Die Pille (Antibabypille, Mikropille, Minipille)

Mikropille Minipille oder Anti-Baby-Pille Verhütung
Die Pille schützt bei korrekter Einnahme zuverlässig vor einer Schwangerschaft.
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Bei der Pille handelt es sich um eine hormonelle Verhütungsmethode. Bei korrekter Anwendung verhindert sie mit hoher Sicherheit eine Schwangerschaft.

Medizinische Expertise

Andrea Kottmel

Dr.in Andrea Kottmel

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
Guglgasse 12/3/383, 1110 Wien
www.sexualmedizin-wien.at
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Die meisten Pillenpräparate enthalten eine Kombination aus einem Östrogen (z. B. Ethinylestradiol, Estradiolvalerat, Estetrol) und einem Gestagen. Da sie auf mehreren Ebenen eine Schwangerschaft verhindern, ist ihr Pearl-Index sehr gering bzw. die Verhütungssicherheit groß. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem ein erhöhtes Thromboserisiko und Gewichtszunahme. In Österreich erhältlich ist die Antibabypille mit einem von einer Gynäkolog:in ausgestellten Rezept.

  • Die Pille ist ein hormonelles Verhütungsmittel, das unter anderem den Eisprung verhindert.
  • Man unterscheidet zwischen Kombinationspräparaten, die Östrogen und Gestagen enthalten, und der auch Minipille genannten Gestagenpille, die kein Östrogen enthält.
  • Die Antibabypille kann sich positiv auf Haut- und PMS-Beschwerden auswirken.
  • Mögliche unerwünschte Nebenwirkungen sind Zwischenblutungen und ein erhöhtes Thromboserisiko.
  • Die Pille ist gegen ein Rezept in der Apotheke erhältlich, ein gesetzliches Mindestalter gibt es nicht.
Art hormonelle Verhütungsmethode
Wirkstoffe Gestagen, je nach Präparat auch Östrogen
Pearl-Index 0,1 – 0,9
mögliche Nebenwirkungen Gewichtszunahme, erhöhtes Thrombose-Risiko, Entzugsblutungen
Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten nein

Die bei der Pille verwendeten Gestagene werden je nach dem Datum der Markteinführung in vier Generationen unterteilt:

  • 1. Generation: Lynestrenol, Norethisteron
  • 2. Generation: Levonorgestrel, Norgestrel
  • 3. Generation: Desogestrel, Gestoden, Norgestimat
  • 4. Generation: Chlormadinon, Dienogest, Drospirenon, Nomegestrol

Die Gestagene der neueren Generationen stellen nicht automatisch eine Verbesserung gegenüber den älteren Wirkstoffen dar. So zeigen Studien etwa bei den Generationen 3 und 4 ein vergleichsweise höheres Thrombose-Risiko. Auf der anderen Seite stehen aber insbesondere die Gestagene der 4. Generation im Verdacht, das Hautbild der Einnehmenden positiv zu beeinflussen. Welches Gestagen und in weiterer Folge welches Präparat für die jeweilige Situation sinnvoll ist, sollten Interessierte mit der behandelnden Gynäkolog:in besprechen.

Die klassische Differenzierung basiert auf der Verwendung von oder dem Verzicht auf Östrogen:

  • Kombinationspräparate: sie enthalten Gestagen und Östrogen
  • Gestagenpillen (Minipillen): reine Gestagenpillen, sie enthalten kein Östrogen

Kombinationspräparate

Kombinierte Pillen enthalten Östrogen und Gestagen in unterschiedlicher Zusammensetzung. Bei einem geringen Östrogen-Anteil sprach man früher von Mikropillen. Dieser Ausdruck hat sich mittlerweile aber überholt.

Gestagenpille (Minipille)

Die Gestagenpille – früher auch Minipille genannt – enthält ausschließlich Gestagen und ist besonders für jene geeignet, die das Hormon Östrogen nicht vertragen oder zu Risikogruppen von Thrombosen oder Herzkreislauferkrankungen zählen. Auch für Migräne-Patient:innen ist es oft das geeignetere Präparat.

Das enthaltene Gestagen bewirkt eine Veränderung der Schleimhaut der Gebärmutter und des Gebärmutterschleimpfropfens und hemmt die Ovulation. Die Gestagenpille wird ohne Pausen eingenommen, dabei bleibt die Monatsblutung für gewöhnlich aus. Vor allem in der Startphase sind Schmierblutungen eine häufige Nebenwirkung. Es gibt heute aber auch Gestagenpillen mit einem 24+4-Schema. Hierbei werden jeweils nach 24 "regulären" Tabletten vier Placebotabletten eingenommen, die eine Wirkstoffpause für eine Abbruchblutung ermöglichen.

Die Antibabypille wirkt an drei Stellen, um eine Schwangerschaft zu verhindern:

  • Eierstock: Durch die enthaltenen Konzentrationen an Östrogen und Gestagen unterdrückt die Pille, wie bei einer Schwangerschaft, die Eireifung im Eierstock und verhindert den Eisprung.
  • Gebärmutterhalsschleim: Die Hormone der Pille beeinflussen den Gebärmutterhalsschleim, der dann während des gesamten Zyklus den Muttermund verschließt, sodass beim Geschlechtsverkehr keine Spermien in die Gebärmutter gelangen.
  • Gebärmutterschleimhaut: Unter dem Einfluss der Pillenhormone wird die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) nicht so stark aufgebaut. Sollte also doch einmal der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ein Eisprung stattfindet und Spermien den Gebärmutterhals passieren, könnte sich eine befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter einnisten.

Wer vergisst, die Pille einzunehmen, kann sie innerhalb einer bestimmten Zeit noch nachnehmen. Wie groß dieses Zeitfenster ist, um einen sicheren Empfängnisschutz zu gewähren, verrät der Beipacktext. Wird das angegebene Zeitfenster überschritten, ist die Sicherheit der Empfängnisverhütung nicht mehr gegeben. Dann sollte man zu zusätzlichen Verhütungsmitteln greifen, insbesondere das Kondom bietet sich hierbei an.

Achtung: Auch bei Erbrechen direkt nach der Pilleneinnahme und während der Einnahme von bestimmten anderen Medikamenten (z. B. Antibiotika) ist die Sicherheit eventuell reduziert. Fragen Sie in solchen Sonderfällen immer bei der verschreibenden Ärzt:in nach!

Die Hormone der Pille beeinflussen Körperprozesse unterschiedlich, bei manchen bringen sie folgende Vorteile:

  • reinere Haut: Hautunreinheiten, Akne, fettige Haut und Haarausfall werden oft gemildert, da durch die Pille die Konzentration der männlichen Hormone gemindert wird
  • geringere Blutungen: die Blutungsstärke und damit einhergehende Beschwerden wie z. B. Unterbauchkrämpfe während der Periode nehmen ab
  • prämenstruelles Syndrom wird abgeschwächt: Beschwerden vor Einsetzen der Regelblutung (prämenstruelles Syndrom, PMS) werden deutlich schwächer
  • Fruchtbarkeit: die Pille beeinflusst die Fruchtbarkeit nicht

Mögliche Symptome, die auftreten können, sind unter anderem:

  • Zwischenblutungen
  • Übelkeit
  • Brustspannen
  • Stimmungsschwankungen
  • Unwohlsein
  • Libidoverlust
  • Gewichtszunahme
  • erhöhtes Thromboserisiko (nur bei Kombinationspräparaten)

Viele Beschwerden legen sich nach einigen Monaten von selbst, manchmal bringt auch der Umstieg auf ein anderes Präparat Verbesserung. Bei vielen treten derartige Symptome aber auch von Beginn an gar nicht auf.

Pille und Gewichtszunahme

Bei einigen Frauen können die Östrogene der Pille dazu führen, dass Wasser ins Körpergewebe eingelagert wird, dadurch kann auch eine leichte Gewichtszunahme erfolgen oder die Beine können bei langem Stehen anschwellen. Es gibt aber auch Pillen-Präparate, die Wassereinlagerungen entgegenwirken. Insgesamt zeigen Studien in diesem Bereich kein eindeutiges Ergebnis. So wird auch von Fällen berichtet, in der die Pille eine Gewichtsreduktion gefördert hat.

Pille und Thromboserisiko

Zu den schwerwiegendsten Komplikationen, die bei der Einnahme der Pille auftreten können, zählen Thrombosen. Gefährdet sind vor allem Personen, die rauchen, starkes Übergewicht aufweisen, zu Bluthochdruck neigen, Diabetiker:innen sind oder eine familiäre Veranlagung zu Thrombose haben.

Menschen, die die Pille einnehmen, haben keine natürliche Regelblutung. Viele Anwender:innen rufen aber durch pillenfreie Tage am Ende des Anwendungszyklus bewusst eine sogenannte Hormonentzugsblutung hervor. Das hormonfreie Intervall erlaubt es, dass ein Follikel im Eierstock heranreift. Daher muss man – beim Anwendungsschema 21 Tage Pilleneinnahme, sieben Tage Pause – am siebenten Tag der Hormonpause die Pille wieder einnehmen. Ansonsten kann es zum Eisprung und somit zu einer Schwangerschaft kommen.

Die Entzugsblutung ist meist schwächer und mit weniger Beschwerden verbunden als die natürliche Regel. Medizinisch notwendig ist sie nicht.

Vor Beginn der Pilleneinnahme ist ein Termin bei einer Gynäkolog:in angesagt, die einige Untersuchungen vornimmt. Je nach gewähltem Präparat ist die Pille nicht oder nur bedingt geeignet bei Vorliegen folgender Risikofaktoren:

Das Rezept, um eine Pillenpackung kaufen zu können, stellt die Gynäkolog:in aus.

Mindestalter ist für die Verschreibung der Pille keines vorgesehen. Die behandelnde Frauenärzt:in prüft die Reife der Patient:in und entscheidet auf Basis dessen, ob ihr ein verantwortungsvoller Umgang mit der Sexualität zuzutrauen ist. Prinzipiell gilt man in Österreich ab dem 14. Geburtstag als einwilligungsfähig und kann sich die Pille auch ohne Einwilligung der Eltern verschreiben lassen.

Von der österreichischen Gesundheitskasse gibt es bei der Verhütung keinerlei finanzielle Unterstützung.


Autor:in:
Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

2. Juli 2024

Erstellt am:

2. März 2016

Stand der medizinischen Information:

20. Juli 2023

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