Rausch und Lust liegen nah beieinander, da beide ein Ausbrechen aus den alltäglichen Erfahrungswelten ermöglichen. Die Zahl der Personen, die Sex auf Chems haben, ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, was auch auf die zunehmende Nutzung von Dating Apps zurückzuführen ist.
Zusammenfassung
- Chemsex beschreibt Sex unter dem Einfluss von chemischen Substanzen.
- Durch den Chems-Konsum sollen Hemmungen abgebaut, das Lustempfinden gesteigert und sexuelle Interaktion intensiviert werden.
- Substanzen, die häufig konsumiert werden, sind z.B. GHB/GBL, "Crystal Meth", Ketamin, Mephedron, sog. Forschungschemikalien oder "Poppers".
- Chemsex birgt viele Risiken für die Psyche, den Körper als auch Konsumrisiken oder Risiken beim Sex.
- Ein verantwortungsvoller Umgang ist essentiell! Es gibt viele Anlaufstellen, die Informationen und Unterstützung bieten.
FAQ (Häufige Fragen)
Was ist Chemsex?
Der Begriff Chemsex setzt sich aus den Wörten "Chemicals" und "Sex" zusammen und beschreibt den gezielten Konsum bestimmter Substanzen vor oder während sexuellen Handlungen, um Hemmungen abzubauen, das Lustempfinden zu steigern, sexuelle Interaktion zu erleichtern und zu intensivieren.
Welche ist die Sexdroge?
Substanzen, die häufig konsumiert werden, sind z.B. GHB/GBL, "Crystal Meth", Ketamin, Mephedron, sog. Forschungschemikalien oder "Poppers".
Ist Chemsex eine Sucht?
Viele User:innen sind nicht drogenabhängig. Ihnen geht es rein darum, das sexuelle Erleben zu erweitern. Es besteht jedoch das Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln.
Der Begriff Chemsex setzt sich aus den Wörten "Chemicals" und "Sex" zusammen und beschreibt den gezielten Konsum bestimmter Substanzen vor oder während sexuellen Handlungen, um Hemmungen abzubauen, das Lustempfinden zu steigern, sexuelle Interaktion zu erleichtern und zu intensivieren. Viele User:innen sind nicht drogenabhängig. Ihnen geht es rein darum, das sexuelle Erleben zu erweitern.
Am häufigsten wird der Begriff in Verbindung gebracht mit Männern, die Sex mit Männern haben. Der Konsum von Substanzen im sexuellen Kontext findet aber auch unabhängig der sexuellen Orientierung sowie mit verschiedenen legalen als auch illegalen Stoffen statt.
Für manche gehören Chems zu Sexparties oder Sexdates untrennbar dazu. Teilweise dauern Chemsex-Partys über mehrere Tage. Vor allem gängige Dating Apps spielen bei Chemsex-Treffen eine große Rolle, da sie den Zugang zu Sexualpartner:innen erleichtern. User:innen nutzen Emojis, "Spitznamen" oder Nummerncodes als Zeichen für Drogen und Chemsex. So kann ein Candy-Emoji z.B. für Chems, eine Rakete für einen guten "Flug" oder eine Schneeflocke für Crystal Meth stehen.
Zu den Substanzen, den sogenannten "Chems", die häufig konsumiert werden, zählen:
| GHB/GBL ("Liquid Ecstasy") | Hat eine euphorisierende, angstlösende und sozial öffnende Wirkung. In niedrigen Dosen wirkt es alkoholähnlich, während höhere Dosen vorhandene Stimmungen und Antriebe verstärken und sexuell stimulierend wirken. Eine zu hohe Dosis hat eine stark einschläfernde Wirkung – bis hin zu einem narkotischen Schlaf ("KO-Tropfen"). Eine Überdosierung kann lebensgefährlich werden, da die Atmung aussetzen kann. Die Person sollte genau beobachtet und gegebenenfalls die Rettung gerufen werden. Auch ein Mischkonsum mit z.B. Alkohol, Opiaten oder Benzodiazepine erhöht das Risiko einer Atemlähmung stark. |
|---|---|
| Methamphetamin ("Crystal Meth"), in der Community auch oft als "Tina" oder "T" bezeichnet | Wirkt euphorisierend, luststeigernd, enthemmend und reduziert das Schmerzempfinden. Es steigert das Selbstvertrauen und führt zu vermehrten Rede- und Bewegungsdrang sowie extremer Wachheit. Der Konsum kann manchmal jedoch auch zu Aggression, Gewalttätigkeit, Verfolgungswahn oder auch Halluzinationen führen. Riskant ist auch die langanhaltende Wirkung (bis zu 72 Stunden). Auch besteht ein hohes Risiko, schnell eine Abhängigkeit zu entwickeln. |
| Ketamin | Als Narkose- und Schmerzmittel wirkt es beruhigend und schmerzstillend. Es kann sich wie eine Abspaltung von Körper und Geist anfühlen. Es können Halluzinationen auftreten und auch Kommunikation kann erschwert sein. Bei einem Mischkonsum mit Alkohol, Opiaten oder Benzodiazepine ist das Risiko von Atemlähmungen drastisch erhöht. |
| Mephedron, oft bekannt als 4-mmc | Wirkt stimulierend und euphorisierend. Man fühlt sich geistig klar und empfindet eine höhere Leistungsfähigkeit. Es kommt zu einer intensiveren Wahrnehmung von Körper und Sinne und einem starken Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen. Bei höheren Dosierungen können jedoch auch Wahnvorstellungen und Halluzinationen sowie Herz-Kreislauf-Probleme auftreten. |
| Amylnitrit, Butylnitrit, Isobutylnitrit "Poppers" | Hat eine kurz andauernde Rauschwirkung, wirkt aphrodisierend, schmerzhemmend sowie muskelentspannend. In niedriger Dosierung kann es sexuell stimulierend wirken, die Blutgefäße erweitern, den Blutdruck senken und Empfindungen intensivieren (in den erogenen Zonen und Geschlechtsorganen). Eine zu hohe Dosis kann Schwindelgefühle, Übelkeit hervorrufen und zu starken Blutdruckabfall, Kreislaufstörungen, Kollaps bis hin zu Bewusstlosigkeit (im Extremfall) führen. Auch zu Erektionsstörungen kann es kommen (vor allem in Kombination mit Alkohol oder anderen Drogen). Achtung: Die Flüssigkeit darf nicht direkt mit der Haut in Kontakt sein, weil es dadurch zu extremen Verätzungen kommt. |
| Forschungschemikalien (chemical research) Methylmethcathinon |
Weil sie eine ähnliche aber abgeschwächtere und zeitlich kürzere Wirkung haben wie "Crystal Meth", aber wesentlich billiger sind, werden sie auch oft als "Tina für Arme" bezeichnet. Chemisch verwandt sind sie mit dem Mephedron. Je nach chemischer Zusammensetzung unterscheiden sich die Bezeichnungen: 2-mmc, 3-mmc, 4-mmc (siehe Mephedron). Sie fallen in eine rechtliche Grauzone, sind aber keineswegs komplett legal. |
Chems werden (je nach Substanz) auf verschiedene Art und Weise konsumiert:
- Oral: GHB/GBL wird z.B. oral konsumiert. Dabei wird die Substanz mit einer Pipette in eine Flüssigkeit (z.B. einen Saft) getropft und getrunken. Auf keinen Fall mit Alkohol kombinieren! Zwischen der einen und der nächsten Einnahme sollen mindestens zwei Stunden liegen.
- Nasal: Substanzen, die gesnifft werden, sind z.B. Methamphetamin, Ketamin oder Mephedron und Forschungschemikalien. Mithilfe eines Röhrchens wird die Substanz über die Nasenschleimhäute aufgenommen.
- Rauchen, inhalieren: Methamphetamin (Crystal Meth) kann in einer Glaspfeife oder Alufolie erhitzt werden. Der Rauch, der dabei entsteht, wird inhaliert. Auch Poppers werden inhaliert. Es ist eine flüssige Droge, deren Dämpfe über die Nase oder den Mund aufgenommen werden.
- Anal, rektal: Kristalline Substanzen, wie z.B. Ketamin, Methamphetamin, Forschungschemikalien oder Mephedron werden beim sogenannten "booty bumping" oder "booty bomb" über die Analschleimhäute aufgenommen. Sie werden in Wasser aufgelöst und anal eingeführt (z.B. mithilfe einer Spritze ohne Nadel).
- Intravenös ("slamming"): Substanzen wie Methamphetamin, Mephedron, Forschungschemikalien und Ketamin können auch intravenös konsumiert werden. Sie werden in Wasser aufgelöst und mit einer Spritze injiziert. Die entsprechenden "Effekte" sind wesentlich intensiver und die Abhängigkeit entwickelt sich schneller.
Zwar kann durch den Konsum von Chems das sexuelle Erlebnis intensiver und aufregender wirken, Chemsex birgt jedoch auch eine Vielzahl an Risiken:
- Psychische Risiken: Konsumierte Substanzen können Ängste hervorrufen oder verstärken oder Wahnvorstellungen können auftreten. Der Konsum kann zu Kontrollverlust bis hin zum Blackout führen. Lässt die Wirkung nach, können psychische Belastungen die Folge sein. Es kann danach zu depressiven Episoden, teils sogar zu Psychosen kommen. Zudem können Substanzen abhängig machen.
- Körperliche Risiken und Wechselwirkungen: Eine Überdosierung kann zu einer lebensgefährlichen Notsituation werden. Chems wirken sich kurz- oder langfristig unterschiedlich auf die körperliche Verfassung aus. Vorsicht ist auch geboten, wenn regelmäßig Medikamente eingenommen werden, da es zu Wechselwirkungen kommen kann.
- Konsum-Risiken: Beim intravenösen Konsum mittels Injektionsnadel aber auch beim gemeinsamen Sniffen mithilfe eines Röhrchens besteht das Risiko einer Übertragung von Hepatitis oder HIV.
- Risiken beim Sex: Aufgrund der enthemmenden und schmerzreduzierenden Wirkung der Chems kann Sexualität risikoreicher sein. Der Sex kann z.B. ungeschützt, härter, länger, mit mehreren Personen stattfinden. Auch können Praktiken ausprobiert werden, die nüchtern für jemanden keine Option wären. Konsens ist daher ein wichtiges Thema.
Vor allem der sehr schnelle Abbau des Gebisses, Parodontose und Karies sind sehr häufig auftretende körperliche Langzeitfolgen.
Mehr zum Thema: Karies » Wie entsteht die Zahnerkrankung?
Um Risiken möglichst zu reduzieren, sind vor allem zwei Begriffe zentral:
- Safer Use
- Safer Sex
Safer Use
Safer Use umfasst Maßnahmen, die getroffen werden sollten, um Risiken beim Drogenkonsum zu minimieren, z.B.:
- sich vorab gut über die Substanzen zu informieren (z.B. bei Drug-Checking-Stellen wie checkit!)
- Immer auf Hygiene zu achten – Hände waschen, sterile (eigene) Utensilien verwenden, saubere Oberflächen, etc.
- Vorsichtig dosieren
- Nicht nachlegen
- Konsumpausen machen
- Kein Mischkonsum
- Jemand sollte vor Ort sein, der im Notfall helfen kann
Die Suchthilfe Wien informiert in ihrer Broschüre "Safer Use Guide", wie Gesundheitsrisiken beim Suchtmittelkonsum möglichst gering gehalten werden können. Hinweis: Die Informationsbroschüre soll keinesfalls als Aufforderung zum Suchtmittelkonsum verstanden werden, sondern im Sinne der Schadensminimierung dienen.
Safer Sex
Wichtig zu beachten im sexuellen Kontext ist:
- kein ungeschützter Geschlechtsverkehr! Markenkondome verwenden, auf das Ablaufdatum achten und jedes Kondom nur einmal nutzen. Auch beim Oralsex sollte kein Sperma oder Blut in den Mund kommen, daher besser auch hier Kondom oder Lecktuch verwenden.
- HIV-PrEP: HIV-Medikamente, die vorbeugend eingenommen werden, um vor einer HIV-Infektion zu schützen. Bei richtiger Anwendung sind sie hocheffektiv.
- Beim Fisten (vaginale und/oder anale Penetration mittels Hände/Fäuste) ausreichend Gleitgel (es gibt eigenes gleitfähigeres Gel für das Fisten) und Einweghandschuhe benutzen
- Bei Sex mit verschiedenen Partner:innen ist es ratsam, sich regelmäßig auf sexuell übertragbare Erkrankungen untersuchen zu lassen.
- Konsens! Gerade im Rauschzustand können beim Sex Dinge passieren, die nicht gewollt sind. Umso wichtiger ist es, die Kontrolle nicht ganz zu verlieren und auf sich selbst und andere zu achten. Ein Nein muss ein Nein bleiben – insbesondere, wenn eine beteiligte Person nicht mehr in der Lage ist, keinen Konsens auszudrücken.
Wussten Sie, dass... ?
...HIV-PrEP zur Vorsorge dient? PrEP-Medikamente werden jedoch nur von bestimmten, dafür zugelassenen Ärzt:innen verschrieben. Erfahren Sie mehr über HIV-Infektionsschutz!
Bei Chemsex kann es zu verschiedensten Krisen oder Notfällen kommen. Sollte ein Chems-Notfall auftreten:
- Ruhe bewahren
- Die Person ansprechen, beruhigen, keinesfalls alleine lassen, versuchen einen Bezug zur Realität herzustellen
- Die Situation einschätzen und im Zweifelsfall immer den Notruf (144) wählen
- Mögliche Gefahren (z.B. herumliegende Spritzen) immer rasch entfernen
- Besteht ein hohes Risiko einer HIV-Infektion – immer rasch handeln
Hilfreich kann auch das ABC-Schema sein:
- A-tmung: Atmung kontrollieren
- B-ewusstsein: Ist die Person ansprechbar? Reagiert sie auf einen Schmerzreiz?
- C-irkulation: Im Fall eines Herzstillstands – Herzdruckmassage bis die Rettung eintrifft
Tatsache ist: Chemsex ist riskant. Der Konsum verschiedener Substanzen kann Körper und Psyche stark belasten und die Wirkungen sind schwer einzuschätzen (es kommt nicht nur auf die Droge, sondern auch auf Stimmung und Umfeld an). Zudem besteht das Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln.
Umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang – um ein sicheres Umfeld für alle Beteiligten sowie für die seelische und körperliche Gesundheit zu schaffen. Bei Fragen zum Chems-Konsum und sicherem Sex oder auch bei Sorgen über das eigene Konsumverhalten oder das einer Freund:in, gibt es viele Anlaufstellen, die helfen können. Informieren Sie sich umfassend und zögern Sie nicht, ein Beratungsgespräch in Erwägung zu ziehen. Und keine Angst: Niemand wird bei diesen Anlaufstellen rot, wenn Sie offen erzählen, dass Sie tagelang wilden Sex auf Chems hatten.
Informationen und Unterstützung bieten z.B. unter anderem:
- Chemsex-Netzwerk
- Aids Hilfe Wien
- Aids Hilfe Steiermark
- Zentrum für sexuelle Gesundheit Tirol
- Sucht- und Drogen-Koordination Wien
- Checkit!
Manchmal können auch Gruppen mit anderen Betroffenen nützlich sein. So bietet die Beratungsstelle COURAGE* in Wien eine psychotherapeutische Gruppe für Betroffene an.
Mehr zum Thema: Wenn Mann keine Lust hat » Ursachen für den Libidomangel
- Aidshilfe Oberösterreich: Chemsex (29.06.2026)
- Swiss Medical Forum: Chemsex – mehr als Sex unter Drogen (29.06.2026)
- Chemsex Netzwerk (29.06.2026)
- Deutsche Aidshilfe: Chemsex (29.06.2026)
- Universitätsklinikum Tübingen: Chemsex – Sex unter Drogen (29.06.2026)
- Verein Lilli: Chemsex: Wirkung und Risiken (29.06.2026)
- DocCheck Flexikon: Chemsex (29.06.2026)
- LVR-Universitätsklinik Essen: Chemsex-Sprechstunde (29.06.2026)
- Deutsche Aidshilfe: Poppers (29.06.2026)
- IHP: Do you want some candies? – On Chemsex as an increasing public health concern (29.06.2026)
- Sub & LGBTIQ*: Sub startet Chemsex-Kampagne (29.06.2026)