Schlafstörungen (Insomnie, Hyposomnie)

Frau mit Schlafstörungen liegt im Bett und zählt Schäfchen
Fast jede dritte Österreicher:in leidet Schätzungen zufolge an Schlafstörungen.
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Wohl jede:r hat es schon mal erlebt, dass man sich nachts schlaflos im Bett herumwälzt und kein Auge zu bekommt. So eine Situation kann schon mal vorkommen und ist noch kein Grund zur Sorge. Schläft man jedoch häufig schlecht und die Probleme dauern an, kann eine Schlafstörung dahinterstecken.

Medizinische Expertise

Harald Mokhareghi

Dr. Harald Mokhareghi

Facharzt für Neurologie
Favoritenstraße 14/12, 1040 Wien
www.neuro-wieden.at
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Inhaltsverzeichnis

Durchschnittlich benötigt ein erwachsener Mensch täglich 7 bis 9 Stunden Schlaf. Ist die Gesamtmenge des Schlafes zu niedrig oder zu hoch oder der Schlaf hat eine schlechte Qualität (z.B. durch Funktionsstörungen) kann das mit einer Schlafstörung zusammenhängen. Die Auslöser dafür sind höchst unterschiedlich und erstrecken sich von vermehrtem Stress über körperliche Erkrankungen (z.B. Rheuma, Asthma) bis hin zu direkten Schlafkrankheiten wie Schnarchen, Atmungsaussetzer (Schlafapnoe) oder plötzlichen Schlafattacken (Narkolepsie).

Zusammenfassung

  • Fast jede dritte Österreicher:in hat Schätzungen zufolge regelmäßig mit Schlafstörungen zu kämpfen.
  • Man unterscheidet zwischen primären Schlafstörungen (ohne zugrundeliegender Erkrankung) und sekundären Schlafstörungen (Erkrankung liegt zugrunde). 
  • Zu den vielzähligen psychischen Beschwerden, die Schlafstörungen auslösen können, zählen Burnout, Depressionen, Angststörungen und Stress. 
  • Die Abklärung des spezifischen Störungsbildes erfolgt im Schlaflabor.
  • Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Häufig hilft eine Psychotherapie, die Auslöser in den Griff zu bekommen.

Schlafstörungen im Überblick

Art Überbegriff für Schlafprobleme
Formen Primäre Schlafstörungen, sekundäre Schlafstörungen
Ursache u.a. Narkolepsie, Schlafapnoe, Burnout, Depressionen, Stress
Diagnose Anamnese, subjektives Empfinden, Untersuchung im Schlaflabor
Therapie Psychotherapie, bei Bedarf Behandlung der körperlichen Ursache

FAQ (Häufige Fragen)

Welche Krankheiten verursachen Schlafstörungen?

Eine psychische oder organische Erkrankung kann Schlafstörungen zugrunde liegen, wie z.B. Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Burnout aber auch chronische Schmerzen, Asthma, Rheuma, Parkinson, etc.

Was hilft bei Schlafstörungen?

In der Therapie von Schlafstörungen gibt es 3 Säulen:

  • Psychotherapeutische Maßnahmen: z.B. Verhaltenstherapie, um Denkmuster und Verhaltensweisen zu verändern, die vom Schlafen abhalten können
  • Somatische (= auf den Körper bezogene) Verfahren: Dazu zählen Anwendungen wie Schnarchschienen und Beatmungsgeräte (CPAP) bei schlafbezogenen Atmungsstörungen oder Lichttherapie bei Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen.
  • Medikamente: Verschiedenste Medikamente können den Schlaf unterschiedlich beeinflussen, es gibt auch verschiedene Psychopharmaka, die Schlaf und Wachheit regulieren können.

Allgemein sollte darauf geachtet werden, Schlafhygiene zu betreiben.

Kann man Schlafmittel bedenkenlos jede Nacht nehmen?

Der Griff zum Schlafmittel ohne vorherige diagnostische Abklärung sollte möglichst vermieden werden oder nur über einen kurzen Zeitraum erfolgen – und stets mit der Ärzt:in abgesprochen werden.

Von Schlafstörungen sind weltweit Millionen Menschen betroffen. Auch in Österreich sind Schlafprobleme weit verbreitet. Eine Umfrage der Paris Lodron Universität Salzburg zum Weltschlaftag (2024) ergab, dass bis zu 30 % der Bevölkerung an Schlafstörungen leiden. 

Schlafstörungen können in jedem Alter auftreten. Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer stärkeren Zunahme schlafbezogener Atmungsstörungen.

Video: Schlaflosigkeit verstehen: Ursachen & Therapien bei Insomnie

Priv.-Doz. Dr. Michael Saletu, Facharzt für Neurologie und Experte für Schlafmedizin, gibt in diesem Webinar einen kompakten Überblick über das Krankheitsbild Insomnie. Er erklärt, wie man sie erkennt, welche Formen unterschieden werden und welche Rolle biologische, psychische und soziale Faktoren spielen. Zudem stellt er aktuelle Forschungsergebnisse sowie moderne Behandlungsansätze vor. (09.10.2025)

Schlafprobleme liegen vor, wenn man keinen erholsamen Schlaf findet und sich Betroffene in der Folge tagsüber müde und abgeschlagen fühlen.

Sie…

  • brauchen sehr lange, um einzuschlafen.
  • schlafen unruhig und wachen nachts oft auf.
  • wachen nachts auf und liegen lange wach.
  • wachen morgens viel zu früh auf und können nicht wieder einschlafen.

Sind die Schlafprobleme an mindestens drei Nächten pro Woche und länger als einen Monat vorhanden, sodass die Lebensqualität beeinträchtigt ist, spricht man von einer Schlafstörung. 

Dauern Schlafstörungen für längere Zeit an, kommt es durch wiederholte Schlafunterbrechungen und Mikro-Weckreaktionen zu erhöhter Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit, zu verringerter Leistungsfähigkeit und gereizter Stimmung.

Zudem nutzt das Gehirn die Ruhezeiten des Körpers, um Informationen zu verarbeiten – wenn das Gleichgewicht gestört ist, ist das Gehirn nicht mehr voll funktionstüchtig und die Signalübertragung beeinträchtigt. Und auch der Körper leidet unter dem Schlafentzug: Das Immunsystem arbeitet nicht mehr richtig, ebenso wie wichtige Körperfunktionen, z.B. das Herz-Kreislauf-System. Und auch bei einem Zuviel an Schlaf (z.B. bei Narkolepsie) ist Vorsicht geboten – z.B. beim Lenken eines Autos ist eine plötzlich auftretende Schlafattacke höchst gefährlich. Um all diesen Problemen vorzubeugen, sollte die ärztliche Abklärung der Schlafstörung möglichst bald erfolgen.

Es gibt viele verschiedene Faktoren, die Schlafprobleme verursachen können, wie z.B.:

Arten von Schlafstörungen

Bei den Ursachen der Schlafprobleme kommt es ganz auf die Störungsart an. Man unterscheidet: 

  1. Primäre Schlafstörungen: treten ohne eine zugrundeliegende Erkrankung auf  
  2. Sekundäre Schlafstörungen: eine psychiatrische oder organische Erkrankung liegt zugrunde

1. Primäre Schlafstörungen

Dyssomnien Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie und Hyposomnie), übermäßiges Schlafbedürfnis (Hypersomnie), Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen (z.B. durch Schichtarbeit oder Jetlag), Narkolepsie
Parasomnien Schlafwandeln, Albträume, Zähneknirschen (Bruxismus), Nächtliche Panikzustände (Pavor nocturnus)
Schlafbezogene Atmungsstörungen Schnarchen, Schlafapnoe, Katathrenie
Schlafbezogene Bewegungsstörungen Unruhige Gliedmaßen (Restless-Legs-Syndrom)

2. Sekundäre Schlafstörungen

Zu den sekundären Schlafstörungen zählen:

Um die Ursache für die Schlafprobleme herauszufinden, erkundigt sich die Ärzt:in in einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch nach Gewohnheiten, Beschwerden und möglichen Hinweisen:

  • Ob persönlicher oder beruflicher Stress oder belastende Ereignisse eine Rolle spielen könnten,
  • ob und zu welchem Zeitpunkt, koffeinhaltige Getränke, Alkohol oder Drogen konsumiert werden,
  • ob und welche Medikamente eingenommen werden,
  • ob Schmerzen, körperliche oder psychische Erkrankungen vorliegen. 

Dann erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der auch Blut abgenommen wird. 

Die Diagnose der unterschiedlichen Schlafstörungen erfolgt üblicherweise auf 2 Ebenen: 

Einerseits werden subjektive Eindrücke berücksichtigt – diese können durch das Führen eines Schlaftagebuches, durch Fragebögen oder eine entsprechende Smartphone-App erfasst werden. Zu beachten ist aber, dass die Funktionalität von Apps und Trackern als begrenzt eingeschätzt wird. Auch die Partner:in kann hilfreiche Informationen liefern, da sie z.B. das Schnarchen oft stärker wahrnehmen als der Betroffene selbst.

Andererseits können im Schlaflabor objektive Daten erhoben werden. Dabei werden Hirnströme, Augenbewegungen und Muskelaktivität gemessen, sowie Herzaktivität, Puls, Atemfluss und Atembewegungen der Brust, Schnarchgeräusche, Sauerstoffsättigung des Blutes und Beinbewegungen. Subjektive Einschätzungen der Schlafqualität und Tests, die u.a. morgendliche Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistungen prüfen, schließen die Untersuchung im Schlaflabor ab. Üblicherweise dauert diese 3 Nächte, mit der Abfolge: Eingewöhnung, Erhebung der Daten, Austestung des Behandlungserfolgs.

Die Funktionalität von Schlaftrackern ist eher als begrenzt einzuschätzen. Erfahrungsgemäß berufen sich Patient:innen oft auf deren Daten, um Schlafstörungen zu diagnostizieren, obwohl sie objektiv gut schlafen.

Dr. Harald Mokhareghi, Facharzt für Neurologie

In der Therapie von Schlafstörungen gibt es 3 Säulen:

  • Psychotherapeutische Maßnahmen: z.B. Verhaltenstherapie, um Denkmuster und Verhaltensweisen zu verändern, die vom schlafen abhalten können
  • Somatische (= auf den Körper bezogene) Verfahren: Dazu zählen Anwendungen wie Schnarchschienen und Beatmungsgeräte (CPAP) bei schlafbezogenen Atmungsstörungen oder Lichttherapie bei Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen.
  • Medikamente: Verschiedenste Medikamente können den Schlaf unterschiedlich beeinflussen, es gibt auch verschiedene Psychopharmaka, die Schlaf und Wachheit regulieren können. Im Schlaflabor kann nach einem Schloss-Schlüssel-Prinzip rational behandelt werden.

Diese therapeutischen Maßnahmen werden je nach Störungsbild von der behandelnden Ärzt:in gemeinsam oder einzeln eingesetzt. Bei schlafbezogenen Atmungsstörungen können manchmal auch chirurgische Eingriffe sinnvoll sein. Entspannungstechniken, Atemübungen oder Meditation können helfen bzw. können auch Baldrianextrakte zum Einsatz kommen.

Der Griff zum Schlafmittel ohne vorherige diagnostische Abklärung sollte möglichst vermieden werden oder nur über einen kurzen Zeitraum erfolgen – und stets mit der Ärzt:in abgesprochen werden. Denn Medikamente sollten die Ursache der Schlafstörung beseitigen und nicht nur die Symptome bekämpfen. Zudem sind die Folgen unangenehm, wenn die Tabletten bis in den Tag hinein ihre Wirkung zeigen: Konzentrations- und Orientierungsstörungen sowie Verwirrtheit kennzeichnen den "Hang-over-Effekt". Bei manchen Medikamenten kommen noch Suchtgefahr, Herzrhythmusstörungen oder Angstzustände hinzu.

Video: Mentale Stärke und Schlaf

Matthias Weingärtner, Schlafexperte, Biomedizinischer Analytiker und Geschäftsführer der Schule des Schlafens, informiert über die Wechselbeziehung eines erholsamen Schlafs und der mentalen Gesundheit. (Webinar, 29.02.2024)

Ganz gleich ob der Lebensgefährte schnarcht, ein wenig herumzappelt oder einfach später ins Bett geht – der eigene Schlaf kann unter der Anwesenheit eines Mitmenschen leiden. Dicht aneinander gekuschelt einzuschlafen und neben dem Liebsten aufzuwachen, ist für viele Menschen dennoch fast unverzichtbar.

Umso wichtiger ist es, auf kleine Probleme individuell zu reagieren. Wenn die Partner:in ihr Schnarchen nicht in den Griff bekommt, kann man es beispielsweise mit Ohrstöpsel probieren. Oder man versucht, mit leiser Musik im Ohr einzuschlafen, auch das tut vielen Leuten gut.

Ein weniger offensichtliches aber viel häufigeres Problem sind unterschiedliche Schlafgewohnheiten. Der passende Lebensrhythmus sieht bei allen Menschen ein bisschen anders aus, daher ist es gut möglich, dass ein Paar in diesem Bereich keinen Konsens findet. In solchen Fällen kann die noch muntere Partner:in auch einfach ein bisschen länger aufbleiben und beim Schlafengehen vorsichtig ins Bett klettern. Das könnte etwa so aussehen, dass im Schlafzimmer nur noch ein schwaches Licht angemacht wird.

Wenn man hingegen regelmäßig nachts von kleinen Bewegungen der Partner:in geweckt wird, sind eventuell getrennte Matratzen eine Lösung. Gegen Uneinigkeiten bei der Temperatur des Schlafzimmers könnte wiederum die Verwendung mehrerer Decken helfen. Ist einer Person schon warm genug, kann die andere einfach eine zusätzliche Decke nehmen, anstatt den Raum aufzuheizen.

Da die Störungsbilder so unterschiedlich sind, sind auch die Beiträge, welche die Betroffenen leisten können, ganz verschieden. Bei Schlafapnoikern ist oft Übergewicht ein Problem, an dessen Beseitigung sie selbst arbeiten können. Narkoleptiker:innen können hingegen den Schlafattacken vorbeugen, indem sie vor wichtigen Terminen vorschlafen.

Allgemein sollte darauf geachtet werden, Schlafhygiene zu betreiben. Dazu gehören folgende Punkte:

  • Ab dem Mittagessen auf koffeinhaltige Getränke verzichten (z.B. Kaffee, Energydrinks, Cola, schwarzen oder grünen Tee)
  • Alkohol vermeiden
  • Auf Schlafmittel und Appetitzügler verzichten
  • Abends keine schweren Mahlzeiten einnehmen
  • Regelmäßige körperliche Aktivität
  • Vor dem Schlafengehen geistig oder körperlich anstrengende Tätigkeiten vermeiden
  • Ein Einschlafritual einführen (z.B. ein Buch lesen, entspannende Musik hören…) und den Tag entspannt ausklingen lassen
  • Schlafumgebung optimieren: Eine angenehme Atmosphäre im Schlafzimmer herstellen; Licht- und Lärmquellen beseitigen
  • Nachts nicht auf die Uhr schauen
  • Enzyklopädie der Schlafmedizin, H. Peter, T. Penzel, J. H. Peter (Hrsg.), Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2007
  • U. Voderholzer, C. Guilleminault in Handbook of Clinical Neurology, Vol. 106: Neurobiology of Psychiatric Disorders, Elsevier, 3. Auflage, 2012, S. 527-540
  • Der große TRIAS-Ratgeber Gesunder Schlaf, S. Holst, U. Meister, TRIAS Verlag, Stuttgart, 2004
  • Schlafstörungen, Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (12.09.2023)

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Medizinisches Review:

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Stand der medizinischen Information:


ICD-Codes:

  • G47
  • F51

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