Spinalkanalstenose (Wirbelkanalstenose, spinale Stenose, Claudicatio spinalis)

Nahaufnahme einer lumbalen Spinalstenose, Rücken eines Menschen mit transparenter anatomischen Überlagerung der Wirbelsäule
Am häufigsten kommt die Spinalkanalstenose in der Lendenwirbelsäule vor.
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Bei einer Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals, meist an der Lendenwirbelsäule. Schmerzen entstehen, weil Nerven und Gefäße weniger Platz haben.

Medizinische Expertise

Greta Lorenz

Dr. Greta Lorenz, BSc (WU)

Fachärztin für Orthopädie & Traumatologie
Schumanngasse 86, 1170 Wien
www.orthodoc-lorenz.at
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Inhaltsverzeichnis

Eine Spinalkanalstenose tritt meist im fortgeschrittenen Alter auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Eine Spinalkanalstenose in der Lendenwirbelsäule kommt etwa vier Mal häufiger vor als eine Spinalkanalstenose in der Halswirbelsäule. Im Röntgen oder MRT sind bei vielen älteren Menschen Anzeichen einer Spinalkanalstenose erkennbar, allerdings ist meist keine Behandlung notwendig, wenn keine Schmerzen auftreten.

Zusammenfassung

  • Eine Spinalkanalstenose ist eine anatomische Verengung bzw. Einengung des Wirbelkanals.
  • Am häufigsten kommt die Spinalkanalstenose in der Lendenwirbelsäule vor.
  • Die Symptome der Spinalkanalverengung reichen von Rückenschmerzen bis hin zu Nervenschäden (Neuropathien).
  • Charakteristisch sind Schmerzen, die durch Belastung auftreten und beim Vorbeugen nachlassen. 
  • In der Regel dient vor allem ein MRT der Diagnosestellung.
  • Die Behandlung erfolgt durch Physiotherapie, schmerzstillende Medikamente oder, in fortgeschrittenen Fällen, Operation.
  • Gezielte Übungen dienen dazu, den Rückenbereich zu stärken und Schmerzen vorzubeugen.

Spinalkanalstenose im Überblick

Art Rückenschmerz
Ursachen u.a. degenerative Veränderung, Verschleißerscheinung
Symptome Schmerzen im Rücken, Gesäß und in den Beinen
Diagnose MRT, CT, Myelographie
Behandlung konservativ, operativ

FAQ (Häufige Fragen)

Welche Symptome hat man bei einer Spinalkanalstenose?

Die Symptome der Spinalkanalverengung reichen von Rückenschmerzen bis hin zu Nervenschäden (Neuropathien). Charakteristisch sind Schmerzen, die durch Belastung auftreten und beim Vorbeugen nachlassen.

Wo tut eine Spinalkanalstenose weh?

Schmerzen können u.a. auftreten:

  • bei einer lumbalen Spinalkanalstenose: im Rücken, im Gesäß oder in den Beinen (einseitig oder beidseitig)
  • bei einer zervikalen Spinalkanalstenose: im Nacken, die in Arme und Hände ausstrahlen können (einseitig oder beidseitig)
Was kann man gegen eine Spinalkanalstenose tun?

Zur Behandlung einer Spinalkanalstenose im frühen Stadium dienen in erster Linie konservative Maßnahmen (z.B. Akupunktur, Medikamente, Infiltrationen) und später auch operative Maßnahmen.

Bei einer Spinalkanalstenose, auch Wirbelkanalstenose genannt, liegt eine Einengung bzw. Verengung (medizinisch: Stenose) des Wirbelkanals vor. Durch den Wirbelkanal verläuft das Rückenmark. Aufgrund der Verengung wird Druck auf Nerven, Rückenmark und Blutgefäße ausgeübt. 

Eine Spinalkanalstenose kommt sehr häufig vor, insbesondere bei Menschen über 60 Jahren. Genaue Zahlen zur Häufigkeit sind nicht bekannt. Da viele Menschen zwar eine Verengung, aber keine Beschwerden haben, ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist.

In der Bildgebung zeigen ca. 20 - 40 % der Menschen über 60 Jahren Zeichen einer Spinalkanalstenose. Die meisten davon haben jedoch keine Beschwerden.

Dr. Greta Lorenz, BSc (WU), Fachärztin für Orthopädie & Traumatologie

Die häufigste Form der Spinalkanalstenose ist die erworbene, degenerative Stenose der Lendenwirbelsäule (LWS) oder der Halswirbelsäule (HWS).

Unterschieden wird: 

Nach Lokalisation bzw. Ort der Verengung:

  • Zervikale Spinalkanalstenose (HWS)
  • Lumbale Spinalkanalstenose (LWS)

Weiters wird nach anatomischer Richtung unterschieden (wo genau die Verengung auftritt):

  • Zentral (Einengung des zentralen Kanals)
  • Lateral (Seitliche, häufig auch einseitige Einengung des Kanals)
  • Foraminal (Verengung der seitlichen Löcher der Wirbelsäule, durch die die Nervenwurzeln austreten)

Nach Ursache:

  • Erworbene degenerative Stenose (Verengung durch Verschleiß- bzw. Alterserscheinungen)
  • Angeborene Stenose (Genetisch bedingte Verengung)

Nach Schweregrad:

  • Grad A: keine bis geringe Verengung; meist ohne Symptome
  • Grad B: Verengung vorhanden, aber kein Druck auf Nerven oder Rückenmark
  • Grad C: Schwere Verengung, die deutlich Druck ausübt
  • Grad D: Extreme Verengung mit anhaltenden Schmerzen

Der normale Alterungsprozess sowie Verschleiß zählen zu den häufigsten Ursachen, denn im Laufe der Zeit können die Bandscheiben Wasser immer schlechter binden, wodurch ihr Faserring spröde wird und die Bandscheiben sich vorwölben. Rücken- und Bauchmuskulatur verlieren an Kraft, was zu einer verminderten Stabilisierung der Wirbelsäule führt. Auch ein angeboren enger Nervenkanal, Arthrose der Wirbelgelenke oder Verdickungen der Bänder können zu einer Spinalkanalstenose führen.

Auch eine Fraktur kann eine Spinalkanalstenose auslösen.

Mögliche Differentialdiagnosen
Krankheitsbilder, die eine ähnliche Symptomatik aufweisen, sind u.a.:

Folgende Beschwerden können bei einer lumbalen Spinalkanalstenose u.a. auftreten:

  • Schmerzen im Rücken, im Gesäß oder in den Beinen (einseitig oder beidseitig) 
  • Schweregefühl in den Beinen (einseitig oder beidseitig) 
  • Gefühlsstörungen, Taubheit Kribbeln oder Schwächegefühl in den Beinen (einseitig oder beidseitig)
  • Gangunsicherheit, Hinken

Wie stark die Schmerzen auftreten, ist individuell verschieden. Typisch ist, dass die Schmerzen in der Regel nach längerem Gehen oder Stehen auftreten (Claudicatio spinalis), wodurch meist nur kurze Wegstrecken machbar sind. Gehen mit Abstützen, z.B. beim Einkaufswagen, oder Radfahren ist meist möglich.

Beim Hinsetzen, im Liegen und v.a. beim Vorbeugen lassen die Schmerzen nach. Im Ruhezustand treten meist keine oder geringe Schmerzen auf.

Folgende Beschwerden können bei einer zervikalen Spinalkanalstenose u.a. auftreten:

  • Schmerzen im Nacken, die in Arme und Hände ausstrahlen können (einseitig oder beidseitig) 
  • Gefühlsstörungen, Taubheit Kribbeln oder Schwächegefühl in den Armen (einseitig oder beidseitig)
  • Störung des Gleichgewichts

Die Ärzt:in für Allgemeinmedizin (Hausärzt:in) oder Fachärzt:in für Orthopädie ist die erste Ansprechpartner:in. Im Rahmen eines ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) werden Schmerzbild, mögliche Vorerkrankungen und etwaige Belastungen abgeklärt, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung.

Um eine eindeutige Diagnose stellen und andere Erkrankungen ausschließen zu können, wird die Ärzt:in bildgebende Verfahren wie Röntgen im Stehen und in weiterer Folge MRT verordnen. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) ist in der Regel am aussagekräftigsten. 

Bei Bedarf eignet sich eine Computertomografie (CT), um Differenzialdiagnosen ausschließen zu können. 

Ergänzend kann eine Myelographie, eine Art Röntgen, um mittels Kontrastmittel die Weite des Nervenkanals bestimmen zu können, oder eine Elektromyographie (EMG), bei dem die Aktivität der Nervenbahnen bestimmt wird, notwendig sein.

Zur Behandlung einer Spinalkanalstenose im frühen Stadium dienen in erster Linie konservative und später auch operative Maßnahmen.

Konservative Behandlungen:

  • Schmerzstillende medikamentöse Therapie (u.a. Prostaglandin)
  • Wärme
  • Akupunktur
  • Physikalische Therapie
  • Physiotherapie
  • röntgen- oder ultraschallgezielte Infiltrationen zur punktgenauen Verabreichung von Kortison und Schmerzmittel

Operative Behandlung:
Bei fortgeschrittener Spinalkanalstenose besteht die Möglichkeit einer Operation. Dabei wird der Wirbelkanal unter Vollnarkose chirurgisch erweitert. Primäre Methode ist die sog. facettengelenkschonende Dekompression, eine minimalinvasive Methode, um das umliegende Gewebe zu schonen.

Physiotherapie vor und nach einer Operation ist die unumgängliche Basistherapie. Sie unterstützt den Genesungsprozess, verbessert die Beweglichkeit und trägt zur Stabilisierung der Wirbelsäule bei.

Übungen, um den betreffenden Bereich der Wirbelsäule zu entlasten, die Rückenmuskulatur zu kräftigen und Bauchmuskulatur stärken, sind u.a.

  • Beckenkippen auf der Matte oder an der Wand: Auf einer Matte liegend die Beine anwinkeln, das Kinn zur Brust beugen und das Becken kippen, sodass der untere Rücken auf der Matte aufliegt. Die Übung kann alternativ auch an der Wand lehnend durchgeführt werden (dabei leicht in die Knie gehen).
  • Katze im Vierfüßerstand: Rücken rund machen (Katzenbuckel), den Kopf dabei locker hängen lassen.
  • Unteren Rücken dehnen: Auf der Matte liegend die Beine anwinkeln, das Becken kippen und dann die Beine anziehen, bis eine angenehme Dehnung im Lendenwirbelsäulenbereich zu spüren ist.
  • Rücken lockern: Auf der Matte liegend die Beine anwinkeln, Becken kippen und angewinkelte Beine locker hin- und herschaukeln.

Geeignete Sportarten bei Spinalkanalstenose (in Absprache mit der Ärzt:in):

Sportarten wie Joggen, Tennis, langes Stehen oder Schweres Heben sollte vermieden werden.


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Redaktionelle Bearbeitung:

Medizinisches Review:

Stand der medizinischen Information:


ICD-Code:

  • M48.0

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