Homöopathie

Zuletzt aktualisiert am 6. November 2020

Flasche mit Globuli
In homöopathischen Arzneimitteln, z.B. in Globuli stecken verdünnte Wirkstoffe – Potenzierungen genannt.
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Die Homöopathische Medizin zählt zu den komplementären Heilmethoden. Sie kennt mehr als 2000 pflanzliche, tierische und mineralische Arzneistoffe.

Medizinische Expertise

Dr. Erfried Pichler

Präsident Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM)

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Ungewöhnlich dabei: Je stärker verdünnt und verschüttelt – das wird als Potenzierung bezeichnet – desto stärker wirkt das Mittel. Denn durch Homöopathika wird im Organismus ein Reiz gesetzt, der die Selbstheilungskräfte gezielt anregt. Das Ungleichgewicht im Körper kommt wieder ins Lot. Die bekannteste Darreichungsform homöopathischer Mittel sind sicherlich die kleinen Zuckerkügelchen, Globuli genannt. Doch auch als Tabletten und Tropfen kommen diese Mittel zum Einsatz. Die Homöopathie ist in Österreich eine anerkannte Heilmethode, die nur von speziell ausgebildeten Ärzten praktiziert werden darf. Dennoch wird sie von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet.

Die Homöopathie ist eine besonders sanfte Heilmethode: Sie eignet sich daher für Menschen jeden Lebensalters – selbst Neugeborene, Schwangere oder stillende Mütter können bedenkenlos homöopathisch behandelt werden, vorausgesetzt ein speziell geschulter Arzt erstellt Diagnose und Therapie.

Durch wissenschaftliche Studien belegt ist der Nutzen der Homöopathie unter anderem bereits bei:

Darüber hinaus lehrt die Erfahrung, dass die Homöopathie fast bei allen Beschwerden, die auf Störungen der körpereigenen Regulationssysteme beruhen, eine Erleichterung für den Patienten bringen kann. Durch mehr als 2.000 verschiedene homöopathische Mittel hat der Therapeut unzählige Möglichkeiten, in individuelle Krankheitsgeschehen einzugreifen.

Laut einer Umfrage in der österreichischen Bevölkerung setzen 63 % der Befragten viel Vertrauen in die Homöopathie. Durch ihre besonders sanfte Wirkungsweise gilt dies insbesondere für die Behandlung von Kindern: Rund 70 % der österreichischen Familien mit Kindern bis zu 6 Jahren und 62 % der Familien mit Schulkindern verwenden homöopathische Arzneimittel sogar regelmäßig.

2.000 Substanzen stehen zu Verfügung: Die Homöopathie schöpft für ihre Heilmittel aus dem Schatz der Natur: Rund 50 % dieser Arzneien werden aus Pflanzen hergestellt. Die anderen 50 % setzen sich aus Tieren oder deren Produkten (z.B. Schlangengift), Metallen, Mineralien oder Säuren zusammen.

Homöopathische Mittel gibt es sowohl als kleine Kügelchen – sogenannte Globuli, Zuckerkügelchen, die als Träger für das homöopathische Heilmittel dienen –, als auch in Form von Tabletten und Tropfen.

In der Homöopathie wird ein Mittel, das bestimmte Symptome verursacht, in stark verdünnter und verschüttelter Dosis zur Heilung einer Krankheit, die diese Symptome hervorruft, verwendet. Das homöopathische Mittel wirkt wie ein Reiz, der die Selbstheilungskräfte aktiviert. Deshalb lautet der Grundsatz der klassischen Homöopathie: Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden. Ein Beispiel: Ein Bienenstich verursacht einen stechenden Schmerz mit geröteter, heißer Schwellung. Äußert sich eine Krankheit durch eine entzündliche Schwellung, könnte sie mit einer stark verdünnten Dosis von Bienengift (Apis) behandelt werden. Dadurch werden die Selbstheilungskräfte des Körpers angeregt.

Die Homöopathie ist eine Regulationsmethode: Sie greift regulierend in den Organismus ein und wirkt überall, wo Prozesse gestört sind. Ihre Heilkraft kann sowohl akute als auch chronische Krankheiten körperlicher oder seelischer Natur positiv beeinflussen. Sind Strukturen jedoch bereits zerstört, kann die Homöopathie daran nichts mehr ursächlich ausrichten, sondern lediglich Symptome mildern. Ein großer Vorteil der Heilmethode besteht darin, dass sie fast frei von unerwünschten Neben- und Wechselwirkungen ist. Zudem kann sie fast immer bedenkenlos mit anderen Therapien und Medikamenten kombiniert werden.

Homöopathika gibt es in verschiedenen Potenzen: Sie geben an, wie stark der Ausgangsstoff verdünnt und verschüttelt wurde. Ungewöhnlich dabei: Je häufiger potenziert wird, desto stärker wirkt das Mittel. Niedrige Potenzen (z. B. D6 oder D12) eignen sich gut für die Selbstbehandlung und werden oft mehrmals täglich eingenommen. Mittlere Potenzen (z. B. C30) und Höchstpotenzen (C200 und höher) sollten wie LM- und Q-Potenzen ausschließlich in Homöopathen-Hand bleiben. Sie wirken so stark, dass sie manchmal nur einmalig eingenommen werden.

Je nach Art und Stärke der Beschwerden wird die Homöopathie unterschiedlich lange eingesetzt: Höchstpotenzen müssen manchmal nur einmalig eingenommen werden. Niedrige Potenzen können sogar dauerhaft eingenommen werden. Sobald die Beschwerden verschwinden, sollte das jeweilige Mittel jedoch sofort abgesetzt werden.

Die Mittel werden am Besten über die Schleimhaut im Mund in den Körper aufgenommen. Globuli und Tabletten deshalb nie gleich runterschlucken, sondern ganz langsam im Mund zergehen lassen! Auch Tropfen vor dem Runterschlucken etwa für eine Minute im Mund lassen. Übrigens: Tropfen nicht mit einem Metalllöffel einnehmen. Verwenden Sie Plastik- oder Porzellanlöffel. Und: Alle homöopathischen Darreichungsformen nie zu einer Mahlzeit einnehmen! Dazu eine Viertelstunde Abstand halten. Dasselbe gilt fürs Zähneputzen.

Sind Sie bei einem Homöopathen in Behandlung, informieren Sie ihn immer über Veränderungen Ihres Befindens: Teilen Sie ihm sowohl eine Besserung, als auch eine Verschlechterung oder ein Gleichbleiben der Beschwerden mit. Ein seriöser – speziell ausgebildeter – Therapeut, wird Ihr Befinden aber auch immer abfragen. Vor allem nach der Ersteinnahme kann es zu einer kurzzeitigen Verstärkung der Symptome (Erstreaktion) kommen, bevor Besserung und Heilung eintreten – eine logische Folge des Ähnlichkeitsprinzips.

Homöopathie darf in Österreich ausschließlich von praktizierenden Ärzten (Allgemeinmediziner oder Fachärzte) ausgeübt werden, die eine mehrjährige Spezialausbildung absolviert haben. Nach Abschluss der homöopathischen Grundausbildung erhalten sie das Österreichische Ärztekammer-Diplom "Komplementäre Medizin: Homöopathie" und dürfen sich erst dann als Homöopathen bezeichnen.

Gut selbst anwenden kann man Niedrigpotenzen oder sogenannte Komplexmittel – das sind fertig zusammengestellte Kombinationen bewährter homöopathischer Substanzen bei bestimmten Erkrankungen oder Befindlichkeitsstörungen. Apotheker dürfen nur Empfehlungen für solche homöopathischen Mittel aussprechen. Daneben gibt es eine Fülle von Büchern zum Thema "Selbstbehandlung mit Homöopathie" sowie Internetseiten, die für die jeweiligen Beschwerden das passende Mittel nennen.

Die Homöopathie kann nur regulierend in den Organismus eingreifen. Sind Strukturen bereits zerstört – z. B. Insulinresistenz bei Diabetes, schwere Abnutzungen wie bei Arthrose, abgestorbenes Gewebe nach Herzinfarkt oder Schlaganfall – kann die Homöopathie nicht mehr heilen, sondern höchstens daraus folgende Symptome lindern. Die Homöopathische Medizin kann die schulmedizinische Standardtherapie bei solchen Leiden also keinesfalls ersetzen, aber eine Kombination beider Behandlungsrichtungen kann einen sehr guten synergistischen Effekt erzielen!

Homöopathische Arzneimittel sind in Apotheken oder beim Homöopathen erhältlich und nicht teurer als herkömmliche Arzneimittel. Die Kosten für die Behandlung durch einen Homöopathen variieren stark: Zum einen, weil es keine gesetzliche Preisregelung gibt. Zum anderen, weil ihre Dauer von der Schwere und Art der Erkrankung abhängt. Insbesondere die Erstanamnese bei einem Homöopathen vor Behandlungsbeginn mit homöopathischen Arzneimitteln kann mit 100 bis 250 Euro recht teuer erscheinen. Sie erfolgt besonders gründlich, da der homöopathisch ausgebildete Arzt nach den Regeln der Homöopathie den ganzen Menschen im Blick hat. Bis alle körperlichen, psychischen und sozialen Details aufgenommen sind, um auch die zum Individuum passende homöopathischen Substanz zu bestimmen, können gut und gerne 2 bis 2,5 Stunden vergehen.

In Österreich wird eine homöopathische Behandlung nicht von den gesetzlichen Krankenkasse erstattet. Einige private Zusatzversicherungen übernehmen die Kosten für Homöopathie bis zu 100 %, mache erstatten Teilbeträge. Falls Sie eine Privatarztversicherung haben, fragen Sie am besten vor Behandlungsbeginn bei ihrer nach, um sicher zu sein, welche Kosten Sie selbst tragen werden müssen.

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Redaktionelle Bearbeitung:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

6. November 2020

Erstellt am:

20. Januar 2017


Quellen:

Schüßler-Salze & Homöopathie erfolgreich kombinieren, K. Dichtl, 1. Auflage, Trias, Stuttgart, 2012

Homöopathie unter der Geburt, F. Graf, 3. Auflage, Sprangsrade Verlag, Ascheberg, 1999

Vorträge und Interviews auf dem Pressefrühstück der Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) und der Initiative „Homöopathie hilft!“

Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin (ÖGHM) (06.11.2020)

E. Thompson et al.: Towards standard setting for patient-reported outcomes in the NHS homeopathic hospitals. In: Homeopathy (2008) 97, 114–121 Ó 2008 The Faculty of Homeopathy doi:10.1016/j.homp.2008.06.005. (06.11.2020)

K. Linde, D. Melchart: Randomized controlled trials of individualized homeopathy: a state-of-the-art review. In: J Altern Complement Med. 1998 Winter;4(4):371-88. (06.11.2020)