Bänderriss und Überdehnung

Zuletzt aktualisiert am 17. Oktober 2022

Arzt untersucht Bänderriss der Patientin
Nach einem Malheur beim Sport sind eine richtige Diagnose und schnelle Hilfe wichtig.
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So plötzlich ein Band reißen kann, so langwierig kann auch die Therapie sein. Am häufigsten passieren Verletzungen der Bänder bei Sport- und Arbeitsunfällen.

Medizinische Expertise
Christian Gäbler

A.O. Univ.Prof. Dr. Christian Gäbler

Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie

sportambulatorium.wien

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Inhaltsverzeichnis

Verletzungen von Bändern kommen am häufigsten im Bereich von Sprunggelenk, Knie, Ellenbogen, Handgelenk und Schulter vor.

  • Eine Bänderverletzung entsteht meist durch eine abrupte Bewegung.
  • Man unterscheidet zwischen Bänderdehnung, Teilabriss und Vollabriss des Bandes.
  • Bei der Erstbehandlung kommt die sogenannte PECH-Regel zum Einsatz.
  • Nach der Anamnese stellt der Arzt durch klinische Untersuchung und ev. zusätzlich Röntgen und MRI-Abklärung die Schwere der Verletzung fest.
  • Die Behandlung erfolgt konservativ durch Stabilisation oder operativ (Arthroskopie oder offene Bandrekonstruktion)
Art Verletzung einer oder mehrerer Gelenksbänder
Symptome Schmerzen, Schwellung, Bluterguss
Diagnose Anamnese, Beweglichkeits – und Belastungstest, Röntgen, MRI
Therapie konservativ oder operativ
Rehabilitation Physiotherapie, Ergotherapie

Bänder umgeben die Gelenke und verleihen ihnen Kraft und Stabilität, sodass diese nur in bestimmte Richtungen bewegt werden können. Diese derben, faserreichen und gering dehnbaren Faserstränge bestehen aus Bindegewebe, das sich wiederum aus Kollagen und elastischen Fasern zusammensetzt.

Wirkt abrupte, übermäßige oder gewaltsame Bewegung auf das Gelenk ein, dann kann es zu einer Verstauchung, einer Überdehnung, einem Einriss oder eben zu einem vollständigen Riss der Bänder kommen. Am häufigsten passieren Bänderrisse bei Sport- und Arbeitsunfällen.

Bänderverletzungen werden in drei Stufen eingeteilt:

  • Stufe 1: Bänderdehnung oder Bänderzerrung
  • Stufe 2: Teilabriss des Bandes
  • Stufe 3: vollständiger Bänderriss

Der vollständige Bänderriss kommt am häufigsten an folgenden Gelenken vor:

  • Außenbandriss am oberen Sprunggelenk
  • Kreuzbandriss
  • Außenbandriss am Knie
  • Innenbandriss am Knie
  • Bänderriss am Daumengrundgelenk (Skidaumen)
  • Innenbandriss am Sprunggelenk
  • Bänderriss an der Schulter
  • Bänderriss am Ellenbogen
  • Bänderrisse an den Fingern

Je nach Grad der Verletzung kann man eine Bänderdehnung oder einen Riss auch gut selbst erkennen.  Ein heftiger Schmerz ist zu spüren und das betroffene Gelenk schwillt an. Je nach Gelenk und Verletzungsstufe zeigt sich innerhalb der nächsten Stunden ein Bluterguss. Bei einem Bänderriss ist auch oft das plötzliche Reißen zu hören.

Nach einer Verletzung der Bänder sollte die Akutbehandlung nach der so genannten PECH-Regel erfolgen:

  • Pause
  • Eis
  • Compression
  • Hochlagern

Der erste Schritt ist, das Gelenk sofort zu entlasten und hochzulagern. Anschließend sollte gekühlt werden, was wiederum die Schwellung hemmt und die Schmerzen lindert.

Letzte Maßnahme in der Erstbehandlung ist die Kompression. Dabei wird ein Druckverband angelegt, der ebenfalls dafür sorgen soll, dass die betroffene Stelle nicht anschwillt. Wenn notwendig, helfen auch nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAR), wie Ibuprofen, die Schmerzen zu lindern. 

Nach der Erstversorgung empfiehlt sich auf jeden Fall die Abklärung bei einem Arzt – entweder ein Orthopäde oder Sportmediziner. Um zu einer sicheren Diagnose zu gelangen, werden folgende Schritte unternommen:

  • Anamnese: In der Krankengeschichte werden das Ereignis, bei dem die Verletzung zustande gekommen ist, die Symptome sowie die Intensität der Schmerzen erhoben.
  • Klinische Untersuchung, Beweglichkeits- und Belastungstest: Durch Abtasten, Ziehen und Drehen des Gelenks erfasst der Arzt, welche Gelenkbänder genau betroffen sind und wie schwer die Schädigung ist.
  • Röntgen, MRI: Eine Röntgenuntersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob ein Bänderriss vorliegt. Zwar sind im Röntgenbild keine Bänder zu erkennen, knöcherne Bandaussrisse und Fehlstellungen können jedoch sichtbar sein. Sind noch genauere Daten notwendig, kann auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden.

Konservative Therapie 

Bei einem Bänderriss im Knie oder an den Fußgelenken wird das Gelenk mit Bandagen, Schienen oder Orthesen ruhiggestellt. Diese Stabilitätsschiene sollte nach Möglichkeit sechs Wochen lang, ohne Unterbrechung, getragen werden. Bei einem Bänderriss der Schulter wird das Gelenk mittels einer so genannten Gilchrist-Bandage ruhiggestellt.

Nicht nur bei einem Riss, sondern auch bei einer Dehnung ist Stabilisierung sinnvoll. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Salben lindern Schmerzen und können auch abschwellend wirken.

Operative Therapie

Ist die Funktion des Gelenks durch den Bänderriss stark beeinträchtigt, kommt man meist nicht um eine Operation umhin. Bevor operiert werden kann, muss in den meisten Fällen die Entzündungsreaktion abklingen. Das kann zwischen ein und drei Wochen dauern, bis dahin wird das Gelenk konservativ behandelt.

Die schonendste Methode für eine Bänderrissoperation ist die Arthroskopie, also eine Gelenksspiegelung. Das ist eine minimal-invasive Methode, bei der ein stabförmiges Arthroskop, das mit Licht und Kamera ausgestattet ist, durch eine kleine Öffnung in das Gelenk eingeführt wird. Weitere kleine Zugänge ermöglichen es, Operationswerkzeuge einzuschleusen und die notwendigen Eingriffe vorzunehmen.

Bestenfalls können die gerissenen Bänder dabei wieder refixiert werden. Bei Kreuzbandrissen im Kniegelenk haben sich mittlerweile körpereigene Transplantate bewährt, die die Stabilisierung des Gelenks übernehmen. Auch diese werden mittels Arthroskopie entnommen und anstelle des gerissenen Bandes wieder eingesetzt. Wenn eine arthroskopische Operation nicht möglich ist, dann ist die offene Rekonstruktion indiziert.

Am (Schi-) Daumen zum Beispiel muss das gerissenen Band offen aufgesucht und genäht werden. Hier ist manchmal eine zusätzliche Schrauben- oder Ankerrefixation erforderlich.

Die Rehabilitation besteht meist aus Physio- oder Ergotherapie. Ein Rehabilitationsplan wird individuell erstellt, abhängig davon, welches Gelenk betroffen ist, um welchen Verletzungsgrad es sich gehandelt hat und welche Therapieform eingesetzt wurde.

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Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

17. Oktober 2022

Erstellt am:

22. August 2018

Stand der medizinischen Information:

17. Oktober 2022


Quellen:

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs

Gesundheitsinformation des IQWiG

Presseaussendung, Dr. Max Böhler, "Bänderriss und Überdehnung" vom 22. 08. 2018

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