Plantarfasziitis (Plantarer Fußschmerz)

Füße einer Frau mit entzündeter Ferse
Bei Betroffenen treten Schmerzen an der Ferse auf, die unbehandelt auch bis in die Zehen ausstrahlen können.
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Die Plantarfasziitis (PF) bezeichnet Fußschmerzen, die durch Überlastung, Reizung oder Entzündung der Plantarfaszie an der Fußsohle verursacht werden. Auslöser sind meist Verkürzungen der Plantarfaszie, die u.a. durch Bewegungsmangel oder Fehlbelastungen verursacht werden können.

Medizinische Expertise

Alexandra Kunz

Dr. Alexandra Kunz

Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation, Ärztin für Allgemeinmedizin
Tuchlauben 17 Top 8 & 8A 1010 Wien, Alser Strasse 43 Top 8B/ 1. Stock 1080 Wien
www.kunz-med.at
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Inhaltsverzeichnis

Typisch für eine Plantarfasziitis sind wiederkehrende Schmerzen unterhalb der Ferse, die nach dem Aufstehen auftreten und nach einigen Minuten wieder nachlassen, dann aber wieder zurückkehren. Dehnen, Kühlen und dämpfende Schuheinlagen sind erste Maßnahmen, die helfen können.

Eine Plantarfasziitis tritt relativ häufig auf, schätzungsweise sind etwa 10 % der Menschen zumindest einmal im Leben davon betroffen, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Der Altersgipfel liegt zwischen 40 und 60 Jahren. Läufer:innen sind öfters betroffen.

Zusammenfassung

  • Bei einer Plantarfasziitis treten Schmerzen an der Ferse meist nach dem Aufstehen auf.
  • Falsches Schuhwerk oder Übergewicht begünstigen die Entwicklung einer Plantarfasziitis.
  • Die Ärzt:in stellt die Diagnose u.a. durch das Durchführen des Windlass-Tests.
  • Dehnübungen und das Tragen von Schuheinlagen zählen zu den akuten Maßnahmen, um die Plantarfasziitis zu lindern. Je nach Stadium kann auch eine Kältetherapie oder Wärme helfen.
  • Wichtig ist auch das Ausschließen möglicher anderer Ursachen wie z.B. Rupturen, Frakturen oder Knochenmarksödem.

Plantarfasziitis im Überblick

Art Schmerzsyndrom, Fußschmerz, Reizung
Ursachen u.a. Fehlbelastung, Überlastung, Bewegungsstörung
Übertragung Nicht übertragbar
Symptome Fersenschmerzen oder Schmerzen an innerer Sohlenkante, wiederkehrende Schmerzen beim Gehen, nach Belastung oder Ruhephasen
Diagnose Klinische Untersuchung, evt. bildgebendes Verfahren
Behandlung Dehnen, Tragen von Fersenpolstern, Bandagen, oder Schuheinlagen, Kältetherapie, Schmerzmittel, physikalische Therapie mit z.B. Ultraschall, Elektrotherapie oder Stoßwellen

FAQ (Häufige Fragen)

Warum bekommt man eine Plantarfasziitis?

Zu den Ursachen und Risikofaktoren zählen u.a.:

  • Überlastung
  • Fußfehlstellungen
  • Falsche Bewegungsmuster
  • Verkürzung der Achillessehne, der Plantarfaszie oder der Wadenmuskulatur
  • Sehr flaches oder hohes Fußgewölbe
  • Sitzende berufliche Tätigkeit, u.a. auch in Kombination mit einer plötzlichen Steigerung der körperlichen Aktivität, v.a. bergauf
  • Zu intensives Training
  • Stehen oder Gehen auf hartem Boden über einen längeren Zeitraum 
  • Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen
Was sind die Symptome einer Plantarfasziitis?

Bei einer Plantarfasziitis treten Schmerzen an der Ferse meist nach dem Aufstehen auf, der nach einigen Schritten verschwindet, nach Ruhephasen jedoch wieder zurückkehrt. Beim Abstoßen von der Ferse sind die Schmerzen meist intensiver. Manche Betroffene nehmen den Schmerz als brennend oder stechend, oft nicht nur an der Ferse, sondern auch an der inneren Sohlenkante, wahr.

Wie bekommt man eine Plantarfasziitis weg?

Nach Absprache mit der Ärzt:in können folgende Maßnahmen helfen:

  • Ruhe gönnen: Sportliche Aktivitäten wie Laufen oder Tanzen pausieren.
  • Gezielte Dehnübungen der Wadenmuskulatur und Achillessehne durchführen
  • Vermeiden von Barfußgehen
  • Bandagen, Orthesen (Schuheinlagen) oder Silikonpolster, um die Ferse zu schützen
  • Kältetherapie

Die Plantarfaszie ist eine netzartige Bindegewebsstruktur an der Fußsohle, die am Fersenbein entspringt und bis zum Fußballen führt. Faszie ist ein Überbegriff für netzartiges Bindegewebe zum Umhüllen und Verbinden von Strukturen. Sehnen und Bänder sind spezielle Formen von Bindegewebe. Beim Gehen werden die Zehen angehoben, wodurch sich die Plantarfaszie anspannt und so das Fußgewölbe stabilisiert (Windlass-Effekt). 

Häufig wird die Plantarfasziitis auch mit dem Fersensporn in Verbindung gebracht. Dabei handelt es sich um eine Verkalkung, die durch Änderung des pH-Werts im Gewebe an der Ferse entsteht. Dieser kann auch bei einer Plantarfasziitis auch auftreten, verursacht jedoch nicht die Schmerzen. 

Gründe für Schmerzen an der Fußunterseite können auch eine Zerrung oder Riss der Plantarfaszie sein.

Die Plantarfasziitis kann akut auftreten oder sich schleichend über mehrere Wochen entwickeln.

Zu den Ursachen und Risikofaktoren zählen u.a.:

  • Überlastung
  • Fußfehlstellungen
  • Falsche Bewegungsmuster
  • Verkürzung der Achillessehne, der Plantarfaszie oder der Wadenmuskulatur
  • Sehr flaches oder hohes Fußgewölbe
  • Sitzende berufliche Tätigkeit, u.a. auch in Kombination mit einer plötzlichen Steigerung der körperlichen Aktivität, v.a. bergauf
  • Zu intensives Training
  • Stehen oder Gehen auf hartem Boden über einen längeren Zeitraum 
  • Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen 

Krankheiten, die in Verbindung mit einer Plantarfasziitis auftreten können, sind u.a.:

  • Übergewicht
  • Rheumatoide Arthritis
  • Reaktive, temporäre Arthritis (als Reaktion auf eine Infektion)
  • Psoriasis-Arthritis
  • Kortikosteroidinjektionen (können Abnutzungserscheinungen der Faszien oder einen Abbau der Fettpolster an der Ferse verursachen)

Mögliche Differentialdiagnosen

Schmerzen an der Ferse oder Fußsohle können viele Ursachen haben, daher ist es wichtig, mögliche andere Ursachen zu bedenken bzw. auszuschließen, u.a.:

Typisch ist ein morgendlicher "Anlaufschmerz", der nach einigen Schritten verschwindet, nach Ruhephasen jedoch wieder zurückkehrt. Beim Abstoßen von der Ferse sind die Schmerzen meist intensiver. Manche Betroffene nehmen den Schmerz als brennend oder stechend, oft nicht nur an der Ferse, sondern auch an der inneren Sohlenkante, wahr. 

Unbehandelt können die Schmerzen auch im Ruhezustand und nachts auftreten. Auch ein Ausstrahlen in die Zehen oder in den Unterschenkel ist möglich.

Bei Taubheitsgefühlen, Rötung, Schwellung oder Fieber sowie wenn der Schmerz nach einem Unfall auftritt, sollte ehestmöglich eine Ärzt:in aufgesucht werden.

Erste Ansprechpartner:in bei Fußschmerzen ist die Ärzt:in für Allgemeinmedizin (Hausärzt:in), Orthopäd:in oder Fachärzt:in für physikalische Medizin. Nach einer umfassenden Anamnese (Ärzt:in-Patient:in-Gespräch) und einer Untersuchung, kann die Ärzt:in meist bereits eine Diagnose stellen. 

Die Untersuchung umfasst eine Inspektion, wobei auf Schwellungen oder Blutergüsse geachtet wird, sowie eine Palpation, bei der überprüft wird, ob bei angehobenen Fuß (Dorsalflexion) ein Druckschmerz vorhanden ist. Außerdem wird die Ärzt:in den sogenannten Windlass-Test durchführen. Dies ist ein klinischer Test, bei dem die Zehen über eine Kante ragen sollen und die große Zehe angehoben wird. Verursacht dies Schmerzen unter der Ferse, ist von einer Plantarfasziitis auszugehen.

Um die Diagnose zu stützen, kann die Ärzt:in ein Ultraschall oder Röntgen veranlassen. Dabei kann gegebenenfalls auch ein Fersensporn zu sehen sein. Bei Verdacht auf einen Einriss der Faszie oder zum Ausschluss anderer Ursachen ist ein MRT notwendig.

Eine Behandlung der Plantarfasziitis zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern und der Ursache auf den Grund zu gehen.

Nach Absprache mit der Ärzt:in können folgende Maßnahmen helfen:

  • Ruhe gönnen: Sportliche Aktivitäten wie Laufen oder Tanzen pausieren.
  • Gezielte Dehnübungen der Wadenmuskulatur und Achillessehne durchführen
  • Vermeiden von Barfußgehen
  • Bandagen, Orthesen (Schuheinlagen) oder Silikonpolster, um die Ferse zu schützen
  • Kältetherapie

Bei Bedarf kann die Ärzt:in folgende konservative Therapien verschreiben: 

  • Entzündungshemmende Schmerzmittel (Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR))
  • Stoßwellentherapie oder andere physikalische Maßnahmen (Ultraschall, Elektrotherapie, Laser)
  • Physiotherapie
  • Ganganalyse
  • Gipsruhestellung, jedoch selten und nur mit strenger Indikation
  • Greifen andere Maßnahmen nicht, können auch Kortikosteroidinjektionen zum Einsatz kommen – jedoch nur mit Vorsicht, da die Faszie dadurch stark ausgedünnt werden und zu Ein- und Abrissen führen kann.

Bessern sich die Beschwerden trotz Therapie nicht, ist zu hinterfragen, ob die Behandlung auf die Ursache abgestimmt war oder eine andere Diagnose hinter den Schmerzen stecken kann.

Im Laufe des Lebens kann es fast jedem Menschen passieren, unter Plantarfasziitis zu leiden. Zwar gibt es keine Garantien, das Risiko lässt sich aber durch folgende Maßnahmen reduzieren:

  • Aktiver Lebensstil
  • Auf das Tragen von Flip-Flops, lockeren Sandalen oder Schuhe mit hohen Absätzen weitgehend verzichten oder nur kurz tragen (keine Sightseeing Touren)
  • Feste, gutsitzende Schuhe tragen
  • Öfters auch mal Schuhe wechseln
  • Regelmäßig Fußgymnastik mit gezielten Kräftigungs- und Dehnungsübungen durchführen, kann man auch schon mit Kindern machen
  • Aufwärmen vor langen Strecken (auch beim Wandern oder Laufen) oder vor dem Tragen von hohen Schuhen
  • Nach Belastung können warme Fußbäder richtig gut tun

Gutes Schuhwerk spielt eine zentrale Rolle für die Fußgesundheit. Ist die Sohle zu fest, kann der Fuß nicht optimal abrollen. Beim Tragen von lockeren Sandalen verkrampft meist die große Zehe, wodurch die Plantarfaszie nicht optimal belastet wird (vor allem bei Zehensandalen, also Flip-Flops oder zu weichen Sohlen).


Autor:innen:

Redaktionelle Bearbeitung:

Medizinisches Review:

  • Dr. Alexandra Kunz (Fachärztin für physikalische Medizin und Rehabilitation, Ärztin für Allgemeinmedizin)

Stand der medizinischen Information:


ICD-Code:

  • M72.2

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