Kleptomanie (Stehllust, Stehlsucht, triebhaftes Stehlen)

Sehr häufig sind Menschen mit Kleptomanie von starken Schuldgefühlen betroffen.
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Menschen mit Kleptomanie haben den starken Drang, etwas zu stehlen, ohne sich selbst bereichern zu wollen.

Medizinische Expertise

Karina  Ortner

Mag.a Karina Ortner

Klinische Psychologin & Gesundheitspsychologin
Volkertstraße 4/2/10, 1020 Wien
karina-ortner.at
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Wenn von Kleptomanie die Rede ist, spricht man auch von Stehllust, Stehlsucht oder triebhaftem Stehlen. Darunter versteht man pathologisches Stehlen, womit die Kleptomanie zu den Impulskontrollstörungen gehört. Menschen mit Kleptomanie verspüren den intensiven Drang zu stehlen und handeln aus einem inneren Zwang heraus. Die Erkrankung ist abzugrenzen von einer Sucht oder Manie, da keine körperliche Abhängigkeit vorliegt.

Kleptoman:innen lehnen Diebstahl rational ab und für die meisten Betroffenen haben die gestohlenen Gegenstände nur einen geringen Wert. Das Diebesgut wird häufig gehortet, verschenkt oder weggeworfen. Die Diebstahlhandlung selbst löst ein Gefühl der Befriedigung aus und geht meist mit heftigen Schuld- und Schamgefühlen einher. Aus Furcht ziehen sich Betroffene aus ihrem sozialen Leben zurück. Die Folgen sind starker Stress und psychische Belastungen.

  • Kleptomanie ist eine Impulskontrollstörung, die durch einen intensiven Drang, zu stehlen, gekennzeichnet ist.
  • Es geht nicht um Bereicherung und die gestohlenen Gegenstände haben oft keinen Wert für die Betroffenen.
  • Die Ursachen sind multifaktoriell und können unterschiedliche Auslöser haben.
  • Typische Symptome sind starke Spannungsgefühle vor dem Diebstahl und Befriedigung danach, meist verbunden mit starken Schamgefühlen.
  • Die Behandlung erfolgt im Rahmen einer Psychotherapie.
Art Impulskontrollstörung
Beschreibung pathologisches Stehlen
Ursache Vorbelastungen, psychosozialer Stress
Symptome Traurigkeit, Ängste, Scham und Schuldgefühle, Selbstzweifel
Diagnose klinisch psychologische Diagnostik
Therapie Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie), bei Bedarf Medikamente

Die Impulskontrollstörung tritt meistens zuerst im jungen Erwachsenenalter auf und kommt generell häufiger bei Frauen vor.

Die genaue klinische Ursache für Kleptomanie ist bislang nicht bekannt. Zur Entstehung von Kleptomanie können verschiedene Faktoren beitragen. Man geht davon aus, dass bei Impulskontrollstörungen Transmittersysteme betroffen sind. Das hängt damit zusammen, dass ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin und Noradrenalin, vorhanden ist.

In den meisten Fällen geht es kleptomanischen Personen nicht um die Bereicherung, sondern um den Reiz der verbotenen Handlung. Aufgrund fehlender gesunder Bewältigungsstrategien für schwierige Situationen oder Gefühle und durch zugrundeliegende Vorbelastungen (z. B. schwierige Kindheitserlebnisse, soziales Umfeld), kann es zu Verhaltensweisen wie dem pathologischen Stehlen kommen.

Mögliche Gründe, Ursachen und Auslöser für Kleptomanie:

  • genetische, physiologische, psychologische sowie soziokulturelle Faktoren
  • psychosozialer Stress
  • psychische Erkrankungen
  • emotionale Belastungen wie Einsamkeit

Gemeinsam mit Kleptomanie treten häufig anderen Begleiterkrankungen auf:

Es gibt verschiedene Aspekte, die bei Kleptomanie eine Rolle spielen. Die wichtigsten Faktoren sind:

  • Emotionale Spannung: Menschen mit Kleptomanie verspüren vor Begehen des Diebstahls eine sehr starke Spannung, die sie dazu verleitet, Dinge zu stehlen. Das Spannungsgefühl äußert sich häufig auch körperlich. Typische Symptome sind etwa innere Unruhe, starkes Schwitzen, Magen-Darm-Beschwerden, starkes Herzklopfen, Schwindelgefühl sowie Nägelkauen.
  • Gefühl der Befriedigung: Während dem Diebstahl empfinden Kleptoman:innen oft ein Gefühl von Vergnügen, Freude und Befriedigung. Nach dem Diebstahl stellt sich für kurze Zeit Erleichterung ein, bis der Impuls, zu stehlen, wiederkommt. Diese Gefühle werden häufig von Scham, Angst, starken Gewissensbissen und Selbstzweifeln begleitet.
  • Diebstahl im Alleingang: In der Regel führen kleptomanische Menschen den Diebstahl allein durch und suchen sich keine Hilfe von anderen Personen.
  • Mangel an Planung: Es wird zwar versucht, nicht während der Handlung entdeckt zu werden, jedoch planen Kleptoman:innen ihren Diebstahl im Vorfeld in der Regel nicht. Das hängt auch damit zusammen, dass der Drang etwas zu stehlen, von spontanen Impulsen ausgelöst wird und es den betroffenen Personen nicht um die Bereicherung geht. Deshalb überlegen sich Kleptoman:innen oft keine Vorsichtsmaßnahmen, die ihnen dabei helfen, unentdeckt zu bleiben.

Die Konsequenzen für die betroffene Person und das Umfeld sind oft weitreichend. Neben strafrechtlichen Folgen leiden Betroffene vermehrt unter starken Scham- und Schuldgefühlen und es entsteht ein großer Leidensdruck.

Der Verdacht auf Kleptomanie entsteht in der Regel aus dem Diebstahlverhalten der Betroffenen. Andere auffällige Verhaltensweisen wie unkontrollierte Ausbrüche oder erhöhte Impulsivität können ein zusätzliches Indiz sein. Besteht der Verdacht auf Kleptomanie, sollte die Hausärzt:in aufgesucht werden. Diese wird die Patient:in an eine Psychiater:in oder Klinische Psycholog:in überweisen, welche mithilfe psychologischer Tests und einem ausführlichen Gespräch die Diagnose stellt. Nach der klinisch-psychologischen Diagnostik wird ein Behandlungsplan erstellt und die Klient:in beginnt mit ihrer Therapie bei einer Klinischen Psycholog:in oder Psychotherapeut:in.

Im Rahmen einer Psychotherapie werden die Ursachen und Auslöser erkundet, die sehr vielfältig sein können. In psychotherapeutischen Gesprächen lernen Betroffene Techniken kennen, die ihnen helfen, mit negativen Gefühlen umzugehen. Dazu zählen unter anderem regelmäßiger Sport und entspannungs- und achtsamkeitsbasierte Methoden wie das Erlernen einer Entspannungstechnik (z.B. Progressive Muskelentspannung).

Auch die Einbindung und Unterstützung durch das soziale Umfeld (Freund:innen beim Einkaufen mitnehmen) ist wichtig und kann Betroffene entlasten.


Autor:in:
Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Erstellt am:

11. September 2023

Stand der medizinischen Information:

11. September 2023


ICD-Code:
  • F63

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