Schlaflabor (Polysomnographie)

Zuletzt aktualisiert am 25. April 2022

Junge Frau mit Schlafproblemen liegt mit Kabeln im Gesicht im Schlaflabor
Im Schlaflabor werden verschiedene Messungen durchgeführt.
© RioPatuca Images / Fotolia.com

Eine Untersuchung in einem Schlaflabor gibt Aufschluss darüber, ob eine Schlafstörung vorliegt. Dabei wird der Schlaf des Patienten analysiert.

Medizinische Expertise
Christoph Katzenschlager

Dr. Christoph Katzenschlager

Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

www.hnoarzt-krems.at

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Inhaltsverzeichnis

Wer über einen längeren Zeitraum nicht ein- oder durchschlafen kann, weiß, wie wertvoll gesunder Schlaf ist. Schlafstörungen (Insomnien) sind aber nicht nur unangenehm, sondern haben auch erhebliche Auswirkungen auf die Konzentration und die Leistungsfähigkeit. Die gefährlichste Auswirkung ist der Sekundenschlaf im Straßenverkehr. 50 % der Betroffenen sind durch ihre Schlafstörungen tagsüber in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Auch körperliche Beschwerden wie zum Beispiel Magen-Darm-Probleme können durch Schlafprobleme entstehen. Die Gründe können sowohl organisch als auch psychisch bedingt sein. Im Schlaflabor werden die Ursachen für Schlafprobleme und Schlafstörungen geklärt.

  • Schlaf ist ein komplexer Vorgang.
  • Gewisse Schlafstörungen erfordern eine Untersuchung im Schlaflabor.
  • Die Untersuchung ist schmerzfrei.
  • Die Aufzeichnungen der Messungen geben unter anderem Auskunft über die Schlafstruktur.
  • Anschließend werden das weitere Vorgehen sowie die Therapie festgelegt.

Treten u.a. folgende Symptome auf, ist ein Besuch im Schlaflabor angezeigt:

  • Tagesmüdigkeit
  • erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Schnarchen
  • nächtliche Herzbeschwerden
  • schlafbezogene Atmungsstörungen wie z.B. Schlafapnoe
  • krankheitsbedingte Schlafstörungen wie z.B. Restless-Legs-Syndrom
  • internistische Erkrankungen
  • nächtliches Asthma sowie bronchiale oder chronische Bronchitis

Für eine Schlaflaboruntersuchung ist ein stationärer Aufenthalt in einem Schlaflabor notwendig. Dieses stellt häufig eine eigene Abteilung in einem Krankhaus dar. Je nach Diagnose kann es notwendig sein, die Polysomnographie auch zwei bis drei Nächte durchzuführen. Bei Patienten, die unter starker Tagesmüdigkeit leiden, kann am folgenden Tag die Einschlafneigung dokumentiert werden.

Während des nächtlichen Schlafes werden verschiedene Funktionen des Körpers überwacht und danach ausgewertet. Dazu gehören unter anderem:

  • Hirnaktivität (EEG)
  • Augenbewegungen (EOG)
  • Muskelaktivität (EMG)
  • Herzrhythmus
  • Beinbewegungen
  • Atembewegungen
  • Körperlage
  • Atemströmung
  • Atemgeräusche (Schnarchen)
  • Sauerstoffsättigung im Blut

Bei Bedarf kann der Schlaf auch über eine Videokamera überwacht werden.

Oft wird bereits im Vorfeld eine ambulante Messung bestimmter Funktionen durchgeführt (z.B. von Pulsfrequenz, Sauerstoffsättigung des Blutes, Atembewegungen und Atemströmung). Das kann zuhause mit Hilfe eines mobilen Gerätes gemacht werden.

Der Arzt wird Sie vorab über den Ablauf und die geplanten Untersuchungen informieren. Er wird Ihnen auch sagen, welche Unterlagen (e-card, Befunde, etc.) und welches Gepäck mitzubringen sind.

Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber, welche Dauermedikationen Sie einnehmen. Da manche Medikamente den Schlaf beeinflussen, werden diese gegebenenfalls für die Untersuchung abgesetzt.

Was am Tag der Untersuchung beachtet werden muss:

  • nach 14 Uhr auf koffeinhaltige oder alkoholische Getränke verzichten
  • tagsüber nicht schlafen
  • Haare sollten frisch gewaschen und getrocknet sein – kein Haarspray oder -gel verwenden, damit die Elektroden gut haften

Nach der Ankunft im Schlaflabor werden Sie in Ihre Schlafkabine (Einzelzimmer) geführt und das Personal wird mit Ihnen über den Ablauf sprechen und die Messgeräte erklären. Anschließend können Sie sich bettfertig machen.

Etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen werden kleine Goldelektroden zur Messung der Hirnströme auf die Kopfhaut geklebt. Dazu kommen Elektroden im Bereich der äußeren Augenwinkel zur Messung der Augenbewegungen und weitere Elektroden am Kinn, die die Muskelaktivität messen. Zur Abklärung von Schnarchen oder schlafbezogenen Atmungsstörungen werden eine Nasenkanüle und ein zwischen Mund und Nase befestigter Atemsensor verwendet. Atemgurte über Brust und Bauch zeichnen die Atembewegungen auf, während am Hals ein kleines Mikrophon befestigt wird, dass das Schnarchen aufzeichnen soll.

Puls und Sauerstoffsättigung werden über ein mit einem Fingerclip befestigtes Pulsoxymeter gemessen. An den Unterschenkeln angebrachte EMG-Elektroden ermöglichen die Aufzeichnung von Bewegungen. Ein Elektrokardiogramm (EKG) protokolliert die nächtliche Herzaktivität bzw. mögliche nächtliche Herzrhythmusstörungen. In einem separaten Raum wird der Schlaf von medizinisch-technischem Personal überwacht. Am nächsten Morgen werden die Elektronen und Sonden wieder abgenommen.

Viele Patienten zweifeln im Vorfeld, ob sie im Schlaflabor einschlafen können und ob sie die Kabel im Schlaf stören werden. Tatsächlich verläuft die Nacht für die meisten aber sehr ruhig und angenehm. Die Schlafkabinen sind sehr gemütlich gestaltet und die Kabel der Elektroden werden gut befestigt, sodass genügend Bewegungsfreiheit besteht.

Nach der Schlaflaboruntersuchung beurteilen die Patienten anhand von Fragebögen ihren subjektiven Eindruck von Schlaf- und Aufwachqualität, Befindlichkeit, Antrieb, Stimmung und Wachheit/Frische. Diese Bewertung wird einer objektiven Beurteilung der aufgezeichneten Messungen gegenübergestellt.

Die Ergebnisse der Messungen werden durch einen schlafmedizinischen Experten ausgewertet und interpretiert. Die Patienten erhalten einen Computerausdruck ihres Schlafprofils und eine Zusammenfassung der wichtigsten Schlafvariablen. Da die Auswertung sehr aufwendig ist, kann es einige Zeit dauern, bis die Ergebnisse vorliegen. Für die Nachbesprechung wird ein Termin vereinbart, gegebenenfalls sind noch weitere Untersuchungen notwendig.

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