Osteopathie

Zuletzt aktualisiert am 15. Februar 2021

Frau bei der osteopathischen Behandlung
Ziel einer osteopathischen Behandlung ist es die Beweglichkeit und die Durchblutung zu erhöhen.
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Osteopathie ist eine ganzheitliche Methode zur Diagnose und Therapie verschiedener Blockaden und Fehlfunktionen des Körpers. Sie nimmt Körper, Geist und Seele als eine Einheit wahr.

Medizinische Expertise
Werner Anderl

Prim. Dr. Werner Anderl

Vorstand der Orthopädischen Abteilung Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien

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Inhaltsverzeichnis

Die Osteopathie berücksichtigt dies auch bei der Behandlung z. B. von Störungen des Bewegungsapparates, bei Beschwerden nach Operationen und Unfällen oder nach schweren Geburten. Liegen bereits Strukturschäden an einem Gewebe (z.B. Gelenkarthrosen) vor, kann die Osteopathie diesen Zustand nicht mehr umkehren. Auch zur alleinigen Therapie von psychischen und schweren körperlichen Erkrankungen wie Knochenbruch oder Krebs ist Osteopathie nicht geeignet, sie kann allerdings begleitend zur schulmedizinischen Therapie zum Einsatz kommen.

  • Grundgedanke der alternativmedizinischen Methode Osteopathie ist, dass viele Beschwerden auf körperliche Blockaden zurückzuführen sind.
  • Bei der ganzheitlichen Therapieform werden sowohl zur Untersuchung, als auch zur Therapie ausschließlich die Hände eingesetzt.
  • Als alleiniger Behandlungsansatz gegen schwerwiegende Erkrankungen ist die Osteopathie nicht geeignet. Sie kann aber komplementär angewendet werden.

Ziel einer osteopathischen Behandlung ist es, die Beweglichkeit und die Durchblutung zu erhöhen. Bei einer Reihe von Störungen und Beschwerden kann die Osteopathie unterstützen. Dazu zählen:

  • Störungen des Bewegungsapparates (Gelenksbeschwerden, Bandscheibenvorfall, Blockierungen, Sehnenentzündung, ...)
  • Störung der Prozesse in den inneren Organen
  • Kopfschmerzen/Migräne
  • Beschwerden nach Unfällen oder Operationen
  • fallweise Inkontinenz, v.a. nach einer Geburt oder Operation
  • Konzentrations- oder Lernstörungen, Unaufmerksamkeit, Lese- oder Rechtschreibschwäche bei Babys nach einer schweren Geburt oder nach einem Kaiserschnitt
  • v.a. bei Kindern bei Zahnfehlstellungen oder Kieferproblemen

Bewegung und harmonische Bewegungsabläufe spielen in der Osteopathie eine große Rolle. Funktionelle Störungen offenbaren sich in veränderten Bewegungsmustern. Nicht nur Arme und Beine sind ständig in Bewegung, auch im Inneren des menschlichen Körpers gibt es viele Bewegungen: der Darm transportiert den Nahrungsbrei, das Herz pumpt Blut durch den Körper, die Lunge ermöglicht das Atmen und noch vieles mehr. Funktionsstörungen werden in der Osteopathie durch veränderte Bewegungsabläufe einzelner Gewebestrukturen diagnostiziert.

Die Osteopathie arbeitet nach 4 Prinzipien:

  • Sie nimmt Körper, Geist und Seele als eine Einheit wahr und behandelt alle Gewebe und Strukturen des Körpers.
  • Der Körper besitzt Mechanismen zur Selbstregulierung.
  • Struktur und Funktionen des Körpers stehen in einer wechselseitigen Beziehung zueinander.
  • Die Therapie besteht aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren.

Ein Osteopath arbeitet mit seinen Händen. Mit verschiedenen Techniken reguliert er die Anordnung von Muskeln, Sehnen und Nervenbahnen.

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Zu Beginn der Behandlung steht ein ausführliches Gespräch mit dem Osteopathen, in dem Sie ihn über Ihre Beschwerden informieren. Er wird Ihnen anschließend Fragen zu früheren Erkrankungen, Unfällen, eventuellen Operationen, Ihren Lebensgewohnheiten und Arbeitsbedingungen stellen. Der Sinn ist, herauszufinden, was die Ursachen für Ihre Beschwerden sind. Nur so ist eine ganzheitliche Behandlung möglich.

Diesem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Der Arzt achtet dabei auf den Zustand der Haut, die Durchblutung, Feuchtigkeit und Temperatur an verschiedenen Körperstellen. Ebenso überprüft er die Beweglichkeit von Gelenken und Wirbeln. Mittels Tastuntersuchung kann er feststellen, ob Organe verhärtet sind, sich an der richtigen Stelle im Körper befinden oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Der weitere Verlauf einer osteopathischen Behandlung richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen.

In der Osteopathie wird zwischen verschiedenen Anwendungsbereichen unterschieden:

  • Der strukturelle (parietale) Bereich: Der Behandlungsschwerpunkt liegt auf dem Bewegungsapparat, also Wirbelsäule, Becken und Extremitäten. Dabei werden Probleme mit Knochen, Muskeln, Sehnen, Gelenken oder Bändern bearbeitet.
  • Der Cranio-Sacrale Bereich: Hier widmet sich der Osteopath dem Bereich des Schädels, der Hirnhäute und der Nerven.
  • Der viszerale Bereich: In diesem Teilbereich stehen Beweglichkeit und Eigenrhythmus der Organe und des Gewebes im Fokus.

Wenn das Baby in der Gebärmutter der Schwangeren immer größer wird, verdrängt es Organe aus der Bauchhöhle. Das kann bei vielen Frauen zu Magen- und Verdauungsproblemen oder Rückenschmerzen führen. Ein verschobenes Steißbein, Blockaden, Verspannungen oder leichtere Traumen im Bereich von Becken und Rücken können durch Osteopathie gelöst werden.

Funktionelle oder strukturelle Störungen können auch die Entwicklung des Babys beeinträchtigen. Eine kleine Gebärmutter beispielsweise kann das Wachstum des Babys beeinflussen. Solche Beeinträchtigungen, die eine gesunde Entwicklung des Babys stören könnten, werden von einem Osteopathen behandelt.

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Bereits mit der Geburt können Funktionsstörungen entstehen. Sie können Jahre oder Jahrzehnte später zu Symptomen wie Lern- oder Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten führen und Krankheiten begünstigen bzw. auslösen. Je eher nach der Geburt ein Osteopath kontaktiert wird, desto besser lassen sich eventuelle Störungen beheben.

Eine osteopathische Behandlung bei Babys bzw. Kindern dient oft der Vorbeugung. Richtige Krankheiten, die sich aus kleinen Störungen entwickeln können, werden so verhindert. Osteopathie darf aber nicht als Ersatz der Kinderheilkunde gesehen werden. Sie dient viel mehr als Ergänzung. Der Vorteil einer osteopathischen Behandlung von Kindern liegt aber darin, dass sie ohne Medikamente auskommt. Bei einem Baby oder Kleinkind sucht der Osteopath das Gespräch mit den Eltern. Anschließend werden u. a. Reflexe, Bewegungsverhalten und Körperhaltung des Babys untersucht.

Bei größeren Kindern haben Kopfschmerzen oder Hyperaktivität häufig organische Ursachen wie Augenmuskelstörungen, Bewegungsstörungen der Halswirbelsäule oder Nackenverspannungen – diese können von einem Osteopathen behandelt werden.

Der erste Termin beim Osteopathen dauert in etwa 1 Stunde. Der weitere Verlauf einer osteopathischen Therapie ist individuell und von den Bedürfnissen des Betroffenen abhängig.

Nach einer osteopathischen Behandlung sollten Sie viel trinken, damit Stoffwechselendprodukte, die sich durch die Behandlung aus dem Gewebe gelöst haben könnten, aus Ihrem Körper ausgespült werden. Falls der behandelte Bereich nach der Behandlung überreizt sein sollte, kühlen Sie ihn z. B. mit einem Coolpack. Kälte beruhigt das Nervensystem.

Eine Weiterbildung zum Osteopathen können in Österreich Ärzte, Zahnärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Hebammen absolvieren.

Bringen Sie medizinische Vorbefunde wie Röntgenbilder, CT oder andere Untersuchungsergebnisse zum Termin beim Osteopathen mit. Das erleichtert die Diagnosestellung.

Je länger bestimmte Beschwerden bereits bestehen, desto länger dauert der Heilungsprozess. Osteopathie ist kein Allheilmittel. Liegen bereits Strukturschäden an einem Gewebe (z. B. Gelenkarthrosen) vor, kann die Osteopathie diesen Zustand nicht mehr umkehren. Osteopathie kann bei solchen Beschwerden allerdings zu einer Besserung der Lebensqualität beitragen oder den Krankheitsverlauf verlangsamen. Größere Traumen oder Strukturschäden müssen chirurgisch oder orthopädisch behandelt werden.

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Schwere und akute Erkrankungen, Wunden, Brüche, Verbrennungen, Tumoren, Zysten oder Verkalkungen brauchen eine schulmedizinische Therapie. Sie können aber begleitend durch Osteopathie behandelt werden. Seelische oder psychische Erkrankungen eignen sich nicht für eine osteopathische Therapie.

Die Kosten für eine osteopathische Behandlung betragen in etwa 70 bis 130 Euro pro Therapiestunde. Von der Österreichischen Krankenkasse werden keine Kosten übernommen, allerdings gibt es einige Zusatzversicherungen, die die osteopathische Behandlung in ihr Programm aufgenommen haben.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

15. Februar 2021

Erstellt am:

27. Juli 2017

Stand der medizinischen Information:

15. Februar 2021


Quellen:

Lehrbuch Osteopathie, W. Langer, E. Hebgen (Hrsg.), Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2012

Osteopathie, Wege zur Schmerz- und Stressbewältigung, K. und M. Lagojannis, Verlagshaus der Ärzte, Wien, 2013

Osteopathie, Die sanfte Lösung von Blockaden, T. Liem, C. Tsolodimos, Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München, 2004

Osteopathie, So hilft sie Ihrem Kind, C. Newiger, B. Beinborn, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, Stuttgart, 2005

Wiener Schule für Osteopathie (15.02.2021)

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