Durchfall bei Säuglingen und Kleinkindern

Kleinkind sitzt auf dem Topf, weil es Durchfall hat
Dauert Durchfall bei Kleinkindern länger als 2 Tage an, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.
© Oksana Kuzmina / Shutterstock.com

Durchfall tritt bei den Kleinen sehr häufig auf, unterschieden wird zwischen akuter und chronischer Diarrhö. Das Kind kann dabei viel Flüssigkeit verlieren, dadurch kann es zu Kreislaufbeschwerden kommen.

Medizinische Expertise

Peter Voitl

Prim. MedR. Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl, MBA

Facharzt für Pädiatrie, Gründer des Kindergesundheitszentrums Donaustadt in Wien
www.kinderarzt.at
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Inhaltsverzeichnis

Wenn bei einem Säugling bzw. Kind unter 2 Jahren der Durchfall über 48 Stunden lang anhält, unbedingt eine Ärzt:in aufsuchen! Gesellen sich zum Durchfall hohes Fieber, Blut im Stuhl oder massive Bauchschmerzen, wirkt das Kind teilnahmslos, trinkt es nicht mehr, dann nicht mehr zuwarten, sondern sofort zur Ärzt:in gehen! Meist lösen Viren – wesentlich seltener Bakterien – eine akute Infektion aus. Der Körper versucht, die lästigen Krankheitserreger möglichst schnell wieder loszuwerden. Chronischer Durchfall kann auch durch eine Darmerkrankung wie z. B. Morbus Crohn in Gang gesetzt werden.

  • Bei Babys und Kleinkindern tritt Durchfall nicht selten auf. Häufig kommt es parallel zu Fieber, Erbrechen und Appetitlosigkeit.
  • Typische Ursachen sind Virusinfektionen und Bakterien. Seltener liegen den Beschwerden Allergien, Vergiftungen oder eine chronisch-entzündliche Erkrankung zugrunde.
  • Treten bei einem Baby mehr als fünf oder bei einem Kleinkind mehr als drei dünne Stuhlgänge innerhalb eines Tages auf, sollte eine Ärzt:in aufgesucht werden.
  • Die Erkrankung ist selbstlimitierend und braucht in aller Regel außer reichlich Flüssigkeit keine besondere Therapie.

Eine akute Magen-Darm-Infektion beginnt bei Kindern sehr oft mit Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, manchmal auch Fieber und dünnflüssigen Durchfällen. Begleitende Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel sind auch keine Seltenheit. Mögliche Auslöser sind:

  • Rotaviren: Bis zum 5. Lebensjahr waren Darminfektionen, die durch Rotaviren ausgelöst werden, sehr häufig. Mittlerweile ist diese Infektion durch die Schluckimpfung gegen Rota in den Hintergrund getreten. Dieses äußerst robuste Virus wird oft in Kinderkrippen, Kinderkliniken und Kindergärten übertragen. Es macht sich durch plötzlich auftretenden, wässrigen Durchfall, oft auch durch Erbrechen bemerkbar. Die Erkrankung dauert bis zu 6 Tage, schwere Krankheitsverläufe kommen bei Ungeimpften auch hierzulande vor, es gibt eine Impfung.
  • Noro-, Entero- und Adenoviren: Sie kommen auch als Auslöser von akutem Durchfall in Frage.
  • Bakterien: Etwa 20% der kindlichen Durchfallerkrankungen werden von Bakterien wie Salmonellen oder Kolibakterien verursacht.
  • Allergien
  • Vergiftungen
  • Antibiotika
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: Dazu zählt etwa Morbus Crohn. Er kann – wenn auch sehr selten – ebenfalls ein möglicher Grund für Durchfall bei Kindern sein.

Bei schweren Verläufen lässt sich mit Hilfe von Laborwerten (Blut und Harn) genau austesten, um welche Erreger es sich handelt, mithilfe eines Darmultraschalls lassen sich Entzündungen lokalisieren. Die Ärzt:in wird auch eventuelle Änderungen in den Ernährungsgewohnheiten abklären.

Bei Säuglingen sollte man umgehend zur Ärzt:in, wenn beim Kind mehr als 5 dünne Stühle pro Tag auftreten – bei Kleinkindern sind es mehr als 3 dünne Stühle täglich. Etwa 90% der Durchfälle verlaufen akut mit einer maximalen Dauer von 2 Wochen. Häufige Begleitsymptome sind Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit. Diese Beschwerden treten aufgrund des Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts auf, daher ist es sehr wichtig, dass die Kinder viel trinken um Austrocknen zu vermeiden.

Säuglinge und Kinder unter 5 Jahren mit leichter bis mäßiger Dehydration sollten neben mehr Flüssigkeit (Tees, Wasser…) fiebersenkende Mittel bei Bedarf erhalten. 

Stillen, auch teilweises Stillen, stärkt das Immunsystem und bietet weitgehend Schutz vor akutem Durchfall. Viren geraten in erster Linie über die Hände in den Mund und schließlich in den Darm, häufiges Händewaschen ist daher ein wichtiger vorbeugender Schutz: Wichtig ist eine gründliche Reinigung mit Seife, mehrmals am Tag.

Bei akutem Durchfall helfen folgende Tees:

  • Brombeerblätter: 2 EL Brombeerblätter mit ½ Liter kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen
  • Heidelbeeren: 5 TL getrocknete Heidelbeeren in ½ Liter kaltem Wasser ansetzen, zum Kochen bringen, etwa 10 Minuten kochen lassen, danach abseihen, 3 x täglich 1 Tasse Tee geben;
    Größere Kinder kauen 3 bis 5 getrocknete Heidelbeeren vor jeder Mahlzeit

Eine spezielle Diät wird nicht empfohlen, allerdings sollten extreme Speisen vermieden werden.

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