Schnarchen (Rhonchopathie)

Zuletzt aktualisiert am 14. April 2022

Mann schnarcht, Frau hält sich die Ohren mit ihrem Polster zu.
Männer schnarchen häufiger als Frauen, schuld daran ist eine Erschlaffung der Muskulatur im Nasen- oder Rachenraum.
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Schnarchen ist ein weit verbreitetes Phänomen. Die Geräusche entstehen durch Vibrationen von weichem, erschlaffendem Gewebe im Rachen.

Medizinische Expertise

Dr. Christoph Katzenschlager

Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

www.hnoarzt-krems.at

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Inhaltsverzeichnis

Erste Anzeichen sind ein nicht erholsamer Schlaf, morgendliches Kopfweh, vermehrte Tagesmüdigkeit und Bluthochdruck. Bei kleinen Kindern kann Schnarchen Ess- und Gedeihstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite und Bettnässen zur Folge haben. Geht das Schnarchen mit vermehrten Atemaussetzern einher, stellt dies ein Risiko für die Gesundheit dar. Beim obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) steigt mit dem Schweregrad das Risiko für Verkehrsunfälle, Herzinfarkt und Schlaganfall enorm.

  • Schnarchen ist keine Krankheit im ursprünglichen Sinn, sondern ein häufiges Phänomen.
  • Bei den meisten Menschen entstehen die störenden Geräusche durch Vibrationen des weichen Gaumens und des Zäpfchens beim Ein- und Ausatmen.
  • Häufige Faktoren, die Schnarchen begünstigen, sind Alkoholkonsum, Übergewicht oder eine Infektion der oberen Atemwege.
  • Können diese Faktoren ausgeschlossen werden, ist ein Arztbesuch in jedem Fall ratsam.
  • Ansprechpartner ist der HNO-Arzt, Lungenfacharzt oder der Facharzt für Kieferchirurgie.
  • Eine vorliegende Atemstörung muss in jedem Fall behandelt werden.
Art Atemgeräusche
Ursachen anatomische Veränderungen im Nasen-Rachen-Raum, Kieferfehlstellungen, Atemstörung (Schlafapnoe)
Risikofaktoren Übergewicht, Einnahme von Schlafmitteln oder Alkoholkonsum
Symptome Schlafdefizit, Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Ess- und Entwicklungsstörungen bei Kindern
Therapie konservative Verfahren, bei Bedarf minimal-invasiver oder operativer Eingriff

Jeder dritte erwachsene Österreicher und jede vierte erwachsene Österreicherin sowie etwa 5 bis 12 % aller Kinder schnarchen. Ab dem 50. Lebensjahr sind sogar jeder zweite Mann und fast jede dritte Frau betroffen. Bei 4 bis 7 % der männlichen und 2 bis 4 % der weiblichen Erwachsenen sowie bis zu 4 % aller Kinder liegt eine Schlafatemstörung, das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS), vor.

Schnarchen kann mehrere Ursachen haben. Liegt dem Schnarchen keine Atemstörung zugrunde, wird es als einfaches, habituelles oder primäres Schnarchen (Rhonchopathie) bezeichnet. Ein regelmäßiges, kontinuierliches Schnarchgeräusch wird oft als "Sägen" wahrgenommen.

Bei etwa 90 % der primären Schnarcher entstehen die störenden Geräusche durch Vibrationen des weichen Gaumens und des Zäpfchens beim Ein- und Ausatmen. Sonst kann es sich auch durch Rückfallen der Zunge oder Zusammenfallen der Rachenseitenwände, der Gaumenmandeln oder des Kehldeckels isoliert entwickeln – oder auch mit Gaumenschnarchen kombiniert sein.

Bei Säuglingen und Kleinkindern können leichte Schnarchgeräusche auf Grund einer noch nicht vollständig entfalteten Schleimhautfalte im Rachen auftreten. Dieses Schnarchen ist unbedenklich und geht in der Regel nach einiger Zeit vorüber. Auch Kinder, die sich eine Erkältung oder einen Schnupfen zugezogen haben, können zeitweise schnarchen, dies erfordert vorerst keine weitere Abklärung, sollte aber gut beobachtet werden.

Atemhindernisse, die Schnarchen verursachen können

Folgende Atemhindernisse können von einem HNO-Facharzt festgestellt werden:

  • Verkrümmung der Nasenscheidewand: Sie wird am besten chirurgisch durch eine sogenannte Septumoperation begradigt.
  • Nasennebenhöhlen-Entzündung: Sie kann medikamentös oder auch operativ behandelt werden.
  • Polypen: Polypen sind gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut. Sie können medikamentös behandelt oder auch operativ entfernt werden.

Veränderungen im Rachen, die Schnarchen begünstigen können

Der HNO-Arzt kann folgende, das Schnarchen begünstigende bzw. verursachende Veränderungen im Rachen feststellen:

  • ein erschlafftes Gaumensegel mit überschüssiger Schleimhaut beidseits neben dem Zäpfchen, dem sogenannten Webbing
  • ein überlanges Gaumenzäpfchen
  • vergrößerte Mandeln (meist bei schnarchenden Kleinkindern)
  • bei Kleinkindern Polypen (Adenoide) im Nasenrachen
  • ein hoher Zungenstand durch eine vergrößerte Zunge
  • eine vergrößerte Zungengrundmandel
  • zu weicher, biegsamer, eventuell überhängender Kehldeckel ("floppy Epiglottis")
  • Kieferanomalien oder -fehlstellungen (z.B. Rückbiss, fliehendes Kinn durch zu kurzen Unterkiefer)

Weitere mögliche Ursachen von Schnarchen

Faktoren, die bei jedem einmal Schnarchen hervorrufen können, sind außerdem abendlicher Alkoholkonsum, Einnahme von Schlaftabletten oder Übermüdung. In diesem Fall beschränkt sich die Behandlung auf das Vermeiden bzw. Verändern der Ursachen. Tritt es regelmäßig auf oder fühlt sich der Bettpartner gestört, wird es als sozial störendes Schnarchen bezeichnet und ist behandlungsbedürftig. Anfangs tritt es meist in Rückenlage auf, dann reicht ein Lagewechsel. Später stört es auch in Seitenlage.

Schnarchen Kinder und Erwachsene häufig, sind tagsüber müde und unkonzentriert oder treten häufig Infekte der oberen Atemwege auf, ist ein Arztbesuch ratsam, um abzuklären, ob eine Schlafatemstörung vorliegt.

Die Abklärung, weiterführende Diagnose und Therapie bei Schnarchen und Schlafapnoe wird überwiegend durch den Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und durch den Lungenfacharzt (Pneumonologe) durchgeführt. Bei primärem Schnarchen ist eher der HNO-Facharzt, bei Verdacht auf eine Atemstörung eher der Lungenfacharzt aufzusuchen, wobei oft die Befunde und Therapien beider Fachrichtungen erforderlich sind.

HNO-Untersuchungen

Zunächst wird der Arzt untersuchen, ob im Nasenraum eine Verengung oder vergrößerte Mandeln (Tonsillen) vorliegen. Ebenso werden Rachen und Kiefer in die Diagnostik miteinbezogen, um anatomische Veränderungen auszuschließen.

Eine genauere Untersuchung kann folgendes beinhalten:

Bei Bedarf kann eine endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege mit einem flexiblen Endoskop durch die Nase im medikamentös induzierten Schlaf – ähnlich einem Dämmerschlaf bei Magenspiegelungen oder Darmspiegelungen – durchgeführt werden.

Untersuchungen beim Lungenfacharzt

Der Lungenfacharzt wird Lungenerkrankungen wie z.B. COPD ausschließen und eine Lungenfunktionsprüfung vornehmen. Besteht der Verdacht auf eine Schlafatmungsstörung, wird der Schlaf ambulant mittels eines mobilen Messgeräts oder stationär in einem Schlaflabor überwacht. Eine Untersuchung im Schlaflabor kann Aufschluss über die Schlafarchitektur, nächtliches Aufwachen und die Länge der Atemaussetzer geben und ob der Schnarcher genügend Sauerstoff bekommt.

Für leichte Fälle von einfachem Schnarchen gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, wie:

  • Nasenpflaster und Nasendilatatoren zur Erweiterung der Nasenflügel
  • Kinnbinde, um das Herunterfallen des Kinns zu verhindern
  • Verhinderungswesten oder Alarmgeber, die vibrieren, wenn man am Rücken liegt
  • Schnarchspange bzw. Schnarchring, um Schnarchvibrationen, die im Gaumen entstehen, zu verhindern
  • Schnarchschiene oder Mandibular Advancement Devices (MAD): Zahnschienen, die den Unterkiefer vorverlagern und den Raum hinter dem Zungengrund erweitern

All diese Mittel wirken nur, solange sie im Einsatz sind – sie müssen also jede Nacht angewendet werden.

Verbesserung der Nasenatmung

Die effektivste Therapie des primären Schnarchens liegt in der Verbesserung der Nasenatmung: Je nach Ursache gelingt dies mit Medikamenten oder operativ. In etwa 40 % der Fälle kann eine verbesserte Nasenatmung Schnarchgeräusche bereits wesentlich reduzieren.

Bei inhalativen Allergien (z.B. Pollen, Staub, Tierhaare) sollte eine ursächliche Therapie mit Allergenvermeidung, Immuntherapie und/oder medikamentöser Therapie erfolgen.

Operation

Ist nur eine Ursache der Auslöser für das Schnarchen, kann eine Operation erfolgreich sein. Liegen mehrere Ursachen zugrunde, wird die Therapie mehrstufig ausfallen.

Operationen am weichen Gaumen und Zäpfchen erfolgen meist minimal-invasiv und können in den meisten Fällen sogar in örtlicher Betäubung in der Ordination vorgenommen werden. Überschüssiges Schleimhautgewebe wird entfernt, ein überlanges Zäpfchen gekürzt und der weiche Gaumen durch eine Radiofrequenztherapie geschrumpft bzw. steifer gemacht.

Sind vergrößerte Mandeln, vergrößerte Rachendachmandeln oder Polypen die Ursache, kann ein operativer Eingriff Abhilfe schaffen. Bei Kindern sollte ein solcher aber immer gut überlegt sein, da mit dem Wachstum die Beschwerden oft von selbst wieder verschwinden.

  • Eine gute Schlafhygiene ist sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern Basis für den Erfolg jeder Behandlung.
  • Menschen jeder Altersgruppe profitieren von einem regelmäßigen Schlafrhythmus und Schlafritualen.
  • Vor dem Schlafengehen sollte auf üppige Mahlzeiten, Alkohol oder Schlaftabletten verzichtet werden.
  • Konsequente Gewichtsreduktion bei Übergewicht, vor allem wenn zusätzlich eine Schlafstörung vorliegt.
  • Hochlagern des Oberkörpers kann Schnarchen verbessern, besonders bei einer Infektion der oberen Atemwege.