zeigt folgende Tabelle:

Zeit Veränderung
nach 20 Minuten Die Herzfrequenz sinkt.
nach 12 Stunden Das Kohlenmonoxid-Level sinkt auf den Normbereich.
nach 2 Wochen bis 3 Monaten Das Risiko eines Herzinfarkts beginnt zu sinken, die Lungenfunktion verbessert sich.
nach 1 bis 9 Monaten Kurzatmigkeit und Husten verschwinden.
nach 1 Jahr Das Risiko, eine Herzerkrankung zu erleiden, sinkt auf die Hälfte des Risikos eines Rauchers. Das Immunsystem hat sich regeneriert, die Infektanfälligkeit ist verringert.
nach 5 Jahren Das Schlaganfallrisiko sinkt um die Hälfte.
nach 10 Jahren Lungenkrebrsrisiko ist um 50 % geringer.

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Video: Endlich Rauchfrei

Die Psychologin Kira Keckstein hat einen Video-Vortrag gehalten, in dem sie unter anderem die verschiedenen Facetten der Nikotinabhängigkeit erklärt und konkrete Ratschläge gibt, wie Sie die Sucht ablegen können. (18.6.2020)

Um das Rauchen aufzugeben, bedarf es in erster Linie eines starken Willens. Viele Rückfällige kennen die "Entzugssymptome", die schon in den ersten Tagen nach Zigarettenkarenz auftreten und den Plänen für ein rauchfreies Leben im Wege stehen. Sie reichen von Ärger, Frust, Ruhelosigkeit, Angst und Konzentrationsschwäche bis hin zu Schlafstörungen. Nach etwa 4 - 6 Wochen können sich noch andere Begleiterscheinungen hinzugesellen: Depressionen, Lustlosigkeit und Heißhunger auf Süßigkeiten sind nur einige der Probleme, die der Nikotinverzicht mit sich bringen kann.

Aufzuhören ist oftmals also schwer umzusetzen. Voraussetzung ist immer der ehrliche Wille, dem Laster nachhaltig zu entsagen. Drei Leitsätze helfen bei der Entwöhnung:

  • Leitsatz 1 – Eingeständnis: Ich bin Raucher. Rauchen ist eine Sucht. Ich möchte sie für immer stoppen.
  • Leitsatz 2 – Mein konkreter Weg zum Nichtraucher: Ich wähle die für mich passende Begleitung und setze mir genaue Ziele, was ich wie und wann erreichen möchte.
  • Leitsatz 3 – Einmal ist keinmal: Ich schließe von einem etwaigen Scheitern nicht darauf, dass ich es nie schaffen werde, mit dem Rauchen aufzuhören.

Es gibt verschiedene Ansätze und Unterstützungen, die den Betroffenen bei der Raucher-Entwöhnung unterstützen:

Das Rauchfrei Telefon

Das österreichweite Rauchfrei Telefon unterstützt unter der kostenfreien Nummer 0800 810 013 professionell und ohne bürokratischen Aufwand bei der Nikotinentwöhnung. Üblicherweise sind mehrere telefonische Beratungsgespräche geplant. Dabei wird der Betroffene von den ersten Gehversuchen bis hin zur Analyse der betätigten Maßnahmen auf seinem Weg zur Rauchfreiheit begleitet.

Ärztliche Begleitung

Bei sehr stark abhängigen bzw. langjährigen Rauchern ist eine ärztliche Begleitung oft sinnvoll. Unter anderem gibt es sogar spezielle stationäre Rauchstopp-Programme, in denen Ärzte die Entwöhnung unterstützen.

Psychologische Hilfe

Der Rauchstopp ist in erster Linie eine psychische Herausforderung. In Österreich stehen daher auf Raucherentwöhnung spezialisierte Psychologen zur Verfügung, die Sie auf Ihrem Weg zum Nichtraucher individuell begleiten. Die Österreichische Gesundheitskasse bietet umfassende Unterstützung beim Rauchstopp an. Unter www.gesundheitskasse.at/rauchfrei finden Sie die Angebote in ganz Österreich.

Online-Entwöhnung

Für Raucher, die sich von einem interaktivem Begleitprogramm angesprochen fühlen, gibt es die Möglichkeit, eine Raucherentwöhnung auch online durchzuführen.

Medikamente

Eine Reihe von medikamentösen Therapien (Nikotinersatz in Form von Kaugummi, Pflaster, Mundspray oder Inhalator bzw. die Wirkstoffe Vareniclin und Buproprion) kann beim Ausstieg aus der Sucht helfen. Bei körperlicher Abhängigkeit von Nikotin helfen die Medikamente dabei, die Entzugssymptome zu lindern und das Verlangen zu reduzieren. Am wirksamsten hat sich dabei die Kombination von Beratung und Behandlung zur Verhaltensänderung in Kombination mit medikamentöser Unterstützung herausgestellt.

E-Zigaretten

Vor allem als Zwischenschritt zur Rauchfreiheit gewinnen E-Zigaretten zunehmend an Popularität. Es gibt jedoch keine klare Evidenz, dass E-Zigaretten den Ausstieg aus der Sucht erleichtern. Auch das Inhalieren des Dampfs, der bei der Nutzung entsteht, ist gesundheitlich nicht unbedenklich.

Autor:in:
Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Erstellt am:

27. Mai 2020


Quellen:

BM für Gesundheit, Basis-Info Rauchen (28.05.2020)