Da der gesamte Körper mit Blutgefäßen durchzogen ist, kann eine Vaskulitis praktisch überall auftreten. Vaskulitiden können mild bis lebensbedrohlich verlaufen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist entscheidend, um Organschäden zu vermeiden.
Zusammenfassung
- Bei einer Vaskulitis entzünden sich die Blutgefäße.
- Vaskulitis kann eine primäre Erkrankung sein oder sekundär in Folge anderer Ursachen auftreten.
- Die Riesenzellarteriitis ist die häufigste Form der Vaskulitis bei Erwachsenen ab 50 Jahren. Hier betrifft die Entzündung vor allem große Blutgefäße.
- Vaskulitiden können sehr unterschiedlich verlaufen – von mild bis lebensbedrohlich.
- Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig. Für die Therapie einer Vaskulitis werden Kortisonpräparate, Basismedikamente und Biologika eingesetzt.
Vaskulitis im Überblick
| Art | Entzündung der Blutgefäße |
|---|---|
| Ursachen | je nach Form; häufig Autoimmunprozesse |
| Symptome | u.a. Fieber, Müdigkeit, Ausschlag, Einblutungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Nervenschmerzen |
| Diagnose | u.a. Bluttests, Ultraschall und weitere Bildgebung, ggf. Gewebebiopsie |
| Behandlung | u.a. Kortisonpräparate, Basismedikamente, Biologika |
FAQ (Häufige Fragen)
Wie macht sich eine Vaskulitis bemerkbar?
Typische Anzeichen sind: Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Hautausschläge oder kleine Einblutungen (Petechien), Gelenk- und Muskelschmerzen, Nervenschmerzen oder Taubheitsgefühle.
In welchem Alter tritt Vaskulitis auf?
Wie häufig eine Vaskulitis auftritt und wen sie betrifft, hängt stark von der jeweiligen Form ab: Manche Formen kommen vor allem bei älteren Menschen vor, andere eher bei jüngeren Erwachsenen oder sogar bei Kindern.
Ist Vaskulitis heilbar?
Der Verlauf einer Vaskulitis hängt stark von Form, Ausmaß und betroffenen Organen ab. Mit einer gezielten Therapie kann die Vaskulitis oft vollständig zurückgedrängt werden. Dennoch muss oft (je nach Form) mit Rückfällen (Rezidiven) gerechnet werden. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig.
Vaskulitis (auch Angiitis oder Gefäßentzündung) ist der Überbegriff für verschiedene entzündliche Erkrankungen der Blutgefäße (Arterien, Arteriolen, Kapillaren, Venolen und Venen). Die Entzündung betrifft zunächst die Blutgefäßwand, kann sich aber im Verlauf auch auf das umliegende Bindegewebe ausbreiten und zu Schädigungen verschiedener Organsysteme führen (Haut, Bindegewebe, Muskeln, innere Organe und Gehirn).
Allgemein unterscheidet man zwischen primären und sekundären Vaskulitiden. Während primäre Formen eigenständige Erkrankungen sind, treten sekundäre Vaskulitiden infolge anderer Ursachen oder Erkrankungen auf.
Die Symptome einer Vaskulitis sind vielfältig und reichen von allgemeinen Beschwerden wie Fieber und Müdigkeit bis hin zu starken Schmerzen, etwa durch Nervenreizungen.
Vaskulitiden sind seltene Erkrankungen. Wie häufig eine Vaskulitis auftritt und wen sie betrifft, hängt stark von der jeweiligen Form ab: Manche Formen kommen vor allem bei älteren Menschen vor, andere eher bei jüngeren Erwachsenen oder sogar bei Kindern. Auch ob Frauen oder Männer häufiger betroffen sind, unterscheidet sich je nach Form.
Man unterscheidet primäre und sekundäre Vaskulitiden. Eine häufige Einteilung erfolgt außerdem nach der Größe der betroffenen Gefäße.
Primäre Vaskulitiden
Großgefäßvaskulitis
- Takayasu-Arteriitis
- Riesenzellarteriitis (häufig verknüpft mit Polymyalgia rheumatica)
Mittelgefäßvaskulitis
- Polyarteriitis nodosa
- Kawasaki-Krankheit
Kleingefäßvaskulitis
Antineutrophile zytoplasmatische Antikörper (ANCA)-assoziierte Vaskulitis (AAV)
- Mikroskopische Polyangiitis
- Granulomatose mit Polyangiitis
- Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (Churg-Strauss)
Immunkomplex-Kleingefäßvaskulitis
- Anti-glomeruläre Basalmembran (Anti-GBM)-Krankheit
- Kryoglobulinämische Vaskulitis
- IgA-Vaskulitis (Henoch-Schönlein)
- Hypokomplementämische urtikarielle Vaskulitis (HUV) (Anti-C1q-Vaskulitis)
Vaskulitis mit variabler Gefäßbeteiligung
- Behçet-Krankheit
- Cogan-Syndrom
Die Riesenzellarteriitis ist die häufigste Form von Vaskulitis bei Erwachsenen ab 50 Jahren. Hier betrifft die Entzündung große Blutgefäße – häufig die Schläfenarterie (Arteria temporalis). In diesem Fall spricht man von Arteriitis temporalis. Neu aufgetretene Kopfschmerzen mit Sehstörungen ab dem 50. Lebensjahr sind ein Warnsignal und sollten sofort abgeklärt werden, da sonst eine bleibende Sehverschlechterung droht.
Sekundäre Vaskulitiden
Sekundäre Vaskulitiden treten im Rahmen anderer Erkrankungen oder Auslöser auf. Ursachen können sein:
- Autoimmunerkrankungen
- Infektionen
- Medikamente
Beispiele: rheumatoide Vaskulitis, Lupusvaskulitis (bei Systemischer Lupus erythematodes), Mesaortitis luica (bei Syphilis)
Die Auslöser einer Vaskulitis sind je nach Form unterschiedlich und im Detail nicht vollständig geklärt. Die Gefäßentzündungen entstehen meist dadurch, dass das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Gefäßwände angreift. Autoimmunprozesse spielen daher eine zentrale Rolle. Bei sekundären Formen kommen zusätzlich auch andere Auslöser wie Infektionen, Medikamente oder Grunderkrankungen infrage.
Welche Symptome bei einer Vaskulitis auftreten und wie stark diese ausgeprägt sind, hängt unter anderem davon ab, welche Gefäße betroffen sind und in welchem Ausmaß.
Typische Anzeichen sind:
- Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust
- Hautausschläge oder kleine Einblutungen (Petechien)
- Gelenk- und Muskelschmerzen
- Nervenschmerzen oder Taubheitsgefühle
Bei Verdacht auf Vaskulitis ist die Hausärzt:in oder die Rheumatolog:in die erste Ansprechpartner:in. Nach einer ausführlichen Anamnese (Patient:in-Ärzt:in-Gespräch) folgt eine körperliche Untersuchung.
Zur weiteren Abklärung werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt:
- Blutuntersuchung (u.a. Entzündungswerte, Antikörper)
- Urinuntersuchung (Hinweise auf Nierenbeteiligung)
- Ultraschall der Gefäße (z.B. der Schläfenarterien bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis – dort meist die erste bildgebende Untersuchung)
- Weitere bildgebende Verfahren (CT, MRT, PET-CT)
Zur Sicherung der Diagnose kann eine Biopsie (Gewebeprobe) notwendig sein, insbesondere bei einer Beteiligung der Nieren.
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Die Therapie der Vaskulitis zielt darauf ab, die Entzündung zu stoppen, Schäden zu verhindern und Rückfälle zu vermeiden. Die Behandlung erfolgt individuell je nach Art, Ausmaß und Schwere der Erkrankung. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie können dauerhafte Organschäden verhindern.
Medikamentöse Therapie
- Glukokortikoide (Kortisonpräparate): schnell wirksam gegen die Entzündung, vor allem zu Beginn der Behandlung; die Dosis wird anschließend schrittweise reduziert und meist ganz beendet.
- Klassische Basismedikamente (csDMARDs): werden bei manchen Formen in der Erhaltungsphase oder bei unzureichender Wirkung der Glukokortikoide eingesetzt.
- Biologika (bDMARDs) und JAK-Inhibitoren: gezielt wirkende Medikamente, die klassische Basismedikamente ergänzen oder ersetzen. Bei der ANCA-assoziierten Vaskulitis ist dies z.B. Rituximab; bei der Riesenzellarteriitis werden Tocilizumab (IL-6-Inhibitor) oder ein JAK-Inhibitor regelhaft eingesetzt.
Behandlung der zugrunde liegenden Ursache
Bei sekundären Vaskulitiden wird die zugrunde liegende Ursache behandelt.
Behandlung der Symptome
Begleitend können Schmerzmittel eingesetzt werden. Unter der richtigen Therapie ist eine weitgehende Beschwerdefreiheit das Ziel.
Der Verlauf einer Vaskulitis hängt stark von Form, Ausmaß und betroffenen Organen ab. Mit einer gezielten Therapie kann die Vaskulitis oft vollständig zurückgedrängt werden. Dennoch muss oft (je nach Form) mit Rückfällen (Rezidiven) gerechnet werden. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um Rückfälle früh zu erkennen und Begleiterkrankungen sowie Nebenwirkungen der Therapie im Blick zu behalten.
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- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Vaskulitis (02.09.2026)
- Universitätsklinik für Innere Medizin III: Vaskulitiden (02.09.2026)
- S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V.: Diagnostik und Therapie der ANCA-assoziierten Vaskulitiden (02.09.2026)
- S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Zerebrale Vaskulitis und zerebrale Beteiligung bei systemischen Vaskulitiden und rheumatischen Grunderkrankungen (02.09.2026)
- EULAR-Empfehlungen 2025: Management der Polymyalgia rheumatica und der primären Großgefäßvaskulitiden (Annals of the Rheumatic Diseases)(02.09.2026)
- Konsens-Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaften für Nephrologie (ÖGN) und Rheumatologie (ÖGR) 2023: Diagnose und Therapie der Granulomatose mit Polyangiitis und der mikroskopischen Polyangiitis (Wiener klinische Wochenschrift) (02.09.2026)