13 Fragen zur Depression

Zuletzt aktualisiert am 11. November 2020

Frau mit Depressionen umarmt ihre beste Freundin
In einer depressiven Phase sind gute soziale Kontakte eine wertvolle Unterstützung.
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In einer depressiven Phase ist die Erkenntnis schon der erste Schritt zur Besserung. Erfahren Sie hier alle praktischen Informationen zu der Erkrankung.

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Inhaltsverzeichnis

Erstmals mit einer Krankheit konfrontiert zu werden, ist für jeden Menschen eine Herausforderung. Bei der Depression kommt erschwerend dazu, dass eine eindeutige Diagnose nicht immer rasch möglich ist. Gerade zu Beginn der Krankheit herrscht bei Betroffenen daher viel Unsicherheit. Bin ich überhaupt depressiv? Oder doch einfach nur ein bisschen traurig? Wir wollen in dieser Phase unterstützen und beantworten einige der wichtigsten Fragen.

  • Wie erkenne ich eine Depression?
  • Welche Depression gibt es und welche Form habe ich?
  • Wann ist eine Depression chronisch?
  • Ist eine Depression unheilbar?
  • Wann ist die Depression wieder vorbei?
  • Welcher Arzt kann mir helfen?
  • Machen Antidepressiva süchtig?
  • Wer schreibt mich bei einer Depression krank?
  • Warum sind Depressionen abends besser und morgens schlimmer?
  • Warum bin ich vor allem im Frühling so depressiv?
  • Warum kommt es häufig nach einer Geburt zu Depressionen?
  • Welcher Sport hilft gegen Depressionen?
  • Wohin kann ich mich im Notfall wenden?

Video: Wenn die Depression nicht gut wird

OA Dr. Andre Merl (Abteilung für Psychosomatik, Kepler Universitätsklinikum Linz) erklärt, was genau eine Depression ist, wie sie sich in verschiedenen Altersgruppen zeigt und welche Behandlungsansätze es gibt. (Webinar, 1.12.2021)

Die Depression sieht bei jedem Menschen etwas anders aus. Typisch sind sogenannte "Losigkeitssymptome" wie Freudlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, gefühlte Wertlosigkeit oder starkes Desinteresse. Insbesondere schwer Depressive empfinden außerdem eine tiefe Traurigkeit sowie eine große innere Leere. Weitere häufige Beschwerden sind unter anderem Schlafstörungen, starke Ängste, übersteigerte Schuldgefühle und Konzentrationsstörungen.

Prinzipiell wird zwischen zwei Überkategorien unterschieden. Betroffene einer bipolaren Depression erleben neben den tieftraurigen auch manische Phasen, in denen der Erkrankte förmlich vor Lebensfreude strotzt. Bei der unipolaren Depression bleiben diese extremen Hochphasen hingegen aus. Häufige Unterformen sind unter anderem die saisonal abhängige Depression, sowie die postpartale Depression.

Tritt die Depression in einer abgeschlossenen Phase auf, handelt es sich um eine depressive Episode. Eine solche kann einmalig auftreten, aber auch eine Rückkehr der Beschwerden ist möglich. Zwischen depressiven Episoden vergehen manchmal mehrere Jahre, in anderen Fällen ist der Abstand wesentlich kürzer. Von einer chronischen Depression spricht man erst, wenn die Symptome mindestens 2 Jahre ohne Unterbrechung auftreten.

Anders als oftmals gemutmaßt wird, sind viele Depressionen tatsächlich sehr gut heilbar. Bei leichteren Episoden hilft oftmals schon eine kurze Psychotherapie, um das Problem wieder in den Griff zu bekommen. Auch bei chronischen Depressionserkrankungen wird mit einer passenden Therapie oft nach langer Zeit noch eine wesentliche Besserung erreicht.

Depressive Episoden dauern in vielen Fällen zwischen 4 und 8 Wochen an, allerdings kann dies bei jedem Betroffenen etwas anders aussehen. Oft verschwinden die Beschwerden von selbst wieder. Dennoch ist im Zweifel eine medizinische Behandlung zu empfehlen.

Erste Anlaufstelle bei einer depressiven Phase ist oftmals ein Psychiater. Dieser evaluiert den Zustand des Betroffenen und verschreibt bei Bedarf Antidepressiva. Eine Psychotherapie stellt zudem eine gute Unterstützung dar. Mittlerweile gibt es dabei viele verschiedene Ansätze. Sollte eine Behandlung zunächst nicht die gewünschte Verbesserung bringen, ist es daher durchaus sinnvoll, noch eine andere Form der Psychotherapie auszuprobieren.

Im Zusammenhang mit Antidepressiva gibt es weit verbreitete Irrtümer. Viele Menschen glauben etwa, dass diese körperlich abhängig machen. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall, da man die Wirkung zumeist erst nach ein bis zwei Wochen wahrnimmt. Treten Nebenwirkungen wie starke Müdigkeit, sexuelle Lustlosigkeit oder Übelkeit auf, ist es zu empfehlen, sich mit dem Psychiater über einen möglichen Wechsel des Präparats zu unterhalten. Die meisten Medikamente unterscheiden sich in ihrer Verträglichkeit stärker als in der Wirkung.

Im Zuge einer Depression erfolgt die Krankschreibung prinzipiell genau gleich wie bei anderen Krankheiten. Der Hausarzt schreibt den Betroffenen nach der Untersuchung etwa direkt krank oder verweist ihn zu einem Spezialisten. Komplizierter ist der tatsächliche Umgang des Arbeitswesens mit der Krankheit. Viele Studien orten bei Arbeitgebern einen starken Nachholbedarf in diesem Bereich. Niedergeschlagenheit und Müdigkeit werden nicht immer als Grund für ein Fernbleiben akzeptiert. Zudem fürchten sich Betroffene oft vor einer Stigmatisierung. Als vorübergehende Lösung greifen viele auf die Notlüge einer vorgetäuschten Grippe zurück. Langfristig ist Offenheit aber sicherlich der bessere Weg.

Viele Betroffene erleben ihre Depression am Morgen als besonders schlimm. Dazu trägt unter anderem das Gefühl bei, den anstehenden Tag nicht meistern zu können. Vor allem aber sorgt die Krankheit für einen gestörten Tagesrhythmus, indem bestimme Hormone nicht korrekt ausgeschüttet werden. Tägliche Routinen wie beispielsweise Dehnübungen nach dem Aufstehen schaffen Abhilfe gegen die morgendlichen Belastungen.

Wie Studien belegen, sind im Frühjahr besonders viele Menschen von einer akuten depressiven Phase betroffen, erst im Sommer geht die Zahl wieder zurück. Experten vermuten, dass depressiv Veranlagten ihre Krankheit zu dieser Jahreszeit noch stärker bewusst wird. Während aufgrund des besseren Wetters Umwelt und Mitmenschen langsam wieder auftauen, ist man selbst weiterhin mit tiefer Traurigkeit konfrontiert.

Schätzungen zufolge hat in Österreich etwa jede 7. Mutter nach der Geburt eines Kindes mit einer depressiven Episode zu kämpfen. Dieses als postpartale Depression bezeichnete Phänomen tritt meist einige Wochen nach der Geburt auf und kann mehrere Monate anhalten. Als Grund dafür werden einerseits hormonelle Umstellungen im Körper der Frau vermutet, außerdem sehen sich Mütter mit einer völlig neuen Lebenssituation konfrontiert. Medikamente und Psychotherapie sind auch bei dieser Form der erste Lösungsansatz.

Wenngleich die Depression jegliche Energie zu stehlen scheint, lohnt es sich, den inneren Schweinehund zu überwinden. Bewegung ist eine wichtige Säule im Kampf gegen psychische Verstimmungen. Regelmäßige Ausübung ist dabei wesentlich entscheidender als welchen Sport man wählt. Ideal sind selbsterklärend Sportarten, die dem Betroffenen Spaß machen.

Unter der Nummer 142 erreichen Sie rund um die Uhr die Österreichische Telefonseelsorge.

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Zuletzt aktualisiert:

11. November 2020

Erstellt am:

7. Mai 2019

Stand der medizinischen Information:

11. November 2020


Quellen:

Patientenbroschüre: "Auswege. Ein Patienten-Leitfaden bei Depression und Angst", unter der Ägide der Österreichischen Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB), S. Kasper, C. Haring, Wien, 2011

Clinical Evidence: Patient information from the BMJ Group: Depression in adults. Juni 2011

Österreichische Telefonseelsorge 142 (11.11.2020)

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