Demenz

Alte Frau mit Demenz gibt Bananen in die Kommode
Im Krankheitsverlauf kommt es zum Verlust geistiger Fähigkeiten.
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Ein Termin wird vergessen, ein Schlüssel verlegt, ein Raum wird betreten, doch der Grund dafür ist nicht mehr bewusst – anders als andere Erkrankungen schleicht sich eine beginnende Demenz oft unbemerkt ein.

Medizinische Expertise

Gerald Gatterer

Univ.Doz. Dr. Gerald Gatterer

Facharzt für Psychologie und Psychotherapie
Lurnfeldstraße 2, 9813 Möllbrücke, Kärnten
www.gatterer.at
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Inhaltsverzeichnis

Ist von Demenz die Rede, denkt man in erster Linie an die fortschreitende Vergesslichkeit. Jedoch befällt die Erkrankung nicht nur die für das Kurzzeitgedächtnis zuständigen Bereiche, sondern alle Gehirnregionen und kann zu schweren Verhaltensstörungen führen. Üblicherweise tritt Demenz im Alter auf, ist aber keine normale Alterserscheinung. In Österreich sind mehr als 170.000 Menschen an einer Demenz erkrankt. Es gibt verschiedene Formen wie z.B. Alzheimer, die Symptome sind ähnlich, die Behandlungsmöglichkeiten variieren jedoch.

Zusammenfassung

  • Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung, bei der die kognitiven Fähigkeiten wie Gedächtnis oder Orientierung beeinträchtigt sind. 
  • Die Ursachen für Demenzerkrankungen sind vielschichtig, treten aber häufiger im höheren Alter auf.
  • Man unterscheidet verschiedene Formen der Demenz, dazu zählen u.a. Alzheimer, Vaskuläre Demenz oder Lewy-Körperchen-Demenz.
  • Wenn Demenz Folge einer anderen Grunderkrankung ist, dann spricht man von sekundärer Demenz. 
  • Die Diagnose einer Demenz setzt sich aus unterschiedlichen Testverfahren (z.B. Uhrentest) zusammen.
  • Zur Behandlung einer Demenz können verschiedene Medikamente eingesetzt werden oder psychotherapeutische Methoden hilfreich sein.

Demenz im Überblick

Art Chronisch fortschreitende neurologische Erkrankung
Ursachen Nicht vollständig geklärt, Risikofaktoren: höheres Alter, weibliches Geschlecht, niedriges Bildungsniveau, wenige soziale Kontakte, Erkrankungen wie Diabetes, Adipositas, Hypertonie
Symptome im intellektuellen und kognitiven Bereich, Auswirkungen auf die Stimmung und Befindlichkeit, das Verhalten und körperliche Funktionen
Diagnose Anamnese, Bestimmung des kognitiven Abbaus, neuropsychologische Testung, körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren
Therapie Medikamente, psychotherapeutische Methoden, Gedächtnistraining, Ergotherapie

FAQ (Häufige Fragen)

Was sind frühe Anzeichen von Demenz?

Betroffene merken zu Beginn meist genau, dass ihnen gewisse Fähigkeiten abhanden kommen, versuchen ihre Einschränkungen aber zu überspielen. Manchmal fällt es ihnen schwer, einem Gespräch zu folgen. Es kommt auch zu Wortfindungsstörungen und Wiederholungen. An Dinge, die länger zurückliegen, können sich Erkrankte besser erinnern. Sie können zunehmend ihr Interesse an Hobbies oder Alltagsaktivitäten verlieren. Bei komplexen Handlungen kommt es zu ersten Fehlhandlungen.

Was sind die Auslöser von Demenz?

Demenz kann viele Ursachen haben. Oft sind es fortschreitende Erkrankungen, die zu einer Demenz führen können, beispielsweise Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose.

Die Ursachen für eine Demenzerkrankung sind nicht vollständig geklärt, dennoch sind einige Risikofaktoren bekannt: Genetische Faktoren, hohes Lebensalter, weibliches Geschlecht, niedrigeres Bildungsniveau, wenig soziale Kontakte.

Was sollte man bei Menschen mit Demenz unbedingt vermeiden?

Angehörige sollten sich vor Augen führen, dass die Verhaltensänderungen des Betroffenen nicht willentlich passieren. Sie sind die Folge einer organischen Störung im Gehirn. Die Patient:in will niemanden absichtlich ärgern oder provozieren. Wichtig ist es, Vorwürfe und Anschuldigungen nicht persönlich zu nehmen und mit Kritik vorsichtig zu sein – Diskussionen und Streitgespräche sind oft nicht zielführend.

Bei Demenz handelt es sich um eine chronische oder fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der Gedächtnis, Orientierung, Auffassung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen beeinträchtigt sind. Im Verlauf der Krankheit kommt es zum Verlust geistiger Fähigkeiten.

Laut Schätzungen leben in Österreich rund 170.000 Menschen mit einer Form einer Demenz. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter. Zudem ist die Prävalenzrate bei Frauen deutlich höher. 

Demenzen sind heute der häufigste Grund für die Einweisung in ein Alten- und Pflegeheim. Infolge zunehmender Lebenserwartung wird auch die Zahl der Demenzerkrankungen weiter steigen. Laut dem Österreichischen Demenzbericht 2025 soll sich die Zahl der Menschen mit Demenz im Jahr 2050 auf rund 290.500 erhöhen.

Es wird unterschieden zwischen: 

  • primären Demenzformen 
  • und sekundären Demenzformen. 

Primäre Formen entstehen durch eine Schädigung des Hirngewebes, sekundäre werden ausgelöst durch Geschehnisse und Störungen, die nicht primär im Gehirn zu suchen sind.

Primäre Demenz

Primäre Demenzen machen den Großteil der Erkrankungen aus. Zu ihnen zählen: 

Alzheimer Alzheimer ist mit 60 bis 80 % die häufigste Form als Ursache für eine Demenz. Die Ursachen der Erkrankung sind bis heute nicht vollständig geklärt. Forschungen konnten aber zeigen, dass bestimmte krankhafte Veränderungen im Gehirn für die Entstehung der Erkrankung relevant sind – so etwa Ablagerungen des Proteins Beta-Amyloid zwischen den Nervenzellen und Verklumpungen von Tau-Proteinen innerhalb der Nervenzellen, die zu Schädigungen von Gehirnzellen führen.
Frontotemporale Demenz Von einer frontotemporalen Demenz spricht man, wenn zunächst Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich, dem Front-Temporal-Lappen, abgebaut werden. In diesem Bereich des Gehirns werden Gefühle und soziales Verhalten kontrolliert, daher treten zu Beginn der Erkrankung Persönlichkeitsveränderungen auf. Aggressivität, Taktlosigkeit, maßloses Essen und Teilnahmslosigkeit sind erste Anzeichen einer frontotemporalen Demenz. Sie bricht früher aus als andere Formen, meist schon im fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt und betrifft etwa 5 % aller Demenzen.
Lewy-Körperchen-Demenz Der Begriff Lewy-Körperchen steht für Eiweißablagerungen, im Gehirn (neben den Alzheimer-Plaques). Sie können ebenfalls eine Demenz auslösen und entstehen typischerweise bei einer Parkinson-Erkrankung. In wenigen Fällen können Lewy-Körperchen auch ohne eine Erkrankung an Parkinson auftreten. Etwa 15 % der Demenzkranken leiden an dieser Form.
Vaskuläre Demenz Die vaskuläre Demenz ist häufig durch einen plötzlichen Beginn und eine stufenweise Verschlechterung gekennzeichnet. Die Ursache ist meist eine Hirndurchblutungsstörung, zum Beispiel ein Hirninfarkt, ein Schlaganfall oder Arteriosklerose. Weil dadurch der Blutfluss im Gehirn unterbrochen wird, kommt es zu einer Schädigung einzelner Hirnregionen. Diese Form der Demenz betrifft etwa 10 – 15 % und anders als Alzheimer, mehr Männer als Frauen.

Mit zunehmendem Alter kommen auch Mischformen häufiger vor. 

Sekundäre Demenz

Eine Demenz kann auch eine Folgeerkrankung einer anderen Erkrankung sein. In diesem Fall spricht man von einer sekundären Demenz. Sie wird nicht durch Veränderungen im Gehirn ausgelöst und ist die einzige Form, bei der die Chance auf Heilung besteht, wenn die Grunderkrankung behoben wird. Wird die Diagnose zu spät gestellt, ist das allerdings nicht mehr möglich. Zu den Ursachen einer sekundären Demenz zählen:

Demenz ist ein Überbegriff für den krankhaften Abbau geistiger Fähigkeiten, der viele Ursachen haben kann. Oft sind es fortschreitende Erkrankungen, die zu einer Demenz führen können. Dazu gehören beispielsweise Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, Epilepsie, Multiple Sklerose, Gefäßerkrankungen des Gehirns oder Gehirntumore.

Die Ursachen für eine Demenzerkrankung sind nicht vollständig geklärt, dennoch sind einige Risikofaktoren bekannt:

  • Genetische Faktoren
  • Hohes Lebensalter
  • Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
  • Menschen mit einem niedrigeren Bildungsniveau haben ein erhöhtes Risiko.
  • Zu Beginn der Krankheit treten häufig Depressionen auf.
  • Allein lebende Menschen und Menschen mit wenig sozialen Kontakten erkranken häufiger.
  • Krankheiten wie Adipositas, Hypertonie, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder ein Schlaganfall erhöhen das Risiko.

Eine Demenz äußert sich auf verschiedenen Ebenen. Es gibt Symptome im intellektuellen und kognitiven Bereich, Auswirkungen auf die Stimmung und Befindlichkeit, das Verhalten und auch auf körperliche Funktionen.

Intellektueller und kognitiver Bereich Stimmung und Befindlichkeit Verhalten Körperliche Funktionen
  • Zerstreutheit, Konzentrationsstörung
  • Nachlassen des Gedächtnisses, Störung der Merkfähigkeit
  • Räumliche und zeitliche Orientierungsstörungen mit Verlust des Tag-Nacht-Rhythmus
  • Probleme mit Sprachverständnis und sprachlichem Ausdruck
  • Interesselosigkeit
  • Affektiver Rückzug (keine Gefühlsregungen mehr erkennbar)
  • Ängstlichkeit
  • Unruhe
  • Stimmungslabilität
  • Neigung zu diffuser Verstimmtheit
  • Apathie (Teilnahmslosigkeit)
  • Reizbarkeit und Aggressivität

Der Verlauf einer Demenz wird unterteilt in 3 Stadien:

1. Frühe Demenz

Betroffene sind im Alltag zwar leicht beeinträchtigt, können ihn aber noch alleine meistern und weitgehend ein selbstständiges und unabhängiges Leben führen. Sie merken zu Beginn meist genau, dass ihnen gewisse Fähigkeiten abhanden kommen, versuchen ihre Einschränkungen aber zu überspielen. Manchmal fällt es ihnen schwer, einem Gespräch zu folgen. Es kommt auch zu Wortfindungsstörungen und Wiederholungen. An Dinge, die länger zurückliegen, können sich Erkrankte besser erinnern. Eine depressive oder aggressive Stimmung kann bei Betroffenen auftreten. Sie können zunehmend ihr Interesse an Hobbys oder Alltagsaktivitäten verlieren. Bei komplexen Handlungen kommt es zu ersten Fehlhandlungen.

2. Mittlere Demenz

Eine selbstständige Lebensführung wird immer schwieriger. Hilfestellung und Aufsicht werden in einem gewissen Ausmaß nötig. Auch einfachere, alltägliche Aufgaben wie die Kleidungswahl oder Einkaufen fallen dem Betroffenen schwer. Oft wird die Körperpflege vernachlässigt und sie benötigen Hilfe beim Waschen, Anziehen und dem Gang auf die Toilette. Ereignisse und Namen aus der unmittelbaren Vergangenheit werden vergessen. Psychische Symptome wie Angst, Wahn, Rastlosigkeit und andere Verhaltensstörungen treten auf, die Patient:innen sind in ihrer Orientierung gestört, irren ziellos herum und sind unruhig. Sie verirren sich in vertrauter Umgebung, wie z.B. im eigenen Haus. Versucht man, den Kranken zu korrigieren, reagiert er häufig gereizt und aggressiv. Ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus und eine kognitive Harninkontinenz (die Toilette wird nicht rechtzeitig aufgesucht oder es werden Stühle oder Mülleimer verwendet) sind weitere mögliche Symptome. Die innere Uhr ist bei Betroffenen beeinträchtigt – sie wissen nicht mehr, wann es Zeit ist, zu schlafen oder zu essen.

3. Schwere Demenz

Betroffene sind pflegebedürftig – eine eigenständige Lebensführung ist in diesem Stadium nicht mehr möglich. Angehörige, Freunde oder vertraute Dinge werden nicht mehr erkannt. Sie können nicht mehr korrekt sagen, was sie wenige Stunden zuvor gefrühstückt haben. Selbst einfache Tätigkeiten kann der Betroffene nicht mehr selbst ausführen, auch motorische Störungen, z.B. ein unsicherer Gang, treten in diesem Stadium auf. Es kann zu auffälligem Verhalten in der Öffentlichkeit kommen. Die Patient:innen werden bettlägerig und vergessen häufig zu essen. Schließlich kommt es auch zu einer Harn- und Stuhlinkontinenz. Fortschreitende Sprachstörungen machen die Kommunikation mit der Patient:in immer schwieriger.

Im Laufe der Erkrankung verlieren Menschen mit Demenz oft auch die bewusste Kontrolle über die Blase und manchmal auch des Darms. Um ein Kontinenzproblem in den Griff zu bekommen, gibt es gute therapeutische Möglichkeiten und Wege, um den Alltag für Betroffene und Angehörige zu erleichtern. Im Vordergrund steht dabei Prävention.

Tipps für mehr Lebensqualität und Sicherheit im Alltag

Familienangehörige und Ansprechpersonen in der Umgebung um Unterstützung bitten

Da Betroffene sich bei fortgeschrittener Demenz nicht mehr richtig artikulieren, wann der Toilettengang stattfinden soll, hilft es, sie zu beobachten. Anzeichen eines Harn-/Stuhldrangs: 

  • Herumrutschen auf dem Sitz, 
  • sich in den Schritt fassen, 
  • Herumnesteln mit der Kleidung,
  • nervöses Herumirren im Raum
Bewegung Bewegung und sportliche Aktivität können den Verlauf verzögern und für die Aktivierung des Darms sehr vorteilhaft sein, wie zum Beispiel regelmäßige Spaziergänge oder Beckenbodentraining (Anleitung durch spezialisierte Physiotherapeut:in)
Markierung der Toilette Schon ab dem 1. Stadium hilft eine Markierung der Toilette mit einem Bild an der Tür, wie zum Beispiel auf einem A4 Papier groß das Wort "WC", ein WC-Piktogramm oder ein beliebtes Symbol malen. Dieses Bild auch bei Krankenhausaufenthalten o. ä. mitnehmen. 
Sturzgefahren minimieren

Auf dem Weg zur Toilette hilft es Betroffenen, wenn man Sturzgefahren minimiert: 

  • Teppiche entfernen, 
  • Stufen sichern, 
  • Toilettentür offenlassen, 
  • mögliche Stolperfallen entfernen
Gute Beleuchtung Beim nächtlichen Toilettengang hilft gute Beleuchtung, evtl. Bewegungsmelder.
Anpassung der Toilette Es hilft Betroffenen, eine Toilettensitz-Erhöhung und einen Haltegriff anzubringen. Ein Hocker für die Beine kann zur leichteren Entleerung der Blase und des Darms beitragen.
Mobile Toilette Mobile Toilettenstühle oder Harnflaschen, die nachts neben dem Bett bereitliegen, sind manchmal eine große Hilfe.
Praktische Kleidung z.B. Hosen mit Gummibund, Röcke, Klettverschlüsse statt Knöpfe

Weitere Informationen sind in den Infoblättern "Rat für Blase & Darm" sowie im Info-Video der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) zu finden.

Die Diagnose einer Demenz gestaltet sich vor allem in den Anfangsstadien als schwierig. Erste Anzeichen werden von den Betroffenen selbst und deren Angehörigen häufig nicht wahrgenommen oder heruntergespielt. Aus diesem Grund wird die Diagnose häufig erst gestellt, wenn es schon zu Beeinträchtigungen im Alltag gekommen ist.

Die richtige Ansprechpartner:in ist eine Fachärzt:in für Neurologie, aber auch die Hausärzt:in kann zunächst die erste Anlaufstelle sein. Zu Beginn der Diagnosestellung steht ein ausführliches Gespräch mit der Ärzt:in. Dabei wird nicht nur mit der Patient:in selbst, sondern auch mit Angehörigen oder anderen nahestehenden Personen über auftretende Symptome gesprochen.

Relevante Punkte sind:

  • Frühere und aktuelle Erkrankungen
  • Erkrankungen von Familienmitgliedern
  • Geschehnisse, die sich auf den Körper oder die Psyche der Patient:in ausgewirkt haben
  • Wahrgenommene Veränderungen, Anzeichen von Störungen
  • Verlauf der Störungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Medikamente

Ganz wesentlich für die Demenzdiagnostik ist es, den kognitiven Abbau zu bestimmen, z.B. mit Hilfe des Mini-Mental-Status-Tests oder des Uhrentests. Es handelt sich dabei um wissenschaftlich erprobte Untersuchungsverfahren, bei der folgende Fähigkeiten geprüft werden:

  • Persönliche, zeitliche und räumliche Orientierung
  • Gedächtnis
  • Ausdrucksfähigkeit
  • Logisches Denken
  • Einfache Tätigkeiten

Bei Frühstadien ist eine ausführliche neuropsychologische Testung notwendig. Im Rahmen einer körperlichen Untersuchung können z.B. durch EKG und Laboruntersuchungen, um abzuklären, ob mögliche Ursachen anderer Erkrankungen oder Mangelzustände vorliegen. Bei auffälligen Ergebnissen werden bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT) zur weiteren Abklärung eingesetzt.

Video: Gelingende Kommunikation mit Menschen mit Demenz

M.Ed. M.A. Katharina Schoene, Seelsorgerin und Psychotherapeutin in Ausbildung gibt Tipps für den Alltag mit Menschen mit Demenz. Wie spreche ich mit einem Angehörigen, der von Alzheimer betroffen ist? Wie helfe ich bei der Betreuung und Pflege? (Baden, 29.6.2020)

Die Früherkennung stellt einen wichtigen Faktor dar. Je früher eine Demenz erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Je nach Form und Symptomen kommen unterschiedliche Medikamente zum Einsatz. Eine wichtige Medikamentengruppe ist die der Antidementiva. Sie haben das Ziel, geistige Fähigkeiten zu erhalten und den Krankheitsverlauf zu verzögern. Auch Neuroleptika, Antidepressiva, Antipsychotika und Schlafmittel können zur Behandlung von Begleitsymptomen verabreicht werden. Aufgrund neuer Erkenntnisse hinsichtlich genetischer Faktoren (APOE-4) bei einigen Formen der Alzheimererkrankung werden als neuester Ansatz der Therapie Anti-Amyloid-Antikörper in der Behandlung von Frühstadien eingesetzt. Diese können den kognitiven Abbau nachweislich verlangsamen, auch wenn sie die Erkrankung nicht aufhalten.

Da der Lebensstil jedoch weiterhin eine zentrale Position einnimmt, vor allem auch bei APOE-4 Träger:innen, bleiben Lebensstilinterventionen zentral besonders wichtig. Mediterrane Ernährung, Bewegung, vaskuläre Risikokontrolle und kognitive Aktivität können das Risiko messbar beeinflussen.

Die Behandlung einer Demenz ist bei jeder Patient:in individuell. Neben der Medikamententherapie steht noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten zur Verfügung, die je nach Symptomen und Ausprägung als Therapie geeignet sind. Psychologische und psychotherapeutische Methoden, Gedächtnistraining und Ergotherapie eignen sich dazu, die kognitive Leistungsfähigkeit und Lebensqualität des Betroffenen zu verbessern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Die Therapie sollte stadienbezogen erfolgen.

Psychotherapie Psychotherapie eignet sich zur Behandlung affektiver Störungen wie Angst, depressiven Zuständen, Hilflosigkeit oder Aggressivität, Verhaltens- und Antriebsstörungen, sozialem Rückzug und Regression, Kränkungen aufgrund der wahrgenommenen Einbußen und Defizite, aber auch funktioneller Störungen wie Harninkontinenz. Psychotherapeutische Methoden sind vielfältig.
Tanztherapie Die Tanztherapie ist auch für Patient:innen mit eingeschränkten geistigen und kognitiven Fähigkeiten geeignet, denn die Arbeit mit dem Körper steht im Vordergrund. Tanztherapie fördert die Körperwahrnehmung, soziale Kontakte, positive Stimmungen, das Selbstwertgefühl und hilft die Mobilität zu erhalten.
Musiktherapie Die Musiktherapie arbeitet mit Klängen, Rhythmen, Harmonie, Melodie und Geräuschen. Der Patient:in werden z.B. vertraute Lieder vorgespielt. Das hilft dem Gedächtnis auf die Sprünge, manchmal fällt der Patient:in dabei spontan eine Situation ein, die mit dem Lied in Zusammenhang steht. Bei der aktiven Musiktherapie werden die Betroffenen auch dazu aufgefordert, selbst zu musizieren oder zu singen. Musiktherapie wird meist in Gruppen abgehalten, dadurch entsteht ein Gruppengefühl und die Kommunikationsfähigkeit wird gefördert. Die Patient:innen erscheinen agiler und orientierter.
Gedächtnistraining Ziel des Gedächtnistrainings mit Menschen mit Demenz ist es, die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu trainieren. Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass bei fortgeschrittenen Stadien das Kurzzeitgedächtnis oft nicht mehr so gut funktioniert. Fragen nach dem aktuellen Tagesgeschehen können Druck auf den Erkrankten ausüben. Sinnvoller ist es, Übungen zu wählen, die das Langzeitgedächtnis ansprechen, also Erinnerungen aktivieren. Die Übungen sollen dem Erkrankten Spaß machen und ein Erfolgsgefühl vermitteln. Aufgaben wie beim gemeinsamen Betrachten eines Fotoalbums über Vergangenes zu sprechen oder Sprichwörter wie "Morgenstund hat…" zu vervollständigen, sind Beispiele dafür, wie ein Gedächtnistraining aussehen kann.
Ergotherapie Ziel der Ergotherapie ist es, den Menschen in alltäglichen Fertigkeiten der Selbstversorgung, der Produktivität und der Freizeitgestaltung zu stärken, Lebensqualität und Gemütszustand des Erkrankten werden verbessert. Ein wichtiger Bestandteil ist ein Funktions- und Fertigkeitstraining. Durch Ergotherapie werden geistiger Abbau und Verhaltensauffälligkeiten vermindert und Sozialverhalten und tägliche Aktivitäten gesteigert.
Univ.Doz. Dr. Gerald Gatterer, Facharzt für Psychologie und Psychotherapie

Bei einigen Formen der Alzheimererkrankung werden als neuester Ansatz Anti-Amyloid-Antikörper in der Behandlung von Frühstadien eingesetzt. Diese können den kognitiven Abbau nachweislich verlangsamen, auch wenn sie die Erkrankung nicht aufhalten.

Univ.Doz. Dr. Gerald Gatterer, Facharzt für Psychologie und Psychotherapie

Besteht der Verdacht auf eine Demenz, sollte schnellstmöglich eine Ärzt:in aufgesucht werden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann den Verlauf der Krankheit verlangsamen.

Einer Demenz vorbeugen

In Studien hat sich gezeigt, dass Demenz bei Menschen, die sich regelmäßig bewegen und ein aktives geistiges und soziales Leben führen, seltener auftritt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes mellitus erhöhen das Erkrankungsrisiko. Weitere Risikofaktoren sind Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum oder Fettleibigkeit. Achtet man also auf einen gesunden Lebensstil, kann auch das Demenzrisiko gesenkt werden.

Es gibt aber auch Risikofaktoren, auf die kein Einfluss genommen werden kann. Dazu zählen zunehmendes Alter, Geschlecht, aber auch eine Demenzerkrankung in der Familie.

Geistig aktiv zu bleiben kann nicht nur den Verlauf einer Demenz verlangsamen, sondern auch das Erkrankungsrisiko senken. Lesen, Lernen, Praktizieren von Fremdsprachen, Schreiben, Musizieren und Singen, guter und erholsamer Schlaf, das Pflegen von Beziehungen, Engagement in einer Gemeinschaft (z.B. Verein oder Familie) aber auch regelmäßige Bewegung und Sport helfen dabei.

Video: Junge Menschen mit Demenz

Immer häufiger sind auch junge Menschen von Demenz betroffen. Mag. Carmen Viereckl von der MAS Alzheimerhilfe gibt Tipps, wie man mit dieser Diagnose in jungem Alter umgehen kann. Ihre Kollegin DSA Karin Laschalt zeigt Beispiele aus ihrer Arbeit bei der der Demenzservicestelle. (Webinar, 18.7.2022)

Erkrankt ein Familienmitglied an Demenz, so betrifft das auch die Angehörigen. Schmerz, Mitleid, Hilflosigkeit, Ärger, Wut, Trauer und Verzweiflung begleiten sie. Viele Herausforderungen müssen gemeistert werden. Die Pflege eines demenzkranken Menschen erfordert viel Zeit, Kraft und Ausdauer, daher ist es wichtig, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen. Angehörige sollten sich vor Augen führen, dass die Verhaltensänderungen des Betroffenen nicht willentlich passieren. Sie sind die Folge einer organischen Störung im Gehirn. Die Patient:in will niemanden absichtlich ärgern oder provozieren. Bei der Pflege eines Angehörigen ist es besonders wichtig, auch das eigene Wohlergehen im Auge zu behalten, Freiraum für eigene Interessen und einen Ausgleich zu finden.

Krankheitsbedingt erschwert sich die Kommunikation mit Betroffenen, weshalb es wichtig ist, auf einfühlsame Kommunikation zu achten. Es hilft:

  • langsam und deutlich zu sprechen, 
  • Inhalte zu vereinfachen, 
  • geeignete Gesprächsthemen zu finden (z.B. über das Wetter, über die Vergangenheit)
  • mit Kritik vorsichtig zu sein – Diskussionen und Streitgespräche sind oft nicht zielführend
  • Vorwürfe und Anschuldigungen nicht persönlich zu nehmen

Es gibt spezielle Kommunikationstrainings, die erlernt und geübt werden können. Validation ist z.B. im Umgang mit demenzkranken Menschen ein hilfreiches Konzept. Dabei geht es darum, den Erkrankten in seinem Verhalten nicht zu kritisieren oder zu korrigieren, sondern für wahr zu erklären und aufzunehmen, also zu validieren.

Routine ist hilfreich für Demenzkranke – Prozesse, die jeden Tag gleich ablaufen, sind förderlich für Betroffene. Bei der Pflege sind Geduld, Gelassenheit, Respekt und Verständnis im Umgang mit dem Kranken wichtig. Die Patient:innen sollten nicht überfordert werden, gleichzeitig aber die Chance haben, so viele Dinge wie möglich selbst zu machen. Das verlangsamt den geistigen Verfall.


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Stand der medizinischen Information:


ICD-Code:

  • F03

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