Diabetes (Diabetes mellitus, Zuckerkrankheit)

Mann misst Blutzucker
Blutzuckermessungen gehören für Diabetiker zum Alltag.
© Maya Kruchankova / Shutterstock.com

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch erhöhte Blutzuckerwerte gekennzeichnet ist.

Medizinische Expertise
Susanne Kaser

Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser

Stellvertretende Direktorin der Universitätsklinik für Innere Medizin I Innsbruck, Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft

www.oedg.at

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Inhaltsverzeichnis

Dazu kommt es, wenn die Wirkung des Hormons Insulin eingeschränkt ist (wie meist bei Diabetes Typ 2) oder Insulin nicht produziert werden kann (wie bei Diabetes Typ 1). Eine Behandlung von Diabetes ist unbedingt notwendig, da der dauerhaft erhöhte Blutzucker zu schweren Schädigungen an Gefäßen und Organen führen kann. Je nach Diabetes-Typ und Schwere der Erkrankung, kommen verschiedene Therapiemöglichkeiten zum Einsatz.

  • Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Blutzuckerwerte erhöht sind.
  • Eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des Diabetes spielt das Hormon Insulin.
  • Es gibt verschiedene Diabetesarten, am häufigsten sind Diabetes mellitus Typ 2 (90 %) und Typ-1-Diabetes (5 %).
  • Auch wenn ein erhöhter Blutzucker – wie er bei Typ-2-Diabetes auftritt – über längere Zeit keine Beschwerden macht, kann es zu irreversiblen Schäden an verschiedenen Organen kommen.
  • Starkes Durstgefühl, häufiger Harndrang und Müdigkeit können Zeichen von stark erhöhten Blutzuckerwerten sein und müssen sofort abgeklärt werden.
  • Für die Behandlung von Diabetes stehen je nach Typ und Krankheitsverlauf verschiedene Therapieoptionen zur Auswahl.
Art Stoffwechselerkrankung
Ursache Insulinmangel (Typ-1-Diabetes) oder mangelnde Insulinwirkung
Übertragung nicht ansteckend
Symptome bei schwerer Blutzuckerentgleisung: Durstgefühl, Harndrang, Gewichtsverlust, Leistungsknick, Sehprobleme
Behandlung Insulintherapie bei Typ-1-Diabetes; Lebensstilmaßnahmen, verschiedene Antidiabetika inklusive Insulin bei Typ-2-Diabetes

Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkrankung, die durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Diabetes zählt zu den am weitesten verbreiteten Erkrankungen. In Österreich leiden bis zu 800.00 Menschen an Diabetes, immer häufiger auch jüngere Menschen. Die häufigste Form ist Diabetes Typ 2.

Video: Alles was man über Diabetes wissen sollte

Univ.-Prof. Dr. Susanne Kaser (Stv. Direktorin, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Innsbruck) erklärt, worauf Diabetiker besonders achten sollten und warum die Krankheit immer noch unterschätzt wird. (Webinar, 14.4.2021)

Eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des Diabetes mellitus spielt Insulin. Das Hormon wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet. Es hat die Aufgabe, den Zucker, der durch den Abbau von Nahrung entsteht, aus der Blutbahn in die Zellen zu transportieren. Wird der Blutzuckerspiegel aufgrund eines Insulinmangels oder fehlender Wirkung nicht mehr ausreichend reguliert, kann die Funktion von Gefäßen und Organen stark beeinträchtigt werden. Dies kann im Verlauf der Erkrankung unter anderem zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen oder Erblindung führen.

Es gibt verschiedene Diabetesarten, am häufigsten sind Typ 1 und Typ 2 Diabetes. Die Klassifikation von Diabetes erfolgt in vier Typen:

Diabetes Typ 1 (ca. 5 % der Erkrankten)

Durch eine Autoimmunreaktion werden die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, der Körper kann kein Insulin mehr herstellen – es kommt zu einem Insulinmangel. Menschen mit Diabetes Typ 1 sind auf eine Insulintherapie angewiesen, diese kann durch mehrfach tägliche Spritzen oder in Form einer Insulinpumpe verabreicht werden. Sehr häufig tritt diese Diabetesform im Kindes- oder Jugendalter auf, sie kann aber selten auch im Erwachsenenalter vorkommen.

Diabetes Typ 2 (ca. 90 % der Erkrankten)

Diabetes Typ 2 ist die häufigste Form der Zuckerkrankheit. Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes liegt bei Typ-2-Diabetes zu Beginn ein Überangebot von Insulin vor, es ist aber in seiner Wirkung eingeschränkt (Insulinresistenz). Die Bauchspeicheldrüse muss immer mehr Insulin produzieren, um den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu schleusen – bis sich die Zellen in der Bauchspeicheldrüse schließlich erschöpfen. Der Blutzuckerspiegel im Blut bleibt hoch, die Organe können geschädigt werden.

Zudem liegen häufig andere Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen vor, die sich ebenfalls schädlich auf Gefäße auswirken können. Für Typ-2-Diabetes besteht eine starke erbliche Veranlagung. Übergewicht, ungesunde Ernährung, Nikotin und mangelnde Bewegung erhöhen das Erkrankungsrisiko. Die gute Nachricht: Eine Umstellung der Ernährung auf mediterrane Kost, körperliche Bewegung, Gewichtsabnahme bei Übergewicht und Nikotinkarenz (Rauchstopp) können das Diabetesrisiko deutlich reduzieren.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes an. Außerdem steigt die Gefährdung bei:

  • einer positiven Familienanamnese (Eltern, Geschwister sind betroffen)
  • Übergewicht oder Adipositas
  • Bluthochdruck
  • früherem Vorliegen eines Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
  • Fettlebererkrankung
  • polyzystischem Ovarsyndrom
  • Bewegungsmangel
  • Nikotinkonsum

Unterschiede zwischen Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2

  Diabetes Typ 1 Diabetes Typ 2
Erstauftreten (Manifestation) meist im Kindes- und Jugendalter meist im Erwachsenenalter
Häufigkeit selten häufig
Ursache Autoimmunreaktion: körpereigene Zellen greifen die insulinproduzierenden Betazellen an und zerstören sie erbliche Veranlagung zu Insulinresistenz und gestörter Insulinausschüttung; Risikofaktoren für Ausbruch der Erkrankung: Übergewicht, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel
Symptome häufig seltener
Familiäre Häufung gering hoch
Körpergewicht meist normalgewichtig häufig übergewichtig
Insulintherapie sofort erforderlich meist erst bei langer Diabetesdauer notwendig
Prävention (Vorbeugung) nicht möglich körperliche Bewegung, mediterrane Ernährung, Verzicht auf Zigaretten, Normalgewicht

Diabetes in der Schwangerschaft (Gestationsdiabetes)

In der Schwangerschaft kommt es zu einer Verschlechterung der Empfindlichkeit gegenüber Insulin, bei erblicher Veranlagung oder anderen Risikofaktoren kann es dadurch zu erhöhten Blutzuckerwerten kommen. Diese können sich schädlich auf den Fetus auswirken und zu Geburtskomplikationen führen. Aus diesem Grund ist für alle Schwangeren im Rahmen der Mutter-Kind-Untersuchungen ein Zuckerbelastungstest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche vorgesehen, in manchen Fällen auch schon zu einem früheren Zeitpunkt. Bei den meisten Patientinnen mit Gestationsdiabetes normalisieren eine Ernährungsumstellung und Bewegung die Blutzuckerwerte, bei etwa einem Drittel ist vorübergehend eine Insulintherapie erforderlich.

Mehr lesen » Schwangerschaftsdiabetes

Sonderformen von Diabetes

Die Ursachen der Diabetes-Sonderformen sind vielfältig. Sie reichen von genetischen Erkrankungen über hormonelle Störungen bis hin zu Infektionen. Auch die Einnahme von bestimmten Medikamenten (z.B. Glukokortikoide) können die Blutzuckerwerte erhöhen.

Lange Zeit verursacht der ständig erhöhte Blutzucker keine Beschwerden, allerdings greift er Gefäße, Nerven, Augenhintergrund, Nieren, Leber und Herz an. Bei-Typ-1-Diabetes kann es aufgrund des raschen und deutlichen Anstiegs des Blutzuckers bei Krankheitsbeginn zu deutlichen Symptomen wie starker Harndrang, Durst, Gewichtsverlust oder Gedeihstörungen bei Kindern kommen.

Folgende Symptome können bei stark erhöhtem Blutzucker auftreten:

  • ständiges Durstgefühl
  • häufiger Harndrang (auch nachts)
  • Gewichtsverlust
  • Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten
  • Mundtrockenheit
  • nächtliche Wadenkrämpfe
  • Gedeihstörungen bei Kindern

Bei Typ-1-Diabetes entwickeln sich die Symptome rascher – meist innerhalb von einigen Tagen bis Wochen. Typ-2-Diabetes entwickelt sich über einen wesentlich längeren Zeitraum – oft vergehen mehrere Jahre bis Krankheitsanzeichen auftreten. Bei Schwangerschaftsdiabetes treten meist keine Symptome auf, er wird mithilfe eines Zuckerbelastungstests (Glukosetoleranztest) diagnostiziert.

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen Gewebe und Organe. Diabetes kann zu Gefäß-, Herz-, Nieren-, Augen, Leber- und Nervenerkrankungen führen. Auch das Infektionsrisiko kann erhöht sein. Mögliche Beschwerden und Erkrankungen, die in Zusammenhang mit Diabetes auftreten können, sind:

Bei Verdacht auf Diabetes ist ein Besuch beim Hausarzt oder einem Facharzt für Innere Medizin ratsam. Nach einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung ist für die Diagnose die Messung des Blutzuckers wichtig. Für eine gesicherte Diagnose und um das Stadium der Erkrankung festzustellen, sind oft mehrere Untersuchungen nötig. Folgende Testverfahren stehen zur Verfügung:

  • Bestimmung der Gelegenheitsglukose (Nicht-Nüchternglukose): Wird im Rahmen einer anderen Untersuchung ein erhöhter Blutzuckerspiegel festgestellt, gilt dabei: Liegt der Blutzuckerspiegel unabhängig vom Tageszeitpunkt und der letzten Nahrungsaufnahme bei über 200 mg/dl, besteht der Verdacht auf Diabetes. Weitere Untersuchungen sind nötig.
  • Messung des Nüchternblutzuckers: Dazu wird in nüchternem Zustand Blut aus der Vene entnommen, der Blutzucker wird im Blutplasma gemessen. Dabei sollte der ermittelte Wert unter 100 mg/dl liegen. Diabetes liegt vor, wenn der Nüchternblutzucker (mehrmals gemessen) über 126 mg/dl liegt. Bei Werten zwischen 100 und 126 mg/dl spricht man von Prädiabetes, einer Vorstufe des Typ-2-Diabetes.
  • Bestimmung des HbA1c-Wertes: Dieser Wert gibt die durchschnittliche Zuckerkonzentration im Blut der letzten Wochen an. Der HbA1c-Wert eignet sich auch zur Therapiekontrolle.
  • Oraler Glukosetoleranztest (oGTT): Dabei wird eine zuckerhaltige Lösung getrunken und zwei Stunden später der Blutzucker bestimmt. Diabetes liegt bei einem Wert von mehr als 200 mg/dl vor.

Was bedeuten die Bluttest-Ergebnisse?

  Normal Diabetes-Vorstufe Diabetes
Blutzucker nüchtern (mg/dl) ≤ 99 100 – 125 ≥ 126
HbA1c (%) ≤ 5.6 5.7 – 6.4 ≥ 6.5
Blutzucker (mg/dl), zwei Stunden nach Zuckerbelastungstest ≤ 139 140 – 199 ≥ 200

Diabetes-Vorstufe (Prädiabetes)

Prädiabetes ist eine Vorstufe von Diabetes, die jährlich bei 5 – 10 % der Betroffenen in einen Typ-2-Diabetes übergeht. Die Blutzuckerwerte liegen bei der Diabetes-Vorstufe zwar noch unter dem kritischen Diagnosewert, aber über dem Normalwert. Es kann bereits zu organischen Veränderungen wie erektiler Dysfunktion, Nerven- oder Nierenschädigungen, beginnender Sehschwäche kommen und auch das Risiko für Herzerkrankungen steigt. Eine Veränderung des Lebensstils – vor allem Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung – können langfristig verhindern, dass aus einem Prädiabetes ein Typ-2-Diabetes entsteht. Häufig bestehen bei Menschen mit Prädiabetes auch andere Erkrankungen wie Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette, die konsequent behandelt werden müssen.

Ziel der Behandlung ist die Senkung des erhöhten Blutzuckers. Die genauen Zielwerte werden gemeinsam mit dem behandelnden Arzt unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren (wie Alter, Begleiterkrankungen, Diabetesform) festgelegt. Regelmäßige Selbstmessungen und ärztliche Kontrollen sind notwendig, damit der Blutzucker genau eingestellt und eine Über- und Unterzuckerung (Hyper- und Hypoglykämie) vermieden werden kann.

Behandlung Diabetes Typ 1

Typ-1-Diabetiker müssen sofort nach der Diagnosestellung mit einer Insulintherapie beginnen.

Behandlung Diabetes Typ 2

Die Therapie fußt auf mehreren Säulen:

  • Ernährungsumstellung
  • Lebensstilmaßnahmen (z. B. mehr Bewegung, Rauchstopp)
  • Medikamente (z. B. Antidiabetika als Tabletten oder Injektionen)
  • Behandlung von Begleiterkrankungen
  • regelmäßige Kontrollen beim Arzt
  • regelmäßige Medikamenteneinnahme
  • Selbstkontrolle des Blutzuckerspiegels, des Blutdrucks und des Gewichts
  • bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion anstreben
  • auf ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung achten
  • nicht rauchen
  • Durchführung der empfohlenen Screeninguntersuchungen und Impfungen
  • Teilnahme an strukturierten Schulungen und Behandlungsprogrammen (z. B. das Disease Management Programm "Therapie aktiv")
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