Ernährung bei Kinderwunsch

Zuletzt aktualisiert am 6. August 2020

Schwangere Frau ernährt sich gesund
Um die Fruchtbarkeit von Frau und Mann zu erhöhen, ist es wichtig, frisches Obst und Gemüse auf den Teller zu bringen.
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Die richtige Ernährung kann die Chancen auf ein Wunschbaby erhöhen. Wie sollte der Speiseplan bei Kinderwunsch konkret aussehen?

Medizinische Expertise
Verena Dreiseitl

Verena Dreiseitl, BSc.

Ernährungswissenschaftlerin

preventatwork.at

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Ungewollte Kinderlosigkeit betrifft etwa jedes 6. Paar in Österreich. Eine „Störung der Fruchtbarkeit“ kann viele Ursachen haben, wie etwa Stress, Rauchen, ein zunehmend höheres Lebensalter von Erstgebärenden, Schlafmangel oder Ernährung. Eine Umstellung auf vitaminreiche und vollwertige Ernährung kann bei Frauen und Männern wesentlich dazu beitragen, damit der Kinderwunsch in Erfüllung geht. Durch neue Erkenntnisse in der Epigenetik weiß man inzwischen auch, dass die Ernährung der Eltern vor, während und auch nach der Schwangerschaft große Auswirkungen auf mögliche Krankheiten des Kindes hat.

  • Eine gesunde, ausgewogene Ernährung bei beiden Partnern kann die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft erhöhen. Nüsse, Fisch, gesunde Öle sowie viel frisches Obst und Gemüse sollten regelmäßig auf den Teller.
  • Für Frauen spielen insbesondere Kalzium, Zink, Folsäure, Eisen und Vitamine eine wichtige Rolle. Männer sollten auch Selen, L-Carnitin und das Coenzym Q10 nicht zu kurz kommen.
  • Ein Verzicht auf Rauchen und Alkohol kann die Fruchtbarkeit zusätzlich erhöhen.

Ausgewogene, vitaminreiche Ernährung ist eine wesentliche Basis, besonders aber wenn eine Schwangerschaft geplant ist. Um die Fruchtbarkeit von Frau und Mann zu erhöhen, ist es wichtig, frisches Obst und Gemüse auf den Teller zu bringen. Studien zeigen, dass ein Übermaß an Fett und Fleisch negative Auswirkungen auf die Spermienqualität des Mannes hat. Frauen mit Babywunsch sollten auf eine ausreichende Versorgung mit Folsäure achten, da diese für die Entwicklung des Babys unverzichtbar ist. Darüber hinaus sind Kalzium, Zink und Vitamin C wichtige Nährstoffe.

Kalzium: wichtig für Mutter und Kind

Eine ausreichende Kalziumzufuhr ist bei Frauen wichtig, um dem Baby beste Startmöglichkeiten zu bieten. Kalzium stärkt die Knochen, fördert das Muskelwachstum und sorgt für gesunde Nerven. Nimmt die Mutter in der Schwangerschaft zu wenig davon zu sich, zieht der Fötus die Reserven aus den Knochen der Mutter heran. Das kann in späteren Jahren zu Knochenbrüchigkeit führen. Auch der Speiseplan für Männer sollte kalziumreiche Nahrungsmittel beinhalten, wie Milchprodukte, Käse oder Reis, um ihre Fruchtbarkeit zu steigern.

Zink: vermindert das Risiko für Fehlgeburten

Das Spurenelement hat viele gute Seiten: es vermindert das Risiko von Fehlgeburten und verringert die Dauer der Wehen. Seefisch, Lamm oder Weizenkleie sind wichtige Zinklieferanten, die auch das Samenvolumen bei Männern erhöhen.

Folsäure: das Schwangerschaftsvitamin

Dieses Vitamin aus dem B-Komplex ist „das“ Schwangerschaftsvitamin schlechthin. Frauen mit Babywunsch sollten bereits bei der Planung des Wunschkindes auf eine ausreichende Versorgung achten, um die Chancen auf Nachwuchs zu erhöhen. Hühnerleber, Linsen, Brokkoli, Eidotter, Weizenkeime, Milchprodukte, Nüsse, Samen sowie grünes Blattgemüse sind ideale Lieferanten. Auch wenn die Vitaminversorgung grundsätzlich durch ausgewogene Mischkost abgedeckt werden kann, empfehlen Wissenschaftler Frauen bei Kinderwunsch gezielte Folsäurepräparate (400 µg täglich) einzunehmen.

Eisen: fördert die Fruchtbarkeit

Auch Eisen spielt eine wichtige Rolle für die Förderung der Fruchtbarkeit. Aus diesem Grund sollen Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Getreidesorten wie Quinoa und Amaranth aber auch qualitativ hochwertiges Fleisch (1-2 Mal pro Woche ausreichend) häufig auf dem Teller landen.

Vitamin C: gut für die Samenqualität

Frisches Obst und Gemüse hält aufgrund seines hohen Anteils an Vitamin C fit und gesund. Ein Mangel an Vitamin-C kann bei Männern möglicherweise die Samenqualität negativ beeinflussen. Eine ausreichender Vitamin C Status ist außerdem für die Eisenaufnahme entscheidend.

Vitamin B6 und B12: förderlich für die Empfängnisbereitschaft

Vor allem bei Frauen kann ein Mangel an Vitamin B6 und B12 zu Problemen bei der Empfängnis führen. Diese Vitamine sind jedoch reichlich in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, wie z.B. in Fleisch, Getreideprodukten, Bananen oder Hefe.

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Falsche Ernährung kann, wie auch Stress oder Umweltfaktoren, massive Auswirkungen auf die männliche Spermienqualität haben. Männer können ihre Fruchtbarkeit erhöhen bzw. ihre Spermienqualität verbessern, indem sie auf ausreichende Zufuhr von nachstehenden Mikronährstoffen achten:

INHALTSSTOFFE KATEGORIE WIRKUNG NAHRUNGSMITTEL
L-CARNITIN Körpereigene Substanz Verbessert die Spermienanzahl- und beweglichkeit Nüsse, Fisch und Meeresfrüchte, Innereien (Nieren, Leber), Fleisch
L-ARGININ Aminosäure Verbessert die Spermienanzahl- und beweglichkeit Kürbiskerne, Linsen, Fleisch, Eier, Lachs, Leber
COENZYM Q10 Enzym zur Energieversorgung Steigert die Anzahl von Samenzellen und deren Beweglichkeit, erhöht den Befruchtungserfolg Brokkoli, Hülsenfrüchte, Makrelen, Spinat, Weizenkeime
VITAMIN E Fettlösliches Vitamin Fördert die Spermienbeweglichkeit und den Befruchtungserfolg Weizenkeim(öl), Sonnenblumenkerne, Nüsse, Paprikaschoten
ZINK Spurenelement Antioxidative Wirkung, bindet Freie Radikale, fördert die Spermienproduktion und deren Beweglichkeit Rindfleisch, Schweineleber, Käse, Nüsse, Brokkoli, Karfiol
FOLSÄURE Vitamin des B-Komplexes Fördert das Zellwachstum, stärkt Nerven und wirkt sich auf die Samenqualität positiv aus Spargel, Brokkoli, Spinat, rote Rüben, Schweineleber, Kirschen, Erdbeeren
GLUTATHION Tripeptid, das aus 3 Aminosäuren gebildet wird Radikalenfänger, fördert die Beweglichkeit von Samenzellen Leber, Rindfleisch, Spargel, Avocado, Brokkoli, Kartoffeln, Petersilie, Spinat
SELEN Spurenelement Radikalenfänger, fördert die Beweglichkeit von Samenzellen Weizenkleie, Hering, Kokosnuss, Sojabohnen, Kartoffeln, Kohlrabi

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INHALTSSTOFFE KATEGORIE WIRKUNG NAHRUNGSMITTEL
OMEGA-3-FETTSÄUREN Essenzielle Fettsäure Fördert die fötale Entwicklung der Zellen, der Augen und des Gehirns Weizenkeimöl, Leinöl, Rapsöl, fetter Seefisch, Löwenzahn, Spinat, Salat, Brokkoli
GLYZYRRHIZIN Bestandteil von Süßholz Fördert den Eisprung Wurzel der Süßholzpflanze Glyzyrrhizin, Grapefruits
DIOSGENIN Bestandteil der Yamswurzel Aktiviert Antioxidantien, erhöht den Östrogenanteil, fördert die Empfängnisbereitschaft Yamswurzel, Karotten, Spargel
VITAMIN E Fettlösliches Vitamin Fördert die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter Weizenkeim(öl), Sonnenblumenkerne, Nüsse, Paprikaschoten
FOLSÄURE Vitamin des B-Komplexes Fördert das Zellwachstum, den Aufbau des Zentralnervensystems des Kindes. Sollte bereits einige Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft eingenommen werden. Spargel, Brokkoli, Spinat, rote Rüben, Schweineleber, Kirschen, Erdbeeren
SELEN Spurenelement Radikalenfänger, neutralisiert Gifte (z.B. Entzündungen, Alkohol) Weizenkleie, Hering, Kokosnuss, Sojabohnen, Kartoffeln, Kohlrabi

Neben ausgewogener Ernährung, kann auch ein Verzicht auf Rauchen und Alkohol die Empfängnis begünstigen. Entstressen können Paare bei gemeinsamer körperlicher Aktivität, Ruhephasen – sodass auch die Psyche für das geplante Wunschbaby entsprechend in Balance ist.

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Haben Frauen hormonelle Verhütungsmethoden hinter sich, empfiehlt es sich nach dem Absetzen einige Monate mit der Schwangerschaftsvorbereitung zu warten. Dadurch können erniedrigte Nährstoffspeicher wieder aufzufüllen. Hierbei sollte vor allem das Vitamin B6 erwähnt werden, welches sich in Nüssen, grünem Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten befindet.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

6. August 2020

Erstellt am:

18. Januar 2017

Stand der medizinischen Information:

6. August 2020


Quellen:

Universitätsklinikum Bonn – Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin (06.08.2020)

Studie Jamie Mendiola – Antioxidatien und Spermienqualität (06.08.2020)

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