Schlaganfall (Stroke, Insult, Hirnschlag, Apoplexie)

Ältere Frau hält sich den Kopf, Darstellung des Gehirns mit leuchtendem Schlaganfallbereich
Besonders bei Frauen sind die Anzeichen eines Schlaganfalls nicht immer leicht zu erkennen.
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Bei einem Schlaganfall kommt es zu einem plötzlichen Funktionsausfall eines Gehirnareals. Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen und Schwindel sind mögliche Folgen.

Medizinische Expertise

Philipp Werner

Prim. Dr. Philipp Werner

Facharzt für Neurologie
Carinagasse 47, 6800 Feldkirch
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Inhaltsverzeichnis

Ärzt:innen unterscheiden zwischen einem "unblutigen" (ischämischen) und "blutigen" (hämorrhagischen) Schlaganfall. Im ersten Fall kommt es zu einem Verschluss einer oder mehrerer Hirnarterien, im zweiten Fall zu einer Blutung durch ein geplatztes Gefäß. Ein Schlaganfall ist eine absolute Notfallsituation und muss schnellstmöglich behandelt werden – im Idealfall innerhalb von 4,5 Stunden. Dadurch lassen sich schwere Folgeschäden wie z.B. Lähmungen der Gliedmaßen, Sprachstörungen, Gedächtnisstörungen gering halten oder sogar verhindern.

Zusammenfassung

  • Schlaganfall ist nach Herzinfarkt und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Österreich.
  • Die Symptome reichen von Sehverlust über Unvermögen, Worte zu formulieren, bis zu Kraftverlust oder Taubheit in einem Arm oder Bein, hängendem Mundwinkel und Schwankschwindel mit Gangunsicherheit.
  • Es wird unterschieden zwischen einem "unblutigen" (ischämischen) und "blutigen" (hämorrhagischen) Schlaganfall.
  • Ein Schlaganfall ist eine Notfallsituation und muss schnellstmöglich behandelt werden – im Idealfall innerhalb von 4,5 Stunden.
  • Ein gesunder Lebensstil sowie das frühzeitige Erkennen und Behandeln der Risikofaktoren können vor einem Schlaganfall schützen.

Schlaganfall im Überblick

Art Funktionsausfall eines Gehirnareals
Ursache plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn oder Hirnblutung
Symptome Sehstörungen (Gesichtsfeldausfall), Sprach- und Sprechstörungen, Lähmungen oder Taubheit im Arm oder Bein, hängender Mundwinkel, plötzlicher starker Kopfschmerz
Diagnose Neurologische Untersuchung, CT, MRT, Duplexsonografie, Angiographie
Behandlung Behandlung in einer Stroke Unit, Thrombolyse, Entfernung/Absaugung des gefäßverschließenden Gerinnsels, Operation, Weiterbehandlung mittels medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapien, Prophylaxe, gesunder Lebensstil

FAQ (Häufige Fragen)

Welche Anzeichen deuten auf einen Schlaganfall?
  • Schwäche bzw. Lähmung im Gesicht, Arm, Bein oder in einer ganzen Körperhälfte
  • Taubheitsgefühl im Gesicht, Arm, Bein oder in einer ganzen Körperhälfte
  • Störung des Sehvermögens
  • Schwindel, Unsicherheit beim Gehen, Verlust von Gleichgewicht oder Koordination
  • Plötzlicher, starker ungewöhnlicher Kopfschmerz
  • Sprachstörungen & Sprechstörungen
Was passiert bei einem Schlaganfall?
  • Ursache für einen ischämischen Schlaganfall ist der Verschluss einer Hirnarterie. Zumeist handelt es sich hier um einen akuten Verschluss auf Basis von arteriosklerotischen Verengungen oder durch ein verschlepptes Blutgerinnsel irgendwo aus dem Bereich der Halsschlagadern oder dem Herzen. Die Folgen: Das betroffene Gehirnareal wird nicht mehr richtig durchblutet, die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen ist unzureichend, Nervenzellen sterben ab. Dies führt zu entsprechenden Funktionsausfällen am Körper.
  • Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall führt ein geplatztes Gefäß durch das austretende Blut zur Zerstörung von Gehirngewebe. Dies geschieht z.B. durch extrem hohen Blutdruck oder durch "Platzen" einer angeborenen/erworbenen Gefäßerweiterung im Gehirn ("Aneurysma"), die dem Blutdruck nicht mehr standhält.
Kann man nach einem Schlaganfall wieder ganz gesund werden?

Je früher die Patient:in in einer sogenannten Stroke Unit  (Schlaganfall-Überwachungsstation) versorgt wird – am besten innerhalb von 4,5 Stunden ab Beginn der Beschwerden – desto geringer die Komplikationen und desto höher die Chance, dass sich alle Symptome wieder zurückbilden.

Schlaganfall (Stroke) ist nach Herzinfarkt und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Österreich und die häufigste Ursache für eine Langzeitbehinderung. Jährlich erleiden rund 23.000 Personen einen Schlaganfall – vor allem Menschen im höheren Lebensalter sind häufig betroffen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.

Während der ischämische Schlaganfall geschätzt über 80 % aller Fälle ausmacht, sind Hirnblutungen deutlich seltener.

Video: Schlaganfall: Ein Notfall! Was passiert? Was kann ich tun?

Prim. Priv.-Doz. Dr. Tim J. von Oertzen, FRCP, FEAN (Vorstand der Klinik für Neurologie 1 am Neuromed Campus, Kepler Universitätsklinikum in Linz) erklärt, was ein Schlaganfall ist, wie man ihn erkennt und was man im Notfall tun kann. Er klärt darüber auf, was die Aufgaben einer Stroke Unit sind und wie die Reha nach einem Schlaganfall aussieht.

Die Früherkennung und Behandlung bzw. Vermeidung folgender Faktoren kann das Risiko eines Schlaganfalls deutlich verringern:

Ungefähr die Hälfte aller Schlaganfälle wird durch hohen Blutdruck in Verbindung mit arteriosklerotischen Gefäßablagerungen ("Gefäßverkalkungen") verursacht. Etwa ein Viertel aller Schlaganfälle in Österreich ist auf Vorhofflimmern zurückzuführen.

Ein Schlaganfall wird durch

  • einen Hirninfarkt (plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn)
  • oder eine Hirnblutung ausgelöst.
Hirninfarkt ("unblutiger" / ischämischer Schlaganfall) Ursache ist der Verschluss einer Hirnarterie. Zumeist handelt es sich hier um einen akuten Verschluss auf Basis von arteriosklerotischen Verengungen oder durch ein verschlepptes Blutgerinnsel irgendwo aus dem Bereich der Halsschlagadern oder dem Herzen. Die Folgen: Das betroffene Gehirnareal wird nicht mehr richtig durchblutet, die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen ist unzureichend, Nervenzellen sterben ab. Dies führt zu entsprechenden Funktionsausfällen am Körper.
Hirnblutung ("blutiger" / hämorrhagischer Schlaganfall) Bei der Hirnblutung führt ein geplatztes Gefäß durch das austretende Blut zur Zerstörung von Gehirngewebe. Dies geschieht z.B. durch extrem hohen Blutdruck oder durch "Platzen" einer angeborenen/erworbenen Gefäßerweiterung im Gehirn ("Aneurysma"), die dem Blutdruck nicht mehr standhält.

Dauert ein Schlaganfall weniger als 24 Stunden, spricht man von der sogenannten Transitorischen Ischämischen Attacke (TIA), früher umgangssprachlich "Schlagerl". Es kommt dabei zu einer kurzfristigen Durchblutungsstörung des Gehirns mit Ausfallserscheinungen, die im Schnitt bis zu 10 Minuten lang andauern.

Zu den Warnsignalen zählen:

  • Schwäche bzw. Lähmung im Gesicht, Arm, Bein oder in einer ganzen Körperhälfte: Sie äußert sich in Form eines hängenden Mundwinkels, weiters können Gegenstände aus der kraftlosen Hand fallen, auch kraftloses Einknicken beim Gehen ist typisch.
  • Kraftverlust und Taubheitsgefühl im Gesicht, Arm, Bein oder in einer ganzen Körperhälfte: Auf einer Körperseite kommt es zu einem tauben Gefühl, auch hier werden meist zwei oder drei Körperregionen miteinbezogen. Arm und Bein fühlen sich taub an, wie nach einer Injektion bei einer Zahnbehandlung. Man ist nicht in der Lage, Gegenstände zu fassen. Beim Versuch zu trinken, kann Flüssigkeit aus dem Mundwinkel rinnen.
  • Störung des Sehvermögens: Sollte eine verengte Halsschlagader vorliegen, kann es zu einem zumeist vorübergehenden, kompletten Sehverlust auf nur einem (!) Auge der betroffenen Seite kommen. Das betroffene Auge sieht nur verschwommen oder "schwarz". Hierbei handelt es sich um einen typischen Schlaganfall-Vorboten. Ist ein Gefäß im Sehzentrum des Gehirns betroffen, führen die Durchblutungsstörungen zu einer halbseitigen Störung des Gesichtsfeldes (auf beiden Augen ist das jeweils halbe Gesichtsfeld eingeschränkt). Dabei stößt die Person z.B. beim Gehen in einem Raum immer wieder auf Hindernisse (Türstöcke), weil sie sie nicht sieht. Beim Fernsehen ist plötzlich eine Hälfte des Bildes verschwunden. Aber auch plötzlich aufgetretene Doppelbilder können gelegentlich Ausdruck eines Schlaganfalls sein.
  • Schwindel, Unsicherheit beim Gehen, Verlust von Gleichgewicht oder Koordination: Gleichgewichtsstörungen durch Lähmungen im Bein führen oft zu plötzlichen Stürzen. Betroffene verspüren einen Schwankschwindel, klagen teils über Übelkeit und müssen gelegentlich erbrechen.
  • Plötzlicher, starker ungewöhnlicher Kopfschmerz: Tritt meist nur dann auf, wenn eine Gehirnblutung eingesetzt hat. Der Kopfschmerz ist einschießend, "stark wie noch nie".
  • Sprach- und Sprechstörungen: Wörter und Sätze können oft nicht richtig gebildet und ausgesprochen werden. Das Sprachverständnis kann gestört sein, sodass die Patient:innen Gesprächspartner:innen nicht mehr verstehen und Aufforderungen nicht mehr befolgen. Das Sprechen ist verwaschen und undeutlich. Patient:innen erwecken nicht selten den Eindruck, als ob sie betrunken wären.

Selbst wenn die Beschwerden binnen Minuten wieder aufhören, ist diese Situation ein Notfall. Die Betroffenen müssen ehestmöglich in ärztliche Behandlung! Denn Menschen mit kurzdauernden neurologischen Symptomen haben ein hohes Risiko, innerhalb weniger Wochen einen schweren Schlaganfall zu erleiden. Etwa jeder dritte Schlaganfall kündigt sich durch solch eine flüchtige Mangeldurchblutung an.

In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass sich die Symptome eines Schlaganfalls bei Frauen und Männern unterscheiden. So treten bei Frauen häufiger folgende Beschwerden auf:

  • Blickabweichung (unwillkürliche Bewegung der Augen zur Seite)
  • Neglect (eine Hälfte des Körpers wird nicht wahrgenommen)
  • Konzentrationsprobleme, Desorientierung, Bewusstseinsstörungen

Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen sind bei beiden Geschlechtern ähnlich häufig.

Insbesondere bei Frauen sind die Anzeichen nicht immer leicht zu erkennen, da oft zusätzliche Beschwerden auftreten (wie z.B. Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit, kurzzeitige Bewusstlosigkeit), die die typischen Symptome verbergen. Auch bei Migräne-Patient:innen, die im Rahmen ihrer Kopfschmerzattacken eine sog. Migräne-Aura haben, kann es passieren, dass man zuerst von einer Migräneattacke ausgeht, obwohl womöglich ein Schlaganfall dahintersteckt.

Ein Grund, warum sich die Symptome zwischen Frauen und Männern unterscheiden, könnte auf ein Herzleiden zurückzuführen sein. So wurde in einer Studie darauf hingewiesen, dass bei Frauen Schlaganfälle häufiger durch Blutgerinnsel aus dem Herzen verursacht werden.

Im Rahmen einer neurologischen Untersuchung kann festgestellt werden, ob körperliche Ausfälle bestehen.

Mit Hilfe einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) lässt sich feststellen, ob ein ischämischer Insult oder eine Gehirnblutung vorliegt. Die großen hirnversorgenden Gefäße lassen sich mit Hilfe einer Doppler- bzw. Duplexsonografie untersuchen. Damit können die Stadien der Verengung der Halsschlagadern festgestellt werden.

Eine Röntgenkontrastuntersuchung (Angiographie) kommen bei Verdacht auf eine Aneurysmablutung und im Rahmen von notfallmäßigen Hirnkatheterbehandlungen zum Einsatz. Ein Katheter wird von der Leiste bis in die Halsschlagader vorgeschoben und ein Kontrastmittel eingespritzt. Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen können Gefäßmissbildungen geortet werden. Mittels spezieller (Hirn-)Katheter können beim akuten ischämischen Schlaganfall Blutgerinnsel aus dem verstopften Hirngefäß mechanisch entfernt werden ("Thrombektomie"), um die Durchblutung wieder in Gang zu bringen.

Liegt der Verdacht eines Schlaganfalls nahe, lässt sich das einfach überprüfen – mithilfe des FAST-Tests:

  • Face (Gesicht): Die/Der Betroffene soll versuchen zu lächeln. Wenn dabei ein Mundwinkel nach unten hängt, ist das ein Indiz für eine Halbseitenlähmung.
  • Arms (Arme): Die/Der Betroffene soll versuchen, beide Arme nach vorne zu strecken und die Handflächen dabei nach oben zu drehen. Können nicht beide Arme gehoben werden, sinkt ein Arm oder dreht sich, liegt eine Lähmung vor.
  • Speech (Sprache): Ist die/der Betroffene nicht dazu in der Lage, einen einfachen Satz nachzusprechen oder klingt die Stimme verwaschen ("lallend"), deutet das auf eine Sprach- bzw. Sprechstörung. 
  • Time (Zeit): Schnelles Handeln ist gefragt. Treten die genannten Beschwerden auf, sofort die Rettung rufen (144).

Hilfreich ist auch eine Notiz, wann die Symptome eingesetzt haben. Beengende Kleidungsstücke öffnen, den Betroffenen in eine angenehme Position bringen. Bei Übelkeit und Erbrechen die Person in Seitenlage (auf die gelähmte Seite) bringen, die Atemwege freihalten. Atmung und Herzschlag kontrollieren.

Stroke Units

In Österreich gibt es flächendeckend in Spitälern Schlaganfall-Überwachungsstationen, sogenannte Stroke Units, die innerhalb von maximal 45 Minuten erreichbar sein sollten. Dort steht ein spezielles Ärzt:innen- und Therapeut:innenteam zur Verfügung, das viel dazu beiträgt, körperliche Schäden und den Grad einer möglichen Behinderung möglichst gering zu halten. Im Schnitt werden mit dem Auftreten eines Gefäßverschlusses 1,9 Millionen Nervenzellen pro Minute beschädigt, weshalb Zeit eine wesentliche Rolle spielt: Je früher Patient:innen in einer Stroke Unit versorgt werden, desto geringer die Komplikationen und desto höher die Chance, dass sich alle Symptome wieder zurückbilden.

Thrombolyse: Bei einem akuten Schlaganfall besteht die Möglichkeit, nach der neurologischen Untersuchung, dem EKG, der Blutabnahme und nach der Erstellung einer CT bzw. MR eine wichtige Form der Akuttherapie, die Thrombolyse durchzuführen. Dabei wird durch Gabe eines bestimmten Medikaments das Blutgerinnsel, welches ein Hirngefäß verstopft, aufgelöst und das Gefäß wiedereröffnet. Diese Therapie ist allerdings nur innerhalb der ersten 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome möglich. Allerdings, je früher mit der Thrombolyse begonnen wird, desto größer ist der Erfolg. Somit spielt der Zeitfaktor eine sehr große Rolle – nach dem Motto "Time is brain!"

Thrombektomie: Hierbei werden spezielle Kathetersystemverfahren (zerebrale Thrombektomie) eingesetzt, die bei schweren Schlaganfällen eine rasche Entfernung/Absaugung des gefäßverschließenden Gerinnsels (Thrombus) ermöglichen. 

Gehirnoperation: Bei einer Gehirnblutung ist manchmal eine Operation nötig. 

Weiterer Therapieablauf

Die Aufenthaltsdauer an einer Stroke Unit beträgt im Schnitt 3,5 Tage. Danach erfolgt die Weiterbehandlung in der Regel an einer neurologischen Normalstation zwecks Fortführung der medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien. Eine Verengung der Halsschlagader wird dann operiert, wenn das Ausmaß über 70% beträgt (aber noch kein Verschluss besteht) und die durch die Engstelle verursachten Symptome nicht länger als 6 Monate her sind.

Die Folgen eines Schlaganfalls - besonders wenn er zu spät behandelt wurde – lassen sich mit gezielter Therapie nur langsam verbessern. Je früher das Training startet, desto besser. An den Schlaganfall angrenzende, noch gut funktionierende Areale des Gehirns können Aufgaben des nicht mehr ausreichend funktionierenden Gehirnareals übernehmen. Das erfordert viel Training und Geduld. 

Zum Einsatz kommt dabei: 


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ICD-Codes:

  • I60
  • I61
  • I62
  • I63
  • I64
  • I65
  • I66
  • I67
  • I68
  • I69

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