Die Leber leidet lange still

Zuletzt aktualisiert am 13. Februar 2019

Mann steht auf der Waage
Bauchbetontes Übergewicht und Störungen im Fettstoffwechsel können zu einer Fettleber führen.
© Andrey_Popov / Shutterstock.com

Wie die größte Drüse des Körpers gesund bleibt und wie sich Leber-Erkrankungen bemerkbar machen können, verraten die folgenden 6 Interview-Antworten.

Medizinische Expertise
Rainer Hubmann

Dr. Rainer Hubmann

Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, Linz und Wels

www.hubmannsv.at

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Inhaltsverzeichnis

Die Leber regelt den Stoffwechsel, produziert Gallenflüssigkeit und ist für die Fettverdauung unerlässlich. Speichert sie über längere Zeit zu viel Fett in ihren Zellen, entsteht eine Fettleber, die die doppelte Größe einer gesunden Leber erreichen kann. Welche Auswirkungen diese Leberverfettung hat und warum Alkohol und Übergewicht der Leber schaden, zeigt das folgende Interview mit Dr. Rainer Hubmann, Facharzt für Innere Medizin und Hepatologe in Linz:

Dr. Hubmann: Ja, vor allem bei der so genannten "nicht-alkoholbedingten Fettleber", ist ein Anstieg der Erkrankungen zu verzeichnen. Die Schädigung der Leber nachweislich ohne übermäßigen Alkoholkonsum. Schuld daran ist in erster Linie bauchbetontes Übergewicht, Störungen im Fettstoffwechsel (z.B. erhöhtes Cholesterin), Bluthochdruck und Diabetes Typ 2. Die Leber lagert zu viel Fett in ihre Zellen ein, die Hauptursachen liegen vor allem im Überschuss von Zucker und Kalorien.

Dr. Hubmann: Die Fettleber kann lange Zeit unbemerkt bleiben, sie verursacht lange Zeit keine Schmerzen, sondern oft nur durch ein diffuses Gefühl im rechten Oberbauch. Außerdem können

  • Müdigkeit,
  • Appetitlosigkeit,
  • Vollgefühl und
  • Blähungen

auftreten. Abnehmen, Normalisierung des Stoffwechsels und Alkoholverzicht sind die besten Maßnahmen, damit sich die Leberverfettung wieder vollständig zurückbilden kann. Eine ständig vergrößerte Leber birgt das Risiko einer Leberentzündung und im schlimmsten Fall einer Leberzirrhose. Die Diagnose wird am leichtesten mit dem Ultraschall gestellt. Ergänzend sind dann Blutuntersuchungen notwendig, die so genannten Leberwerte werden ermittelt.

Dr. Hubmann: Dazu zählen etwa die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose). Weitere häufige Lebererkrankungen sind die Hepatitis C – welche bis in die 90er Jahre als Ursache von Blut- und Blutprodukten ihre Verbreitung gefunden hat – sowie die Hepatitis B, dabei sind die Viren eher in Ländern außerhalb Österreichs verbreitet. Gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung.

Dr. Hubmann: Es gibt verschiedene Virenstämme, die Hepatitis auslösen können – von Hepatitis A, Hepatitis B, Hepatitis C bis zu den seltenen Formen der Hepatitis D und Hepatitis E. Hepatitis B beispielsweise ist eine sehr ansteckende Virusinfektion, die Symptome sind nicht charakteristisch, sie reichen von Fieber, grippeähnlichen Zuständen bis zu Übelkeit, manchmal ist gar nichts spürbar. Doch die Viren machen sich im Körper breit und können Entzündungen auslösen. Gegen Hepatitis A und B gibt es Impfungen, Hepatitis C wird in erster Linie durch Blut oder Blutprodukte übertragen, ihr Verlauf ist chronisch. War diese Erkrankung über Jahrzehnte kaum behandelbar, so gibt es seit kurzem eine nebenwirkungsarme Behandlung mit Tabletten, welche in mehr als 90 % zur Ausheilung führt.

Dr. Hubmann: Die Leber wandelt Zucker in Fett um, und baut mithilfe von Enzymen auch Alkohol ab. Zuviel Zucker – vor allem der industriell gefertigte Fruchtzucker ist heimtückisch – und Fett führen im Laufe der Jahre besonders bei stark Übergewichtigen dazu, dass der Fettgehalt der Leberzelle stark erhöht ist, da die Insulinregulation in den Zellen nicht mehr passt. Die Ursachen für die Schädigung können auch bei einem schlecht eingestellten Diabetes und damit erhöhten Blutzuckerwerten liegen.

Wird über einen längeren Zeitraum viel Alkohol konsumiert, kommt es zu Leberschäden, zu einer alkoholischen Fettleber und – wenn sich das Organ durch Alkoholabstinenz nicht erholen kann – zu einer Leberzirrhose, die nicht heilbar ist: Die Leberzellen sterben ab und knotiges Bindegewebe entsteht. Die Leber schrumpft, ihre Oberfläche verändert sich.

Dr. Hubmann: In erster Linie ist es wichtig abzunehmen, auf Blutzuckerwerte im Normalbereich zu achten und eine fettarme ausgewogene Ernährung, in erster Linie mit ungesättigten Fettsäuren (z.B. Sonnenblumenöl, Weizenkeimöl, Maiskeimöl ) anzustreben.

Bei der Behandlung von chronischen Lebererkrankungen haben sich ergänzend Wirkstoffe der Mariendistel, der Artischocke und des Javanischen Gelbwurz bewährt. Ohne adäquate Ernährung und Lebensweise ist eine Behandlung mit Medikamenten jedoch sinnlos.

Autor:in:
Medizinisches Review:
Zuletzt aktualisiert:

13. Februar 2019

Erstellt am:

17. Dezember 2014

Stand der medizinischen Information:

13. Februar 2019


Quellen:

Interview mit Dr. Rainer Hubmann am 11.12.2014

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