Fructoseintoleranz

Zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2021

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Jeder 10. Europäer ist von Fructoseintoleranz betroffen.
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Fructoseintoleranz ist ein Verdauungsproblem, das in jedem Alter entstehen, mehr Frauen treffen und vorübergehend oder auch dauerhaft auftreten kann.

Medizinische Expertise
Heinz Hammer

Univ. Prof. Dr. Heinz Hammer

Medizinische Universitätsklinik Graz; Klin. Abt. für Gastroenterologie und Hepatologie

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Inhaltsverzeichnis

Es handelt sich dabei nicht um eine Allergie, sondern um eine Unverträglichkeit, und ist oft mit einem Reizdarm-Syndrom gekoppelt. Der Unterschied zwischen einer Allergie und einer Intoleranz ist wichtig zu wissen, da im Gegensatz zu einer Allergie, bei einer Unverträglichkeit die verantwortlichen Substanzen oder Lebensmitteln nicht vollständig vermieden werden müssen.

  • Bei der Fructoseintoleranz kann der Körper Fruchtzucker nicht richtig verdauen.
  • Sie tritt oft in Kombination mit einem Reizdarmsyndrom auf.
  • Typische Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall treten nach dem Konsum von fruchtzuckerhaltigen Lebensmitteln auf.
  • Zur Diagnose wird dem Betroffenen hoch konzentriertes Fructose verabreicht. Anschließend beobachtet der untersuchende Arzt die mögliche Entwicklung von Symptomen.
  • Um die Beschwerden vorzubeugen oder zu lindern, sollten Betroffene die Aufnahme von Fruchtzucker reduzieren.
  • Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel führen dem Körper ein Enzym zu, das den Fructose-Abbau im Dünndarm unterstützt.
Art Unverträglichkeit
Beschreibung gestörter Abbau von Fruchtzucker
Ursache defektes Transportprotein
Symptome Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit
Diagnose Symptommessung nach Fructose-Zufuhr, Wasserstoff-Atemtest
Therapie Vermeidung von Fructose, Nahrungsergänzungsmittel

Bei der Fruchtzuckerunverträglichkeit (Fruchtzuckerintoleranz) wird das Kohlenhydrat Fructose, welches im Dünndarm nicht ausreichend aufgenommen werden kann, im Dickdarm, von Bakterien abgebaut. Dabei können typische Beschwerden entstehen, wie Blähungen, Windabgänge, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Mit Hilfe einer Diät, und Enzympräparaten lässt sich die Fruchtzuckerunverträglichkeit gut in den Griff bekommen.

Für Fructose steht normalerweise im Dünndarm nur eine begrenzte Aufnahmekapazität durch das Transportprotein GLUT-5, das Fructose vom Dünndarm in den Blutkreislauf schleust, zur Verfügung. Gelangt nun zu viel Fruchtzucker mit der Nahrung in den Dünndarm, kann es kurzzeitig zu einer Überlastung des Transportsystems kommen. Der Abtransport der Fructose ins Blut erfolgt dann nur unvollständig.

Die Folgen: Der Fruchtzucker wandert unverdaut in den Dickdarm, wo ihn Bakterien bearbeiten. Bei diesen Prozessen kommt es zu typischen Symptomen wie Blähungen, Windabgängen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall.

Die Kapazität des Transportsystems wird durch andere Nahrungsbestandteile beeinflusst – Sorbit etwa erschwert den Transport von Fructose und Traubenzucker (Glukose) unterstützt die Aufnahme von Fructose.

Daher ist die Verträglichkeit von Fructose von Person zu Person unterschiedlich und muss individuell getestet und die Ernährung darauf abgestimmt werden. Sie hängt in erster Linie von der Menge und dem jeweiligen Lebensmittel ab.

Entscheidend für die Verträglichkeit ist nicht die absolute Menge an Fructose sondern das Verhältnis von Fructose zu Glucose (Traubenzucker). Lebensmittel, deren Traubenzuckeranteil gleich hoch oder höher ist als der Fruchtzuckeranteil werden deutlich besser vertragen. Im normalen Haushaltszucker (Saccharose) kommt zum Beispiel Fructose in gleich großer Menge wie Glucose vor.

Fructose ist im Überschuss u.a. in Früchten, Fruchtsäften, Honig, Soft Drinks, Fertig- und "Light"-Produkten und manchen Süßigkeiten enthalten.

Beide Begriffe werden im Allgemeinen synonym verwendet. Allerdings ist zu beachten, dass der Begriff „Fructoseintoleranz“ auch für eine sehr seltene angeborene Genmutation verwendet wird, die schon bei Säuglingen auftritt und sich mit schweren Stoffwechselstörungen bemerkbar macht, sobald Fructose mit der Nahrung zugeführt wird – diese Fructoseintoleranz macht eine strenge Diät erforderlich. Die Fructoseunverträglichkeit, um die es eigentlich in diesem Beitrag geht, kommt sehr viel häufiger bei Jugendlichen und Erwachsenen vor, ist nicht gefährlich und macht sich mit Blähungen, Windabgängen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall bemerkbar.

Der Nachweis erfolgt durch eine Symptommessung nach Zufuhr von Fructose – dies kann zum Beispiel in der Ordination oder der Ambulanz im Rahmen eines Atemtests (siehe unten), oder in Zukunft auch zu Hause mit Hilfe einer App, erfolgen. Die Symptommessung erfolgt mit Hilfe von Skalen für jedes der typischen Symptome. Ein an den Universitäten Graz und Wien entwickelter Fragebogen wird nun in internationalen Richtlinien für die Verwendung für die Symptommessung empfohlen. Die Entwicklung einer App welche die Verwendung dieses Fragebogens über Handys, auch für Selbtmessungen durch PatientInnen, möglichen machen wird steht kurz vor dem Abschluss – mit einer Veröffentlichung der App ist im Sommer 2021 zu rechnen.

Wichtig ist auch festzustellen, ob die Symptome wegen derer der Test durchgeführt wird, auch jene sind, die nach Einnahme der Fructose dokumentiert werden – falls nicht, mag zwar eine Fructoseintoleranz bestehen, die Beschwerden wegen derer die Testung durchgeführt worden ist, sind aber nicht erklärt sein, was weitere Untersuchungen notwendig machen kann.

Ergänzend kann mit einem Wasserstoff-Atemtest (Fructose-H2-Atemtest) die unvollständige Aufnahme von Fructose im Dünndarm nachgewiesen werden (Laktosemalabsorption). Beim Atemtest muss der Betroffene eine Flüssigkeit mit aufgelöstem Fruchtzucker trinken. Wird nun die Fructose im Dünndarm nicht aufgenommen und in der Folge im Dickdarm durch Bakterien abgebaut, entsteht dabei Wasserstoff, der über die Lungen abgeatmet wird. Der Anteil des Wasserstoffs in der Atemluft wird dann elektrochemisch bestimmt. Ein Nachteil dieses Tests ist, dass für diesen Test die Ordination oder eine Ambulanz aufgesucht werden muss, verbunden mit einem Zeitaufwand von mehreren Stunden. Ein Atemtest ohne begleitende Symptommessung ist für die Entscheidung ob Symptome durch die Fruktoseintoerlanz bedingt sind, sowie für die Entscheidung zur Einleitung einer Behandlung nicht relevant.

Fruktose kommt typischerweise in Obst vor, wird aber auch von der Nahrungsmittelindustrie als Süßstoff in der Herstellung verschiedener Speisen oder Getränke verwendet. Meiden sollte man besonders in der Phase der Eliminierungsdiät Obst, Fruchtsäfte und Fertigprodukte. Bessern sich die Symptome trotz fructosearmer Kost nicht, könnte dies auf eine zusätzliche Laktoseintoleranz oder eine Ballaststoffunverträglichkeit, z.B. im Rahmen eines Reizdarmsyndroms, hindeuten.

Es gibt auch die Möglichkeit, ein Nahrungsergänzungsmittel in Form eines Enzyms zuzuführen, welches den Abbau der Fructose im Dünndarm unterstützt.

Wer sensibel auf Fruchtzucker reagiert, sollte Protokoll führen: wann wird was in welchen Mengen gegessen bzw. in welchem Zusammenhang es zu Beschwerden kommt. Es macht auch Sinn, nach der Diätphase schrittweise wieder in kleinen Mengen fructosehaltige Lebensmittel zu essen.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

26. Mai 2021

Erstellt am:

14. Juli 2017

Stand der medizinischen Information:

26. Mai 2021


Quellen:

Ernährungsmedizin, H.K. Biesalski (Hrsg.) et al., Thieme Verlag, 4. Auflage, Stuttgart, 2010

Gesund essen & trotzdem krank: Gluten-, Lactose-, Fructose-, Histamin-Intoleranz, M. Wolzt, S. Feffer-Holik, Verlagshaus der Ärzte, 2. Auflage, Wien, 2013

Fruktosemalabsorption, M. Ledochowski et. al., In: Journal für Ernährungsmedizin 2, 2000, S. 10-14

Pressekonferenz: "Lebensmittelunverträglichkeiten auf dem Vormarsch" am 22.10.2009 in Wien

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