Der Begriff soll zu einem besseren Verständnis und zur Inklusion von Menschen beitragen, deren Denk-, Wahrnehmungs- oder Entwicklungsweisen von gesellschaftlich als typisch geltenden Erwartungen abweichen. Neurodivergenz ist keine medizinische Diagnose. Das damit verbundene Neurodiversitätskonzept ergänzt die medizinische Sichtweise, wird fachlich jedoch unterschiedlich verwendet und diskutiert.
Zusammenfassung
- Neurodivergenz ist keine medizinische Diagnose, sondern ein Begriff für bestimmte Unterschiede im Denken, Wahrnehmen und Verarbeiten.
- Häufig werden beispielsweise Autismus und ADHS mit Neurodivergenz in Verbindung gebracht.
- Unterschiede können sich etwa bei Aufmerksamkeit, Reizverarbeitung, Kommunikation oder Motorik zeigen.
- Eine neuroaffirmative Sichtweise betrachtet diese Unterschiede nichtausschließlich als Defizite. Sie berücksichtigt individuelle Stärken ebenso wie mögliche Beeinträchtigungen und den Einfluss der Umgebung.
FAQ (Häufige Fragen)
Was ist eine Neurodivergenz?
Der Begriff Neurodivergenz bezeichnet Menschen, deren Wahrnehmungs-, Denk-, Lern- oder Verarbeitungsweisen von dem abweichen, was gesellschaftlich als typisch gilt.
Wie verhalten sich neurodivergente Menschen?
Bei neurodivergenten Menschen können Aufmerksamkeit, Reizverarbeitung, Kommunikation oder Motorik anders ausgeprägt sein als es gesellschaftlich häufig erwartet wird.
Wie wird Neurodivergenz diagnostiziert?
Neurodivergenz selbst ist keine medizinische Diagnose. Diagnostiziert werden können beispielsweise Autismus, ADHS oder bestimmte Lern- und Entwicklungsstörungen. Die Abklärung umfasst in der Regel Gespräche, die persönliche Entwicklungsgeschichte, die Auswirkungen auf den Alltag sowie gegebenenfalls standardisierte Verfahren.
Neurodivergenz ist kein medizinischer Fachbegriff. Er bezeichnet Menschen, deren Wahrnehmungs-, Denk-, Lern- oder Verarbeitungsweisen von dem abweichen, was gesellschaftlich als typisch gilt. Diese Unterschiede sind nicht grundsätzlich als krankhaft zu verstehen.
Das Neurodiversitätskonzept ergänzt die medizinische Perspektive: Es betrachtet solche Unterschiede nicht ausschließlich als Defizite, sondern berücksichtigt auch individuelle Bedürfnisse und Stärken sowie die Bedeutung der gesellschaftlichen Umgebung. Das bedeutet nicht, dass Beeinträchtigungen oder ein Bedarf an Diagnostik und Unterstützung geleugnet werden.
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Bei neurodivergenten Menschen können Aufmerksamkeit, Reizverarbeitung, Kommunikation oder Motorik anders ausgeprägt sein, als es gesellschaftlich häufig erwartet wird. Neurodivergenz ist dabei keine einzelne Diagnose. Häufig werden unter diesem Begriff unter anderem folgende eigenständige Diagnosen
beziehungsweise Entwicklungsbesonderheiten zusammengefasst:
- ADHS
- Autismus
- Legasthenie beziehungsweise Entwicklungsstörungen des Lesens und Schreibens
- Dyskalkulie beziehungsweise Entwicklungsstörungen des Rechnens
- Dyspraxie beziehungsweise Entwicklungsstörungen der motorischen Koordination
Wichtig: Der Begriff Neurodivergenz ist medizinisch nicht eindeutig definiert. Daher gibt es keine allgemein gültige oder abschließende Liste von Diagnosen, die darunterfallen.
Neurodivergent und neurotypisch
Menschen, deren Denk-, Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweisen den gesellschaftlich vorherrschenden Erwartungen weitgehend entsprechen, werden häufig als "neurotypisch" bezeichnet. Weichen diese deutlich davon ab, kann die Bezeichnung "neurodivergent" verwendet werden. Beide Begriffe sind keine
medizinischen Diagnosen.
Neurodivergenz und Neurodiversität
- Neurodivergenz bezeichnet die Abweichung einer Person von gesellschaftlich als typisch geltenden Wahrnehmungs-, Denk-, Lern- oder Verarbeitungsweisen.
- Neurodiversität bezeichnet die Vielfalt menschlicher Wahrnehmungs-, Denk-, Lern- und Verarbeitungsweisen innerhalb einer Gruppe oder der Gesellschaft.
Das Neurodiversitätskonzept entwickelte sich in den 1990er-Jahren im Umfeld der Selbstvertretung autistischer Menschen. Es stellte die Vorstellung infrage, dass es nur eine "normale" Art des Denkens und Wahrnehmens gibt. Die Soziologin Judy Singer war an der Verbreitung des Begriffs maßgeblich beteiligt; das Konzept entstand jedoch nicht durch eine einzelne Person.
Neurodivergente Menschen können je nach Person und Situation Stärken aufweisen, zum Beispiel:
- Kreativität
- Detailgenauigkeit
- tiefes Fachwissen in Interessengebieten
- unkonventionelles Denken
Gleichzeitig können sie Herausforderungen erleben, zum Beispiel:
- Reizüberflutung
- Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit zu steuern
- Missverständnisse aufgrund unterschiedlicher Kommunikationsweisen
- Anpassungsdruck, etwa durch "Masking" – das Verbergen oder Unterdrücken eigener Verhaltensweisen, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen
- Belastung in Schule oder Beruf, wenn geeignete Anpassungen fehlen
Wichtig: Nicht jeder neurodivergente Mensch hat dieselben Stärken oder Herausforderungen. Auch besondere Talente dürfen nicht vorausgesetzt werden. Manche Menschen benötigen erhebliche Unterstützung; wie stark Schwierigkeiten erlebt werden, hängt sowohl von individuellen Merkmalen als auch von der Umgebung ab.
Neurodivergenz selbst ist keine medizinische Diagnose. Diagnostiziert werden können beispielsweise Autismus, ADHS oder bestimmte Lern- und Entwicklungsstörungen.
Die Abklärung erfolgt je nach Fragestellung durch entsprechend qualifizierte Fachärzt:innen und/oder Klinische Psycholog:innen. Sie umfasst in der Regel Gespräche, die persönliche Entwicklungsgeschichte, die Auswirkungen auf den Alltag sowie gegebenenfalls standardisierte Verfahren. Auch andere mögliche Erklärungen und gleichzeitig bestehende Erkrankungen müssen berücksichtigt werden. Ein einzelner
Fragebogen oder Onlinetest reicht für eine Diagnose nicht aus.
Mehr zum Thema: Hochsensibilität » Tipps für den Alltag
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Clinical Descriptions and Diagnostic Requirements for ICD-11 Mental, Behavioural and Neurodevelopmental Disorders (11.09.2026)
- Österreichisches öffentliches Gesundheitsportal: "Klinische Psychologie" (11.09.2026)
- Chapman, R.: "Neurodiversity and the Social Ecology of Mental Functions" (11.09.2026)
- Botha, M. et al.: "The Neurodiversity Concept Was Developed Collectively" (11.09.2026)