Plötzlicher Herzstillstand (Herz-Kreislauf-Stillstand, Herz-Kreislauf-Versagen)

Zuletzt aktualisiert am 4. Oktober 2022

Bei Herzstillstand ist schnelles Handeln unbedingt erforderlich, um einen Menschen wieder ins Leben zurückzuholen.
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In Österreich erleiden jährlich etwa 10.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb des Krankenhauses. Nur etwa 20 Prozent überleben.

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Inhaltsverzeichnis

Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute. Umso wichtiger ist die sofortige Wiederbelebung bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.

  • Bei einem Herzstillstand ist die Sauerstoffversorgung sämtlicher Organe nicht mehr gewährleistet.
  • Nur 20 Prozent überleben einen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses.
  • Kardiale Vorerkrankungen können Auslöser eines Herzstillstandes sein.
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen müssen sofort einsetzen.
  • Unterschiedliche Risikofaktoren begünstigen einen Herzstillstand.
  • Im Krankenhaus wird der Patient weiterhin intensivmedizinisch versorgt.
  • Nach Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgt eine Rehabilitation, die sich individuell nach dem Patienten richtet.
  • Vorbeugen kann man mit regelmäßigen Gesundheitschecks und Minderung der Risikofaktoren.
Art Kardiales Akutereignis
Symptome Atemstillstand, Bewusstlosigkeit, Pulslosigkeit
Diagnose klinische Abklärung, Herzmonitor, Elektrokardiographie 
Therapie sofortige Erste-Hilfe-Maßnahmen, Stabilisierung der Lebensfunktionen, Schlafzustand und Hypothermie
Rehabilitation Aufenthalt in einem kardiologischen Rehabilitationszentrum

Ein Herzstillstand bedeutet, dass das Herz aufgehört hat zu schlagen und somit auch kein Blut durch den Körper pumpt. Folge: Die Sauerstoffversorgung sämtlicher Organe, des Gewebes und des Gehirns ist nicht mehr gewährleistet. Das erste Organ, das nicht versorgt wird, ist das Gehirn. Betroffene werden bewusstlos, weil es nicht mehr mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Schon wenige Minuten später beginnen die Gehirnzellen abzusterben.

Ein Herzstillstand scheint zwar überraschend zu kommen, jedoch ist er in vielen Fällen die Folge einer vorher bestehenden, bislang womöglich unerkannten, kardialen Erkrankung, wie etwa die koronare Herzkrankheit.

Folgende Erkrankungen können Auslöser eines Herzstillstandes sein

  • koronare Herzkrankheit
  • akuter Herzinfarkt
  • Herzmuskelerkrankungen (etwa Herzmuskelentzündung)
  • angeborene Herzfehler
  • Herzklappenerkrankungen (z.B. Aortenklappenstenose)

Folgende Symptome können erste Warnsignale für einen Herzstillstand sein sowie auf eine ernstzunehmende Herzerkrankung hindeuten:

  • Druck- und Engegefühl in der Brust
  • Brustschmerzen
  • Herzrasen, schneller Puls (Tachykardie)
  • manchmal auch langsamer Puls (Bradykardie)
  • Luftnot
  • Schwindel bis hin zur Ohnmacht
  • Wasseransammlungen in den Beinen (Ödeme)

Dem Herzstillstand geht oft eine bösartige Herzrhythmusstörung voraus, die dann zu Kammerflimmern führt. Dabei gerät das Herz von einer Sekunde zur nächsten vollkommen aus dem Takt. Es zuckt nur noch unregelmäßig und schafft es nicht mehr, Blut durch den Körper zu pumpen:

  • Das Herz hört auf zu schlagen (Asystolie).
  • Der Blutdruck sinkt auf Null und ist nicht mehr messbar.
  • Nach vier Sekunden verspüren Betroffene eine "Leere" im Kopf.
  • Nach acht Sekunden setzt Bewusstlosigkeit ein.
  • Nach zwei bis drei Minuten setzt die Atmung aus.
  • Nach zehn Minuten sind Wiederbelebungsmaßnahmen meist erfolglos.

Die Diagnose von Herzstillstand ergibt sich aus mehreren klinischen Zeichen:

  • Atemstillstand
  • Pulslosigkeit und Bewusstseinsverlust
  • arterieller Blutdruck ist nicht messbar
  • Pupillen erweitern sich und reagieren nach einigen Minuten nicht mehr auf Licht

Im Krankenhaus wird die Diagnose durch klinische Abklärung sowie am Herzmonitor und durch ein Elektrokardiogramm bestätigt. Manchmal wird auch auf weitere Ursachen mittels Echokardiographie, Röntgenthorax oder Sonographie der Brust untersucht.  

Eine Reihe von Risikofaktoren begünstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gehören:

Körperliche Faktoren

Verhaltensbezogene Faktoren

  • Rauchen
  • Fehlernährung
  • Bewegungsmangel
  • übermäßiger Alkoholkonsum

Psychische Faktoren 

  • chronischer Stress
  • negative Ereignisse
  • Persönlichkeitsfaktoren

Soziale Faktoren

  • Qualität sozialer Beziehungen und Netzwerke
  • Belastungen am Arbeitsplatz
  • Bildung
  • Einkommen
  • berufliche Position

Einem Herzstillstand vorzubeugen, heißt im weitesten Sinn einer Herzerkrankung vorzubeugen und dadurch das Risiko zu mindern.

Eine entscheidende Rolle spielen hier Lebensstilfaktoren:

  • Suchtmittel wie Rauchen, Alkohol und Drogen meiden oder wenigstens minimieren
  • Bewegung: körperlich aktiv bleiben oder werden, idealerweise mit Ausdauersport
  • Ernährung: auf ausgewogene, gesunde Ernährung achten; Übergewicht vermeiden, starkes Übergewicht reduzieren
  • Gesundheitschecks: regelmäßige Kontrolle von Gewicht, Blutdruck, Blutfettwerten und Blutzucker
  • Leistungssportler sollten regelmäßig abklären lassen, ob ihr Herz gesund ist

Bei Betroffenen nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um etwa zehn Prozent ab. Schnelles Handeln ist somit erforderlich, um einen Menschen wieder ins Leben zurückzuholen. Nur wenige Handgriffe könnten die Überlebenswahrscheinlichkeit von derzeit etwa 20 auf 70 Prozent erhöhen. Leider trauen sich nur wenige einzugreifen. Die Angst, etwas falsch zu machen, ist fehl am Platz. Denn in einem solchen Notfall gilt: Nur Nichtstun ist falsch. 

Wichtig ist, die Rettungskette in Gang zu setzen:

  • Rufen: Wer eine reglose Person sieht, sollte sofort den Notruf (144) wählen
  • Drücken: Hände übereinander legen und kräftig und schnell mindestens hundertmal pro Minute mittig auf den Brustkorb drücken
  • Schocken: Falls ein Defi in der Nähe ist, einschalten und die Anweisungen befolgen

Der Zustand nach einer Reanimation erfordert eine intensivmedizinische Weiterbehandlung. Zunächst werden die Notfalldiagnostik durchgeführt und die Überlebensfunktionen, also Herz-Kreislauffunktion und Atmung, stabilisiert.

Wichtig ist, auch das so genannte Postreanimationssyndrom (PRS) umfassend zu behandeln. Dieses ist Folge des Sauerstoffmangels und der Nährstoffunterversorgung während des Herz-Kreislaufstillstandes. Dabei kommt es zu Entzündungsreaktionen wie Fieber, Schock und geschwächte Immunlage im ganzen Organismus. Das PRS kann auch verzögert einsetzen, auch dann, wenn Herzrhythmus und Durchblutung längst wieder hergestellt sind.

Nach der Stabilisierung des Patienten wird die weitere Therapie eingeleitet. Ist der Patient bei Bewusstsein, wird ein Schlafzustand hergestellt. Einerseits um schmerzhafte Folgen der Wiederbelebung wie Rippenbrüche auszuschalten, andererseits um eine Hypothermie – also das Abkühlen des Organismus auf 32 bis 34 Grad Celsius – einzuleiten.

Was bewirkt eine Hypothermie?

Das Abkühlen der Körpertemperatur auf unter 36 Grad Celsius bewirkt, dass der Stoffwechsel verlangsamt wird und die Giftstoffe, die das Gehirn angreifen, reduziert werden. Dieser Zustand wird zwölf bis 24 Stunden beibehalten. Anschließend wird der Schlafzustand weitere 72 Stunden beibehalten. Danach wird über die weiteren Behandlungsschritte sowie eine kardiologische Rehabilitation nach dem Krankenhausaufenthalt entschieden. 

Meist wird zur Prophylaxe weiterer schwerer, unter Umständen lebensbedrohlicher Ereignisse ein sog. implantierbarer Defibrillator (ICD) im Rahmen einer kleinen Operation in den Brustkorb eingesetzt. Hierbei handelt es sich um ein Schrittmacher-artiges Gerät unter der Haut mit einer Sonde in das Herz. Der ICD kann den Herzrhythmus kontinuierlich überwachen. Sollten bösartige Herzrhythmusstörungen auftreten, so kann der ICD durch bestimmte Stimulationsmanöver oder durch Schockabgabe die Herzrhythmusstörung beenden. Ein ICD muss regelmäßig kontrolliert werden, um eine regelhafte Funktion zu gewährleisten. Bei neueren Geräten funktioniert die Nachsorge auch telemetrisch von der Ferne ohne, dass der Patient hierfür ins Krankenhaus kommen muss.

Die kardiologische Reha unterstützt den Weg von der Akutbehandlung in der Klinik zurück in das Alltagsleben bis hin zum beruflichen Wiedereinstieg. Außerdem sollen die Reha-Maßnahmen einen Rückfall in den alten Krankheitszustand verhindern und einen gesunden Lebensstil vermitteln. Die Rehabilitationsprogranne setzen sich aus mehreren Bausteinen zusammen und werden auf jeden Patienten individuell abgestimmt. Dazu zählen:

  • medizinische Behandlungen und Bewegungstherapie: Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Patientenschulungen: Vorbereitung auf den Alltag daheim hinsichtlich einer gesunden Lebensweise
  • psychische Komponente: begleitende Unterstützung während der Rehabilitation
  • soziale Komponente: Hilfestellung bei Eingliederung in das soziale Umfeld
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